Zynische Betrachtung von Menschen die Sozialhilfe empfangen, als potenzielle Mörder

Ja, was ist dann? Um diese Antwort drücken sich ja alle…

Feuer frei!

und da ist Simanovski eben gut. Er spart sich die sprachsensibele Sozialromantik und stellt wenigstens die Frage (und liefert die eine Antwort gleich mit: Wenn man es nicht herausfinden will, sollte man es nicht übertreiben…)

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Na was soll schon passieren, sie werden bestenfalls nieder geknüppelt , im schlimmsten Fall von Dronen hingerichtet. Besteht noch irgendwie eine Illusion dass Einheimische in dem hier vorgestellten Szenario besser wegkommen als Flüchtlinge jetzt?

Es wird gar nichts passieren, außer dass es noch mehr Arme mit Vorstrafen, Schulden und im Knast gibt.

Wo die AFD demnächst gewählt wird, steigt die Gewalt gegen Linke und Wehrlose sprunghaft an.

Dann passiert doch aber was, oder verstehe ich was nicht…es kommt halt von oben.

Das Beispiel von den Straßen in Brasilien muss man vielleicht als Drohung verstehen. Die Drohung die hier die „Versicherung“ Sozialstaat noch verhindert. Vielleicht sind ja die staatlichen Strukturen in Brasilien einfach anders als hier.

Ja, die staatlichen Strukturen sind in Brasilien anders als hier.

Hier gibt es keine Revolte der Armen, die strampeln sich ab, bis sie umfallen; es sei denn, durch andere Strukturen, z.B wenn die AFD das Bürgergeld streicht.

Was macht dich da so sicher?

Ich interessiere mich für Massenbewegungen.

Genauer gesagt: Muster im Chaos.

Natürlich kann ich mich auch irren.

Ich würde ja sagen: Die deutsche Geschichte. Für revolutionäre Bewegungen muss man gefühlt immer nach Frankreich schauen.

Ja, ich glaube auch dass es hierzulande eine gewisse Trägheit gibt, ich finde es allerdings auch schwierig in die Zukunft zu schauen. Historisch gesehen könnte das stimmen, aber wer weiß wie sich das zuspitzt. Dafür gibt es ja auch historische Beispiele.

Was ich aber eigentlich interessant finde in diesem Thread, will man wirklich revolutionär gegen die „Tyrannei“ angehen? Welche Möglichkeiten gibt’s?

Das soll kein Aufruf sein, aber darum dreht es sich doch. Vom Zynismus auf die Straße?

Es ging mir persönlich von Anfang um das sprachliche Bild, was hier erzeugt wird. Ich denke, dass es durchaus wichtig zu betrachten und nicht nur die reine funktionelle Ebene des Sozialstaates. Hier geht es ja darum, was die Worte des Autors in den Köpfen erzeugen können. Sonst wird die Betrachtung zu abstrakt und der Mensch verschwindet hinter dem ganzen distanzierten analytischen Diskurs. Das hat wenig mit Sozialromantik zutun, sondern mit einer humanistischen Perspektive.

Ob sich die deutsche Geschichte in der Hinsicht fortsetzt wie gewohnt entscheiden wir ja mit.

Das soll kein Aufruf sein

Das hier schon, zumindest zu den Sachen zu denen ich aufrufen darf: Lernt die Leute nebenan kennen. Fangt mit solidarischem Prepping an. Frischt euer Erste-Hilfe-Wissen auf. Steigt mit ein bei euren nächstgelegenen Kostnixläden oder Küchen für alle oder offenen Antifa-Treffs oder Nachbarschaftsgewerkschafen, oder, oder, oder. Wenn’s keine in eurer Nähe gibt, dann startet welche. Am besten mit den Leuten neben an, die ihr kennengelernt habt. Schreibt Briefe an politische Gefangene. Setzt euch in ihre Gerichtsprozesse. Protestiert vor ihren Knästen.

Ich vergesse sicherlich viel, es gibt genug zu tun.

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Bei dem “sprachlichen Bild” in Deiner Interpretation geht aber der Titel verloren “- Was, wenn sie sich nehmen, was ihnen zusteht?”

Niemand würde doch ernsthaft glauben, dass Arme ein “Recht auf Mord” hätten, was ihnen verweigert wird.

Humanistisch ist an Sprachsensibilität gar nichts, denn mit ihr verwischt man Strukturen und geht auf eine individuelle Perspektive. “Man kann doch nicht Armen unterstellen, dass sie alle potentielle Mörder sind! Das sind hilfsbedürftige Menschen, die ein schweres Schicksal hatten!” und schon mache ich public issues zu private troubles. Andersherum wird ein Schuh draus und das macht Simanovski.

