Mir fehlen gute Gründe zur aktiven Nutzung von LLMs- was sind eure?

Da es sich bei der Neue Zwanziger Community um eine Bubble mit weitreichender casual LLM-Nutzung zu handeln scheint, würden mich eure Perspektiven interessieren.

Ich habe starke Aversionen gegen KI und stehe der aktiven Nutzung sehr kritisch gegenüber.

Unter aktiver Nutzung verstehe ich das, was man verhindern könnte (ob, einen Podcast zu unterstützen, der so umfassend KI benutzt, dazu gehört, ließe sich an anderer Stelle diskutieren. Bin da noch nicht am Ende meiner Überlegungen).

Mir kommen bei allen KI Diskussionen im Podcast und Salon die sozialen Aspekte und Umweltaspekte zu kurz.

Wasserverbrauch und -verschmutzung in meist schon Wasserarmen Gegenden, zum Nachteil der Anwohnenden. Lärmbelästigung (das ist noch viel zu harmlos ausgedrückt), großteils Handeln gegen den erklärten Willen der Bevölkerung, auf Kosten der Bevölkerung als angebliche Zukunftsinvestionen, ohne jeglichen Garantien.

Was bedeutet es für die Natur, für Pflanzen, brütende Tiere, Insekten? Für unsere Artenvielfalt auf der Welt, etc etc. Weit entfernt von irgendeinem Expertentum reicht mir dahingehend das, was ich recht einfach recherchieren kann, um zu einem klaren “Nein” zu gelangen.

Generative LLMs zu nutzen fällt für mich flach, weil ich es völlig unnötig und uninteressant finde und dazu, in meinem Werteverständnis, moralisch verwerflich. Es ist Raub an Kreativen, und mich interessiert nur die Kunst von Menschen, weil es für mich bei Kunst nicht um das Produkt allein geht, sondern um den Dialog, der entsteht. Ja, Künstler*innen lassen sich auch von anderen Künstler*innen inspirieren, und ja, niemand erfindet das Rad neu. Aber das findet auf einem anderen Level statt und dann interessiert mich immernoch, was der einzigartige Mensch daraus macht, was aus ihm, im kreativen Sinne, so herauskommt.

Wenn man den Begriff der Fleißarbeit aufnimmt, den Stefan vor ein paar Folgen eingeführt hat: Wann tut die aber überhaupt Not? In der Krebsforschung, mal exemplarisch/plakativ, zur Auswertung großer Datenmengen? Da könnte ich mitgehen. Im Zusammenfassen von Lektüre, die dann im Salon besprochen werden? Nö, nicht so, aus meinem jetzigen Verständnis heraus. Mich interessiert die Interaktion eines Menschen mit dem Text, nicht nur mit der Zusammenfassung inhaltlicher Punkte und die Interaktion mit ihnen. Da gehen die Meinungen wahrscheinlich auseinander.

Ferner befürchte und beobachte ich eine gewisse „Abflachung der Gedanken“ durch den Einfluss von KI (bzw. durch die Partizipation an Diskursen von Menschen, die sich mit LLMs informieren und daraus ihre Meinungen bilden, ohne die Zusammenfassungen kritisch und differenziert zu betrachten und ein Bewusstsein über die unterschiedliche Qualität der Quellen zu haben- das beschränkt sich meiner Erfahrung nach auch nicht nur auf Menschen mit wenig Bildung…wobei man diskutieren könnte, was Bildung konstituiert). Ich befürchte ehrlich dass wir das Denken (noch mehr) verlernen und immer dümmer werden. Ich fürchte um unseren menschlichen Austausch: einen, der vorrangig der Verbindung dient. Und wo Optimierung aufgrund dieses grundsätzlichen menschlichen Verbindungsgedanken im Interesse der Menschlichkeit und der Gemeinschaft passiert und nicht zum Selbstzweck, oder im Interesse einiger weniger, die daran viel Geld verdienen und dabei die Gemeinschaft schwächen oder sogar zerstören.

Btw, zur Definition von Gemeinschaft: Gemeinschaft, für mich, zentriert Kinder und vulnerable Personen und ist nicht per se hierarchisch oder zentral organisiert. Das ist nicht Realität in unserer kapitalistisch- patriarchalen Gesellschaft, aber für mich ist es eine praktisch zu verfolgende Richtschnur im Kleinen, privaten, und im Großen (Politik).

