Nachfrage: Diskussion über die Machtfrage... wer regiert eigentlich?

„Tat und Täter“ klingt ein bisschen nach Krimi. Jedenfalls habe ich schon Leute am Stammtisch (zum Beispiel über Katharina Reiche und ihr Agieren) debattieren gehört. Die Unterscheidung zwischen Tat oder Verhalten hat dort niemand gemacht - diese Leute waren eher mit Schlussfolgerungen befasst, die sich auf ihr eigenes Leben bezogen und haben das an der Person festgemacht. Dem stimme ich nicht zu, weil es eben nicht „die Person“ ist, die den Unterschied macht, sondern die Struktur, die diese Personen in eine bestimmte Funktion (Position) gebracht hat. Möglicherweise argumentierst du aus einer geisteswissenschaftlichen Prämisse heraus, und möglicherweise argumentiere ich aus einer naturwissenschaftlichen Perspektive heraus - und deshalb können wir vielleicht nie zu einer gemeinsamen Sprache finden. Aber gerade das macht den Diskurs so erfrischend und den Horizont so schön breit.

Ich möchte dir überhaupt nichts unterschieben, ich hatte aber den Eindruck - das stimmt. Wir schauen nur jeder mit eigenem Fokus und eigenen Scheuklappen, und beschreiben deshalb verschiedene Bilder der Wirklichkeit.

Das impliziert, dass ich zuvor Macht hatte.

Jedenfalls versuche ich nur, „Wegweiser“ aufzustellen, wo für die Gegenmacht der Zivilgesellschaft, durch Änderungen an der Struktur, wiederum die Machtverhältnisse zugunsten der Gegenmacht beeinflusst werden können. Wir sind ja hier in einem Forum für Diskurse - da darf ich mir auch eigene Fehltritte einhandeln. Im Zweifelsfall taugen sie als Reflexions- und Revisionsanker.

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Jetzt reise ich erstmal in unsere Hauptstadt, wo ich mich einige Tage im Adlon-Kempinski einquartiere, am Nachmittag mit meiner Herzensdame durch Berlin-Mitte spaziere und während dessen darüber nachdenke, ob ich lieber Kaffee oder Champagner trinken möchte, oder beides zusammen - bevor ich am Abend, gemeinsam mit der Süßen und dem nächsten Glas in der Hand in der VIP-Lounge des Friedrichstadtpalastes verschwinde und die Show genieße.

Manchmal begegne ich dort interessanten Menschen und einigen davon lege ich Rezeptideen ins Poesie-Album. Komm mich einfach besuchen - aber bitte erst nach dem Brunch.:wink:

Ich nehme selbstverständlich mein iPad mit, um den online-Anschluss nicht zu verlieren.

Marx als Grundlage zu nehmen um mich zu widerlegen macht keinen Sinn. Marx beschreibt etwas anderes als ich und ich wäre sehr an der Passage seines Werkes interessiert die aussagt ein System könne ohne den Menschen entstehen und sich am Leben halten.

Das Kapital von Marx ist eine Systembeschreibung. Funktional, daraus abzuleiten es wäre unabhängig vom Mensch ist nicht haltbar. Marx hat das nicht beschrieben weil der Himmel blau war, er hat sich mit einem System beschäftigt was durch den Konflikt Arbeiter gegen Kapital erst ins Leben gerufen wurde.

Wenn man auf der einen Seite feststellt, dass es ein Primat gibt aber keinen Missbrauch von Macht, der das Primat erst ermöglicht, bleibt man im symptomatischen und geht nicht an die Ursache.

All deine Fragen finde ich gut - und mich bewegen sie auch. Deswegen habe ich emsig im Gegenmacht-Thread weiter gewerkelt. Heute habe ich das vorläufige Ende erreicht. Welche Antworten ich auf deine Fragen gebe, findest du dort im letzten Beitrag - konkretisiert mit Hebeln und Handlungen, die an der Struktur ansetzen. Meine letzte Handlung war, die anstehenden Aktivitäten in einer bestimmten Arena zu skizzieren - möglichst gut übertragbar. Ob das gelungen ist, wage ich nicht zu beurteilen. Dennoch: Wo? Was? Wer? Wie? - genau das habe ich versucht explizit zu beantworten (und implizit weitere Zitate von irgendwem bewusst zurückgestellt).

