Mir fehlen gute Gründe zur aktiven Nutzung von LLMs- was sind eure?

Ich möchte zunächst feststellen, dass ein Nebeneffekt davon, dass einige oder viele deiner Texte mit KI entstehen, sein könnte, dass eigentlich keine Ebene mehr zwischen Menschen entsteht. Bei der Masse an Text haben, neben einer Erwerbstätigkeit und dem normalen Leben, eigentlich kaum noch Menschen die Chance miteinander zu sprechen, sondern ich vermute, es sind am Ende KIs. Um deiner Textwand jetzt Punkt zu antworten, müsste ich mit entweder den halben Tag freinehmen oder es in eine KI eingeben, und den ausgespuckten Text dann editieren und sagen: Hier, das denk ich.

An so einem Austausch bin ich, offen gesagt, garnicht interessiert.

Zwei Anmerkungen: Bei allem Idealismus zu dem, was nun Gefängnismauern sind und wo es sich zu befreien gilt, vermisse ich (nicht nur bei dir, sondern auch bei mir und im Allgemeinen) konkrete Ideen für die “messy middle”, nämlich die Realität in der wir leben und in der Menschen noch Berufe haben und nicht umgeschult sind und in der nicht alle enge Arbeit mit Menschen machen können. Wer grad im Gefängnis ist und daran interessiert, seine Umstände zumindest für die Zeit in der die Mauern noch existieren, zu verbessern, der wird nicht sagen “egal, weil Gefängnisse eh abgeschafft gehören”. Was den Lautstärkeregler betrifft: Klar, wo schon über Mauern gesprungen werden kann, ohne dabei einen Wald in Brand zu setzen: ok.

Die zweite Anmerkung spare ich mir, weil ich gerade spüre, dass ich eben nicht den Eindruck habe, mit einer Person zu sprechen, sondern mit einer KI zu diskutieren. Das magst du anders sehen und das ist dein gutes Recht, aber so ist mein Eindruck, und so verändert sich Kommunikation eben doch durch die Nutzung von KI. Ob das eine gute Veränderung ist, muss die jeweilige Person entscheiden, die die KI benutzt. Ich sage: nö.

Vor Jahren gabs in der Merkelregierungszeit mal eine anhaltende Debatte über Sozialleistungen und soziale Teilhabe. CDU-Politiker ließen sich dabei filmen, wie sie einen Tag lang mit dem Budget der Sozialhilfe eine Familie versorgten. Das war natürlich eine salbungsvolle, zynische Unterhaltung.

Einer, hab vergessen wer, machte aber das Experiment, 3 Monate mit dem schmalen Budget zu haushalten, um den Gegenbeweis anzutreten, daß es nur gute Organisation bräuchte, um das Leben gut hinzukriegen. Unnötig zu erwähnen, daß er nicht mit kaputten Haushaltsgeräte oder Energienachzahlungen beschäftigt war. Aber er teilte seine Erfahrungen in einer Zeitung, ich glaube Der Spiegel und kam sehr schnell zu der Einsicht, daß “kulturelle Teilhabe” , in Ermangelung von vorhandenem Geld, abends Fernseh gucken bedeutet.

Das hat er 3 Wochen durchgehalten und sehr schön beschrieben, was das mit ihm macht, bis er sich dann einen Abend mit Freunden beim Griechen gegönnt hat, um danach mit den Einbußen der 100 Euro herumzurechnen.

Bei der Debatte, um Kunst und KI sollte zumindest anteilig der ökonomische Aspekt mitberücksichtigt werden.

Für deinen Eindruck kann ich wenig, aber offenbar ist es die Mühe eben gar nicht wert, zu versuchen auf Dich einzugehen.

Ich hab da nur die Hoffnung dass es wenigstens den Anderen etwas gebracht hat.

Was außerdem vllt dazugehört: Muss alles gesagt werden? Ist der Diskurs Selbstzweck? Oder ist es ok, wenn ein Diskurs sich verlangsamt, weil Menschen erstmal lesen müssen, überlegen müssen, erstellen müssen? (Ja, finde ich)

Für mich ist es tatsächlich, fundamental, nicht das gleiche, ob mir aus deren Hirn heraus auf eine Frage antwortet, oder ob die Person, egal wie oft und ausführlich editiert wurde, eigentlich nicht nur die Person, sondern ein Person-KI Gemisch ist (an der Stelle des Textbeitrags).

