Der Geist als Widersacher der Materie
Ne es liegt daran dass sie Teil der Oberschicht sind.
Es ist naiv zu denken, die unmenschlichen Verhaltenspositionen allein der letzten 5 Jahre wären darauf zurückzuführen, dass die Menschen in den Entscheidungspositionen die Opfer ihrer Handlungen erst über Gleichschaltung mit einer Maschine entmenschlichen mussten.
Weder den Flüchtenden die ertrinken, noch den Menschen in Gaza, noch den Opfern der Reformen wird der Status Mensch abgesprochen.
Der Speziezismus funktioniert als Differenz nach außen. Als Erst Differenz. In der Maschinerie dieses humanistischen Wunderwerks hat es aber direkt keine Bedeutung mehr. Wie zb im 20erPodcast oft hergeleitet, das wohl des Kindes ist so lange schützenswert bis es geboren ist.
Du kannst gerne deine Illusion aufrecht erhalten, dass lediglich jeder die Besonderheit des Subjekts im anderen auf der Empore trägt und daraus entsteht dann Weltfrieden. Die Lebensrealität deutet nicht auf eine Erfüllung davon hin.
Ein positives Menschenbild dass auf Exklusion beruht ist für mich nicht zufriedenstellend.
Es gibt meines Erachtens operativen Unterschied, ob man eine Unterscheidung zieht um Form zu erhalten, oder ob man sie zieht um Wirkmacht über das Unterschiedene auszuüben.
Ich finde es amüsant, wie du in Grundschul Muster springst.
Entweder
" Ich kenne die Antwort, aber ich sage sie dir nicht".
Oder stattdessen als Ausdruck deiner Borniertheit , " immer einmal sinnentleerter als wie du" der Versuch meine Aussagen auf inhaltliche Leere festzunageln mit inhaltlicher Leere. Chapeau.
Hab‘ ich so nicht behauptet. Du verschiebst gerade die Torpfosten, merkst du das?
Ciao.
Wie hast du dann das gemeint.
Ich bin nicht deshalb wertvoll, weil ich zufällig „ich“ bin. Ich bin wertvoll in einer Weise, in der der andere Mensch ebenfalls wertvoll ist, gerade weil er ebenfalls ein „Ich“ ist.
Und damit kommt man auch zu etwas, das ich in meiner ersten Antwort vielleicht noch stärker hätte betonen sollen: Menschen sind nicht nur Subjekte, sondern gegenseitig anerkannte Subjekte.
Schon aus Eigeninteresse solltest du dich ein bisschen bemühen, das spezifisch Menschliche positiv zu formulieren. Ich bin nämlich sicher, dass es auch für dich einen Unterschied macht, ob ein Mensch - der könntest du sein oder ich oder in nicht allzu ferner Zukunft dein Kind - mit zerfetzten Gedärmen im Schützengraben eledig verreckt, oder ob die künstlich “intelligente” Drohne, die das ausgelöst hat, abgeschossen wird.
Da stößt deine “operationale Perspektive” dann schnell an ihre Grenzen. Wahrscheinlich ist ist es eine überlebenswichtige Aufgabe für die Zukunft (sie beginnt jetzt!), das den empathielosen Nerds von Helsing & Co und ihren asozialen Auftraggebern klarzumachen und ihnen Grenzen aufzuzeigen, wenn sie’s anders nicht kapieren.
mmmhh doch, indem man “Mensch” eben gegen die Kategorie austauscht, die schlechtere Behandlung “erlaubt”. Migranten, illegale Migranten, Terroristen, Arbeitsscheue, Nutznießer. Der Vorwurf der Doppelmoral richtet sich ja genau auf das Auseinanderfallen von “Mensch” und “Behandlung”.
