Denkangebot: Was wenn der nächste Krieg nicht so aussieht wie der Letze?

Ich selber muss nicht vor Ort sein.

Meine menschliche Drohne muss es.

Das meinte ich mit: Die Herstellung einer menschlichen Drohne (Radikalisierung, Indoktrination, Unterhalt) im Vergleich zu maschineller Drohne (Herstellung, Beladung) ist der Unterschied.

Nicht das “Wie” des Einsatzes ändert sich, sondern nur das “Wie” der Produktion.

So lange Du denen nicht beibringst auf 30cm zu schrumpfen und zu fliegen wird eine Shahed oder DJI den Job besser erledigen.

Und wenn Du die Leute schon radikalisiert hast kannst Du ihnen auch einfach beibringen Drohnen zu benutzen. Dann reichen 10 Radikale, die gut ausgebildet sind um 2 NATO-Batallione zu zerstören.

Richtig: Doktrinwechsel.

(Hier meine ich nämlich, dass eine wertfreie Betrachtung spannend wäre: Ich sage “Indoktrination” und Du denkst: Terroristen (Unterstellung meinerseits). Wenn ich sage “Indoktrination” meine ich staatliche Akteure und nicht-staatliche Akteure. Die Produktion menschlicher Drohnen ist aufwändiger als die Produktion maschineller Drohnen. Also in Deinem Beispiel 10 menschliche Drohen können 2000 menschliche Drohnen töten.

Dann sind wir wieder bei: Wer hat mehr Zugriff auf Ressourcen. Wer hat mehr Atombomben, wer hat mehr menschliche Drohnen, wer hat mehr maschinelle Drohnen… und die Nato macht einen Doktrinwechsel und bildet dann 2 Batallione Drohnenpiloten aus.

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Hm, also ich glaube ein Schlüssel liegt bei dem Begriff Eskalationspotential.

Die Verschiebung entsteht wenn die bessere, stärkere Waffe keinen Hebel mehr hat.

Aus diesem Gedanken ergeben sich die Szenarien über die wir reden.

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Stein-Schere-Papier

und bei dem “Eskalationspotential” gibt es immer noch die Möglichkeit, dass Staaten sich einigen und sagen “Ja, ok jetzt haben wir es wirklich übertrieben, lass uns diese Waffenart mal alle aus dem Portfolio streichen…” (Inklusion/Exklusion)

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Ich verstehe das als Appell :grinning_face:

Meine ich nicht abwertend.

Ich glaube der Grundgedanke ist größer als dieses spezielle Thema.

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Das ist kein Appell, das ist nur meine Betrachtung (die ja durchaus falsch sein kann). Ich will mich nur nicht treiben lassen von einer überstürzten Überschätzung.

Edit: Bitte nicht missverstehen. Die potentielle Verheerung, die Barbarei, das Abschlachten in industriellem Ausmaß etc. bis ein staatliches “Upsi” kommt sehe ich sehr wohl und natürlich wäre es wünschenswert, wenn staatliche Akteure erst denken und gar nicht bis zum “Upsi” kommen, aber da bin ich dann zynsich…

und dann macht es keinen Unterschied, ob in Ruanda aus Blech gestanzte Macheten verteilt oder in einer hightech Fabrik mit Kickertisch im Pausenraum Drohnen produziert werden…

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this - der unterstellte paradigmenwechsel setzt voraus, dass die etablierten kräfte nicht auf die neue entwicklung reagieren

reden wir nicht außerdem von szenarien der asymmetrie, die es sehr wohl schon gab?

am 11. september 2001 hat der nicht-staatliche akteur al-quaida den staat USA angegriffen, die reaktion der usa erfolgte gegenüber einem land/staatlichen akteur (die weitere entwicklung ist bekannt).

auch wäre für nicht-staatliche akteure ein risiko vorhanden, sich in abhängigkeit von privater logistik zu begeben.

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japp: Al-Quaida war eine nicht-staatliche menschliche Drohenproduktion (Exklusion: Terrorismus), staatlicher Zugriff (USA) auf staatlichen Akteur (Afghanistan): Regulier das in deinem staatlichen Gebiet, sonst regulieren wir das. Exklusion der Taliban. Ergebnis nach 20 Jahren: Inklusion nicht-staatliche Akteure in den Kreis staatlicher Akteure, Anerkennung “der Taliban”.

Edit: Auch der Wechsel auf “autonome Drohnen” ist nicht neu. siehe “Führen mit Auftrag” in der Wehrmacht gegen “Führen mit Befehlen” England, Sovjetunion etc.

Al Qaida war staatlich: Gegründet von der CIA um die Mudjaheddin-Pipeline nach Afghanistan sicher zu stellen, um die Sowjets zu besiegen.

