Corona-Politik und Souveränität im Ausnahmezustand

Nein, da hast du mich offenbar falsch verstanden. Es gibt keine “Lesart”, welche die Punkte 1 und 4 anders interpretierbar macht als so: Die Pandemie erschien dem Publikum schlimmer, als sie war. Bezüglich der Aufweichung der Pandemie-Kriterien (Punkt 1 meiner Liste) durch die WHO ist das selbsterklärend; der Verzicht auf die Berücksichtigung der Testanzahl (Punkt 2) wiederum trieb bei Ausweitung der Tests die Fallzahlen in die Höhe. Da gibt es gar keine Interpretierbarkeit und: es war schlicht und einfach mathematischer Murks.

Das anlasslose Testen (Punkt 2) hat den gleichen Effekt - höhere Zahlen. Es lässt sich mit der Angst vor asymptomatischer Ansteckung aber immerhin vielleicht noch rechtfertigen. Keine Rechtfertigung wiederum gibt es für Punkt 5, wo der systematische Bug aus (2) als Feature zur Rechtfertigung von Regierungshandeln verwendet wurde. Inzidenzen - und damit Maßnahmen - waren über die Testanzahl steuerbar.

Gesunder Menschenverstand findet diese Fehler in der Systematik. Idealerweise benennt er sie dann im Rahmen seiner Möglichkeiten. Meine waren leider geringer als die eines Gerd Antes (Mathematiker und Medizinstatistiker, der diese Fehler auch gefunden und thematisiert hat; aus meiner Sicht nicht nachdrücklich genug, aber immerhin), aber sie sorgten immerhin im betrieblichen Umfeld für Erleichterung.

Da wird’s wieder undeutlich: Welche “aufgemachte Kausalkette” meinst du? Meine obigen Kritikpunkte sind jeder für sich prüfbar; die Liste ließe sich übrigens fortsetzen. Ich habe hier im Forum bislang - auch im Thread über die “kaputte Corona-Mathe” - weder eine Prüfung, noch eine Widerlegung dieser Kritik gefunden.

Ob man aus der Vielzahl dieser Kritikpunkte - verstehe ich dich so richtig? - eine Kausalkette machen kann und will, ist eine andere Frage. Ich sage soviel mit Sicherheit: Alle “Fehler”, die gemacht wurden, wirkten in die gleiche Richtung. Sie ließen die Pandemie schlimmer und die Impfung besser aussehen, als sie waren.