Stefans und zunehmend auch Wolfgangs Blick auf die KI erscheint mir durchgehend als zu unkritisch- das, was durch den Podcast und den Salon in meinen Ohren landet jedenfalls. Da fällt mir zu vieles unter „Ja, kommt eh, verschließ dich nicht vor der Zukunft“ und, exemplarisch, „Toll, dass wir jetzt den Lautstärkeregler der aktuellen Folge einfach so noch mit einbauen konnten, ohne dass wir dafür jemanden anheuern mussten“.

Als Olivia kam, dachte ich für einen kurzen Moment: ja schön, sie haben jemanden eingestellt, der das macht. Der Podcast scheint gut zu laufen, da zahl’ ich doch gerne den Salonbeitrag. Als dann klar wurde, Olivia ist eine von Stefans KI- Dienerinnen (ich drücke das jetzt absichtlich so aus), dachte ich: ‚Ja schade, man hätte jemanden in einem Umfang in Lohn- und Brot bringen können.‘ Vielleicht kann eine KI das alles schneller, günstiger und fehlerfreier, aber brauche ich zB eine Podcastzusammenfassung dessen, was im Forum abgeht? Nein. Brauche ich diese Art Fleißarbeit? Persönlich: nein. Das gehört für mich zu einem unnötigen Verschleiß von Ressourcen und unnötige soziale und Umweltkosten, die die KI verursacht.

Und nochmal zum Lautstärkeregler aus der letzten Folge: wäre es denn vielleicht besser gewesen, tatsächlich jemanden für sowas anzuheuern, also grundsätzlich? Zumindest als Podcast mit einem gewissen Einkommen? Gibt es da für uns Menschen untereinander vielleicht sogar eine Art soziale Verpflichtung zur gegenseitigen Anheuerung, wenn das möglich ist? In meinem derzeitigen Verständnis sage ich: ja.

Für mich steht aber auch die Interaktion mit einem Menschen, auch wenn sie aus Kapazitätsgründen zwangsläufig weniger wäre, über so automatischen und sicher nicht persönlich geschriebenen oder gemeinten „Schön, dass du im Forum bist“- Mails. Sowas ist für mich dann unnötiger Fluff. Dazu muss man keine KI und deren Ressourcenverbrauch bemühen.

Nochmal zu meiner Perspektive:

  • Ich habe sowohl beruflich, als auch privat keinen spürbaren Nutzen für LLMs. Ich arbeite beratend im engen Kontakt mit Menschen in herausfordernden Lebensumständen, und es ist mittlerweile zu einem großen Teil meiner Arbeit geworden, mit diesen Menschen zusammen dumme Informationen zu ordnen, die sie aus ihrer KI-Recherche haben (und da sind viele Leute dabei, die nicht die nötigen Skills für einen differenzierten Blick auf die Ergebnisse ihrer LLM-Suche und -Zusammenfassung haben).
  • Ich versuche die aktive Nutzung, aus moralischen Gründen soweit es geht, zu vermeiden (soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz).
  • Ich will auch mein Denken nicht outsourcen, ich denke gerne über Dinge nach. Mit Ecken und Kanten und Fehlern, lerne gerne dazu. Ich mag good faith- Diskurse.
  • Meine wichtigsten Werte sind Freiheit, Kreativität und Verbindung (schreibe ich, weil mich auch bei meinem Gegenüber stets interessiert, auf welcher Basis es wie argumentiert. Und: Freiheit geht für mich nur zusammen mit Verbindung, Verbindung nur mit Freiheit).
  • Optimierung interessiert mich nur insofern sie wirklich im Interesse der Menschheit/ der Gemeinschaft ist. Wenn ich nicht auch so viele andere Gründe gegen die aktive Nutzung von LLMs hätte, dann würde mich allein schon mein Misstrauen gegenüber den Absichten der Großherren der KI Anbieter, und damit meine ich auch Anthropic, von der aktiven Nutzung abhalten.

Mich interessieren eure Gründe, wann und zu welchen Zwecken ihr (welche) LLMs nutzt.

Mich interessiert auch, ob ihr manchmal moralische Bedenken bei der Nutzung habt. Und falls das so ist, welche sind das und wie rechtfertigt ihr die Nutzung vor euch dann?

Ich hab hier erstmal nur ein ehrliches Forschungsinteresse- ich verstehe den Hype und die casual aktive Nutzung nicht und würde gerne andere Perspektiven lesen, um mit ihnen in meinem inneren Denkprozess zu interagieren.

Ich hoffe wir kommen zu einem ehrlichen und offenen Austausch ohne Whataboutism und wortsalatige Selbstdarstellerei. Mir geht es grade erstmal um Datensammlung, ich hoffe wir können eine Diskussion noch nach hinten schieben.