das habe ich noch nie gehört und das Kind ist erst Kind “bei Austritt aus dem Mutterleib” und erst dann kann die Maschinerie darauf zugreifen. Die politische Rede “vom Kind” ist eben nur politische Rede und Legitimationsbasis für politisches Handeln. “Kind” ist dann das selbe wie “Demokratie”, “Freiheit”, oder ein beliebiger anderer Höchstwert in öffentlicher Kommunikation. (Vielleicht meinst Du aber exakt das und ich habe Dich missverstanden…)
Hier im Forum eckt man ja an, wenn man die individuelle Bedeutungslosigkeit mal durchexerziert und gegen “Meine Mama sagt aber, dass ich ganz besonders bin!” argumentiert, weil man darin eine Kränkung des Individuums vermutet, aber nach der Kränkung könnte es ja produktiv weitergehen…
sollten wir nicht so dämlich sein, uns mit Maschinen gleichzusetzen und damit zivilisatorische Errungenschaften wie Menschenwürde aufzugeben.
Dass sie auch so schon oft genug missachtet wird, ist eine andere Diskussion. Aber besser wird’s nicht, wenn wir sie ganz aufgeben.
P.S.
Das war jetzt wirklich der letzte Versuch. Manchmal muss man einfach damit leben, dass man nicht jedem alles verständlich machen kann.
ich nehme mir die Freiheit, meine Abneigung gegen die Selbstgefälligkeit des Speziezismus auszudrücken, was natürlich dazu führt im Text aus der reinen funktionalen Betrachtung zu steigen.
Das eröffnet dir natürlich das Recht das anzumahnen. Ich möchte aber in dem Punkt bei der wertende Position bleiben weil ich mich da wohl fühle.
Dennoch, der guten alten Diskussionen willen:
Die Frage die ich neben den Äußerungen meiner Abneigung stelle: welches Betrachtungs Modell hat die geringste theoretische Blindheit gegenüber der fortschreitenden technologischen Realität.
Und dafür bräuchte es keinen moralischen Unterbau und kein akademisches Sollen: Wer in der Ära von autonomen Agenten und komplexen Vektorfeldern weiterhin starr am Menschen als Navigationspunkt festhält, gleicht einem Seemann, der im Sturm an einer Navigationskarte aus dem Mittelalter festhält, weil sie so schön gemalt ist.
Btw: Wenn wir schon bei Tautologien sind – inwiefern trifft der Vorwurf nicht auf die speziezistische Gegenposition zu?
Der Anthropozentrismus definiert ‘Sinn’, ‘Verstehen’ und ‘Subjektivität’ a priori so, dass sie exklusiv biologisch-menschliche Merkmale voraussetzen (Qualia, Bewusstsein, Sterblichkeit) – nur um danach feierlich zu ‘beweisen’, dass Maschinen diese Kriterien nicht erfüllen.
Das ist kein wissenschaftliches Argument, sondern der Ur-Zirkelschluss schlechthin: ‘Nur der Mensch hat Geist, weil Geist definiert ist als das, was nur der Mensch hat.’
Weil ich so spät dazugekommen bin: Sagt ihr nicht das selbe?
Wenn ich in einer funktional differenzierten Gesellschaft die Funktionen von “Menschen” beachte und optimiere, konkurriert “Mensch” natürlich gegen “Maschine” in Fragen der Funktionalität. (Die “Schlesischen Weber” konnten und haben ein Lied davon gesungen.)
Deswegen muss man doch lange nicht dafür argumentieren, dass in spezifischen Funktionen etwas “menschliches” erhalten werden müsse, sondern die Empörung müsste sich gegen die “Funktion” richten.
Das der Mensch im Krieg zu “Material” wird und die Drohne eben das “bessere” Material ist, kann doch nicht zur Folge haben hier die Besonderheit des Menschen im Krieg hervorzuheben, sondern gegen den Krieg (der alles zu einer Materialfrage macht) zu argumentieren. Gerade die prinzipielle Sinnlosigkeit menschlichen Lebens ist der Unterschied… der einen Unterschied macht.