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Nur ganz kurz, in deiner Definition stimmt das.

Ich hab ja schon gesagt dass ich eine andere Definition habe, und aus dieser argumentiere ich.

Du hast Macht, ich würde so weit gehen zu sagen so viel wie Elon Musk. Nur hast du die Mittel nicht deine Macht umzusetzen. In deinem direkten Umfeld hast du die Mittel deine Macht umzusetzen, wenn du deine Macht missbrauchst sogar durchzusetzen.

Die beiden unscheinbaren Wörter umsetzen und durchsetzen beschreiben einen wichtigen Unterschied: Macht die umsetzt, baut auf einer konstruktiven Basis auf. Der Hammer, der mit Bewusstsein geführt wird, der den Nagel trifft um ihn in die Wand zu bekommen ohne dabei ständig daneben zu hauen. Dazu braucht es keine gute Intention. Das kann rein systemisch gedacht werden.

Macht durchsetzen verwendet den Hammer entweder als Drohung von Gewalt, oder als direkte Gewalt. Bewusst, wenn er trifft, unbewusst wenn er Kollateralschäden anrichtet. Auch hier, systemisch nicht intentional böse.

Ich wünsch euch viel Spaß und eine wunderschöne Zeit in Berlin!

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Die Frage ist, ob eine Philosophie gesellschaftlich verankert werden kann, wenn auf jeglichen Realitätsbezug verzichtet wird? Auf dieser Grundlage hat tatsächlich jeder Mensch die gleiche Macht. Da aber die Realität als solche vorzufinden ist, sind die Machtmittel effektiv ungleich verteilt (JakobB hat das für meinen Geschmack treffend beschrieben). Daran scheitert die Philosophie, wenn sie auf der Voraussetzung des vollkommenen Machtgleichgewichts zwischen allen Menschen beharrt. Die Menschen erleben ungleiche Macht im Alltag, und werden keine Philosophie freiwillig akzeptieren, deren Voraussetzungen sie nicht mit ihrer Wahrnehmung in Einklang bringen. Deshalb ist dann auch ein gemeinsames ethisches Zielbild (Soll) nicht zu vermitteln.

Wie wird die Philosophie handlungsfähig? Sie muss die harten Fakten der Naturwissenschaften als Fundament akzeptieren, um darauf aufbauend realistische ethische Systeme und politische Rahmenbedingungen zu entwerfen. Diese können anschließend in Alltagshandlungen als „Soll“ integriert werden - Synthese. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass das eine oder andere Menschlein nicht insgeheim und im Verborgenen über die Strenge des Rahmens hinaus schlagen wird. Vorstellen kann ich mir, dass schwerwiegende Verhaltensauffälligkeiten als bewusstes Prinzip durch die Synthese zwischen Philosophie und Naturwissenschaften verhindert werden können.

Ein praktisches Beispiel ist die thailändische Gesellschaft. Sie hat als Rahmen ihre Religion und ihre Nationalität (übrigens beides hart miteinander verknüpft). Alle Ethnien sind darin voll integriert. Sie hat einerseits strenge Hierarchien und andererseits sehr erfreuliche Verhaltenskodizes. Insgesamt wirkt das auf viele Menschen anderer Kulturkreise angenehm, aber Ambivalenzen sind auch deutlich erkennbar. Aspekte, wo Identität als stabilisierend wahrgenommen werden, nehmen alle gern an. Ein junger Thai, der in Singapur arbeitet, wird sich seines Thailänderseins in der Regel stolz zeigen, und kaum etwas anderes wollen. Ein junger Thai, der in einem Dorf im Süden als Fischer arbeitet (weil das über Generationen in seiner Familie so war), und sich dadurch eingeschränkt fühlt, wird nicht seines Fischerseins zufrieden sein, und durchaus etwas anderes wollen. Kurz und gut: Der stabile Rahmen ist im genannten Beispiel im Zusammenwirken aus Philosophie und Naturwissenschaft vorhanden - innerhalb des Rahmen herrscht dennoch keine vollkommene Harmonie und Einhelligkeit. Und: der Staat ist nett zu seiner Bevölkerung, solange sie den Rahmen nicht in Frage stellt - es ist ihr einfach nicht erlaubt.

