Eure Sicht auf die Corona-Zeit

Ich sollte… ist ethisch relevanter als ich müsste…, weil das, was ich mir selbst vorschreibe, mehr Gewicht hat.

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Neee, ich beobachte nur, wie die letzten Reste des Neues Steuerungsmodells absterben.

(Was ich recht spannend finde, da externe Ereignisse politische Entscheidungen rückabwickeln, ohne das es politische Entscheidungen gibt (akutell: Amoklauf in Stade führt bundesweit zu unkoordinierten Zugangsbeschränkungen in Jugendämtern). Das Argument “Sicherheit” ist anscheinend in der Lage ohne geplante und kontrollierte politische Prozesse wirksam zu werden selbst wenn kein Zusammenhang zwischen “Sicherheit” und “Reaktion auf Unsicherheit” besteht… und diese Beobachtung scheint ja für Dich auch relevant zu sein…)

Absolut! Der Satz beschreibt ja perfekt die Corona-Zeit und ganz besonders die de-facto-Impfpflicht.

[Mit der kleinen Ergänzung in Klammern, denn ein solcher Zusammenhang wurde durchaus behauptet.]

Anders als irgendwelche Zugangsbeschränkungen in Jugendämtern betrafen die Corona-Maßnahmen allerdings jeden Einzelnen, was einen breiten Konsens notwendig machte, um sie durchzusetzen. Dies wiederum erforderte, Gegenstimmen unbedingt mundtot zu machen.



Gibt es hier ein Interesse daran, diese Täuschung anhand der Fauci-Tagebücher ein wenig zu analysieren?

Ich versuche ja von Deiner “Rückschau” zu abstrahieren.

Ich will ja gerade nicht über die “tatsächliche” Unsicherheit sprechen (und wenn man bundesweit Schließungen politisch durchsetzen will, muss man die Begründungslast bundesweit politisch regeln (Du sagst: “Behaupten”)), sondern finde es einen spannenden Nebenzweig, dass “Zugang zu Staat” auch unterhalb politischer Entscheidungen begründet und exekutiert wird und “mögliche Bedrohung durch Einzelpersonen” unterhalb von Verfügungen, Gesetzesentscheidungen etc. umsetzbar sind. Die Wahrnehmung verschiebt sich dabei also von (Neues Steuerungsmodell) der damals angestrebten Vorstellung “der Bürger als Kunde der Verwaltung” zu “der Bürger als potentieller Terrorist der Verwaltung”…

was sich einreiht in: “Beleidigung von Politikern” und “Angriffe auf Rettungskräfte”, “heimliche Hausdurchsuchungen”

und vielleicht sogar in “Der Bürger als potentieller Terrorist der Wirtschaft” wg. Faulheit, Krankheit, Neid, Opferunwilligkeit

und passend zur Diskussion liefert der SWR einen Bericht “aus dem Lager der Unbrauchbaren”

Die teure Epidemie – Wie Long COVID und ME/CFS die Gesellschaft belasten

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Yo, but that‘s exactly why this thread exists

To look back at the bullshit and claim the twists

Oder wie sie PostVac verschwinden lassen…

Manches, was ich schreibe, klingt schärfer als es gemeint ist, meistens habe ich doch ein Grinsen im Gesicht.

Aber wie sie PostVac in Long Covid ummünzen und damit verschwinden lassen, das macht mich echt wütend.

Was mich angeht, ja. Ich stecke in diesem Thema nicht tief drin. Interessant finde ich es allemal.

In Zeiten knapper Mittel (weil alles in die Aufrüstung geht) muss man volkswirtschaftlich argumentieren, um überhaupt Gelder für die Forschung zu ME/CFS zu bekommen. Das mache ich den Protagonisten des SWR-Beitrags, Schieffer, Scheibenbogen, Grams und sogar Klabauterbach nicht zum Vorwurf.

Es ist nicht so, dass ich Long Covid leugne - das nur zur Klarstellung. Es gibt solche Fälle und sie sind vor 2021 auch klar als solche zu identifizieren und dokumentiert.

Nach Einführung der Impfkampagne ist eine saubere Trennung zwischen Post Vac und Long Covid oft nicht möglich, man betrachte nur den Fall der bedauernswerten Margarete Stokowski. Bei Grams dürften die Dinge ähnlich gelagert sein.

Was die Genannten eint ist, dass sie alle die Corona-Impfung propagierten und damit naturgemäß wenig Interesse daran haben, diese Form von ME/CFS auf die Impfung zurückzuführen. Besonders interessant ist dabei Prof. Schieffer: Er hatte eine (ich galube, sogar deutschlandweit die erste) PostVac-Amlulanz an der Klinik in Marburg und ich erinnere mich an Berichte über Zehntausende auf seiner Warteliste. Heute macht er den Eindruck, als wolle er dieses durchaus lobenswerte Engagement vergessen machen. Klar - auch er braucht Geld, um überhaupt irgendwie helfen zu können. “Dann tut halt so, als hättet ihr Long Covid, ihr Impfgeschädigten.” Ich erinnere mich an eine Sendung, auch beim SWR, in welcher der damalige STIKO-Chef Mertens einer Betroffenen fast wörtlich diesen Ratschlag gab.