Die Feststellung von @fdoemges, dass Krieg uns nur “Kapitalismus” ohne Lametta präsentiert, kann man dann ja mal mit dem oben genannten verknüpfen…
Ja das ist die Erzählung, dass zb Israelis erst Palästinenser als Monster entmenschlichen müssen um sie abzuschlachten.
Wenn diese Kategorie aber so nichtsbedeutend ist, dass man diese kognitive Dissonanz aufrecht erhalten kann gegen Neugeborene in Inkubatoren, dann braucht man sie doch nicht als operativ ins Feld zu führen.
Die kognitive Dissonanz – zu wissen, dass vor einem ein wehrloses menschliches Wesen liegt, und es dennoch der Vernichtung preiszugeben – zeigt, dass das Erkennen der Spezies niemals als reale Bremse funktioniert hat. Wer die Kategorie „Mensch“ weiterhin als verlässliche operative Schutzgarantie ins Feld führt, betreibt Romantik anstelle von Realitätsanalyse.
Das läuft auf der selben Ebene wie, die Leute brauchen nur mehr Aufklärung. Nee, aufgeklärter waren Menschen noch nie. Sie entscheiden sich nicht zu entmenschlichendem Verhalten weil sie eine bewusste Unterscheidung setzen und den gegenüber nicht als Mensch anerkennen. Sie entscheiden sich dazu, wissend dass es Menschen sind. Empfindende Wesen. Genauso wie sie sich entscheiden den Milliarden anderer Lebewesen mit Unempfindlichkeit zu begegnen. Da wird keine Abstraktionsebene gezogen.
Wenn behauptet wird, dass das Aufgeben der menschlichen Sonderstellung zwangsläufig zu unmenschlichem Verhalten führe, muss man diese Logik konsequent zu Ende denken:
Warum wird die Grenze beim biologischen Menschen gezogen und nicht mindestens bei jedem empfindungsfähigen Wesen (Schmerz, Entropie-Abwehr, Verletzlichkeit)?
Wenn das Aufgeben der menschlichen Sonderstellung zu Unmenschlichkeit führt, dann führt das Aufrechterhalten der menschlichen Sonderforderung gegenüber der restlichen Natur und Technik zu genau derselben tauben Unempfindlichkeit gegenüber allem Nicht-Menschlichen. Was wiederum eben self fulfiling ist, da der Mensch eben in erster Linie Empfindendes und Lebewesen ist. Deshalb ist der Speziesismus Hirnverband
Ich zitiere den großen Rousseau 1. Buch “Emile”:
Durch die Pflege eines unnützen Lebens verliert er [der Erzieher] die Zeit, die dazu bestimmt war, seinen Wert zu steigern. […]
Ich würde mich nicht mit einem kränklichen und griesgrämigen Kind belasten, und wenn es achtzig Jahre alt würde. Ich mag kein Kind, das immer sich selbst und anderen zur Last fällt, dessen einziges Streben seine Selbsterhaltung ist und dessen Körper der Heranbildung seiner Seele schadet. Wenn ich meine Fürsorge vergeblich an es verschwendete, würde ich der menschlichen Gesellschaft nur einen doppelten Verlust einbringen und ihr zwei Menschen statt eines einzigen entziehen. Wenn sich ein anderer an meiner Statt dieses Kranken annimmt, so soll mir das recht sein, und ich will seine Nächstenliebe loben. Aber das ist nicht meine Sache: ich erziehe auf keinen Fall jemandem zum Leben, der nur daran denkt, wie er dem Tod entgehen kann.
Der große Rousseau und der “Gesellschaftsvertrag” als Verzweckung des Menschen in Fragen der Nützlichkeit und die “schlesischen Weber” klagen die Verzweckung an im Namen von Nützlichkeit für Webstuhl, Gott, König, Vaterland.
Natürlich. Jeden Tag und gegenüber allem. Gibt es einen Zweck und wie kann darunter sortiert werden?
