Der Sommersalon 2026, aufgezeichnet am 22. August im Saalbau Bornheim in Frankfurt vor über 600 Zuschauern. Wolfgang hat ein vierstündiges Podcast-Interview des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund durchgearbeitet und fragt, wie die Partei über den freundlichen Ton wirkt; Stefan nimmt die beschlossene Nachrichtendienstreform auseinander und verfolgt sie weiter in Drohnen- und Roboter-Clips. Zum Schluss kehrt Wolfgang mit dem ZDF-Fernsehgarten dorthin zurück, wo sich besichtigen lässt, was in Deutschland als Normalität gilt.
00:00:00 Begrüßung
Stefan und Wolfgang eröffnen den Sommersalon aus dem Saalbau Bornheim in Frankfurt, wo über 600 Menschen erwartet werden, und gehen die Themen des Abends durch: Wolfgang hat sich mit dem AfD-Politiker Ulrich Siegmund befasst, Stefan mit der Geheimdienstreform und mit Drohnen, Wolfgang zum Abschluss mit dem ZDF-Fernsehgarten. Als nächste Salon-Lektüre kündigen sie Tom Krebs’ „Kapital und Krise“ an, das Mitte September besprochen werden soll. Während des Vorgesprächs wird das Publikum eingelassen; nach dem Intro berichtet Wolfgang von einem Nachmittag bei den Jusos, und beide kommentieren Friedrich Merz’ Besuch im Hürtgenwald am selben Tag.
Angekündigt:
- Nächste Salon-Lektüre, Mitte September: Tom Krebs, „Kapital und Krise“
00:09:48 Ulrich Siegmund
Wolfgang hat sich das rund vierstündige Gespräch angehört, das der AfD-Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, dem Podcast „ungeskriptet“ von Ben Berndt gegeben hat, und spielt Ausschnitte ein, in denen kaum eine radikale Position vorkommt. Seine Lesart: Siegmund wirkt über die Betonung des Menschlichen. Auf einen Stinkefinger kämen 500 bis 800 erhobene Daumen, er suche das Gespräch auch mit Gegendemonstranten, alle machten Fehler, man sei ein Volk, und selbst mit einzelnen Grünen und Linken könne man ein Bier trinken. Weitere Clips behandeln seine Herkunft aus der Altmark, den Wechsel von der CDU zur AfD 2014 über einen Rentner, der den Kreisverband im Wohnzimmer aufbaute, seine Arbeit im Vertrieb von Raumdüften und Spenden von Unternehmern, denen gegenüber er Neid zurückweist. Wolfgang argumentiert, die AfD fahre zweigleisig — Hetzen auf der einen Seite, wofür er Alice Weidel nennt, Wohlfühlton auf der anderen —, und beide Seiten steckten in derselben Wählerperson; er verweist auf Eva von Redeckers Beschreibung des Drangs nach Härte. Stefan hält Siegmund für AfD-untypisch: halb so alt wie das übliche Personal, fotogen, mit einem Lob auf Markt und Freiheit, das zum ostdeutschen Gemüt nach der Treuhand nicht passe; er erinnert an Justus Benders Beschreibung eines Kaderaufbaus nach dem Vorbild von Project 2025. Auf Berndts Frage nach rassistischen Motiven antwortet Siegmund, er kenne solche Leute nicht persönlich, seine Grenze sei die freiheitlich-demokratische Grundordnung — spricht aber selbst von Europäern als „intellektuell erfolgreicherer“ Gruppe, woraufhin Stefan auf Graebers und Wengrows „Anfänge“ verweist. Einem Clip, in dem Siegmund sich über das Kölner Stadtbild beklagt, setzt Stefan eine Baugeschichte des Doms entgegen. Zum Programm nennt Siegmund bei einem Landeshaushalt von rund 15,5 Milliarden Euro Einsparpotenziale von 300 bis 600 Millionen bei Asyl-, Vereins-, Klima- und Genderförderung, um damit beitragsfreie Kindergärten, kostenloses Schulessen und Medizin-Studienplätze zu finanzieren; Wolfgang bezeichnet das als klassisch sozialdemokratische Politik, Stefan verweist auf den Widerspruch zur angekündigten Gewerbesteuersenkung. Zum Abschluss rät Siegmund Berndt davon ab, Regierungssprecher zu werden, und sagt, bei einem Kanzlerwechsel käme in der CDU wohl ein noch linkerer Nachfolger als Friedrich Merz.
