Da es sich bei der Neue Zwanziger Community um eine Bubble mit weitreichender casual LLM-Nutzung zu handeln scheint, würden mich eure Perspektiven interessieren.
Ich habe starke Aversionen gegen KI und stehe der aktiven Nutzung sehr kritisch gegenüber.
Unter aktiver Nutzung verstehe ich das, was man verhindern könnte (ob, einen Podcast zu unterstützen, der so umfassend KI benutzt, dazu gehört, ließe sich an anderer Stelle diskutieren. Bin da noch nicht am Ende meiner Überlegungen).
Mir kommen bei allen KI Diskussionen im Podcast und Salon die sozialen Aspekte und Umweltaspekte zu kurz.
Wasserverbrauch und -verschmutzung in meist schon Wasserarmen Gegenden, zum Nachteil der Anwohnenden. Lärmbelästigung (das ist noch viel zu harmlos ausgedrückt), großteils Handeln gegen den erklärten Willen der Bevölkerung, auf Kosten der Bevölkerung als angebliche Zukunftsinvestionen, ohne jeglichen Garantien.
Was bedeutet es für die Natur, für Pflanzen, brütende Tiere, Insekten? Für unsere Artenvielfalt auf der Welt, etc etc. Weit entfernt von irgendeinem Expertentum reicht mir dahingehend das, was ich recht einfach recherchieren kann, um zu einem klaren “Nein” zu gelangen.
Generative LLMs zu nutzen fällt für mich flach, weil ich es völlig unnötig und uninteressant finde und dazu, in meinem Werteverständnis, moralisch verwerflich. Es ist Raub an Kreativen, und mich interessiert nur die Kunst von Menschen, weil es für mich bei Kunst nicht um das Produkt allein geht, sondern um den Dialog, der entsteht. Ja, Künstler*innen lassen sich auch von anderen Künstler*innen inspirieren, und ja, niemand erfindet das Rad neu. Aber das findet auf einem anderen Level statt und dann interessiert mich immernoch, was der einzigartige Mensch daraus macht, was aus ihm, im kreativen Sinne, so herauskommt.
Wenn man den Begriff der Fleißarbeit aufnimmt, den Stefan vor ein paar Folgen eingeführt hat: Wann tut die aber überhaupt Not? In der Krebsforschung, mal exemplarisch/plakativ, zur Auswertung großer Datenmengen? Da könnte ich mitgehen. Im Zusammenfassen von Lektüre, die dann im Salon besprochen werden? Nö, nicht so, aus meinem jetzigen Verständnis heraus. Mich interessiert die Interaktion eines Menschen mit dem Text, nicht nur mit der Zusammenfassung inhaltlicher Punkte und die Interaktion mit ihnen. Da gehen die Meinungen wahrscheinlich auseinander.
Ferner befürchte und beobachte ich eine gewisse „Abflachung der Gedanken“ durch den Einfluss von KI (bzw. durch die Partizipation an Diskursen von Menschen, die sich mit LLMs informieren und daraus ihre Meinungen bilden, ohne die Zusammenfassungen kritisch und differenziert zu betrachten und ein Bewusstsein über die unterschiedliche Qualität der Quellen zu haben- das beschränkt sich meiner Erfahrung nach auch nicht nur auf Menschen mit wenig Bildung…wobei man diskutieren könnte, was Bildung konstituiert). Ich befürchte ehrlich dass wir das Denken (noch mehr) verlernen und immer dümmer werden. Ich fürchte um unseren menschlichen Austausch: einen, der vorrangig der Verbindung dient. Und wo Optimierung aufgrund dieses grundsätzlichen menschlichen Verbindungsgedanken im Interesse der Menschlichkeit und der Gemeinschaft passiert und nicht zum Selbstzweck, oder im Interesse einiger weniger, die daran viel Geld verdienen und dabei die Gemeinschaft schwächen oder sogar zerstören.
Btw, zur Definition von Gemeinschaft: Gemeinschaft, für mich, zentriert Kinder und vulnerable Personen und ist nicht per se hierarchisch oder zentral organisiert. Das ist nicht Realität in unserer kapitalistisch- patriarchalen Gesellschaft, aber für mich ist es eine praktisch zu verfolgende Richtschnur im Kleinen, privaten, und im Großen (Politik).
Stefans und zunehmend auch Wolfgangs Blick auf die KI erscheint mir durchgehend als zu unkritisch- das, was durch den Podcast und den Salon in meinen Ohren landet jedenfalls. Da fällt mir zu vieles unter „Ja, kommt eh, verschließ dich nicht vor der Zukunft“ und, exemplarisch, „Toll, dass wir jetzt den Lautstärkeregler der aktuellen Folge einfach so noch mit einbauen konnten, ohne dass wir dafür jemanden anheuern mussten“.
