Neusprech, Doppeldenk und die Große trans Schwester / Helen Joyce: Fakten über Transgender

[Auf die statistische Kontinuität des “m oder w” vom Geburtseintrag bis zum Tod gehe ich am Schluss des Beitrags ein. Zunächst zur medizinischen Relevanz:]

Gerade in der Medizin wurde jahrzehntelang eine erstaunliche Gleichmacherei betrieben. Es ist ein Fortschritt, dass hier zuletzt ein Umdenken stattfand und Unterschiede zwischen Mann und Frau stärker berücksichtigt werden.

Über Jahrzehnte wurden klinische Studien überwiegend an Männern durchgeführt, und Ergebnisse wurden ohne weitere Prüfung auf Frauen übertragen – so, als sei der weibliche Körper einfach ein kleinerer männlicher. Diese Annahme hat sich in mehreren konkreten Fällen als gefährlich erwiesen:

Arzneimitteldosierung – Zolpidem (Ambien)
Das Schlafmittel Zolpidem wurde 1992 zugelassen, ohne dass geschlechtsspezifische Unterschiede im Abbau untersucht wurden. Erst 2013 zeigten Daten, dass Frauen den Wirkstoff im Schnitt etwa 35 Prozent langsamer abbauen als Männer. Die Folge: Bei gleicher Dosis hatten acht Stunden nach Einnahme 15 Prozent der Frauen, aber nur 3 Prozent der Männer noch Blutspiegel, die laut FDA die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Die FDA senkte daraufhin die zugelassene Höchstdosis für Frauen von 10 mg auf 5 mg – ein direktes Beispiel dafür, dass der Geschlechtsmarker eine handfeste medizinische Information ist, die über Verkehrssicherheit und Nebenwirkungsrisiko entscheidet. Ovid

Herzinfarkt-Diagnostik
Die klassische Lehrbuch-Symptomatik (plötzlicher, ausstrahlender Brustschmerz) orientiert sich am männlichen Krankheitsverlauf. Frauen zeigen häufiger unspezifische Beschwerden wie Übelkeit, Atemnot oder Erschöpfung, die stattdessen oft als Magenprobleme, Stress oder allgemeine Erschöpfung fehlgedeutet werden. Das führt nachweislich zu späterer Hilfesuche und verzögerter Diagnose bei Frauen. Auch strukturell zeigen sich Unterschiede: Bei Männern reagiere das Herz auf Bluthochdruck typischerweise mit Erweiterung der linken Herzkammer, während sich bei Frauen eher der Herzmuskel verdicke – mit unterschiedlichen Folgen für die Diagnostik und Behandlung. Die Herzstiftung weist zudem darauf hin, dass EKG-Ergebnisse jüngerer Frauen seltener an Spezialisten weitergeleitet werden als die von Männern. WERO

Unterrepräsentation in klinischen Studien
Selbst wenn eine Erkrankung Männer und Frauen gleichermaßen betrifft, sind Frauen in Zulassungsstudien häufig unterrepräsentiert – bei Herzinfarkt-Studien machen sie laut Deutscher Herzstiftung oft nur rund 25 Prozent der Studienteilnehmer aus. Das bedeutet: Wirkungen und Nebenwirkungen bei Frauen werden systematisch schlechter erfasst. Herzstiftung

Diese und ähnliche Erkenntnisse haben zur Etablierung der Gendermedizin als eigenständigem Forschungsfeld geführt (z. B. am Institut für Geschlechterforschung in der Medizin der Charité Berlin), das gezielt untersucht, wie sich Diagnostik, Dosierung und Krankheitsverläufe zwischen den Geschlechtern unterscheiden.

Ergo: Der bei Geburt eingetragene, am biologischen Geschlecht orientierte Marker ist keine bloße bürokratische Fußnote, sondern korreliert mit real messbaren biologischen Unterschieden – in Pharmakokinetik, Symptomatik und Krankheitsrisiko –, die im Zweifel behandlungsrelevant sind.

Ein „Kompost“-Ansatz, der die Unterschiede zwischen Mann und Frau leugnet - um nicht zu sagen „liquidiert“- ist aus dieser Sicht ein klarer Rückschritt gegenüber dem Status quo.

Übrigens, und das wird dich vielleicht überraschen: Männer können nicht gebären. Wenn sie Mutti werden wollen, dann müssen sie Kinder adoptieren oder kaufen - auch das ist ein (nicht nur) medizinischer Unterschied zwischen Mann und Frau.

@fdoemges hat natürlich recht, dass bei einem medizinischen Eingriff am Individuum die vorgefundenen “tatsächlichen Gegebenheiten” ausschlaggebend sind. Für Studien aber beispielsweise braucht man Kategorien - eine Differenzierung nach männlich/weiblich ist da aussagekräftiger als “alles Kompost”. Ob eine weitere Aufschlüsselung wissenschaftlich sinnvoll ist, muss im Einzelfall abgewogen werden. In der Regel wird man sich aus Gründen der Übersichtlichkeit auf diese beiden Kategorien beschränken, es sei denn, das Studiendesign hätte gezielt die “Zwischenzustände” zum Inhalt.

Die Sterbefallstatistik, mit der ich mich in der Corona-Zeit ein wenig eingehender beschäftigt habe, basiert auf der standesamtlichen Beurkundung des Sterbefalls – erfasst wird also der Personenstand, wie er beim Standesamt zum Zeitpunkt des Todes aktuell eingetragen ist. Hat jemand zu Lebzeiten eine rechtliche Geschlechtsänderung vornehmen lassen, dann ändert sich der Eintrag im Personenstandsregister entsprechend, und dieser aktualisierte Eintrag – nicht der ursprüngliche Geburtseintrag – geht in die Sterbestatistik ein.

Für die allermeisten - wohl weit über 99 % der Bevölkerung - bleibt der Geschlechtsmarker in der Geburtsurkunde aber gültig bis zum Tod. In der Zahl sind sowohl nachträgliche Anpassungen aufgrund von Trans-, wie von Intersexualität mit drin.


@Kompost

Wie ernst ist es dir tatsächlich mit der Auslöschung der Kategorien männlich/weiblich?

1 „Gefällt mir“