Quellen:
- Alle Ausschnitte aus: {ungeskriptet} #323 — „Der gefährlichste Mann Deutschlands: Ulrich Siegmund“, 15.08.2026 — der Podcast von Ben Berndt
- Erwähnt: Eva von Redecker über den Drang nach Härte · Justus Bender über den Kaderaufbau der AfD · David Graeber und David Wengrow, „Anfänge“
01:03:21 Die Geheimdienstreform
Stefan wechselt in die Tagespolitik und spielt Christian Sievers’ Anmoderation im „heute journal“ zum Kabinettsbeschluss über die Nachrichtendienste ein, in der die strikte Trennung von Polizei und Geheimdienst als Konsequenz aus Gestapo und Nazizeit erklärt wird; Stefan bezeichnet diese Einordnung als das, was er sich tagespolitisch wünsche. Das von Innenminister Alexander Dobrindt vorgelegte Paket begründet Kanzleramtsministerin Nina Warken, zugleich Beauftragte für die Nachrichtendienste, mit hybriden Angriffen fremder Mächte, während im Beitrag aufgezählt wird, dass der BND künftig Systeme hacken und manipulieren und der Verfassungsschutz im Einzelfall Wohnungen durchsuchen darf; Konstantin von Notz nennt den Entwurf geschichtsvergessen und spricht von einer echten Geheimpolizei, hält handlungsfähige Dienste aber für nötig. Stefan verfolgt die Linie, dass keine neuen Befugnisse entstünden, sondern bestehende von der Polizei zu den Diensten wanderten — und verbindet das mit dem vorigen Kapitel: Für die Polizei in Sachsen-Anhalt könnte künftig Siegmund zuständig sein. Im Interview mit Jörg Schönenborn antwortet Warken auf Fragen nach Russland und Wohnungsdurchsuchungen mit einem „360-Grad-Blick“ und damit, das Trennungsgebot stehe ohnehin nicht in der Verfassung, werde aber eingehalten. Stefan hält dem entgegen, dass die seit Jahren betonte Bedrohung durch Putin nach dem Drohnenfund in Leipzig gerade nicht zur Benennung eines Angreifers führe; Wolfgang ergänzt, eine solche Benennung erzwänge eine Konfrontation, die offenbar nicht gewünscht sei. Aus einem Deutschlandfunk-Podcast spielt Stefan Passagen mit Falk Steiner und Marcus Pindur ein, in denen auf die 80 Jahre seit der Gestapo und einen nötigen „Realitätscheck“ verwiesen und die neuen Befugnisse bis hin zu smarten Kühlschränken aufgezählt werden; Wolfgang hält dagegen, der Verfassungsschutz agiere unterhalb der polizeilichen Schwelle, und genau dieser Bereich werde nun mit Eingriffsrechten ausgestattet. Auf die dort gestellte Frage, was geschehe, wenn Parteien regierten, denen man nicht vertraue, antwortet ein Gast, das lasse sich per einfachem Gesetz kaum absichern; Wolfgang entgegnet, die AfD könne auch ohne Abschaffung der Demokratie rechtsextreme Politik machen, und ihm reiche bereits das gegenwärtige Personal an diesen Hebeln. Zum Abschluss stehen ein Ausschnitt aus dem Spiegel-Podcast „Acht Milliarden“ über das Selbstverständnis des Mossad und ein Beitrag, in dem Sebastian Puschner mit Verweis auf Jürgen Habermas fordert, parallel zur Aufrüstung diplomatisch an einem Ausweg zu arbeiten.
Quellen:
- „heute journal“, 12.08.2026 — Anmoderation Christian Sievers, Dobrindt zu hybriden Angriffen, die neuen BND-Befugnisse, Konstantin von Notz
- „Tagesthemen“, 12.08.2026 — Jörg Schönenborn im Interview mit Nina Warken
- Deutschlandfunk, „Der Politikpodcast“: „Nachrichtendienstreform — Endlich echte Geheimdienste?“, 14.08.2026 — mit Falk Steiner, Gudula Geuther und Marcus Pindur
- Der Spiegel, „Acht Milliarden“: „Israels Mossad: Der Geheimdienst, der tötet“, 13.08.2026
- Deutschlandfunk Kultur, „Studio 9 — Der Tag mit …“: Sebastian Puschner, 13.08.2026 — mit Verweis auf Jürgen Habermas
01:36:33 Die Maschinen kommen
Stefan setzt das Sicherheitsthema mit Video-Clips fort: ein autonomes Lieferfahrzeug von DoorDash und ein Bericht aus Shenzhen, wonach fahrerlose Fahrzeuge dort in einem Monat 2,82 Millionen Lieferungen absolviert haben — seine Frage ist, was solche Fahrzeuge außer Waren noch transportieren könnten. Es folgen Drohnenshows mit 11.000 Fluggeräten, die Wolfgang als Machtdemonstrationen bezeichnet, sowie eine Rüstungskonferenz, auf der der Vize-Kommandeur des US Northern Command auf die Frage nach Schwärmen billiger Drohnen antwortet, man habe weder die Sensorik noch die Mittel dafür. Wolfgang schließt daraus, nicht die Befürworter von Abrüstung seien die Phantasten, sondern jene, die glaubten, sich gegen eine derart hybridisierte Kriegsführung hochrüsten zu können. Weitere Ausschnitte zeigen eine 40-Gramm-Drohne, die eine Motte abfängt, die durch Eigenrotation schwer sichtbare Drohne „Phantom Twist“ der Northwestern University, den Halbmarathon humanoider Roboter in Peking-Yizhuang und Roboter-Käfigkämpfe; Wolfgang verweist auf Ernst Jüngers „Gläserne Bienen“ von 1957 und fragt, wie sich das Selbstverständnis des Menschen durch humanoide Roboter verändere. Stefan hebt den Vorsprung Chinas hervor, wo Roboter in Zehntausenderstückzahl gefertigt werden, während ein 45.000-Euro-Roboter hierzulande kaum an Privatpersonen verkauft wird. Zum Rüstungsteil laufen ein Werbevideo der finnischen Firma Sensofusion für eine Drohnenfabrik im Schiffscontainer und ein Monitor-Beitrag über den Milliarden-Auftrag an Helsing und Stark, in dem ein ukrainischer Vizekommandeur die gelieferten Drohnen als wenig hilfreich und mit rund 100.000 Euro pro Stück als zu teuer bezeichnet. Am Ende steht eine Reportage aus Beirut über die dauerhafte Hörbarkeit von Drohnen; Wolfgang berichtet von einem Bekannten im Libanon.