Dieser Text wurde mithilfe einer KI erstellt (kleiner Scherz).

3 „Gefällt mir“

Ich teile viele deiner Bedenken. Antworteten möchte ich zunächst nur auf die Frage, die in der Überschrift explizit gestellt wurde.

1996: Ich komme in den Proberaum mit einem Gitarrenriff und einer Textidee. Nach längeren Diskussionen über Form und Inhalt wird das Projekt verworfen.

2026: Ich zeige der KI ein Gitarrenriff und eine Textidee. Daraus entsteht das Grundgerüst eines Songs. In mehrwöchigen Iterationen entsteht etwas, das sich von einem mit einer echten Band eingespielten Song, zumindest für mich, nicht spürbar unterscheidet.

P.S. Für heutige KIs ist die Reduktion auf ein Sprachmodell (LLM) nicht mehr zutreffend.

1 „Gefällt mir“

Nutzung von LLM/KI muss nicht mit schlimmster Umweltschweinerei einhergehen. Lokale LLM brauchen auf einem MacBook soviel Strom wie eine Glühdraht-Lampe.

Als Software Entwickler habe ich ständig Anwendungsfälle dafür, viele meiner Tätigkeiten lassen sich hierdurch (teil)erledigen. Natürlich gibt es hier Themen, die ich gerne selbst herausfinde, verstehe, etc. Wenn ich etwas aber schon hundertmal gemacht habe, am besten noch die Dokumentation dazu geschrieben habe, dann kann das beim 101. mal gerne der Agent erledigen, ich kontrolliere dann das Ergebnis. Und natürlich geht dem Juniorentwickler eine Lerngelegenheit abhanden, wenn er das auch durch den Agenten erledigen lässt. So ist das Leben.

Privat mache ich damit allerlei Dinge. Familienhistorische Dokumente systematisch erschließen, Belege für die Steuererklärung zusammensuchen, lokale politische Veranstaltungen transkribieren und auswerten. Könnte ich alles von Hand machen, hat halt kein Mensch Zeit für.

1 „Gefällt mir“

Was die Musik angeht ist es bestimmt auch nochmal interessant, über welches Genre wir sprechen, wenn es um darum geht, ob sich etwas nach KI anhört oder nicht.

Was ich in jedem Fall registriere ist das Maß an Interaktion mit deinem Medium, „trotz KI“.

Danke für deine Perspektive und das PS- ich nehme das mal mit in meine Überlegungen.

Danke für deine Perspektive.

Ich würde mitgehen dabei, dass man die Fleißarbeit für die Dinge nutzt, die man kann. Und irgendwie stört mich scheinbar die Abkürzung auch eher dann, wenn man die basic skills nicht beherrscht, merke ich.

Deinen letzten Absatz finde ich spannend. Da kommen für mich jetzt viele Gedanken zur Beschleunigung und Entschleunigung und zur bewussten Auswahl der Dinge, mit denen ich mich beschäftige. Denk ich mal weiter!

Hab gerade von meiner besseren Hälfte gehört, dass sie im Unternehmen Kollegen hat, die bewusst das teuerste Modell fürs vibe coden nutzen, um dem bösen Chef da oben an der Spitze eins auszuwischen.

Revolution von unten mit KI!

Viele der Einwände gegen KI treffen reale Probleme. Große Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen Energie und Wasser. Anbieter drängen auf Lock-in, sammeln Daten, kontrollieren Preise und legen fest, was ihre Modelle dürfen. Menschen übernehmen plausible Antworten, ohne sie zu prüfen. Automatisierte Kommunikation kann Nähe vorspielen, wo keine Beziehung besteht. All das verdient Kritik.

Die Schwierigkeiten entstehen aber an verschiedenen Stellen. Der Bau zentraler Rechenzentren, das Geschäftsmodell amerikanischer Konzerne, schlecht geprüfte Texte, generierte Kunst und lokale Modelle gehören nicht in dieselbe moralische Schublade. Wer alles unter „aktive KI-Nutzung“ zusammenfasst, schreibt der Technik Schäden zu, die aus ihrer heutigen Organisation folgen.

Gerade der Lautstärkeregler zeigt das sehr deutlich. Im Podcast wurde beschrieben, wie sich eine kleine Anwendung per Sprache in wenigen Minuten anpassen ließ. Vor einigen Jahren hätte man dafür Zeit, Geld und technisches Spezialwissen gebraucht. Vielleicht wäre die Idee auch einfach liegen geblieben. Heute kann eine einzelne Person ihr Werkzeug nach den eigenen Bedürfnissen verändern. Das erweitert den eigenen Handlungsspielraum ganz erheblich.