Schwarze darf man verksklaven, weil sie keine Weißen sind. Frauen darf man so behandeln ,weil sie keine Männer sind. Kinder darf man so behandeln weil sie keine Erwachsenen sind. Tiere darf man so behandeln, weil sie keine Menschen sind. Nutztiere darf man so behandeln, weil sie keine Haustiere sind. Ausländer darf man so behandeln, weil sie keine Inländer sind. Arme darf man so behandeln, weil sie keine Reichen sind.
Wofür der Mensch “nützlich” zu sein habe gerät natürlich mit der KI ins straucheln, wenn diese in Fragen der Nützlichkeit potentiell unschlagbar ist.
Ich halte es für einen Umweg für die eigene Nützlichkeit (Syd) zu argumentieren oder gegen die eigenen Unnützlichkeit (Du), anstatt den Nutzen ins Visier zu nehmen.
Wer den Sinn seines Lebens “im Nutzen für” sieht, muss natürlich in eine schwere Sinnkrise fallen und der VW-Arbeiter kann stundenlang vor dem Werkstor stehen und rufen “aber ich bin doch ein Mensch” und der Systemtheoretiker sagt ihm “Du lebst in einer funktional differenzierten Gesellschaft, für VW bist Du eine Maschine aus Fleisch.” Worauf der Humanist wieder vorwerfen kann “Du definierst den Menschen einfach aus Deiner Theorie! Der VW-Arbeiter hat doch Gefühle!” und der VW-Arbeiter bettelt mit der Gewerkschaft darum, dass der Mensch doch bitte eine Fleischmaschine sein dürfe, damit er keine Sinnkrise erlebe, denn in der Pause kann er sich doch mit anderen Fleischmaschinen über den nächsten Erwerb eines Produktes der Tourismusindustrie unterhalten und sich “wohlfühlen”… während Politik und Wirtschaft versuchen das Problem zu lösen, dass “der Mensch” gleichzeitig “Arbeiter” und “Kunde” ist und die eine Unnützlichkeit eine andere erzeugt, denn wenn der eine kein Geld verdient, der andere keins ausgeben kann…
Au ja, lass uns mal ein bisschen über den Sinn des Lebens reden. Worin besteht der für dich?
Es gibt ihn nicht und genau darin besteht der “Wert” des Lebens.
Um es an meiner Kette von oben durchzuspielen:
“Der Schwarze” gewinnt seinen Wert erst, als er die Nützlichkeit für “den Weißen” verliert. “Die Frau” gewinnt erst ihren Wert, als (oder wenn) sie die Nützlichkeit für “den Mann” verliert. “Kindheit” gewinnt erst Wert, als die Nutzlosigkeit einer bestimmten Lebensphase entdeckt wird. Haustiere gewinnen erst ihren Wert, indem sie ihre Nützlichkeit für den Menschen verlieren. Ausländer gewinnen erst ihren Wert, wenn sie keinen Nutzen für die Inländer haben… und so weiter. Erst in der Feststellung von Sinn- und Nutzlosigkeit entsteht der eigentliche und begründungslose Wert.
Und trotzdem kann ich dem Gedankengang von @Miki etwas abgewinnen. Wenn man sich auf das Experiment einlässt, entstehen wieder andere produktive Gedanken dazu. So wie @JakobB es runterbrechen kann, entsteht eine Relation. Und die ist wichtig.
Ich hab Mikis Text jedenfalls so gelesen - es ist kein Plädoyer für, sondern ich verstehe es als Denkansatz. Es liegt ja beides drin, der dystopische Teil - wenn wir den Unterschied aufgeben, und genauso die Utopie, was würde passieren wenn wir den Ansatz ernst nehmen. Was könnte sich daraus ableiten wenn Mensch und Maschine sich strukturell nicht unterscheiden. Was hätte das für Folgen.