Quellen:
- DoorDash-Roboter — erst einmal ganz putzig: Reel
- Shenzhen — Lieferroboter übernehmen die Nacht: Reel
- Chongqing — 11.787 Drohnen, Guinness-Weltrekord am Himmel: Reel
- Das Drohnenfeld vor dem Start: Reel
- Space and Missile Defense Symposium, Huntsville, 13.08.2026 — Generalleutnant Joseph Jarrard, Vize-Kommandeur des US Northern Command, zu Drohnenschwärmen: keine Sensoren, keine Effektoren: Reel
- Cai Guo-Qiang — Drohnenshow mit Farbpulver statt Lichtern: Reel
- Ein Investor seziert die Mücken-Drohne: Reel
- Northwestern University — die unsichtbare Drohne „Phantom Twist“: Reel
- Peking-Yizhuang — Humanoiden-Halbmarathon, zweite Auflage: Reel
- Roboter-Boxkampf: Reel · Erster Vollkontaktkampf zwei Meter großer Humanoiden: Reel
- „Please do not touch me“ — der Roboter steht selbst aus der Transportkiste auf: Reel
- Selbstversuch — einen Unitree G1 in Deutschland kaufen: Reel
- Massenproduktion humanoider Roboter beginnt: Reel
- Sensofusion — Drohnenfabrik im Schiffscontainer: Reel
- „Monitor“ — der Kamikaze-Drohnen-Deal der Bundeswehr: Reel
- Wildberries — ukrainische Drohnen zerstören das größte Lager bei Moskau: Reel
- Die Geräuschkulisse der Drohnen: Reel
- Erwähnt: Ernst Jünger, „Gläserne Bienen“ (1957)
02:01:56 Fernsehgarten
Wolfgang hat mehrere Ausgaben des ZDF-Fernsehgartens gesichtet und begründet die Auswahl damit, dass sich daran ablesen lasse, was in Deutschland als Normalität gelte — auch für jemanden wie Ulrich Siegmund; er verweist zugleich auf die Debatte um eine Kette, die Moderatorin Andrea Kiewel in der Sendung trug. Die Clips zeigen eine Mallorca-Ausgabe mit Elton, eine Geburtstagsrunde zum 50. der Biene Maja, eine Publikumsgruppe, in der alle Frauen „Gabi“ heißen, sowie ein Familienspiel mit Frauke Ludowig, Stefanie Hertel und Mitgliedern der Kelly Family, in dem der „Yes Day“ erklärt wird. Wolfgang argumentiert, es falle kein klarer Satz, die Spiele würden mehrfach erklärt, das Ganze sei eine Verblödungsmaschinerie; Stefan beschreibt den Diskursmodus als Reihum-Prinzip, bei dem jeder genau eine Sache sagen darf. Als Ausnahme hebt Wolfgang den 90-jährigen Engelbert Humperdinck hervor, der live gesungen habe, woran sich ein Austausch über Künstlernamen, Tom Jones und David Bowie anschließt. Ein weiterer Block behandelt den Auftritt von Ralf Möller, dessen gegenseitiges Komplimentieren mit Kiewel Wolfgang als Gottschalk-Vibes einordnet und zu dem Stefan eine Erinnerung an Möller im „aktuellen sportstudio“ beisteuert. Zum Schluss läuft eine Runde „Reise nach Jerusalem“ um einen Reisegutschein über 500 Euro, bei der die Moderation selbst darüber scherzt, dass das Geld allenfalls für einen Campingplatz reicht — für Wolfgang der Verteilungskampf in Miniatur, für Stefan in der Machart an Squid Game erinnernd.
Quellen:
- Alle Ausschnitte aus dem „ZDF-Fernsehgarten“ — die Mallorca-Ausgabe mit Elton, die Geburtstagsrunde zum 50. der Biene Maja, der Auftritt von Engelbert Humperdinck, Ralf Möller zu Gast, das Familienspiel mit Frauke Ludowig und Stefanie Hertel sowie die „Reise nach Jerusalem“ um 500 Euro
02:29:27 Verabschiedung
Stefan und Wolfgang beenden den Abend ohne Schlusswort zum Programm. Wolfgang kündigt an, man vertage sich und sehe sich Ende des Monats wieder, Stefan verabschiedet sich mit „Haut rein“.