Und ich wundere mich: wenn da tatsächlich soviel eigene Arbeit drinsteckt, warum dann überhaupt KI benutzen? Einige für mich nachvollziehbare Gründe wurden hier im Forum genannt, auch von dir, nämlich nicht unnötig unhöflich klingen zu wollen. Andere sind für mich wenig nachvollziehbar).

Is ja auch nicht schlimm. Nicht jeder kommt mit dem Wandel der Technik klar.

wie lange hat Wolfgang kein Smartphone gehabt?

1 Like

Und noch älter ist die Diskussion, ob man so was “machen darf”. Sie begann vielleicht mit dem ersten Synthesizer (Moog, 1965 oder so?) oder wahrscheinlich noch früher: Darf man Musik auf Schellack pressen?

3 Likes

Ich glaub nicht, daß es solche Diskussionen in der Breite gab, aber als Vergleich kann man das schon mal benutzen.
Die Diskussion über Empörung und Musik war ja lange untrennbar mit deren Weiterentwicklung und Verbreitung verbunden.

2 Likes

Weil ich da dann meine Gedanken strukturiert und in logischer Form reingeben kann und die KI macht es lesbar.

und meine Erfahrung ist eindeutig:

Viele Menschen fremdeln NOCH mit KI, aber gewöhnen sich dann doch schnell daran solche Texte zu lesen, aber ich bekomme 80% positives Feedback.

ohne KI ist das Feedback meistens nicht so gut.

Irgendwo zwischen meinem Hirn und meiner Hand ist irgendwas nicht richtig verdrahtet.

Bis zur KI bin ich mit hunderten von Gedanken schwanger gegangen ohne die je richtig kommunizieren zu können.

Jetzt geht das. Und es bringt mir Reichweite und coole Gesprächspartner.

Zwischen den großen Texten schreib ich dann zum Ausgleich per Hand.

Kann man so machen, muss aber nicht für jeden interessant sein.

Ich beschäftige mich lieber mit Aufgaben ohne KI- Hilfestellung. Funktioniert bisher auch gut für mich. Ich merke mir z.B. Sachen besser.

2 Likes

Du hast ein Gedächtnis? Du glückliche!

1 Like

Das ist ein interessanter Punkt. Danke, dass du es persönlicher begründet hast, das hilft mir, dich und deine Gründe zu verstehen und es verändert auch nochmal meinen Blick.

Ich kenne diesen Umstand sehr gut: Viele Gedanken, die schwerlich kommuniziert werden können, vor allem mit allermeistens (in meinem Fall) nicht neurodivergenten Bevölkerungsgruppen. Die Lösung, die ich für mich gefunden habe ist, mir gut zu überlegen, an welchen Diskursen ich teilnehme, und wie. Wenn ich zum Beispiel eine KI brauchen würde, um gehört zu werden, würde ich mich dagegen entscheiden und mich auf die Suche machen nach Räumen, wo die gegenseitige Verständnisebene und die Verbindung da ist. Das kann natürlich auf keinen Fall allgemeingültig sein: ich kann diese Räume noch finden (schwerlich und selten, aber es geht. Bzw ich versuche sie dann zu öffnen). Das geht nicht allen so, ich habe da also gewisserweise ein Privileg. Wenn meine Interessen zB im Bereich von Themen wären, in denen es hauptsächlich entsprechende Räume gibt, in denen die Verständnisebene fehlt, würde ich wahrscheinlich auch andere Hilfsmittel wählen.

KI-Nutzung aus Gründen der Teilhabe- da kann ich absolut mitgehen.

edit: ergänzend will ich noch sagen, dass ich natürlich nicht nur Teilhabe sondern auch Reichweite meine. KI-Nutzung, die gewissen Regeln (wie in deiner ersten Antwort ja zusammengefasst) unterliegt, die einem Menschen dabei hilft, die Menschheit und den Diskurs weiterbringende Gedanken und Ideen auszudrücken, sehe ich als unkritisch.

2 Likes

Hat sich mit der Nutzung von Wikipedia und Social Media etwas verschlechtert, aber das hat sich mittlerweile wieder verbessert.

2 Likes

fair point!