Die Frage, ob dafür besser jemand bezahlt worden wäre, berührt ein wichtiges soziales Problem. Menschen verlieren Einkommen, wenn Technik Arbeit spart. Daraus folgt aber wenig für den Wert der eingesparten Arbeit. Menschen brauchen Sicherheit, Einkommen, Zeit und gesellschaftliche Teilhabe. Eine Gesellschaft, die all das nur gewährt, solange jemand ihre Arbeitskraft kauft, erzeugt den Konflikt selbst. Sie zwingt uns dann dazu, vermeidbare Arbeit als soziale Wohltat zu behandeln.

So streitet man im Gefängnis darüber, wer den Slop kochen darf, während die Mauern stehen bleiben.

Die Mauern heißen Lohnabhängigkeit, private Kontrolle über Produktionsmittel, ungleiche Verteilung von Zeit und die private Abschöpfung von Produktivitätsgewinnen. Wenn eine Maschine Arbeit spart, liegt darin zunächst ein realer Gewinn. Unter den heutigen Verhältnissen landet dieser Gewinn oft bei den Eigentümern. Die Beschäftigten verlieren Einkommen, die Nutzer zahlen Miete, und der Anbieter kontrolliert das Werkzeug.

Genau deshalb spielt Local AI eine so große Rolle.

Im Podcast wurde sehr klar zwischen dem technischen Fortschritt und der heutigen Rechenzentrumswette unterschieden. Der Fortschritt ist real. Zugleich läuft vieles technisch absurd: Für kleine Aufgaben springen gewaltige Modelle in zentralen Serverfarmen an. Das gleicht einer vollen Badewanne für ein einziges Glas oder einem Jumbojet für den Blick auf den Fahrplan an der Haltestelle.

Lokale Modelle können diese Struktur verändern. Sie laufen auf eigener Hardware oder auf Servern, die ein Unternehmen, ein Verein, eine Kommune oder eine Genossenschaft selbst kontrolliert. Daten bleiben vor Ort. Niemand kann den Zugang plötzlich sperren, die Preise erhöhen oder den Funktionsumfang beschneiden. Das Modell wird vom gemieteten Dienst zum eigenen Werkzeug.

Die Analogie zum Balkonkraftwerk trifft es gut. Wer Strom selbst erzeugt, gewinnt einen Teil der Kontrolle zurück. Wer ein Modell lokal betreibt, gewinnt Kontrolle über Daten, Kosten und Nutzung. Local AI kann damit dieselbe Rolle spielen, die der Personal Computer einmal gegenüber zentralen Großrechnern gespielt hat.

Die gegenwärtige Zentralisierung erfüllt einen klaren Zweck. Wenige Anbieter wollen sich zwischen Menschen und jede Form kognitiver Arbeit schieben. Sie kontrollieren dann, wer Zugang bekommt, wie viel eine Aufgabe kostet, welche Daten verarbeitet werden und welche Nutzung erlaubt bleibt. Jeder Produktivitätsgewinn erzeugt eine neue Zahlungspflicht. Die Technik macht Menschen leistungsfähiger, während die Plattform den Ertrag abschöpft.

Die KI-Dividende entsteht erst dort, wo die gewonnene Fähigkeit bei den Menschen bleibt. Dann kann sie Arbeitszeit sparen, kleine Gruppen handlungsfähiger machen, Wissen erschließen und Fähigkeiten verfügbar machen, für die früher Geld, Personal oder institutioneller Zugang nötig waren.

Damit verschwindet die Sorge um schlechtes Denken keineswegs. Viele Menschen behandeln KI-Antworten wie eine Autorität. „Ich habe die KI gefragt“ kann deshalb eigentlich nur als Witz funktionieren. Eine Maschine liefert keine Begründung. Sie erzeugt Text.

Wert entsteht, wenn Menschen etwas Eigenes einbringen:

  • Gedanken und Erfahrungen
  • Dokumente und Quellen
  • genaue Fragen
  • Begriffe und Unterscheidungen
  • Widerspruch gegen schlechte Antworten
  • Entscheidungen darüber, was trägt und was verworfen wird

Ohne diesen Einsatz entsteht meist nur sprachlich glatter Durchschnitt. Die KI kann Material erzeugen, ordnen und variieren. Sie weiß nicht, was gesagt werden muss.