Wie auch immer: Ich glaube nicht an jenen Staat, der ein Gesellschaftsabkommen hervorbringt, das alle Betroffenen uneingeschränkt gut finden. Die Philosophie kann vermitteln, aber nicht verordnen. Insofern wird die Machtfrage früher oder später immer auftauchen.

Danke für deine ausführliche Antwort.

Ich weiß das sehr zu schätzen. Allerdings bin ich jetzt ein bisschen ratlos, so zeigt dein Beispiel aus Thailand eher bestätigend von was ich rede.

Ich bin mir auch nicht sicher was die Gegenüberstellung von Philosophie in diesem Kontext bedeutet. Ich hab keine Philosophie, ich habe eine andere Definition von Macht, die nicht wie die Philosophie von einem Gleichgewicht ausgeht sondern strukturell von einem Ungleichgewicht ausgeht. Ich hab mehrfach die Gründe benannt, und der einzige gegensätzliche Punkt ist eine falsche Interpretation von Marx, und JakobB meint ich wäre gefühlig.

Du wirst mir nicht zeigen können wo ich von einem Machtgleichgewicht oder Machtgleichheit im philosophischen beschreibe.

Nichts davon stimmt. Nichts davon hab ich geschrieben, es wird nur fleissig interpretiert.

Es ist völlig in Ordnung wenn ihr mit dem Gedanken nichts anfangen könnt. Zumindest besteht scheinbar Interesse, aber mir scheint eher nicht an meiner These, sondern an der Bestätigung von eurem eigenen Weltbild.

Was auch völlig in Ordnung ist. Wer bin ich der anderen ihre Weltbilder in Frage stellt.

Es ist ein Denkangebot, ein Angebot müsst ihr nicht annehmen.

Es braucht dann aber auch nicht seitenlange Einlassungen die sich nicht mit dem was ich sage auseinandersetzen, sondern immer die eigene Auffassung in das reininterpretieren was ich sage.

JakobB droht mit Langeweile in seiner Einleitung, wenn bestimmte Formulierungen fallen sollten.

Das ist einfach Quatsch.

PS

Hör dir das Interview von Stefan Kühl bei Jung&Naiv an. Da steckt ganz viel drin wovon ich rede.

Vielleicht ist das das hier spannend für Dich:

die Ebenensprünge werden nicht immer deutlich gemacht, aber sie bietet einen Ritt durch ein paar Jahrhunderte Macht-Betrachtung und die unzähligen Versuche der Beschreibung. (Macht als Nullsummenspiel ist nur eine der Vorstellungen gewesen.)

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Es sind Dialogfragmente wie diese, bei denen ich denke, dass du auf eine rein philosophische Ebene als Haltepunkt abzielst. Das hast du nicht gesagt, richtig - und ich habe interpretiert, stimmt. Damit ich nicht die nächste falsche Auslegung präsentiere: Ich habe verstanden, dass das vorherige Beispiel Thailand deine gedankliche Stoßrichtung trifft - mit einer anderen Ethik, als sie in unserer westlichen Welt üblich ist, kann man bekömmlicheres Verhalten aller generieren. Habe ich das richtig verstanden?

(Zur Vollständigkeit des Beispiels: Thailands Rahmen ist damit nicht erschöpfend erklärt - es ist viel komplexer - insgesamt aber hegt der Rahmen das Verhalten aller wirksam ein (mit Ausnahme des Einen, des Königs, der nicht in der Gesellschaft steht, sondern darüber, weil er weltliche und göttliche Instanz gleichzeitig ist - gestützt durch den buddhistischen Klerus im Zusammenspiel mit dem Militär. Machtfigur und Machthaber sind nicht unbedingt das Gleiche. Das thailändische Parlament ist Zierde, um die internationale Akzeptanz zu erhöhen. Gleichwohl, die Gesellschaft dort ist um ein Vielfaches freundlicher, aufgeschlossener, kooperativer als wir es gewohnt sind.)