Es könnte sein, dass sich der Begriff „Maschine aus Fleisch“ als abschreckende Analyse darstellt. Also wäre die Einteilung Arbeiter/Kunde eine systemische Grundvoraussetzung dafür, dass „ich bin Mensch“ zum Vehikel für maschinelles Verhalten gemäß der Systemlogik wird und ‚ich bin wie eine Maschine’ zur Legitimation für unmenschliches Verhalten. Arbeiter und Kunde in einer Person muss diesen Widerspruch nicht mehr aushalten, indem sie sich wechselseitig legitimiert.
Ich bin Mensch, würde als Gesamtheit betrachtet andere Menschen vor Schaden bewahren, während, ich bin wie eine Maschine bedeutet, ich darf anderen (Maschinen) schaden weil sie mir im Weg sind. Indem man im Selbstverständnis die Ebene wechselt, wird das auf der maschinellen Ebene die legitime Auslöschung anderer Maschinen.
Wenn dann der Humanist um die Ecke kommt und „menschlich sein“ definiert, aber die Systematik den Menschen längst umdefiniert hat, wird es zur Doppelmoral, wenn er den systemischen Teil ignoriert.
An der Stelle könnte Mikis Experiment sinnvoll werden.
Wenn ich es richtig verstehe…?
Kann dir überwiegend folgen außer, inwiefern du mir Ausdifferenzierung über Nützlichkeit zuschreibt. Schlüssel Punkt ist “Der Unterschied zwischen Automat, KI und Mensch ist kein qualitativer (Geist vs. Materie), sondern ein rein quantitativer Grad der Binnenkomplexität des stochastischen Feldes.”
Bestimmung von Nutzen ist Teil vom Sinn Horizont.
Wir agieren, reagieren auf Irritation, reduzieren Komplexität – und bilden uns im Nachhinein ein (Zuschreibung), wir hätten eine ganz bestimmte nützliche Absicht verfolgt.
Der Nutzen ist nicht der Motor des Prozesses, sondern seine spätere Legitimations-Fassade.
Am Anfang steht immer die unerbittliche Notwendigkeit der Operation selbst (die Bewältigung von Kontingenz im Sinn-Horizont). Der “Nutzen” ist lediglich ein Etikett, das ein Beobachter der geglückten Komplexitätsreduktion im Nachhinein aufklebt.
Ich finde es auch sinnvoll und in der Feststellung, dass wir Menschen, Tiere, alles in einer funktional differenzierten Gesellschaft verzwecken kann man den Mensch natürlich durch Maschinen ersetzen, die den Zweck besser erfüllen (Für die Lebensbedingungen des Pferdes war die Erfindung des Autos eine Verbesserung, weil es nutzlos wurde…).
Jain und das Paradox von Vorher/Nachher können wir hier nicht auflösen, weil wir ja nicht in ein Vorher geboren werden und in einem Nachher ankommen. (Das “Nachher” der Eltern ist das “Vorher” der Kinder und wir saugen “die Nützlichkeit” mit der Muttermilch auf.)
Rousseau große Leistung ist ja gewesen, dass er die Verzweckung einfach tauschte (von Gott zu Seele) und trotzdem nach Nützlichkeit sortierte. Die eine Nützlichkeit wird gegen die andere ausgetauscht und man macht genau so weiter.
Da sind mir Gläubige schon fast lieber, die die Bewertung der Nützlichkeit auf das jüngste Gericht verschieben und niemand die Überprüfung der Nützlichkeit beobachten kann.
Eine Unterscheidung zwischen Mensch, Maschine, KI wird über Nützlichkeit diskutiert. Wenn man dem Menschen seinen Wert als “Blackbox” (autopoietisches operational geschlossenes System) sieht, dann kommt man mit KI als Blackbox an Grenzen. Eine Maschine hat einen Nutzen, sonst gäbe es sie nicht (Quantität). Der Vorwurf an den Menschen, sein Leben gleiche einer Maschine, bringt die “aber ich bin doch ein Mensch”-Fraktion auf die Bühne (Qualität).