Die haben sich erst nach dem Abzug der Sowjets “umorientiert”

Wie immer wenn es um neuen Technologien geht ist das Ding an sich nicht neu, sondern die Skala. Und Skala schafft neue emergente Qualitäten.

Was der Grundgedanke von Florentine da leistet ist ja zweierlei.

Er bietet die Möglichkeit an, sich die Dystopie auszumalen, aber gleichzeitig die Utopie einer Verhinderungen solcher Konflikte und im Ergebnis hoffentlich eine „bessere“ Gesellschaft.

So wie ich es verstanden habe, der elementare Teil macht sich die bestehenden Mechanismen (Kosten/Nutzen Denken, Marktlogik Machtlogik, zunutze weil sie direkt erklärbar und nachvollziehbar sind.

Es gibt dann eben zwei Möglichkeiten.

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Danke, Flo. Das ist genau meine Intention.

Ich benutze die gleiche Szenariotechnik wie bei den Technikfolgenabschätzungen die ich sonst so erstelle, nur mal angewandt auf ein anderes Thema, was spannender ist als “Was bringt der Wechsel des Random Access Paradigma zu einem Streaming Paradigma”

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naja: das ist ja der Spaß an der Propaganda, sie ist ein Spiel um Exklusion und Inklusion.

des einen Freiheitskämpfer ist des anderen Terroristen. So kann ich selbst bei “stabiler” personeller Besetzung durch Bezeichnung Inklusion und Exklusion betreiben, je nachdem was ich gerade nützlich finde.

@Flo dann sind wir aber im Bereich von Hoffnung und einer Glaubensfrage (“bessere” Welt)

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Das stimmt schon, ich finde das aber nicht unberechtigt.

Jetzt sage ich was provokatives, das was ich aus dem Gedanken herauslesen kann ist die Antwort auf die Traktionslosigkeit der Linken.

Also sehr produktiv

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Kannst Du das ausführen?

(Wenn mich das provozieren soll, müsste ich was finden, was mich provozieren könnte :joy: )

Ich weiß gerade nicht, was Du meinst.

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Mach ich gerne. Es ist schön und ein gutes Zeichen wenn du dich davon nicht provozieren lässt. Dann bist du ganz offensichtlich nicht gemeint :slightly_smiling_face:

Es wird ein bisschen dauern bis ich das zusammen habe.

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@fdoemges Wie immer, nimm es auseinander, ergänze und korrigiere bitte.

Florentines Analyse ist auf den ersten Blick ein Text über Kriegsführung. Aber die Methode dahinter ist etwas anderes – und das ist der eigentliche Punkt.
Die Linke hat ein Traktionsproblem. Nicht weil ihre Ziele falsch sind. Sondern weil sie den Mechanismus benennt und dann moralisiert. Mindestlohn, Mietendeckel, Umverteilung – alles richtig adressiert, aber als Programm formuliert das intellektuelle Zustimmung verlangt und staatliche Strukturen voraussetzt. Das kostet kognitive Energie. Rechte Politik braucht das nicht: Sie spiegelt die Situation direkt zurück und bietet sofort einen Schuldigen an. Keine Erklärung, eine Abkürzung.
Was Florentine macht ist das Gegenteil von Moralisierung. FPV-Drohne gegen Panzer, 1:3000. Das ist keine Weltanschauung – das ist ein Mechanismus der funktioniert oder nicht funktioniert, unabhängig davon ob man ihn gut findet. Transaktionskosten kollabieren, Strukturen erodieren, neue Organisationsformen entstehen – nicht weil jemand das will, sondern weil die Bedingungen es erzwingen.
Dieselbe Sprache funktioniert auf Prekarität angewendet. Wer den Arbeitsplatz verlieren könnte, dessen Kosten für Solidarität sind strukturell zu hoch – das ist kein Versagen des Individuums, das ist Mechanik. Und aus Mechanik folgt: Wer die Parameter verändert, verändert das Ergebnis. Parameter bedeutet hier: Koordinationskosten senken, Wirkkreise stärken, Bedingungen schaffen unter denen Kooperation wieder möglich wird.
Und hier liegt die eigentliche Hoffnung. Die Transition zur Kleinteiligkeit ist nicht nur eine Bedrohung – sie ist eine Struktur die der menschlichen Kooperationsfähigkeit entgegenkommt. Der Mensch hat nicht wegen seiner Stärke überlebt sondern wegen sozialer Koordination. Das ist nicht Ideologie, das ist gut untersuchte Anthropologie. Große Strukturen haben Kooperation organisiert weil die Transaktionskosten es erzwangen. Wenn diese Kosten sinken, kann Kooperation wieder dort entstehen wo sie natürlich entsteht: im überschaubaren Wirkkreis, in der Wahlfamilie, in losen aber stabilen Gemeinschaften die nicht auf den Staat warten.
Ein Beispiel dafür existiert bereits in der Linken selbst: der Haustürwahlkampf. Er funktioniert nicht trotz seiner Kleinteiligkeit – sondern wegen ihr. Ein Gespräch vor der Tür senkt die Koordinationskosten für Solidarität lokal auf null. Kein Programm, keine Moralpredigt, keine staatliche Instanz als Vermittler – nur zwei Menschen im überschaubaren Wirkkreis. Das ist dezentrale Kooperationslogik in der Praxis. Die Frage ist warum die Partei diese Methode nicht als theoretischen Kern begreift, sondern als Wahlkampfinstrument behandelt.
Die Abkürzung existiert also bereits – praktiziert, aber nicht begriffen. Was fehlt ist nicht die Methode, sondern das Bewusstsein dass sie der theoretische Kern sein könnte. Eine Sprache die verdichtet ohne zu verschleiern, die an gelebter Erfahrung von Ausgeliefertsein andockt ohne sie zu instrumentalisieren – und die dem Einzelnen eine Handlungsoption gibt die nicht lautet: warte auf den richtigen Staat.
Florentines Methode ist keine politische Haltung. Sie ist ein Werkzeug. Und es ist das Werkzeug das der Linken fehlt.

