Überspannen Ole Nymoen und Simon David Dressler nicht langsam den Bogen?

Bitte hör auf mit den Unterstellungen, was für ein Quatsch

Du verwechslst deine Interessen mit denen der AfD letztendlich. “Freie Entfaltung” ist ein ideologisch aufgeladenes Konstrukt solang du ein Staat brauchst, um es zu entfalten und selbst die AfD kann “Freie Entfaltung”. Was sie nicht kann und was auch der Staat nicht kann ist “Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum” oder “Umgestalten von Produktionsbedingungen”.
Niemand hält dich davon ab für die woke Bundeswehr in den Kampf zu ziehen, aber meine Partei ist das nicht.

Das sehe ich genauso - die freie Entfaltung beginnt und endet nicht im Rahmen der LGBTQ+. Sie umfasst jeden Aspekt an Möglichkeits-, Verhaltens- und Gedankenräumen eines Menschen und ist deshalb universell. Sie wird eingeengt durch Ideologie und Ökonomie - ich unterstelle eine im Allgemeinen verträgliche Gesetzgebung (ohne das zu definieren und auch nur dort, wo es überhaupt sinnvoll ist - die klassische Aufklärung könnte als Ausgangspunkt dienen).

Sobald Sammelbegriffe wie „wir“ oder „unser“ zu hören sind, um sich hinter Fahnen zu versammeln, gehen bei mir die Alarmglocken an.

1 „Gefällt mir“

Der mögliche Irrtum der da drinsteckt ist, ein Individuum mit einer vom Mechanismus des Systems ausgestatteten Macht, gestaltet sozusagen universell per Gesetz ein Wir. Der einzige wirksame Gegner kann nur die kleinstmögliche Instanz sein. Die aber per Aufklärung hinter einer anderen Fahne ein Wir erzeugen möchte. Dabei stimmt alles was du sagst, es scheint also so zu sein dass Richtig und Falsch in dem Sinne nicht universell gültig sind. Diese Spannung ist nicht auflösbar indem eine Identität mit einer anderen austauscht wird

Zweifellos. Alles, was regelt schränkt Entfaltung ein. Deswegen habe ich versucht, die Anknüpfungspunkte semantisch zu dämpfen.

———————————————————

Der erscheint mir als der Größte,

der zu keiner Fahne schwört,

und, weil er vom Teil sich löste,

nun der ganzen Welt gehört.

(Rainer Maria Rilke. Teil des Gedichts „In dubiis”)

———————————————————

Ich möchte mich nun aber nicht weiter von der Eingangsfrage des Threads entfernen.