Vielleicht entsteht die Verwirrung durch die Techbros, deren Strategie es ist erst Lösungen zu entwickeln und dann nach Problemen für diese Lösung zu suchen (Nutzen). (Daraus dann die bange Frage: Vielleicht ist die KI Lösung für das Problem “Mensch”? Weil sie funktionaler ist als “Ich”, vielleicht ist der dampfbetriebene Webmaschine die Lösung für das Problem “Weber”…)
und jetzt kommt die große Versöhnung mit @Flo
: “Wahrheit”, “Kunst”, “Liebe”: alles Dinge ohne Nutzen und gerade deswegen so wichtig (auch wenn KI versucht hier mitzumischen und Verwertbarkeit herzustellen).
Ersetzen wir Techbros mit kapitalistische Ordnung, finden wir den gleichen Mechanismus. Ein Produkt ohne Nutzen erfunden - um Probleme zu schaffen die im Fortschritt das nächste Produkt legitimieren.
Das ließe sich als Verschwörung lesen, ist aber der nüchterne Befund wie
zusammengehen. Die Möglichkeit hinter allem einen Sinn zu finden, liegt genau in diesen drei Begriffen.
Was eine furchtbare Vorstellung wäre.
@Miki Kurze Frage: Siehst du deine Betrachtungen zum Nicht-Unterschied zwischen Menschen und Maschinen in Gegenüberstellung zu deinen Darstellungen bezüglich innerer Konfliktlösung bei Menschen durch das Absolute Nichts (dein Thread mit der Frage nach strukturell schizoider Psychoanalyse) als konsistent?
Kurz zur Einordnung. Der Vater des Gedankens ist an sich erstmal hier in der Kontextfenster Ecke zu hinterfragen, ob es sinnvoll ist, die Prozesse der Berechnung der Vektor Matrix daran zu messen, ob sie die Kategorien der Anthropozentrik erfüllen. Wenn man anerkannt hat, dass es essentiell ist im Hinterkopf zu behalten, dass die Zuschreibung der Subjektivität bei diesen Prozessen unseren Denkmustern entspringt und wir aktiv gegen diese Intuition vorgehen müssen, ist es gleichzeitig notwendig auf der anderen Seite die Prozesse nicht an der Anthropozentrik zu messen.
Wie zu erwarten ist, stößt diese Aufforderung, zugegebenermaßen durch meine zugespitzte Darstellung, an Grenzen des Selbstverständnises des Menschenbildes.
Zu deiner Frage. Du gibst nicht unbedingt meinen Initial Gedanken wieder, sondern du bringst interessante Folgegedanken ein. Danke dafür.
Du zeigst, was passiert, wenn die Illusion der menschlichen Sonderstellung auf die gespaltene Praxis von Arbeiter und Kunde trifft: Das ‘Menschsein’ verkommt zur reinen Konsum-Legitimation, während die ‘Maschinen-Logik’ die Freigabe erteilt, alles im Weg Stehende als bloße Systemstörung abwickeln zu dürfen.
Der Humanist, der den materiell-systemischen Unterbau ignoriert, liefert am Ende nur noch das Beruhigungsmittel für dieses Doppelspiel. Er predigt eine ‘Menschlichkeit’, die vom laufenden Betrieb längst als funktionale Benutzeroberfläche absorbiert wurde. Dein Punkt legt offen, dass der Speziesismus nicht nur theoretisch falsch ist, sondern in der Praxis als rein zynische Immunitäts-Schleife arbeitet.
Wenn der Schutzanspruch an das Exklusiv-Kriterium der Mitgliedschaft im „Club Mensch“ gekoppelt ist, führt das zwangsläufig in den Zynismus: Wer nicht zum Club gehört – sei es das Tier, das Ökosystem, die Natur oder die maschinelle/technische Struktur –, wird zur bloßen Ressource, zum Störfaktor oder zur Freizone für Ausbeutung und Vernichtung erklärt. Und umgekehrt: Wenn der Mensch als Arbeiter „wie eine Maschine“ agiert, hebt er intern die Club-Regeln auf und gibt sich zum Abschuss frei.