Dazu kommt eine zweite Regel: Jedes veröffentlichte Wort muss vertreten werden können. Ein Satz passt entweder oder er wird geändert. Das kann von Hand geschehen oder in einer weiteren Runde mit der KI. Die Verantwortung bleibt vollständig bei der Person, die den Text veröffentlicht.

„Das hat die KI geschrieben“ entlastet niemanden. Wer es stehen lässt, hat es übernommen.

Damit verläuft die wichtige Grenze auch nicht zwischen menschlichem Text und KI-Text. Sie verläuft zwischen Texten, für die jemand einsteht, und Texten, die ungeprüft weitergereicht werden.

Dasselbe gilt für Kunst. Eine persönliche Vorliebe für Werke, die ohne generative Verfahren entstanden sind, ist vollkommen nachvollziehbar. Daraus folgt wenig über die Qualität eines konkreten Werks. Wer eine Idee einbringt, auswählt, verwirft, verändert und über Wochen an einem Ergebnis arbeitet, gestaltet. Syds Beispiel mit dem Song beschreibt genau so einen Prozess. Die KI übernimmt dabei Aufgaben, für die vorher eine Band nötig gewesen wäre. Der eigene Ausdruck verschwindet dadurch nicht.

Viele Einwände gegen KI greifen daher etwas Reales auf und ziehen die Kritik an der falschen Stelle zusammen. Die Umweltkosten großer Rechenzentren sprechen für kleinere Modelle und lokale Systeme. Schlechte Recherche spricht für Prüfung und Bildung. Der Verlust von Einkommen spricht für eine andere Verteilung der Produktivitätsgewinne. Die Macht der Anbieter spricht für offene Gewichte, eigene Server und gemeinsame Infrastruktur.

In der moralischen Aufwertung des Verzichts steckt dabei etwas von Nietzsches Sklavenmoral. Machtlosigkeit erscheint als Menschlichkeit. Technische Ohnmacht wird zur Authentizität. Abhängigkeit wird als Verbindung gedeutet. Langsame und unnötige Arbeit erhält einen moralischen Wert, weil Menschen weiter auf ihren Verkauf angewiesen sind.

Das schützt die Menschen kaum. Es überlässt die neue Macht den Unternehmen, Behörden und Staaten, die ohne solche Skrupel automatisieren.

Die interessante Frage lautet daher, wie sich diese Technik so organisieren lässt, dass Menschen über sie verfügen. Lokale Modelle, offene Gewichte und gemeinsam betriebene Infrastruktur weisen in diese Richtung. Sie können aus einer zentral kontrollierten Dienstleistung ein Werkzeug machen, das Menschen selbst besitzen, anpassen und einsetzen.

3 „Gefällt mir“

Danke für deine Perspektive.

Bei ein paar Punkten kann ich mitgehen, bei anderen definitiv nicht. Ich vermute ein fundamental unterschiedliches Wertesystem.

Was die Qualität eine künstlerischen Werks angeht, würde ich hier grundsätzlich andere Qualitätsmerkmale anmelden, als die reine Auseinandersetzung mit einem Quellenmaterial. Bspw spielt hier aus meiner Sicht das ausgewählte Material eine Rolle, und ob (und wieviel) die Auseinandersetzung eigene Ideen beinhaltet oder eigentlich nur „editieren“.

Nicht schlüssig ist für mich die Referenz zu Nietzsches Sklavenmoral. Daher, als Verständnisfrage: wo kommt dass den jetzt her? Wer wertet wann und wo Verzicht moralisch in dem von dir beschriebenen Sinn auf?

Eine zweite Frage, Interessehalber: Hast du deine Antwort mit einer KI gestellt und, in Anlehnung an deine Worte, geprüft und als deinen Beitrag weitergereicht?

Anderes Beispiel für die Qualität eines künstlerischen Werks würde ich als „Griffigkeit“ bezeichnen:

Ist zB ein Musikstück interessant für die Ohren oder hört es sich flach an?

Höre ich mir Musik an, die von Menschen eingespielt ist, wo man eventuelle kleine Fehler hört und wo man beim hören so Spielereien hat wie „Ah, das hat Gitarristin XY damals eingespielt“. Oder: Welche Version von Verdis Requiem darf es denn sein? Wer hat gesungen, gespielt, wer dirigiert?