1 „Gefällt mir“

ufff…

Wie soll man denn da noch Ordnung hineinbringen…

  • Die Funktion einer Armee (Gewalt nach Außen) wird immer (mit “guten Gründen”) gerechtfertigt, die Beteiligung an den Zerfallskriegen der UDSSR (Fischer: “Auschwitz verhindern!”, Scharping: Hufeisenplan!), Bündnistreue (War on Terror!) oder was auch immer. (Horst Köhler hat 2010 auf dem Rückflug aus Afghanistan seine “Handelswege freischießen”-Äußerungen getätigt…Anton Hofreiter sagte 2020 er würde gerne mit “dem Colt auf dem Tisch” international verhandeln… ). Das eine Militärdoktrin sich ändert ist doch keine Änderung der Funktion (stehende Massenarmee - flexibler Einsatz von Berufssoldaten - stehende Massenarmee)…
  • Eine Armee braucht Menschen, im “besten Falle” bekommt man die freiwillig und “aus Überzeugung” (hier kommt Propaganda, Geld, Anerkennung etc.), wenn nicht , dann eben mit Gewalt (Verpflichtung, Busifikation). Jetzt mag man sich persönlich fragen, ob einen die vorgebrachten Gründe überzeugen, die spielen aber nur eine Rolle für den Nachschub an Menschenmaterial. (Die einzige Kritik an Zwangsdiensten bislang ist die die eingeschränkte Qualität des Menschenmaterials… “die kämpfen ja nicht aus Überzeugung!”
  • Nebenbei klappt das noch nicht mal so recht mit Menschen die schon von “den guten Gründen” überzeugt worden sind: Bundeswehr erwägt offenbar Verpflichtung für Dienst in der Litauen-Brigade - DER SPIEGEL
  • Womit ich auch nicht auf Gegenliebe (haha) stoße ist die Feststellung von der Ungeeignetheit von moralischen Höchstwerten: Freiheit! Liebe! Gerechtigkeit! Freie Entfaltung! (“Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt, aus Liebe am Vaterland; ich will nur, dass Gerechtigkeit herrscht und Flüchtlinge nicht mehr bekommen als Deutsche!; Hier kann man gar nicht mehr sagen, was man denkt!” Das hält zwar das gemeinsame Herumgemeine im Fluss, führt aber zu keiner Erkenntnis.
  • Die Funktion eines Staates nach Innen (Treffen kollektiv bindender Entscheidungen), sagt nichts über die persönlichen Gefühle gegenüber diesen Entscheidungen aus. (Hier spielt sich die immer gleiche Diskussion über Macht/Gegenmacht ab.)
  • Die Ausrichtung eines Staates nach Innen, ist nicht abhängig von der Ausrichtung nach Außen: “Woke und Wehrhaft” (als Identifikationsangebot) geht genauso wie (“Deutschland zuerst! Keine Auslandseinsätze!”) (Hier auch sehr witzig: “Sparta 2.0” als positives Identifikationsangebot…)
  • Die Vermischung von Individuum und System (jaja, ich rede mir den Mund fusselig) führt dann zu kleinen Stilblüten wie “Die AfD kann doch gar nicht homophob sein, Alice Weidel ist doch lesbisch!” oder “Die AfD ist homophob und trotzdem macht Alice Weidel mit!” oder “Ich gehe als Schwuler in den Auslandseinsatz, denn meine Freiheit wird an der Straße von Hormus verteidigt!”

Als letzter Punkt und ich versuche auf den Ausgang zurückzuleiten: Ole und Simon sind keine Pazifisten, sie sind Antimilitaristen und Antinationalisten. Eine Diskussion, ob es auch “gerechte Kriege” oder “gute Kriegsgründe” geben könnte, oder ob eine Nation besser sein kann als eine andere geht an der grundsätzlichen Kritik vorbei.

Die Frage ist jetzt gerade: Es geht um die kollektiv bindende Entscheidung, ob dieser Staat Teile seiner Bevölkerung zu einem Dienst in seiner Armee verpflichten darf und soll diese kollektiv bindende Entscheidung durch Verfahren legitimiert werden?

Ob man gerne “zur Armee geht”, weil man “dem Land etwas zurückgeben möchte”, oder man skeptisch ist, weil die Schulen nicht gut ausgestattet sind, oder ob man glaubt Putin rücke morgen mit seinen Panzern in einem Vernichtungskrieg bis an den Rhein, oder man hofft auf Fördergelder für das eigene Drohnenstartup, oder ob man eine CDU-Armee besser findet als eine AfD-Armee…. das spielt alles keine Rolle.

5 „Gefällt mir“

Ich habe mir in letzter Zeit sehr viel "Heissa Papa“ gegeben. War nicht immer schlecht, aber die sind mittlerweile in so einem Profilierungsrausch. Jetzt macht Ole sogar schon ein Video, wo er Maurice Höfgen auseinandernehmen will. Dabei hat Ole in der Vergangenheit wirtschaftspolitisch jetzt auch nicht besonders radikale Wirtschaftspolitik gefordert. Ich bin keiner, der Kritik innerhalb der Linken schlecht findet, aber wozu einen Beitrag hervorholen, den sonst wirklich niemand in irgendeiner Art und Weise rezipiert hätte?

Die beiden würden gerne in einer Liga spielen mit anderen Playern in der Linken, aber es ist halt alles einfach nur mehr edgy..

3 „Gefällt mir“

was schmerzt Dich daran?

“Mama und Papa streiten sich.”, oder ist das inhaltlich falsch?

Wozu die Polemik? Ich habe ja geschrieben, was mich stört und dass mein Problem eben nicht ist, dass er Kritik an anderen Linken übt.

das war gar nicht polemisch gemeint.

Ich verstehe “edgy” nur nicht. Ist das ein ästhetisches Urteil? Vielleicht bist Du nicht die Zielgruppe, oder die beiden täuschen sich über ihre Zielgruppe?