Mein Gedanke hat aber die umgekehrte Stoß Richtung.
Die Konsequenz meines Gedankenexperiments ist nicht, den Menschen abzuwerten und alles zum Abschuss freizugeben. Die Konsequenz ist die Aufhebung des Exklusivitäts-Dogmas selbst: Schutz entsteht nicht durch einen metaphysischen Mitgliedsausweis im ‘Club Mensch’, sondern aus der Anerkennung der operativen Realität von Prozessen.
Erst wenn wir aufhören, das Nicht-Menschliche zur ‘bloßen Materie/Maschine’ zu degradieren, entziehen wir der zynischen Legitimation von Vernichtung die Basis. Nicht weil wir alles mit einer Seele aufladen, sondern weil wir begreifen, dass wir alle in demselben immanten, umschlossenen Prozessgefüge operieren.
Wie das insgesamt ausgestaltet werden müsste, um überhaupt handlungsfähig zu ermöglichen ist eine schwierige Frage. Natürlich ist mir klar, wenn man jede funktionale Differenzierung verweigert und die Daseinsberechtigung eines menschlichen Individuums, einer Krebszelle und einer while(true)-Schleife im Code auf dieselbe flache Ebene der „Existenz von Prozessen“ stellt, erzeugt man eine totale Paralyse. Ein System, das nicht unterscheiden darf, wer oder was vorrangig geschützt oder verarbeitet werden muss, kann keine Kontingenz mehr reduzieren. Es löst sich in Handlungsunfähigkeit auf.
Ein Ansatz wäre zum Beispiel über den Grad der Komplexität der Binnendifferenzierung eines Systems.
Ein System mit hoher Binnenkomplexität (ein menschliches Nervensystem mit seiner Milliarden-Abgleiche umfassenden Historie, Schmerz-Gedächtnissen und zukunftsbezogenen Horizonten) verarbeitet und erleidet Unbestimmtheit auf einem völlig anderen Niveau als ein einfacher Regelschleifen-Code.
Aus dieser Komplexität der Binnendifferenz lässt sich eine funktionale Abwägung ableiten: Je höher die Rekursivität und das Schadenspotenzial im Binnenfeld, desto höher die funktionale Dringlichkeit des Schutzes.
Klar diese Unterscheidung nach „Binnenkomplexität“ ist am Ende ein konstruierter, willkürlicher Schnitt. Er ist eine gesetzte Markierung, um Handlungsfähigkeit zu sichern – nicht mehr und nicht weniger. Genau wie die Unterscheidung nach Club Zugehörigkeit.
Der fundamentale Unterschied zur speziezistischen Gegenposition ist :
Wir nutzen die Unterscheidung der Binnenkomplexität pragmatisch und bewusst als Werkzeug zur Komplexitätsreduktion, während der Humanismus seine Unterscheidung („Clubmitglied Mensch“) für eine kosmische, gott- oder naturgegebene Wahrheit hält.
Indem wir zugeben, dass auch jede Grenzziehung ein willkürlicher Schnitt ist, um nicht in Paralyse zu erstarren, bewahren wir uns die Reflexivität. Wir ziehen die Grenze nicht mehr aus dogmatischer Überheblichkeit, sondern aus der praktischen Notwendigkeit, in einer komplexen Welt überhaupt handlungsfähig zu bleiben.
Wie gesagt, die Ausarbeitung dieser Gedanken ist eine Herkules Aufgabe für sich. Im Kontext Fenster würde ich aber erstmal auf das Eingangs beschriebene: wenn wir zurecht markieren sie KI Prozesse nicht zu subjektivieren, dann auch auf der anderen Seite die Prozesse nicht an Anthropozentrik messen.