Ich sehe schon, dass ich Gefahr laufen könnte, eine “ewig-gestrige” Position zu verteidigen. Aber ich denk halt jetzt geht’s aber wirklich zu weit (das dachten wahrscheinlich auch alle vor mir ). Aber ich hab halt Recht! /j

Naja, deshalb lese ich gerne eure Perspektiven.

2 Likes

Verständnisfrage:

Durch…Erzeugung unnötiger Kosten? Chefperson bezahlt Softwareingeneursperson und teuerste KI?

1 Like

Ja, wobei Chefperson = Unternehmer = Kapitalist

So verstehe ich es zumindest, wobei ich in diesem Fall auch weiß, welcher (deutsche) Unternehmer genau gemeint ist und es damit für mich vielleicht einfacher verständlich ist.

Was die Belastung der Umwelt angeht, scheinen mir die schlimmsten Auswirkungen mit der massiven plötzlichen Expansion der notwendigen Infrastruktur zusammen zu hängen: Bei gleichzeitigem Ausbau erneuerbarer Energien und geschickte Platzierung dürfte vieles verträglich umsetzbar sein.

Meine Gründe es zu nutzen: Zu nützlich. Überarbeitung von Projektbudgets, Schärfung eigener Argumente (insbesondere, indem man sich Gegenargumente und Lücken in der eigenen Argumentation aufzählen lässt), Möglichkeit neue Werkzeuge selbst zu erstellen (Vibe-Coding), schnelles Auffinden von Quellen incl. Zusammenfassung der Kernaussagen (wenn ich es verwende, schaue ich mir die Quelle natürlich an).

Ich stehe da aber noch komplett am Anfang, was die Nutzung angeht. Aber ich bin der festen Überzeugung: In einigen Jahren werden sich Arbeitnehmer in Leute aufteilen, die LLMs nutzen (können) und solche, die es nicht tun. Das einzige, was das noch aufhalten kann, ist aus meiner Sicht der Preis. Und da scheint, dass die Rechnung von Open AI und Konsorten vielleicht nicht aufgeht: Durch die offen verfügbaren Modelle dürfte der Login-Effekt vielleicht vermeidbar sein.

Ich arbeite in einem Feld - einer Blase - in der ungefähr die Hälfte der Leute KI nicht nutzen wollen. Mit ähnlichen Argumenten, wie Sie sie anführen. Verstehe ich - aber ich denke auch, dass der Drops gelutscht ist.

2 Likes

Bei der Diskussion kann man eigentlich ganz gut die Intention aufdecken wenn man die Frage stellt, ein Werk das sie gefallen hat, dich berührt hat, zum Nachdenken angeregt. Wenn du erfährst, das ist mit Hilfe von KI entstanden und du negierst das im Nachhinein, bzw entwertest es, weil es mit KI erstellt wurde. Dann geht es nicht um das Werk, sondern um den Kulturkampf.

Wenn Fragen aufkommen, wie, warum überhaupt KI benutzen wenn doch Arbeit drin steckt, in einer hoch industrialisierten Welt, deckt in etwa gleich viel auf.

Wo setzt man sie Grenze zu Nutzung von Hilfsmitteln. Ist KI das erste Hilfsmittel.

Warum zb eine Suchmaschine nutzen. Ich kann doch wahllos Buchstaben im URL Feld eingeben, bis ich eine Seite finde die den Inhalt hat den ich suche. Warum mit Zug fahren, ich kann doch von Berlin nach Hamburg laufen.

Die Schuldzuweisung der gesellschaftlichen Probleme auf KI, oder KI Nutzung ist meiner Meinung nach das bürgerliche, weil gesellschaftlich akzeptierte Pendant zu, die Migranten, die Rentner usw.

Angebot, wenn die KI Gegner dafür Sorgen dass die Mauern des Gefängnisses einstürzen, überlass ich den Slop der menschlichen Produktion exklusiv

Auf so einen Text weiß ich nicht zu antworten (würde jetzt aber auch nicht des Nachts wach liegen deswegen).

Er scheint mehr genervtes Statement, als Bezug zum originalen Post. Auch Bezug auf meine Fragen sehe ich nicht.

Es wird Kulturkampf unterstellt, es wird von Schuldzuweisungen gesprochen und überzogene Schwarz-Weiß-Beispiele werden herangezogen, von denen eigentlich im Verlauf niemand gesprochen hat.

