Zerfall der Weltordnung, Faschistische Körper, Gulia Enders, Staat & Gewalt, US Familienideologie

@Joy

Wenn die Produktionsweise und der Akkumulationsprozess in der Argumentation vollkommen abgekoppelt sind von der Kritik an der in der Tat ungeheuren Vermögenskonzentration, die hier ja dennoch meist sinnvoll und mehr oder weniger witzig in ihrer Absurdität dargestellt wird, würde ich zumindest etwas genauer hinhören. Wenn dann noch die personifizierte Elitenkritik überhand nimmt, kann, wie hier geschehen, spätestens beim Bedienen antisemitischer Klischees, die fernab dessen liegen, was die Daten so hergeben, durchaus von Antisemitismus gesprochen werden. Ich meine das hier auch nicht primär als Vorwurf, auch wenn der Stuss, den Stefan da in der letzten Folge verzapft hat, nicht verzeihbar ist, sondern als Anregung, sich mit Antisemitismus und seinen psychologischen Mechanismen, die sich von Rassismus nochmal erheblich unterscheiden, auseinanderzusetzen. Natürlich gehören die einschlägigen Protagonisten allesamt enteignet und die einzelnen Fälle des Epstein-Komplexes insbesondere im Sinne der Betroffenen aufgearbeitet und die politischen Verstrickungen skandalisiert. Wer allerdings glaubt das Kapital mit Steuerreformen, personifizierter Kritik und Verschwörungsmythen auf QAnon-Niveau einhegen zu können, ist auf dem Holzweg und sicherlich nicht auf der Seite politischer Emanzipation.

@Flo Ich bin kein Akademiker. Den Rest deiner Kommentare habe ich inhaltlich nicht verstanden. Was willst du genau ausdrücken?

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@friendlynotes Ich möchte in gar keinem Fall, antisemitische Ansichten in irgendeiner Weise legitimieren oder unterstützen, ich versuche nur genauer zu verstehen, warum du in unserer aktuellen Zeit eine so enge Verbindung zwischen Kritik an Superreichtum und Antisemitismus ziehst, dass strukturelle Elitenkritik per se unter Verdacht gerät.

Die Forbes-Listen der letzten Jahrzehnte zeigen ein diverses Bild: Tech-Milliardäre aus den USA (Musk, Bezos, Gates, Zuckerberg – gemischte Hintergründe), Oligarchen aus Russland, Industrielle aus Indien (Ambani, Adani), die Golf-Dynastien, chinesische Tech- und Immobilienmilliardäre, europäische Familienvermögen (Arnault, Aldi-Erben, IKEA). Die globale Superreichen-Klasse ist ethnisch, religiös und geografisch extrem heterogen.

Sind jüdische Amerikaner statistisch überrepräsentiert unter den Wohlhabenden in den USA relativ zu ihrem Bevölkerungsanteil? Ja. Ist “die Gruppe der Superreichen” deckungsgleich oder auch nur eng überschneidend mit “den Juden”? Nein. Selbst wenn eine Person, die wegen Superreichtum kritisiert wird, jüdisch wäre, wäre die Kritik nur dann antisemitisch, wenn sie wegen der jüdischen Zugehörigkeit erfolgt. Korrelation ist nicht Kausalität.

Darüber hinaus finde ich es problematisch die Epstein Files als “einzelne Fälle” zu bezeichnen. Das sind nicht nur Einzelfälle, das ist ein weiteres schwarzes Loch, ein systemisches Verbrechen an Kindern.

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Es geht mir nicht um eine moralische Verurteilung von Antisemitismus, sondern um einen Begriff von diesem und eine Reflexion seiner Mechanismen. Erst dass Stefan hier diese grob skizzierte “Trennlinie” weit überschritten hat, macht seine Konzentration auf die Superreichen fragwürdig. Gerade das ist typisch für den Antisemitismus, verstanden als negative Leitidee der Gegenwart.

Antisemitismus würde auch ganz ohne Juden funktionieren. Er kann sich natürlich auch rassistisch artikulieren, darum geht es mir hier aber nicht.

Die Formulierung “einzelne Fälle” überinterpretierst du hier, ich spreche nicht von “Einzelfällen” in seiner herkömmlichen Bedeutung.

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Wenn du Kritik üben willst, mach das gerne. Die Konstruktion die du hier mit eingebaut hattest Elitenkritik → QAnon → Ken Jebsen → Antisemitismus bezogen auf die Aussage im Podcast entspricht nicht dem was gesagt wurde.

Bias deshalb, weil der erste Satz zum Thema „Ich meine es schon böse“ war.

Zu sagen es geht Dir nicht um moralische Verurteilung klingt in diesem Zusammenhang absurd.