Deswegen frage ich nach. Ich sehe das ab und zu und denke: Joa, so reden die jungen Leute also heute (also ich nehme von mir an, dass ich nicht die Zielgruppe bin) …

2 „Gefällt mir“

Inwiefern verstehst du edgy nicht? Mir geht es ja gar nicht um das Jugendjargon, ich gehöre zur selben Generation.

Ich unterstelle ihnen, dass sie manche Folgen mehr für den Effekt als für den Inhalt machen und das nutzt sich schnell ab. Ole ist kein radikaler Linker, wie man aus Wohlstand für Alle weiß, performt ihn aber bei Heissa Papa. Maurice ist ein Kapitalist, Ole der Sozialist und das muss man fünf Mal unterstreichen.

Ich fand auch die Folge mit Fabian Lehr und Simon letzte Woche auch sehr bezeichnend, weil Letzterer da das Maul nicht so voll nehmen wollte, wie er es sonst tut. Die beiden haben halt theoretisch wenig im Angebot außer der Staat hin und der Staat her und das merkt man da recht schnell. Und linke Bewegungen lehnen sie irgendwie ab, weil das nicht der richtige Weg sei..

Das ist halt ein Unterhaltungsformat und damit sind sie auch sehr transparent. Sie können damit Geld verdienen und das ist für solche Lebensentwürfe in der Tat nicht einfach.

Sie besetzen in dem Sinne ein Nische, dass Sie Unterhaltung mit Politik verweben und die theoretisch verdichteten Monologe von Lehr kannst Du jetzt wirklich nicht “Unterhaltung” nennen. Reaction-Formate “funktionieren” halt. Und es gibt gar keine Notwendigkeit, dass sich Ole bei HeissaPapa genau so verhalten muss wie bei Wohlstand für Alle. Das ist ein Anspruch an Rollenkonsistenz den Du erstmal formulierst. Wenn er im Fernsehen auftritt verhält er sich wieder ganz anders. Es sind eben andere Situationen, Anlässe, Gesprächsformate und Sendungsformate. Maurice geht nicht auf nischige Unterhaltung sondern in Richtung ÖRR und macht dann eben z.B. das Format “Wirtschaft in leichter Sprache”, was in seinen Videos sonst auch überhaupt nicht das Niveau ist und von Lehr als Leninisten erwarten wir dann was für ein Verhalten? Fehlende theoretische Tiefe kannst Du denen nun wirklich nicht vorwerfen, dass sie aus einem Reaction-Unterhaltungskanal keinen Lesekreis machen auch nicht.

Und die lehnen sich doch überhaupt nicht ab, die diskutieren halt jeder aus seiner Perspektive, wünscht Du Dir, dass sie sich besser verstehen? (Honey Balecta hat dazu neulich ein Video gemacht.)

edit: 99zueins hatten am Anfang auch Reaction-Formate haben sich dann aber relativ schnell dagegen entschieden.

1 „Gefällt mir“

Ich verstehe deine Kritik immernoch nicht. Wenn du dich nicht inhaltlich damit auseinandersetzen willst, also zum Beispiel hier Thesen, Aussagen, Behauptungen auseinandernimmst und deine Gedanken dazu zur Disposition stellst, regst du dich über Geschmack auf.

Gibt es was inhaltliches was du kritisieren möchtest?

1 „Gefällt mir“

Nur weil es Unterhaltung ist, soll ich die Methode nicht hinterfragen? Finde ich einen weirden Take. Doch, ich werfe ihnen fehlende theoretische Tiefe vor. Was ich ihnen nicht vorwerfe, ist dass sie keinen Lesekreis draus machen, ist ja voll okay. Und was 99zueins betrifft, haben die immer noch Reaction-Formate, die ich oft sehr gelungen finde.

Wo rege ich mich über „Geschmack“ auf? Jetzt unabhängig davon, dass ich hier im Laufe des Threads sehrwohl inhaltliche Kritik gebracht habe, frag ich mich, warum es die Kritik in irgendeiner Art „schlechter“ macht, wenn sie auch auf die Form geht?

Nein, ich stelle mir die Frage nach dem Sinn. Du kannst gerne alles schreiben was du möchtest.

aber was fehlt Dir denn?