Nicht zwingend - nur wenn man gegenüber dem Publikum Empathie vermissen lässt und die Wortwahl reiner Selbstzweck ist. Kommunikation, die beim Publikum Resonanz erzeugt ist eine echte Leistung. Dein Fass der „Manipulation“ mache ich hier nicht auf - du lässt in den Begriffen mitunter Wertungen mitschwingen. Ich nutze sie leidenschaftslos beschreibend. Möglich, dass das nicht deinen Gewohnheiten entspricht. Das ist kein Problem, denn nichts wäre langweiliger, als dass wir alle gleichförmig agieren.
Mit „Effizienz“ meine ich das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag - im Fall von Ole & Co. deren Kommunikationsarbeit im Verhältnis zur Resonanz beim Publikum (insbesondere jenem, welches nicht ohnehin auf ihrer Seite steht).
Mit „Narrativ“ meine ich eine bestimmte Erzählung , die sich beim Zuhörer zu einem Bild aufbauen kann, und gleichzeitig soll dieser Begriff vermitteln, dass nicht der Anspruch geltend gemacht wird, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Wahrhaftigkeit hingegen wird damit nicht in Frage gestellt.
Nein, keiner meiner Begriffe ist in diesem Zusammenhang herabsetzend gemeint - zu solchen Entgleisungen lasse ich mich in der Regel nur gegenüber asozial agierenden Neoliberalen hinreißen, und das wird dann auch entsprechend deutlich gemacht.
Ja, ich benutze Begriffe gerne instrumentell (persönlicher Effizienz wegen
). Dein Verweis auf ingenieurwissenschaftlichen Sprachgebrauch ist nicht von der Hand zu weisen.
Falsch - und ein verhängnisvoller Chiasmus.
Bleiben wir bei unserem Bild, aber tragen wir es zu Ende. Ein Ertrag entsteht nie aus dem Boden allein – er ist immer ein Zusammenspiel aus Boden, Saat und Wetter. Der Boden mag empfänglich gewesen sein, die Krisen haben ihn zweifellos aufgewühlt. Doch empfänglicher Boden bringt von sich aus nichts hervor. Er entscheidet nur, ob das Gestreute keimt – nicht, was gestreut wird und von wem.
Und genau hier hakt das „nicht die Aussaat, sondern der Boden”. Denn diesen Boden fanden alle Parteien gleichermaßen vor. Wenn auf demselben Acker nur eine erntet, dann war es nicht der Boden, der den Unterschied gemacht hat. Den Unterschied macht, wer welche Saat ausbringt. Die AfD hat sich für die billigste entschieden, die es gibt: den Angst-Affekt. Der keimt schnell, verlangt keine Qualität und hält nichts, sobald die Saison vorbei ist - weshalb die AfD scheitern wird, sobald sie in politische Regierungsverantwortung gelangt. (Ich unterstelle dabei demokratische Elemente - die werden allerdings seit Jahren von vielen Parteien, Parlamenten und Kommissionen gründlich zerlegt.)
Auch das vermeintlich „plötzlich passende Angebot” löst sich bei Licht betrachtet auf. Was die AfD erreicht hat, war affektive Resonanz, keine sachliche Passung. Sie hat eine Stimmungslage getroffen, ohne irgendetwas zu lösen, was die Krise überhaupt verursacht hat. Dass es „für einige” passend aussah, ist kein Beleg für Passung, sondern für gelungene Affektbewirtschaftung. Resonanz ist nicht Lösung.
Niemand bestreitet, dass die Erfahrungen echt waren und der Boden bereitet. Bestritten wird, dass damit schon erklärt sei, warum gerade diese Saat aufging. Der Boden senkt die Schwelle. Über die Saat – und über die Verantwortung für ihre Wahl – entscheidet er nicht.
Zu bedenken ist, dass Affektbewirtschaftung von rechts wesentlich einfacher ist, als konstruktive Aufbau-Argumentation von links. Verlustangst ist im Wesen des Menschen tief verankert und leicht zu triggern. Insofern sind Ole & Co. dazu verdammt, viel bessere rhetorische Leistungen zu bringen, als ihre Gegenspieler. Das wurde im Thread zur Gegenmacht unter dem Schlagwort „BILD-Zeitung von links“ diskutiert.