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“ Die Verhältnisse “ sind ja immer schon ein beliebtes Thema gewesen.

Es generiert halt Klicks, wenn man den Leuten Angst mit Schlagzeilen und Suggestivfragen einjagen kann.

Das stimmt, aber darauf wollte ich ja auch gar nicht hinaus. Auch Simanovski will darauf nicht hinaus, er analysiert ja überhaupt keine Strukturen, sondern beschreibt lediglich sein individuelles Erleben in Brasilien. Du schreibst ihm meiner Auffassung nach mehr Tiefe zu, als vorhanden ist. Es ist eine sehr undifferenzierte und kausale Betrachtung. Wir drehen uns hier aber auch im Kreis, und ich halte es für wenig sinnvoll jetzt noch mal mein Gefühl und meine Interpretation dazu zu schildern. Du darfst das ja anders empfinden, und das habe ich verstanden.

Beim zweiten Absatz, weiß ich nicht, worauf du dich beziehst. Das habe ich nicht behauptet.

Zu behaupten Sprachsensibilität und Humanismus haben nichts miteinander zutun ist wirklich absurd, für mich. Ich würde jetzt ungern hier die Sprache der Nationalsozialisten benutzen, um dazulegen, wie Sprache dazu beitragen kann eine Gruppe zu entmenschlichen. Man kann natürlich auch gerne nach Amerika schauen, wie eine mangelnde Sprachsensibilität zu einer Dehumanisierung beiträgt. Daher bin ich da bei Wittgenstein: “ Die Grenzen meiner Sprache, sind die Grenzen meiner Welt”. Das gilt ganz besonders für den Beitrag von Simanovski.

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was ich höre, ist eine vierminütige erzählung, die einfach alles gleichzeitig reinpackt. armut, nen reichen investment banker, teure restaurants, kugelsicheres auto, waffen und am ende noch die moralkeule:

„ihr habt mehr zu essen auf euren tellern, als ich im ganzen monat habe“, sagt ein bettler in einem voll besetzten luxusrestaurant. really? definitiv filmreif.

ich glaube, das ist TikTok-logik im deutschlandfunk-gewand.

den inhalt noch um eine minute kürzen, untertitel drunter und zur richtigen tageszeit posten, könnte viral gehen.

mich beschleicht immer mehr das gefühl, dass gerade die oldschool-medien ihre alten werte längst verloren haben und auf biegen und brechen versuchen, algorithmus-logik zu verstehen. dabei kommt dann so ein murks raus.

wir denken immer, die kids seien opfer von social media. dabei durchdringen sie das spiel oft ziemlich gut. sie merken sofort, wenn etwas emotional aufgeladen und künstlich verdichtet wirkt.

alles zielt heute auf emotionalisierung ab und dieser beitrag trieft ja nur so davon.

die gen alpha schützt sich mittlerweile fast schon mit entkopplung davor. sie haben dafür sogar ne eigene redewendung:
„is nicht so deep.“

plattformlogik will triggern. vielleicht hat diese geschichte also genau das getan. aber das ist nur ne wilde spekulation von mir.

mein einziger beleg: die menge an informationen und dramaturgie, die da in vier minuten reingepresst wurde, wirkt einfach ziemlich „sus“.

Da gehe ich ja mit, ich meine folgendes: Die Idee, durch sprachsensibeles Verhalten könne ich den Prozess umkehren erteile ich eine Absage.

Ich bin seit 20 Jahren in der Elendsverwaltung dieses Landes tätig und beobachte immer wieder Wortneuschöpfungen, die auf die besondere Lage vulnerabler Gruppen hinweisen und anhand von Individuen mit Einzelschicksalen Empathie erzeugen sollen. Das kann man löblich finden und sich im Kreise Gleichgesinnter für seine Sensibilität beglückwünschen (“Ich habe sogar einen Freund, der Sozialleistungen erhält!”), aber mehr passiert auch nicht.

