genau mit dieser “Erduldung”, “Unterwerfung” und “Machtausübung” will ich ja gerade herausarbeiten, dass diese Bewertung genau eine Analyse verhindert. Du “unterwirfst” Dich, weil es dir Spaß macht in diesem Forum an Kommunikation teilzunehmen. Mehr ist es nicht. Niemand hat Dich gezwungen, Du bist nicht Teil eines geheimen Planes etc.
Aber: Das Produkt ist “Stefan Schulz”, als Teilnehmer des Systems “Massenmedien”, darin hat er sich als Journalist und Soziologe positioniert (Seriosität, Analyse von Medienerzeugnissen, Stellungnahmen, Anregung von Debatten, Podcast im Langformat etc.). Teil davon ist das Forum. In diesem Forum ist alles möglich, was dem nicht zuwiderläuft.
Ist das schlimm oder verwerflich? Nein. Haben wir uns darunter unterworfen? Ja. Sind wir jetzt Knechte? Nein.
Auch Stefan Schulz muss sich so verhalten, dass es “Stefan Schulz” nicht schädigt (Wenn Stefan Schulz ein Video hier hochlädt in dem er sich betrunken in eine Badewanne voll Schokopudding setzt und sich über einen gestrandeten Wal lustig macht, nimmt “Stefan Schulz” Schaden.)
Müssen wir jetzt von metaphysichen Kraftlinien eines zurichtenden Staates sprechen? Von “dem Kapitalismus”, der uns alle unterschiedslos unterwirft? Finstere Absichten hinter der Erstellung dieses Forums zur Steigerung des Einkommens? Nein.
Jetzt nochmal zurück zur “Verzauberung”: Elon Musk ist als Millionär gestartet und hat sich so verhalten. Mehr nicht. Er hat aber “Elon Musk” zu einem Produkt gemacht (genialer Erfinder, Visionär, Stratege, legitimer mächtiger Mann). Die Ent-Zauberung arbeitet sich nur an der Verzauberung ab: Er hat nie etwas erfunden, seine Visionen sind erschreckend, er will sich nur bereichern, seine Macht ist nicht legitim, er ist ein schlimmer Mensch). Aber: Andere richten ihr Verhalten danach aus, was sie von “Elon Musk” erwarten. Das Elon Musk aus Geld Einfluss genieren kann wird dabei unterbelichtet.
Deswegen ist eine individuenzentrierte Gesellschaft so anfällig für Menschen wie Altman, Musk, Trump, Holmes und eine individuenzentrierte Kritik kann immer nur “Ent-Zauberung” betreiben. Das Geld gegen Macht und Macht gegen Geld getauscht wird, wird dabei vollkommen übersehen. (und hier auch nochmal die Aldi-Brüder: Die verhalten sich wie Milliardäre, sparen sich aber die “Verzauberung”.)
und jetzt wieder die Schleife zu diesem Forum: Wir unterwerfen uns (inkusive Stefan Schulz) “Stefan Schulz” und geben ihm damit Macht (große Hörerschaft, Alleinstellungsmerkmal im Medienbetrieb etc.), die er wieder eintauschen kann (Einladung zu Talkshows, Annahme von Buchskripten bei Verlagen etc.) und dann wieder in Geld umtauschen kann (Einnahmen aus Auftritten und Buchverkäufen), was er wieder einsetzen kann (Einstellung von Personal, Überbrückung von einkommensfreien Zeiten zur Erstellung eines neuen Buches etc.).
Sind wir jetzt in einem universellen Verblendungszusammenhang gefangen? Hat “der Kapitalismus” gewonnen? Oder macht es einfach Spaß einen Podcast zu hören und sich im Internet mit Leuten zu unterhalten? Macht es Stefan Schulz einfach Spaß sich zu äußern, Medien anders zu betreiben und er kann damit sogar seinen Lebensunterhalt bestreiten?