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Dein gutes Herz. … Danke.:wink:

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Puh. Hier ist ja ganz schön viel passiert. Hab nur leider den Eindruck, dass ihr so gut wie alle Threads hier für eure persönlichen gegenseitigen Psychoanalysen nutzt, wo mMn. kaum noch Erkenntnisgewinn stattfindet.

Aber sei’s drum - ist ja ein freies Neuland. :slightly_smiling_face:

Vielleicht können Wolfgang und Stephan ja nochmal das Thema Staatskapitalismus und Machtverhältnisse aufgreifen. Zumindest bei Wolfgang verspüre ich da Interesse an der Diskussion.

Tata

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Die spannende Frage ist doch: woran kann es liegen, wenn man solche Beobachtungen macht?

Wäre Deutschland eine freundlicher, ausgeglichenere, weniger motzige Gesellschaft, wenn jeden Tag um 18 Uhr alle Menschen innehalten und die Nationalhymne liefe, und in jedem Gebäude ein Foto vom Bundeskanzler hinge?

Wir haben das hier im Forum ja schon an anderen Stellen:

Macht hat natürlich eine physikalische Komponente (Gewalt, Gesetze) und die ist definitiv ungleich verteilt, aber eben auch eine psychische Komponente (Resilienz, Gelassenheit, Gefühle…) und da sind die Gedanken frei. Aber halt auch nur so frei, wie gelernt bzw die Gesellschaft es zulässt.

Ist das so? Im Zuge von Diskursen kommen mitunter persönliche Sichtweisen zum Tragen. Einige Ausfaserungen ziehen sich dann in die Frage nach dem Ursprung bestimmter Gedanken oder Statements hinein. Das dient der Verständigung, würde ich sagen. Unbenommen dessen: Hinweise wie deiner können helfen, zur Kernfrage zurückzukehren, wenn die Nebenstränge ausufern. So ein Forum ist irgendwie ein lebendiges Ding.

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Eine wirklich spannende Frage.

Kurze Antwort: Nicht unmittelbar - weil Nationalhymne und omnipräsente Fotos als Symbolik keine echte Verbundenheit zwischen Machtinstanzen und Bevölkerung schaffen können. Allerdings gibt es durchaus Wechselwirkungen - nur mit anderen Vorzeichen, als es ein flüchtiger Blick vermuten lässt.

Erstmal der Rückgriff auf die Ausgangsfrage: Erleben wir Staatskapitalismus?

Ich sage: Ja - nur nicht in der Klarheit, wie es die rein akademische Lehre definiert (der Staat in dominierender Rolle am Markt, der als Unternehmer auftritt und wichtige Schlüsselindustrien kontrolliert). Man muss ein bisschen den Unterbau freilegen und die Definition als Prüfpunkt nutzen. Unter realpolitischen Blickwinkeln finden sich deutliche Indikatoren.

In Deutschland agiert der Staat häufig nicht als neutraler Schiedsrichter, sondern als Erfüllungsgehilfe des Geldkapitals.

  • Gesetzgebungstexte aus befangener Herkunft
  • Drehtürprinzip und Lobbyismus im Verborgenen

Das Ergebnis ist kein klassischer Staatskapitalismus, sondern ein korporatistischer Systemerhalt.

In Thailand agiert der Staat in Gestalt einer Oligarchie, einer “Deep-State”-Kaste.

  • Monopole
  • unsichtbare Dreifaltigkeit aus Monarchie mit angeschlossenen finanzstarken Zirkeln, Militär und Klerus

Das Ergebnis ist kein klassischer Staatskapitalismus, sondern ein Netzwerk-Kapitalismus zur persönlichen Bereicherung. Ob dabei der König das größte Stück von Kuchen bekommt ist unklar, aber er gilt als reichster Monarch der Welt (Schätzungen: Vermögen > 47 Milliarden US-Dollar)

Man könnte nun Parallelen zu den USA suchen. Das spare ich mir. Mein Fazit ist, dass es sich in allen drei erwähnten Staaten um Staatskapitalismus handelt - nur eben keinen klassischen.