Höre ich Menschen, oder höre ich eine abgeflachte Simulation von Menschen oder menschlichem Verhalten (in den Fall Töne erzeugen). Da mag Geschmack eine Rolle spielen, aber es als reine Geschmacksache abzutun, ob jetzt ein Mensch mit Instrument oder eine KI hier Töne erzeugt, finde ich steil. „Ist doch egal, ob das von einem Menschen kommt, der Gefühle und Absichten hat und jahrelang ein Instrument spielt, und das dann aufnimmt oder ob eine KI Töne erzeugt, weil jemand seine Wünsche formuliert und eingetippt hat und dann aber ein paar mal was neues eingetippt hat, um es zu verbessern.“- das kommt mir zutiefst disembodied vor.

Die KI übernimmt Aufgaben für die vorher eine Band nötig gewesen wäre.

Ich fühle mich erinnert an dieses Interview mit dem Typen von der Musik-KI, der meinte es sei doch toll, dass jetzt mithilfe der KI jetzt das ganze lästige Instrumente lernen und so weiter wegfällt und Musik machen accessible sei.

Lästig, dieses Musizieren beim Musik machen!

Hat das alles auch was mit Mühe zu tun? Nicht allein, aber bestimmt auch. Und ist nicht Kunst genau einer der Bereiche, wo wir uns die Mühe eigentlich NICHT abnehmen lassen wollen?

Das ist natürlich Quatsch, der Typ verkauft offenbar ein Produkt.

Ist es auch. Kann mich nicht erinnern, dass hier jemand Derartiges propagiert hat.

Wann hast du zuletzt auf einer im Studio entstandenen Platte (CD, Stream) einen Fehler gehört?

Und als Frage, die sich auch aus dem DNZ-Forum heraus ergibt: Gelingt es den KI-Lösungen immer, den Kontext und die Intentionen korrekt zu erfassen? Es kann sinnvoll sein, Fleißarbeit und Strukturierung klar von Analyse, Prüfung und gezielter Themenbearbeitung zu trennen. Bei einem geht es ohne jegliche Absicht, beim anderen ist die Absicht entscheidend (Menschen haben eine, Maschinen nicht).

1 „Gefällt mir“

Ich würde auch sagen, dass es nicht der Fehler als solches ist, sondern der feine Unterschied, ob es generisch praktiziert klingt oder nicht - selbst wenn beides „fehlerfrei“ läuft, die Varianz in Millisekunde und Mikronewton.

Meintest du „generisch produziert“?

Wie auch immer. Wenn wir darauf verzichten - worum ich dringlichst bitten würde -, mein kleines Experiment da oben mit „Kunst“ zu verwechseln, dann können wir uns dem annähern, was es ist: Ein Hybrid aus menschlichen und maschinellem Wirken, so wie die Mehrzahl der längeren Texte hier im Forum.

In der Musik würde ich sagen (wie vermutlich allgemein in der Kunst), dass zumindest “Schweiss, Blut und Tränen” dazu gehört, um ein Werk vollkommen zu machen. Das fehlt natürlich bei KI generierter Kunst. Fehler wird man außerhalb von Live Darbietungen auch bei menschlicher Kunst eher selten finden.

1 „Gefällt mir“

dann ist vielleicht Bazon Brock spannend:

2 „Gefällt mir“

Ja, meinte ich (ist inzwischen korrigiert, danke für den Hinweis).

Dieser Post bezog sich auf Musik - der andere zuvor hält sich an deine Bitte.:wink: Ich wollte erst auf das eine und dann auf das andere eingehen.

1 „Gefällt mir“

Ja, der vorige Beitrag ist mit KI entstanden. Bei langen, komplexen Texten hilft mir das sehr. Ich kann damit schnell auf Gedanken, Begriffe und Zusammenhänge zugreifen, die ich über längere Zeit entwickelt habe. Außerdem merke ich beim Schreiben nicht immer, welche Formulierungen andere als unhöflich lesen. Die KI hilft mir, den Gedanken klarer und anschlussfähiger auszudrücken.

Nicht jeder Beitrag von mir entsteht so. Bei großen Zusammenhängen schätze ich das Werkzeug sehr. Manchmal reicht die Laubsäge. Manchmal braucht man die Kettensäge.

„Mit KI erstellt“ sagt dabei fast nichts über die Arbeit aus. Es macht einen großen Unterschied, ob jemand „Sag etwas zu Kunst“ in Gemini Flash tippt und die erste Antwort übernimmt oder mit Codex, eigenen Dokumenten, früheren Gesprächen, einer großen MemPalace-Vektordatenbank und vielen Arbeitsschritten an einem Text arbeitet.