Wir können Jahrzehnte über Armut sprechen, dann wenden wir uns der “Kinderarmut” zu, oder der “Altersarmut”, dann kommt einmal im Jahr der Partitätische in die Bundespressekonferenz und bestätigt nochmal das Ausmaß. Was war noch mal mit der Kindergrundsicherung? Hier nochmal eine Studie zur Auswirkung auf Armut! Der Mindestlohn sorgt für Altersarmut? Hier kommt die Aktivrente! Hier noch eine Studie zur alleinerziehenden Frauen und deren Armutsrisiko! Man muss aber wissen, dass Armut ein relationaler Begriff ist! Hier nochmal eine Studie zur Auswirkungen von Bildung auf Armutsrisiko, wollen wir Kinder nicht früher in den Kindergarten schicken? Der Preis eines Tellers Nudeln in der Schulmensa liegt über dem Tagessatz für Ernährung eines Kindes in Grundsicherung? Hier ist eine Studie darüber, dass Eltern in Grundsicherung Mahlzeiten auslassen, damit die Kinder satt werden…

An manchen Stellen wünsche ich mir dann einfach weniger Sprachsensibilität und mehr Ehrlichkeit. Am Ende des Tages, wenn Dein Leben zwischen Kühlschrank und Miete zerquetscht wird spielt es keine Rolle ob die Suppenküche jetzt Tafel heißt oder HartzIV Grundsicherung, ob dein Kind keine heilen Schuhe hat weil man die Armut Dir oder Deinem Kind statistisch zurechnet und eine Reichensteuer wird immer noch nicht eingeführt auch wenn in linksliberalen Kreisen tagelang über die Verwendung von “Überreichen” statt “Superreichen” diskutiert wird.

Die Vorstellung, dass Sprache Realität schafft, kommt eben an ihre Grenzen und wenn die Kritik an der Realität durch eine Bemängelung sprachlicher Sensibilität ersetzt wird können wir ja noch ne Runde weiter machen… Dem DAX geht es übrigens super, warum investieren Arme eigentlich nicht einfach in Aktien? Hier ist eine Studie zur fehlenden Wirtschaftskompetenz!…

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Okay, das habe ich verstanden und da gehe ich auch vollkommen mit. Ich wollte damit auch keinen kausalen Zusammenhangen aufmachen, nach dem Motto ich verändere ein Wort und die Umstände der Leute verändern sich. Das ist natürlich absoluter Unsinn.

Ich würde nur die Wirkung eines solchen Beitrags, sofern er überhaupt eine gewisse Reichweite erreicht, nicht unterschätzen. Gerade bei Personen, die keinen Bezug zu Menschen in prekären Verhältnissen haben und höchsten mal am Bahnhof an jemanden vorbeilaufen. Die Debatte ist so verroht, dass so eine Beitrag durchaus ein gewisse Abwertung verstärken könnte. Und das schafft eher Distanz als nun mal Begegnung, welche ja erforderlich wäre.

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Meiner Meinung nach liegt ein Missverständnis darüber vor, wie Sprache Wirklichkeit konstruiert. Zu sagen, ‚Sprache bestimmt die Welt nicht, weil trotz vieler Worte nichts gegen Armut getan wird‘, greift zu kurz.Auf der funktionalen Ebene hast du recht: Das Sprechen über Armut entlastet oft vom Handeln, es deklariert nur. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Auf der operativen Ebene sieht das anders aus. Eine Aussage wie die zu Hartz IV und potenziellen Mördern ist kein bloßes Reden über etwas. Diese sprachliche Operation verändert den Zugang zur Weltbildung sofort. Sie erzeugt Resonanz, sie erzwingt neue Anschlusskommunikation und sie setzt Verwaltungshandeln in einen völlig neuen, drastischen Kontext.Sie bestimmt die Welt, indem sie die Bedingungen und Strukturen verändert, unter denen wir die Wirklichkeit überhaupt erst wahrnehmen und verhandeln können. Ob und inwiefern sie Welt beeinflusst liegt an der Operation, nicht dem Medium.

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und auch hier muss ich leider rein: Armut löst man nicht mit “Begegnung” oder “Verständnis” oder “Anteilnahme”, oder emotionalen Almosen.

@Miki Wie soll ich das verstehen?

(ich habe nicht gesagt, das Sprache keine Wirklichkeit konstruiert. Guck noch mal hin. ich habe meinen Konsens und Dissenz zu @FJK8193 ziemlich genau umrissen und anscheinend verstehen wir beiden unsere Punkte da gegenseitig schon recht gut)

Ein Feuilletonbetrag von Deutschlandfunk Kultur ist a) der leninsche Ruf zu den Waffen, oder b) Legitimationsgrundlage für Kasernierung von Arbeitslosen in Schutzhaft?

und dann wäre die Frage: Erzielt Simanovski jetzt eine Wirkung oder nicht und wenn ja, welche? und: Worin unterscheidet sich Simanovskis Phantasie von einer Unkontrollierbarkeit der Ausgeschlossenen von der täglichen Hetze gegen “Sozialschmarotzer” durch Springer etc.?