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Mit Dimension nicht verstanden ist gemeint:

Dieser Epstein Fall verwischt Grenzen 1. dadurch dass niemand mehr die Trennschärfe oder auch Quellenkompentenz haben kann um zu unterscheiden was stimmt und was nicht stimmt. 2. dadurch, dass es entweder Wissende gab, die nichts gesagt haben, (ich finde Noam Chomsky ist da ein sehr gutes Beispiel) oder Mittäter.
Das Ausmaß an Irrsinn, Verkommenheit, Boshaftigkeit und Menschenverachtung ist so groß, dass ich das als Zäsur bezeichnen würde.

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zu chomsky: https://x.com/ChrisCWright1/status/2020348197986562077/photo/1

aus welchen stellen hattest du gelesen, dass chomsky mitwissender war?

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Siehst du, da zeigt sich Par excellence was ich meine. Ein veröffentlichtes Statement was zugespitzt sagt, wir wussten nichts und bereuen.

Es gibt sehr viele dieser Statements. Der Kontakt zu Epstein sagt erstmal nichts aus ob jemand was gewusst hat oder gar Mittäter war. Und ja, natürlich gilt die Unschuldsvermutung die ja auch im Statement in der Umschreibung Noam hat in das Gute im Menschen geglaubt zum Ausdruck kommt.

Die entscheidende Frage ist, ist der faktische Hintergrund im Jahre 2026 abseits der Sympathie zur Person und zum Werk Noam Chomskys wirklich aufzuklären?

Mein Punkt ist, ist er nicht.

Mit der Veröffentlichung der Epstein Files ist die Ehrlichkeit und Integrität für immer zerstört.

Hier auch:

Spricht Stefan von diesem Foto?

Womöglich Fake?

Bedeutet das nur die Fotos die vom DOJ veröffentlicht wurden sind nicht Fake?

…soweit ich das sehe…

Genau, soweit du oder ich oder wer auch immer es sieht.

LLM, Internet, Medien, DOJ…

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Verzeihung, aber das reicht mir als Einordnung nicht. Chomsky hat offensichtlich zu wenig reflektiert, wer ihn unterstützt hat, in welchen Netzwerken er sich bewegt hat und welche politischen Interessen damit verbunden waren. Das ist kein bloßer Nebenaspekt, sondern relevant für die politische Verantwortung öffentlicher Intellektueller.

Seine Texte sind stellenweise analytisch stark, aber daraus folgt nicht, dass man die Person pauschal reinwaschen oder jede Kritik abwehren muss. Werk und Person lassen sich unterscheiden, ohne berechtigte Fragen einfach abzublocken.

https://x.com/CDMorlock/status/2020616016531947905?s=20

https://x.com/KlonnyPin_Gosch/status/2020909343231684779?s=20

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ich komme bei deinen ausführungen leider auch nicht ganz mit, glaube aber, dass du hier etwas vermischt.

erstmal geht es um die frage, ob stefan von diesen bild spricht - darauf gibt es eine faktische antwort: ja oder nein

dann wäre die frage, ob stefan das bild in den files gesehen hat oder irgendwo im internet und dort behauptet wurde, es sei in den files, also um die frage: ist es in den files oder nicht, darauf gibt es eine faktische antwort: ja oder nein

Genau, Fragen die nicht beantwortet wurden.

Wenn du Fragen stellst die nicht beantwortet werden können, was soll das zur Aufklärung einer Hypothese beitragen?

Für mein Gefühl trägt es eben dazu bei rein spekulativ Antworten zu generieren.

Stefan müsste konkret sagen auf was er sich bezieht.

Warum stellst du nicht einfach konkret die Frage,

Hey Stefan, auf was bezieht sich deine Aussage im Podcast?

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Wenn dir etwas nicht klar ist oder du nicht verstehst was ich meine, frag mich bitte einfach.

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Ich komme bei deinen Ausführungen nicht mit. In Kurz: Wenn ich sage, mir geht es nicht um eine moralische Verurteilung und erkläre, worum es mir hauptsächlich geht, dann meine ich das so. Insbesondere in einer Zeit, in der Antisemitismus in den westlichen Gesellschaften wieder eine erschreckende Dimension angenommen hat. Stefan schwurbelt hier in etwa auf dem Niveau von Xavier Naidoo nur etwas eloquenter. Gleichzeitig habe ich das von Stefan viel weniger erwartet, was natürlich eine Enttäuschung mit sich zieht, die du hier als “Bias” auslegst. Deine Ausführungen zum Wahrheitsbegriff sowie deine Überinterpretation der Bedeutung aktuellen Veröffentlichung der Epstein-Files teile ich explizit nicht; die werden eher früher als später kulturindustriell eingehegt werden.

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Die Aussage, dass die Epstein-Files ‘eher früher als später kulturindustriell eingehegt werden’, ist aber auch irritierend. Das klingt so, als wäre ein systemisches Verbrechen an Kindern bloß ein medienkritisches Problem. Und wenn gleichzeitig jeder, der die Dimension dieses Netzwerks benennt, in die Nähe von Verschwörungsdenken gerückt wird – wer soll es dann überhaupt noch ernst nehmen?