Die KI liefert mir keine Position. Sie hilft mir, meinen eigenen Bestand zu bearbeiten. Jeder Satz wird gelesen. Was nicht passt, wird geändert oder gestrichen. Der fertige Text ist vollständig mein Beitrag. „Das hat die KI geschrieben“ entlastet niemanden.

Viele Urteile über KI entstehen nach sehr oberflächlicher Nutzung. Ein allgemeiner Prompt erzeugt eine allgemeine Antwort. Daraus wird dann geschlossen, KI könne nur glatten Durchschnitt erzeugen. Das ist, als würde man zum ersten Mal eine E-Gitarre in die Hand nehmen, ein paar Töne spielen und danach urteilen, damit könne keine Kunst entstehen.

Der leichte Einstieg zeigt kaum, wie tief jemand mit dem Werkzeug arbeiten kann. Entscheidend sind Modell, Kontext, Quellen, eigene Gedanken, Auswahl, Widerspruch und Überarbeitung. Mit KI zu spielen kann mühelos sein. Mit KI sorgfältig zu arbeiten kann viel Mühe verlangen. Man kann das auch mit Liebe tun.

Bei der Kunstdebatte scheint mir die musikalische Aufführung teilweise zum Maßstab für Kunst insgesamt zu werden. Bei einer Sängerin, einem Gitarristen oder einem Dirigenten gehört die körperliche Ausführung selbstverständlich zum Werk. Atem, Timing, Kraft, Übung und persönliche Geschichte prägen die Darbietung.

Dieser Maßstab erfasst Fotografie, Literatur, Film, digitale Kunst, elektronische Musik, Collage oder Schnitt nur teilweise. Ein Fotograf arbeitet mit einer Welt, die schon da ist. Ein Autor arbeitet mit einer Sprache, die andere geprägt haben. Ein Cutter ordnet Material, das andere aufgenommen haben. Trotzdem können Blick, Form, Rhythmus und Auswahl etwas Eigenes hervorbringen.

Auch digitale Arbeit bleibt körperlich und anstrengend. Menschen lesen, hören, vergleichen, verwerfen, konzentrieren sich und bauen ihre Werkzeuge auf. Die Mühe verschwindet nicht. Sie zeigt sich nur anders.

Mühe kann einem Werk Tiefe geben. Sie garantiert sie nicht. Zehn Jahre Arbeit können in einem schlechten Werk enden. Ein schneller Einfall kann genau treffen. Wenn Technik einzelne Schritte erleichtert, bleibt immer noch genug Raum für Sorgfalt, Urteil und Gestaltung.

Auch der Hinweis auf fehlende Maschinenabsicht überzeugt mich nur begrenzt. Meine Bohrmaschine soll bohren und nicht das Loch aussuchen. Meine Kettensäge soll schneiden und keinen eigenen ästhetischen Trieb entwickeln. Bei KI muss der Mensch Zweck, Richtung und Endfassung bestimmen. Die Maschine braucht keine eigene Absicht. Sie muss meine hinreichend gut umsetzen. Wo ihr das misslingt, muss ich es erkennen.

Damit komme ich zur Sklavenmoral. Der Begriff war im vorigen Beitrag zu knapp erklärt.

Nietzsche beschreibt damit eine moralische Bewegung, bei der Menschen sich in einem Gefängnis einrichten, dessen Mauern sie nicht überwinden. Die Einschränkung erhält dann einen moralischen Wert.

Das zeigt sich etwa bei der Arbeit. Menschen brauchen Einkommen und Sicherheit. Unsere Gesellschaft koppelt beides an den Verkauf der eigenen Arbeitskraft. Sobald Technik Arbeit spart, geraten Menschen deshalb in Gefahr. Daraus entsteht die Forderung, vermeidbare Arbeit weiter von Menschen erledigen zu lassen.

So erhält die Abhängigkeit einen moralischen Wert. Bezahlte Arbeit erscheint als menschliche Verbindung, obwohl Menschen sie oft aus Zwang verkaufen. Beim Lautstärkeregler zeigt sich das sehr konkret: Eine Person konnte ein eigenes Werkzeug in wenigen Minuten anpassen. Früher hätte das Geld, Zeit und Fachwissen gebraucht oder wäre unterblieben. Die neue Fähigkeit wird vor allem als entgangener Auftrag betrachtet.

Dann streitet man im Gefängnis darüber, wer den Slop kochen darf. Die Mauern bleiben stehen: Lohnabhängigkeit, private Kontrolle über Werkzeuge und die ungleiche Verteilung der gewonnenen Produktivität.