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Die Stimmungslage in den Gesellschaften hängt teilweise mit den Erscheinungsformen der Staaten zusammen, und teilweise mit kulturellen Einflüssen (Ethik, Tradition).

In Deutschland werden Menschen formal durch Gesetzesregelungen in einem Ausmaß geschützt, dass viele es nicht für nötig halten, im Alltag freundlich und kooperativ aufzutreten. Gesetze und Verträge regeln die Beziehungen - hohe institutionelle Sicherheit, zum Preis sozialer Kälte. Nun leben wir in einer Zeit, wo die institutionelle Sicherheit drastisch abgebaut wird, während die soziale Kälte bisher weitgehend bestehen bleibt.

In Thailand bietet der Staat zwar viel Bürokratie auf, jedoch kaum Fürsorge. Er entwickelt die Wirtschaft modernisierend und diversifizierend - jedoch vor allem aus ökonomischem Eigennutz der Oligarchie. Allerdings - und das lohnt der Erwähnung - ist die Armutsquote über 2 Jahrzehnte hinweg von etwa 10% auf unter 1% der Bevölkerung zurückgegangen (nach dortigen Maßstäben). Jedenfalls organisieren sich die Menschen sozial sehr höflich, hilfsbereit und flexibel - häufig unbenommen, ob andere zum eigenen Tribal (bzw. zur eigenen Nation) gehören oder nicht.

Die allgemeingültige Pointe: Die Nationalhymne und die Fotos des Machthabers könnten von der Bevölkerung als Anblick des Antagonisten einsortiert werden - was sie daran erinnert, wie wichtig der Zusammenhalt untereinander ist.

Ja! Vielleicht liegt das an fehlenden Therapieplätzen weil das ja seit Jahren weggespart wird.

Ganz schlimm soll das bei Therapien gegen Arroganz sein, hab ich gehört.

Wenn du mir einen öffentlichen Ort zeigen kannst wo das anders ist, so Sachdebatte, möglichst trocken, da würde ich aus Prinzip nicht hinwollen.

Danke für deinen Hinweis, ich find auch, lieber die reden lassen die Ahnung haben.

Die spannende Frage - ich versuche eine Antwort, wobei der gestrige Blick auf die Verhältnisse zwischen Staat und Menschen schon mit dazugehört.

Fortsetzung der Gegenüberstellung

Thailand: Monopolisten werden durch die Dreifaltigkeit der Macht vor Konkurrenz geschützt - sie zahlen dafür aber einen Preis: die Dreifaltigkeit bekommt ihren Anteil vom Gewinn und sie gestattet der Wirtschaft keinen Neoliberalismus: Es dürfen nicht beliebige Unternehmen gegründet und betrieben werden (die Bürokratie wirkt extrem restriktiv). Die Beschäftigungsquote ist generell hoch zu halten! - interessant, der Staat bietet der Bevölkerung keine Fürsorge, aber er fördert gezielt hohe Beschäftigungsquoten, damit Menschen Erwerbseinkommen erzielen. Deshalb sieht man in Thailand keine individuell extrem hohe Arbeitsverdichtung, wie zu Beispiel in Deutschland. Fleiß und Pünktlichkeit sind in Thailand selbstverständlich, weil sie zu kulturell verankerten Tugenden gehören - dass jemand hart und stressig getaktet ist, wird man dort kaum erleben. Und die Monopolisten dürften ihre Monopole nicht gegen den Konsumbedarf der Menschen ausspielen. Kraftstoff, Kaffee und Snacks kosten an der Autobahn nicht mehr, als abseits davon. Leute mit Preisen zu verarschen, passt nicht ins gewünschte Bild von Tugenden. Deshalb gibt es auch keine Hedgefonds, die WCs mit Bezahlschranken betreiben. Man findet überall kostenlose, öffentliche WCs (fast immer in gutem Zustand). Die kooperativen Ebenen finden sich also bei unmittelbarer Begegnung der Menschen 1:1 und indirekt im Rahmen, den die Dreifaltigkeit setzt, indem sie die Bedürfnisse der Bevölkerung moderat einfließen lässt - um in Ruhe ihrer Machtausübung und Bereicherung nachgehen zu können, und die Bevölkerung möglichst im Modus von Zufriedenheit zu halten. Die Menschen untereinander sind kooperativ, weil sie keine institutionelle Sicherheit vorfinden (Gesetze, Verträge, … die persönliche Beziehungen und Zusammenarbeit überflüssig machen, um ein bestimmtes Interesse umzusetzen) - und weil sie vom Beginn ihres Lebens an, durch religiös und kulturell motivierte Tugendbilder geprägt werden. Insgesamt Licht und Schatten.

