September-Salon: Antifaschistische Wirtschaftspolitik, Anton und Alma und Steimles Wut

Das stand wohl auf den Plakaten?

“Gegen Bildung!”
“Fit werden für die Anschlussverwertung!”

Oder hast du mit den Schülern gesprochen?

Oder hast du dir das eben gerade ausgedacht?

Davon abgesehen: Was spricht dagegen, dass die Schüler gute Chancen haben wollen auf dem Arbeitsmarkt? Wenn von Frankreich die Rede ist: Da ist die Jugendarbeitslosigkeit ohnehin elendig hoch.

Der Zwang zur Lohnarbeit.

Herrlich! Was ich davon halte, kannst du dir bestimmt vorstellen. Falls nicht - die Antworten auf die gestern angebotenen Promt-Fragen drücken es aus: Schon die Kern-Prämisse ist nicht erfüllt.

Das zu beantworten überlasse ich Experten - ich würde gleichwohl sagen, dass der Nicht-Erwerb ideologischer Verzerrungen sich dabei günstig auswirken dürfte, in dem Wissen, dass das ein unerfüllbares Idealbild ist (dem sich immerhin zumindest angenähert werden kann).

Einverstanden! - Niedrigerer hilft allerdings auch nicht. Ich meine der Bildungsabschluss ist dafür nahezu irrelevant. Was sollte das auch für ein Bildungsabschluss sein?!

Spricht wo

ist wohl eher ein Argument für eine gute - im Sinne von “arbeitsmarktkompatible” - Schulbildung.

Haha, ja!
Aber wie definieren wir nun den “mündigen Bürger”?

Ist und Soll. Immer wieder.

Schüler auf den Straßen - spricht da der Souverän oder der mündige Bürger?

Oder ist das Demokratie, wenn man zwischen zwei Übeln wählen darf?

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@Flo

Schon klar. Aber aus Sicht der Schüler ist die Forderung nach arbeitsmarktkompatibler Qualifikation vernünftig. Unabhängig davon, was ein Revolutionär, Salonmarxist, Sofa-Bolschewist, linker oder rechter Träumer sich stattdessen wünschen mag. Auch dessen Hohngelächter ändert nichts an der Lage.

Ok, das war jetzt mal echt eine Ansage. Ich sitze gerade auf meinem Sofa. Mist.

Freut mich, wenn ich weiterhelfen konnte. :wink:

Könnte mir übrigens gut vorstellen, dass nicht alle Schüler demonstrieren. Vermutlich gibt es irgendwelche Eliteschulenbübchen, die das gar nicht nötig und bereits ihren Fahrschein für eine Grandes Écoles in der Tasche haben. Die anderen, die auf der Straße, wollen Chancengleichheit.
Vielleicht beruhigt diese Sicht den Sofa-Klassenkämpfer ein bisschen…

Achso!

Bin übrigens sehr beruhigt und vor allem Dankbar.

Aber mal im Ernst, du beantwortest meine Fragen nicht.

Warum?

Welche denn?

…

Die.

Ich bin vom Sofa wieder in die Werkstatt.

Natürlich nicht. Das eine Übel muss schon viel besser sein, zumindest für mich.

Ich habe in der vergangenen Stunde ein erstaunlich gutes “Gespräch am Gartenzaun” mit dem lokalen Heizungsbauer geführt, man ahnt ja gar nicht wie viel politisches Interesse in der Welt so unterwegs ist, aber das wäre hier nicht satisfaktionsfähig, von daher freue ich mich still privat. (Der hat aus seiner Perspektive einmal Mazzucatos “Das Kapital des Staates” durchgespielt und angewendet…ich habe geistige Freudentränen vergossen.)

ja, es ist schwierig… und leider entwickelt sich wieder die gleiche Dynamik. Schade

Vernunft als soziale Frage - und sofort ist das Maß aller Dinge die herrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, was bedeutet, in verschiedenen Gesellschaftsordnungen gibt es entsprechend verschiedene Antworten auf die Frage, was Vernunft ist. Oder auch in verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. Es könnte auch als vernünftig angesehen werden, dass die Schüler für einen Mindestlohn von 50 Euro pro Stunde demonstrieren, weil viele von ihnen später davon ihr Dasein bestreiten müssen. Sie könnten auch für die Einführung von Kalligraphie als Wahlfach demonstrieren, das wäre nicht unvernünftig. Gegen Wehrpflicht demonstrieren schon einige, das klingt ebenfalls vernünftig und geht über die schiere Verwertbarkeitsfrage hinaus - nur beispielhaft.

und einige sind so “vernünftig” zu sagen “Wenn ihr mehr Geld für Schulen ausgebt, dann sind wir nicht mehr gegen die Wehrpflicht…” (Quentin Gärtner baut sich damit eine Selbstständigkeit auf der kleine “grüne Rebell”) da wird sogar die Vernunft ein schillernder Begriff…

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Heizungen gehen immer dann kaputt, wenn man es am wenigsten brauchen kann: im Winter. Du hast Holz vor der Hütt‘n und nen Heizungsbauer hinterm Gartenzaun - das ist super!

Übrigens mag ich Heizungsbauer lieber als Friseure. Zu denen gehe ich gar nicht gern! Das war das einzig Gute am autoritären Corona-Regime, man durfte da nicht hin. Mein Nachbar, der alte grüne Hippie, machte sich ein Stirnband in die Mähne und fand’s super cool. Leider musste der wegziehen.

nee die Heizung ist nicht kaputt, aber wenn man irgendwie (man fragt ja immer nach der eigenen Handlungsfähigkeit) was mit der alten Heizung ändern will, dann braucht man Fachpersonal. Jedenfalls hat der ne sehr stabile Meinung zu “Ausgaben des Staates”, die erst “Einnahmen des Staates” möglich machen, MMT ick hör dir trapsen… aber da will ich nicht mehr hin…

Hat mit MMT eh wenig zu tun, den Zusammenhang erklärt dir jeder Keynesianer. Beispielsweise Heiner Flassbeck auf YouTube. Aber Heizungsbauer verstehen das natürlich auch: Man tut was rein (Kohle) und es kommt was raus (Wärme, Abgas) oder eben - bei „Kohle“ im übertragenen Sinn - Wirtschaftswachstum und damit Steuereinnahmen.

Oh, hast Du das den MMTlern schon gesagt? Das ist ja total peinlich für die, wie oft hat Maurice Höffgen schon das “Monopoly”-Beispiel gebracht um das zu erklären.