Dasselbe Muster findet sich beim persönlichen Verzicht. Große Anbieter verbrauchen Ressourcen, sammeln Daten und schaffen Lock-in. Diese Kritik trifft reale Probleme. Persönlicher Verzicht lässt ihre Macht weitgehend bestehen. Unternehmen, Behörden und Staaten automatisieren weiter. Gerade Einzelne verzichten dann auf ein Werkzeug, das ihre eigene Handlungsmacht erhöhen könnte.

Deshalb spielt Local AI eine so große Rolle. Große zentrale Modelle laufen heute oft für Aufgaben, die kleinere Systeme erledigen könnten. Lokale Modelle können sparsamer arbeiten und zugleich Daten, Kosten und Kontrolle bei den Nutzern lassen.

Dann wird aus einer gemieteten Dienstleistung ein eigenes Werkzeug. Das Modell läuft auf eigener Hardware oder auf einem Server, den ein Unternehmen, ein Verein, eine Kommune oder eine Genossenschaft kontrolliert. Niemand kann den Zugang plötzlich sperren, den Preis erhöhen oder die Nutzung beschneiden.

Darum passt die Analogie zum Balkonkraftwerk. Menschen erzeugen einen Teil ihrer Energie selbst und gewinnen Kontrolle zurück. Lokale KI kann ähnlich wirken.

Die Kritik an Ressourcenverbrauch, Lock-in, schlechten Texten und simulierter Nähe bleibt damit erhalten. Sie führt zu kleinen passenden Modellen, lokaler Kontrolle, eigenen Gedanken, gründlicher Prüfung und voller Verantwortung für jedes Ergebnis.

KI kann Slop erzeugen. Sie kann auch lange entwickelte Gedanken zugänglich machen, Werkzeuge veränderbar machen und Menschen Fähigkeiten geben, die ihnen vorher fehlten.

Manchmal reicht die Laubsäge. Manchmal braucht man die Kettensäge. Beide Werkzeuge lassen sich achtlos oder mit Liebe führen.

Ich hatte mich tatsächlich mit meiner Antwort, der du die Zitate entnimmst, auf den Beitrag von @fdoemges bezogen. Vielleicht verstehe ich dich falsch, aber du scheinst du antworten, als ob ich an dir und deinem Vorgehen Kritik übe. Das war nicht meine Absicht. fdoemges hatte (übrigens anstelle wirklich auf meine Fragen einzugehen) bereits inhaltlich diskutiert, und teilweise vermutete Absichten meinerseits (so schien mir) versucht “richtig zu stellen”. Bei einigen war das auch fair enough und richtig. Bei anderen, wie dem mit der Geschmacksache, eben nicht (my opinion).

Da hast du Recht, da hätte ich “Fehler” in Anführungszeichen setzen müssen. Truth ist: ich bin noch nicht dahinter gekommen, was genau es ist, aber ich höre Unterschiede.

Und jetzt eine wirkliche Geschmackssache: Es gab früher/damals/im Mittelalter/vor 10 Jahren (/j) auf Alben sowas wie kleine Störgeräusche, die bei der Aufnahme entstanden sind. Auf Anhieb erinnere ich mich grad nicht, ob es bei Alanis Morissette oder wem anders war, aber es gab da diese Stelle, wo ich jedes mal dachte, es klingelt an der Tür. Sowas finde ich schön. Andere finden es nervig. Ich bin hier auch nostalgisch. Ich vermisse die Zeiten, wo man mit einem Album richtig lange beschäftigt war, weil es so gut und dicht war. Das gibt es vereinzelt natürlich auch heute noch. Insgesamt aber wird vieles “flacher”. Mein Medium ist nicht Musik, sondern eher Malerei und bildende Kunst, mir fehlt da teilweise das präzise Vokabular.

1 „Gefällt mir“

Ok, danke für’s differenzieren. Bei mir war anhand der wenigen vorhandenen Informationen der Eindruck entstanden, dass du dein “kleines Experiment” und Kunst gleichstellst oder nur noch so arbeitest. Dann war das nur ein Missverständnis.

1 „Gefällt mir“

Als wir vor…15, scheisse eher 20 Jahren unser erstes Album aufgenommen haben haben wir die Drums, statt sie aufzunehmen, mangels Raum und Mikros, mit Addictive Drums als Midi einprogrammiert. (Hat immerhin das meiste der Drummer gemacht, und ist ja letztlich nichts anderes als Noten aufschreiben).

Beim Mastering konnte man dann “menschliche Spielweise” auswählen, die dann leichte zufällige Unterschiede in Betonung, Timing usw produzierte.