Deutschland: Hier herrscht im Vergleich dazu Wilder Westen. Ihr wisst, wie es läuft: Unsere Tugend und unsere Ideologie ist der Neoliberalismus - jeder für sich - kombiniert mit hohen Absicherungsangeboten, die zunehmend kommerziell erschlossen werden (Versicherungen, Lieferverträge, Leistungsverträge u.s.w.), sowie einer institutionellen Grundsicherheit und Grundversorgung, die ebenso zunehmend kapitalistischer Ausbeutung zum Fraß vorgeworfen wird.

Beim Betrachten der Beispiele würde ich sagen, dass Räume für ethische Einflüsse deutlich erkennbar werden. Nun kann man darauf verweisen, dass in Deutschland der Wohlstand viel größer ist, ja. Beim Gesamteindruck einer funktionalen Zivilisation, könnte es jedoch sein, dass Deutschland keine besonders gute Figur macht. Die Inkonsistenzen sind vielfältig.

Vielleicht überflügelt Thailand eines Tages Deutschland in jeder Hinsicht. Das bedeutet nicht, dass Deutschland eine ominöse Dreifaltigkeit zu wünschen wäre (vielleicht haben wir die allerdings schon). Es zeigt aber, dass es Alternativen zum Neoliberalismus gibt - das „scheue Reh das Kapitals“ hat Thailand nicht verlassen, obwohl dort hart bürokratisch reguliert wird, nicht beliebig ausgebeutet werden darf und ethische Leitbilder verbindlich sind. Gewinne kann man immer noch erzielen, das scheint zu genügen.

Anschlussfrage für Soziologen: Sind die kulturellen Mechanismen eher eine direkte Reaktion auf die Ohnmacht gegenüber den Eliten, oder sind es diese Kulturformen selbst, die es den Eliten überhaupt erst so leicht machen, an der Macht zu bleiben?

@JakobB vielen Dank für den Link. Die Betrachtungsweise ist ähnlich, der größte Unterschied ist die Darstellung in einem wissenschaftlichen Rahmen. Wenn Tamara Jugov eine Definition von Macht begrifflich aus wissenschaftlichen Arbeiten ableitet, hat das eine ganz andere Dimension als wenn ich ein paar Gedanken zusammen bastel.

Auf der anderen Seite bin ich ohne jede Kenntnis der wissenschaftlichen Forschung gar nicht so weit weg.

Du hattest neulich auf das Morf Video mit Stefan hingewiesen, ich hab’s damals auch gesehen. Genial, fand ich.

Ich hab’s mir nochmal angeschaut, aus anderer Perspektive. Es ist eine Machtdemonstration gegen eine Machtdemonstration. Morfs Kritik auf der einen Seite, Stefans Replik auf der anderen.

Gibt’s hier im Forum auch, diese nicht enden wollenden Kaskaden zum Thema KI beispielsweise.

Das ist Macht gegen Macht. Und das, wie es scheint, nicht nur in meinem Sinn.

@Ernst

Ich glaube meine Empörung über diese Philosophie Analogie kommt erstens daher, ich bin kein Philosoph, zweitens die Annahme die Philosophie würde von einer Machtgleichheit, dann aber vom Machtgleichgewicht ausgehen. Beides ist nicht der Fall.

Ich hab diese Werkzeug Analogie deshalb in sehr verkürzter Weise dargestellt, nicht weil ich von Gleichheit oder Gleichgewicht ausgehe, sondern um zu sagen Macht an sich ist neutral. Das ist heikel, denn die Waffenlobby argumentiert genauso.

Ich spinne mal ein bisschen rum.