Es liest sich ein bisschen so, als wurde geantwortet, bevor richtig gelesen wurde.

Vielleicht magst du ja auf die Fragen antworten, die ich gestellt habe, statt hier tatsächlich des Kulturkampfes ersten Stein zu werfen. Dann wäre es sowas wie ein Austausch (das ist nicht das gleiche wie eine Diskussion).:wink:

Ich habe bewusst einen generalisierten Algorithmus beschrieben, da ich wenig Interesse habe im Detail auszudiskutieren ob

Generative LLMs zu nutzen fällt für mich flach, weil ich es völlig unnötig und uninteressant finde und dazu, in meinem Werteverständnis, moralisch verwerflich

und die Punkte zur Umweltverschmutzung, Ausbeutung der Künstler und so weiter eine objektive Herangehensweise an die KI sind usw.

Zu den anderen Punkten meine ich das bei dir gelesen zu haben

Und ich wundere mich: wenn da tatsächlich soviel eigene Arbeit drinsteckt, warum dann überhaupt KI benutzen? Einige für mich nachvollziehbare Gründe wurden hier im Forum genannt, auch von dir, nämlich nicht unnötig unhöflich klingen zu wollen. Andere sind für mich wenig nachvollziehbar).

Ich verwende LLMs vor allem beruflich, um neue Ideen zu finden und einen guten Einstieg für die weitere Recherche zu bekommen. Privat verwende ich LLMs in der Regel für ähnliche Zwecke. Also um mir einen Überblick über einen neuen Themenbereich zu verschaffen oder Sachen, die ich aufgeschnappt habe zu vertiefen.

Persönlich habe ich kaum moralische Bedenken. Es gibt auf jeden Fall Dinge, die ich an den Firmen, die diese Werkzeuge anbieten, kritisiere, aber die zugrundeliegende Technologie finde ich moralisch nicht verwerflich.

Viele Dinge haben negative Einflüsse, die man aus Genussgründen hinnimmt, z.B. Konsum von Fleisch- und Milcherzeugnissen. Die sozialen Aspekte und Verhaltensweisen der Konzerne sind meiner Meinung nach noch mal anders zu bewerten.

LLMs oder LVMs sind als Technologie sehr mächtig und imo auch nützlich. Beispielsweise für die von dir erwähnte Krebsforschung und -erkennung.

Das ist natürlich Geschmackssache, aber ich kann es nachvollziehen, wenn Menschen Interesse daran haben, wie die aus n Kunstwerken destillierte maschinell/algorithmische Kunst aussieht. Man kann sich hier vermutlich weniger auf die Intention der Künstlerinnen berufen, aber das sollte m.E. sowieso nicht das Wichtigste des Kunstkonsums sein.

Das ist jetzt nur anekdotisch, aber ich kann das leider bestätigen. Im beruflichen Kontext werde ich häufig mit KI-Erzeugnissen konfrontiert, die von einer gründlichen Recherche profitiert hätten. Eigenständiges oder durch KI assistiertes Nachdenken wird zur Mangelware. Basically das, was du auch hier schreibst:

Ich mag es nicht, wenn mir Slop vorgelegt wird. Zu dem Thema gab es letztens einen ganz interessanten Blog Post: https://geospatialml.com/posts/reviewing-ai-slop/

Darüber hinaus geht der Artikel in Nature, in dem die Erosion von den Basic Skills besprochen wird: Is AI ruining our skills? Early results are in — and they’re not good | Nature

Im schulischen Kontext merkt man, dass bereits fähige Schülerinnen und Schüler deutlich besser performen, weil sie besagte Recherche anstellen und zu tieferen Erkenntnissen gelangen. Bei den weniger starken Schülerinnen und Schülern fallen die Leistungen leider nicht so gut aus.

So weitet ein “demokratisierendes” Tool wie KI die Schere zwischen arm und reich (an sozialem Kapital). Ist jetzt etwas vereinfacht, aber ich glaube man versteht worauf ich hinaus will.

Da kommt dann imo wieder die Frage vom Anfang: wer definiert hier, was unnötig ist und gilt das auch für andere Lebensbereiche, in denen Ressourcen konsumiert werden?

3 Likes