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Mit anderen Worten:

Stefan schwurbelt eloquenter als Naidoo = Antisemitismus.

Gut. Dann weiß ich das jetzt auch.

Vorher machst du irgendwo den Punkt das mit Ken Jepsen wäre ein bisschen zu weit gegriffen.

Was denn nun?

Oh, und bevor ich es vergesse.

Welche Definition von Antisemitismus legst du für deine Argumentation zugrunde?

IHRA oder BAS?

Zustimmung im ersten Punkt. / im zweiten Punkt: das für mich Irritierende liegt darin, dass Stefan nicht einfach nur “die Dimension dieses Netzwerkes benennt”, sondern dass er zwei Narrative als belegt darstellt (Babys züchten, unter Stress töten, Babyblut trinken = Adrenochrome-Narrativ) und Kannibalismus (ein Foto sei in den Files nicht ausreichend geschwärzt und man erkenne den menschlichen Fuß zwischen dem anderen Essen). Für beide finde ich - und einige andere Kommentator:innen - keine Belege. Ein anderer Kommentator (auf der Hauptseite) fragt nach “journalistischer Redlichkeit”, meint damit die Quellennennung - dem schließe ich mich voll an: Stefan, nennen Sie bitte die Quellen für die beiden Aspekte.

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Ich verstehe, dass friednlynotes über die Historie der Ritualmordlegende und Nähe der Narrative (Babymord, Babyblut trinken, Kannibalismus) zu QAnon eine Anmerkung über die Notwendigkeit der kritischen Reflexion antisemitischer Erzählungen macht, teile aber die Kette “Elitenkritik/QAnon/Ritualmordlegende/Ken Jebsen/Antisemitismus” hier nicht.

Für mich gehts nur darum: Belege liefern oder sagen “das sind Vermutungen/Spekulation”.

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Verstehe ich auch, wenn allerdings jemand Antisemitismus bescheinigt wird indem man ihn quasi persönlich in diese Reihe stellt und das mit dem Vorwurf „keinen Begriff von Antisemitismus“ zu haben, geht das ein bisschen zu weit für meine Verhältnisse.

Mein Problem ist hier nicht in erster Linie, dass Stefan eine Reihe an Falschbehauptungen droppt, die jeglicher Grundlage entbehren und journalistisch unredlich sind (was durch eine Richtigstellung durchaus verzeihbar wäre), sondern dass er den Zuhörenden ohne jeglichen Zweifel die antisemitische Ritualmordlegende auftischt. Gerade die seinerseits nicht nur in dieser Folge demonstrierte Unfähigkeit zur Reflexion des Antisemitismus trägt gemeinsam mit der dargebotenen Quellenkompetenz und einer Praxis, die QAnon näher zu sein scheint als einer seriösen wissenschaftlichen oder journalistischen, zu meiner Einschätzung bei. Dass es einen qualitativen Unterschied zu Jebsen, Naidoo und QAnon gibt, ist mir klar, ich würde mich ja niemals in einem QAnon-Forum anmelden und dort versuchen, die antisemitische Komponente ihrer Erzählungen herauszustellen. Diese Vergleiche sind daher natürlich auch als Provokation zu verstehen.

Zu der “Kette” bzw. “Konstruktion”, die meinen Beiträgen hier attestiert wird: ich halte nichts davon, die Sachen so über Schlagworte und Pfeile in einen vereinfachende Zusammenhang zu setzen. Wenn es sein muss, wäre die Kette, über die ich versuche, das mit dem nicht vorhandenen Begriff von Antisemitismus zu verdeutlichen, eher so: Stefan redet über die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit, ohne ein Wort über Antisemitismus zu verlieren → Stefan überträgt den industriellen Charakter des Massenmords auf Gaza, ohne jedoch das Industrielle sowie die Vernichtung der Juden im Sinne der Singularität der Shoah, die damit mehr oder weniger relativiert wird, zu erfassen → Stefan entdeckt nach der Lektüre von Crazy Rich die Superreichen und Eliten für sich und entwickelt eine Hyperfixierung bei ausbleibender Analyse und Kritik des Kapitalverhältnisses → Stefan scheißt voll rein und erzählt den antisemitischen Unsinn von Kinderblut trinkenden Eliten.

Das zu einer Zeit, in der Antisemitismus wieder erschreckende Ausmaße angenommen hat. Mit einem Begriff von Antisemitismus, so meine These, wäre sowohl seine Elitenkritik inhaltlich brauchbarer und müsste sich nicht, wie zuhauf demonstriert, an Persönlichkeiten und absurden, zugegeben witzig aufbereiteten, Oberflächlichkeiten abarbeiten, als auch seine Rezeption der Epstein-Files nicht dermaßen in die Hose gegangen.

Ich schreibe das hier nicht zum Spaß, sondern, weil es eben kein Ken Jebsen Forum ist, zur Anregung, sich mit Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne bzw. wenigstens mit dem Kapitalverhältnis kritisch auseinanderzusetzen.

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