Als Olivia kam, dachte ich für einen kurzen Moment: ja schön, sie haben jemanden eingestellt, der das macht. Der Podcast scheint gut zu laufen, da zahl’ ich doch gerne den Salonbeitrag. Als dann klar wurde, Olivia ist eine von Stefans KI- Dienerinnen (ich drücke das jetzt absichtlich so aus), dachte ich: ‚Ja schade, man hätte jemanden in einem Umfang in Lohn- und Brot bringen können.‘ Vielleicht kann eine KI das alles schneller, günstiger und fehlerfreier, aber brauche ich zB eine Podcastzusammenfassung dessen, was im Forum abgeht? Nein. Brauche ich diese Art Fleißarbeit? Persönlich: nein. Das gehört für mich zu einem unnötigen Verschleiß von Ressourcen und unnötige soziale und Umweltkosten, die die KI verursacht.
Und nochmal zum Lautstärkeregler aus der letzten Folge: wäre es denn vielleicht besser gewesen, tatsächlich jemanden für sowas anzuheuern, also grundsätzlich? Zumindest als Podcast mit einem gewissen Einkommen? Gibt es da für uns Menschen untereinander vielleicht sogar eine Art soziale Verpflichtung zur gegenseitigen Anheuerung, wenn das möglich ist? In meinem derzeitigen Verständnis sage ich: ja.
Für mich steht aber auch die Interaktion mit einem Menschen, auch wenn sie aus Kapazitätsgründen zwangsläufig weniger wäre, über so automatischen und sicher nicht persönlich geschriebenen oder gemeinten „Schön, dass du im Forum bist“- Mails. Sowas ist für mich dann unnötiger Fluff. Dazu muss man keine KI und deren Ressourcenverbrauch bemühen.
Nochmal zu meiner Perspektive:
- Ich habe sowohl beruflich, als auch privat keinen spürbaren Nutzen für LLMs. Ich arbeite beratend im engen Kontakt mit Menschen in herausfordernden Lebensumständen, und es ist mittlerweile zu einem großen Teil meiner Arbeit geworden, mit diesen Menschen zusammen dumme Informationen zu ordnen, die sie aus ihrer KI-Recherche haben (und da sind viele Leute dabei, die nicht die nötigen Skills für einen differenzierten Blick auf die Ergebnisse ihrer LLM-Suche und -Zusammenfassung haben).
- Ich versuche die aktive Nutzung, aus moralischen Gründen soweit es geht, zu vermeiden (soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz).
- Ich will auch mein Denken nicht outsourcen, ich denke gerne über Dinge nach. Mit Ecken und Kanten und Fehlern, lerne gerne dazu. Ich mag good faith- Diskurse.
- Meine wichtigsten Werte sind Freiheit, Kreativität und Verbindung (schreibe ich, weil mich auch bei meinem Gegenüber stets interessiert, auf welcher Basis es wie argumentiert. Und: Freiheit geht für mich nur zusammen mit Verbindung, Verbindung nur mit Freiheit).
- Optimierung interessiert mich nur insofern sie wirklich im Interesse der Menschheit/ der Gemeinschaft ist. Wenn ich nicht auch so viele andere Gründe gegen die aktive Nutzung von LLMs hätte, dann würde mich allein schon mein Misstrauen gegenüber den Absichten der Großherren der KI Anbieter, und damit meine ich auch Anthropic, von der aktiven Nutzung abhalten.
Mich interessieren eure Gründe, wann und zu welchen Zwecken ihr (welche) LLMs nutzt.
Mich interessiert auch, ob ihr manchmal moralische Bedenken bei der Nutzung habt. Und falls das so ist, welche sind das und wie rechtfertigt ihr die Nutzung vor euch dann?
Ich hab hier erstmal nur ein ehrliches Forschungsinteresse- ich verstehe den Hype und die casual aktive Nutzung nicht und würde gerne andere Perspektiven lesen, um mit ihnen in meinem inneren Denkprozess zu interagieren.
Ich hoffe wir kommen zu einem ehrlichen und offenen Austausch ohne Whataboutism und wortsalatige Selbstdarstellerei. Mir geht es grade erstmal um Datensammlung, ich hoffe wir können eine Diskussion noch nach hinten schieben.
Dieser Text wurde mithilfe einer KI erstellt (kleiner Scherz).