Der entscheidende Unterschied dabei, die Waffenlobby sagt über einen Gegenstand der nur für einen Zweck verwendet wird, es sei der Mensch der entscheidet.
Wenn Macht nur den einen Zweck hätte andere unfrei in Abhängigkeit zu halten und zu unterdrücken, wäre Freiheit das Gegenteil? Gibt es da überhaupt ein Gegenteil? Ist das eine Verwechslung der Kategorie?

Die Freiheit die nur so lange gilt bis sie andere unfrei macht? Freiheit ohne Macht kann es dann nicht geben. Aber gibt’s Macht ohne Freiheit?

Gibt’s eigentlich etwas wie die Durchsetzung von Freiheit? Vielleicht ja Missbrauch von Freiheit.

Wenn Macht das Gegenteil von Freiheit ist kann das entweder nicht sein oder Freiheit hat nichts mit Macht zu tun.

Jetzt sind wir in der Philosophie.

Und du hast völlig recht, daraus lässt sich nichts für die Realität ableiten.

Ich komm nochmal zurück auf das was ich JakobB geantwortet habe, die akademische wissenschaftliche Debatte kann ich persönlich nur als Hinweis nehmen. Ich nehme nicht daran Teil, weder im echten Leben, noch in irgendwelchen Publikationen. Ich wäre völlig irre, zu glauben es hätte irgendeinen Impact was ich in einem Forum schreibe. Bezieh das mal auf die Machtfrage, wer kann da überhaupt mitreden, wer darf da mitreden. Da wird es interessant finde ich.

Ich verstehe deinen Punkt besser, die philosophische Komponente steckt überall mit drin, ich sage aber auch die psychologische Komponente steckt überall mit drin.

Meine Formulierung in Bezug zu Ist und Soll versucht nicht Naturwissenschaft von Geisteswissenschaft voneinander zu trennen, sie stellt schizophrener Weise genau das in den Mittelpunkt wovon ich ausgehe, erst sauber trennen, dann entwickeln. Ich habe davor alle Disziplinen in einen Topf geworfen um dann zu sagen bitte trennt das mal sauber bevor hier große Dinge verhandelt werden.

Den Vorwurf kann man machen, und da ist ganz klar, dass meine Methodik im akademischen Sinne totaler Quark ist.

Andererseits plädierst du auch auf die Synthese der Disziplinen. Irgendwann, in der Zukunft.

Ich mache das schon. Das scheint der Unterschied zu sein. Ich plädiere auch für eine Methodik die sich an irgendeiner Praktik orientiert, aber meine Anwendungsmöglichkeit ist begrenzt.

Vielleicht würde die Diskussion anders laufen, wenn wir uns alle ehrlich machen: Wer akademisches Wissen einsetzen kann, hat einen Vorteil im Diskurs — einen impliziten, der selten offen ausgesprochen wird. Man kann sich daraus bereichern, das ist legitim. Aber dann sollte man auch klar sagen, dass das selbst eine Form von Macht ist. Und genau den Verzicht darauf — bewusst auf diesen Vorteil zu verzichten, statt ihn unbemerkt mitlaufen zu lassen — fordert hier ja ständig jeder von jedem ein.

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Eine Frage des Erkennens, gefolgt von bewusst gutwilliger Kommunikation und gutwilligen Absichten.:wink: Nicht abschalten lässt sich der Vorteil im vorherigen Denken - das Gehirn greift einfach auf verfügbare Informationen und Methoden zurück.

Ja - zumindest öffentlich. Es steckt eine Transferleistung hinter der Synthese, die ich gerne jedem selbst überlasse. Wobei, zumindest bei Fragen von Frieden oder Krieg, die Synthese in meinen Äußerungen semantisch integriert wird.

Privat führe ich immer Naturwissenschaft und Philosophie zusammen, denn ich möchte nicht, dass meine Kinder abgestumpfte Geister werden.

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Ich schließe daraus, wir (alle) arbeiten gut zusammen.

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Eines der schönsten Fotomotive beim Abendspaziergang.

Die rote Nadel zeigt auf der Landkarte, wo das Fotomotiv zu sehen ist.

Drücken Fotomotiv und Ort des Fotomotivs irgendetwas über die Titelfrage des Threads aus?