Die Beobachtung zur Traktionslosigkeit der Linken klingt nach Themenwechsel, ist aber dieselbe Analyse.

Die Linke hat kein Kommunikationsproblem. Sie hat ein Strukturproblem. Ihre Programmatik — Mindestlohn, Mietendeckel, Umverteilung — setzt einen Staat voraus der durchsetzt. Ihre Organisationsform ist auf Ü50-Fernsehen optimiert, und das ist rational: Zwei Drittel der Wähler sind über fünfzig. Und ihre natürliche Klientel — prekär, Niedriglohn, Arbeiterklasse — hat überproportional keinen deutschen Pass. Kann nicht wählen. Die Partei kann ihre eigene Basis nicht in Stimmen konvertieren.

Die Analyse zeigt aber auch wohin es gehen könnte. Wenn die Verteidigungsgemeinschaft der neue Organisationskern wird, löst sich die Sozialfrage als Nebenprodukt. Historisches Vorbild, und ja, das klingt erstmal schräg: karibische Piraten.

Piratenschiffe hatten gewählte Kapitäne, absetzbar per Crew-Votum. Einen Quartermaster der die Ressourcen kontrollierte — gleichrangig mit dem Captain, eigenes Mandat, eigene Wahl. Articles of Agreement vor jeder Fahrt: Wer kriegt was, wer macht was, was passiert wenn. Und Sozialversicherung: Rechter Arm verloren, x Pieces of Eight. Auge verloren, y.

Nicht aus Nächstenliebe. Die Crew musste gesund, loyal und kampffähig bleiben, sonst kein nächstes Gefecht. Die Verteilung musste fair sein, sonst ging die Crew zum nächsten Schiff. Die Macht musste geteilt sein, sonst Meuterei. Alles erzwungen durch eine einzige Bedingung: Wer unzufrieden war, konnte jederzeit gehen. Niedrige Austrittskosten.

Das zentrale Designelement: Captain kommandiert nur im Gefecht. Quartermaster kontrolliert alles andere. Wer die Waffen führt, verteilt nicht die Beute. Wer die Beute verteilt, führt nicht die Waffen. Das ist eine Architektur, die sicher stellt, dass es keine Warlords gibt.

Der moderne Staat hat Verteidigung, Sozialversicherung und Governance in drei getrennte Bürokratien zerlegt die nichts mehr miteinander zu tun haben. Hartz IV kennt die Bundeswehr nicht. Auf dem Piratenschiff waren Verteidigung, Versorgung und Governance nicht drei getrennte Systeme. Sie waren ein Paket — aber mit einer harten Trennlinie: Kampfführung und Ressourcenverteilung lagen in verschiedenen Händen.

300 Jahre alt, empirisch getestet, optimiert auf Bedingungen die gerade zurückkehren: Kleine Einheiten, niedrige Einstiegskosten, dezentrale Gewalt, hohe Mobilität.

Also fünf Designparameter statt drei:

  1. Verteidigung billiger als Angriff

  2. Gemeinschaft wertvoller als Einzelteile

  3. Offene Protokolle statt geschlossener Plattformen

  4. Funktionale Trennung von Gewalt und Ressource

  5. Integrierte Sozialversicherung als Investition in Kampffähigkeit

Flos Frage “wie bekommt die Linke Traktion?” beantwortet sich dann von selbst: Nicht über Parteien und Wahlen. Sondern als emergente Eigenschaft einer Gemeinschaft die ihre Mitglieder braucht und deshalb gut behandeln muss.

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Mein einziger Einwand: Es ist doch ein Kommunikationsproblem - strukturell und intern