Dumm nur: Forschung, insbesondere Ursachenforschung, ist unmöglich, wenn man eine mögliche Ursache unter den Teppich kehrt. Ich habe den oben verlinkten Beitrag gehört und mitgezählt. Wie vermutet ist die Häufigkeit der Erwähnung von Post Vac: Null.

ja ja so eine Verladerampe kann sehr flach und gut gepolstert sein. Da bekommt man die Steigung gar nicht mit, bis man an der Verladekante nützlich/unnütz steht…

Gesundheit ist kein Argument, man “muss” volkswirtschaftlich argumentieren…

was war nochmal Dein Argument gegen die Coronamaßnahmen? Das Du nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten und nicht nach Gesundheitsgesichtpunkten behandelt wurdest?

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Bro muss immer meckern… :wink:

Ich schrieb das aus der Perspektive eines Arztes, der Gelder braucht, um zu helfen. Drücke ich mich so undeutlich aus?

für den gilt ja das selbe:

Das er volkswirtschaftlich argumentieren “muss” ist gesetzt.

Die Argumentation im Podcast ist da sehr sehr spannend, sie begründen dir nämlich das “müssen” auch wenn es erstmal gegen Dein (“du kleines Dummerchen”) “Gefühl” von der Behebung menschlichen Leides geht, dass die Gesamtbilanz des Staates in deinem Interesse zu liegen habe…

und da wird der Bogen rund. Die Coronamaßnahmen (hier wurde ja tatsächlich “Maß genommen”) sind aus der Gesamtbilanz des Staates betrachtet durchgeführt worden und nicht nach irgendwelchen Einzelaspekten wie Wirksamkeit von Impfstoffen, Wirksamkeit von Masken, tatsächlicher Schädlichkeit etc…

Deswegen konnten auch die Sozialwissenschaftler mit “Bedürfnisorientier Maßnahmenpolitik” keinen Fisch vom Teller ziehen.

Deine Kritik mit “wissenschaftlich ist da was falsch und Politik hat gegen die Erkenntnisse gehandelt” ist dann also nur ein Hinweis darauf, dass Deine Erkenntnisse viel besser für die Volkswirtschaft gewesen wären… dann kannst Du aber z.B. @NGO-Guy nicht “Volksgesundheit” als Beschimpfung entgegenschleudern.

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und wenn man den Gedanken zu Ende gebracht hat, dann könnte man ja mal darüber nachdenken, warum “das schwedische Modell” so viel sympathischer erscheint…

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Tu das. Was hält dich davon ab?

ach Syd… einmal weiter als bis zur eigenen Stirn…

Jacob B., one-trick pony, same track on repeat,
every time we hit the point, you slow down the beat.
Same tired line, same detour, same old routine,
you ain’t breakin’ down the system — you’re guardin’ the machine.

so sehr ich die Kreativität schätze:

Sobald es an den Punkt kommt, dass Du von “Corona” mehr haben könntest wenn Du deinen “Berg von Beweisen” mal herunterklettern würdest, verschränkst Du die Arme und beharrst auf der guten Aussicht und willst den anderen nochmal die einzelnen Brocken Deines aufgehäuften Berges zeigen. Die “Aussichtslosigkeit” kann man Dir nur zeigen, herunterklettern musst Du schon selber. Wenn Du jeden Vorbeikommenden anschreist, dass sie deinen Berg nicht abbaggern sollen (auch wenn das hier in hunderten von Beiträgen niemand versucht hat), wird es irgendwann ziemlich einsam. Ab und zu kannst Du dann noch rufen, dass neue Brocken aufgetaucht und von Dir an ihren Platz im Berg platziert worden sind…

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Wir sind da offenbar unterschiedlich - ich interessiere mich nun mal sehr für Details. Die Fauci-Tagebücher scheinen ein paar echt “dicke Brocken” zu enthalten, um in deinem Bild zu bleiben.

Wann ich vom Berg runterkomme, von dem du nur die untersten Ausläufer wahrnimmst, das entscheide ich, Bro.

Es hängt nicht in der Luft, es hängt an der Schwelle und die Schwelle ist das Scharnier. (es mag ohne weitere Erklärung aber so wirken). Mein Punkt ist nicht „ein Widerspruch bringt alle in Konflikt” - das wäre tatsächlich trivial und vor allem subjektfrei. Mein Punkt ist: ein Stapel je einzeln verteidigbarer, widerspruchsfreier Regeln überschreitet früher oder später Ihre Schwelle, und die liegt anderswo als meine oder die anderer. Deshalb ist die Zustimmung an einzelnen Messpunkten nachrangig - relevant ist der Kipppunkt, und der ist subjekt-indiziert.

Ich glaube, fast die ganze Reibung zwischen Ihnen und mir kommt daher, dass wir zwei verschiedene Dinge unter dem gleichen Namen betrachten.

Ich betreibe zweierlei zugleich: eine private Selbstsonde („Bei welcher Parameter-Konfiguration entziehe ich meine Zustimmung?” - reflexiv, nur von innen berichtbar) und eine öffentliche Strukturthese („Macht schraubt monoton, jede Schwelle ist endlich, also ist Konflikt für alle außer den vollständig Staats-Identifizierten garantiert”). Das Erste ist berichtbar, nicht beweisbar. Das Zweite ist argumentierbar. Sie prüfen die ganze Zeit das Zweite mit den Maßstäben eines Beweises - völlig zu Recht, wenn es ein Beweis sein soll. Soll es meinerseits aber nicht. Wir streiten deshalb nicht über die Sache, sondern über die Form.

Ihr „ich stimme zu, aber das ist trivial” trifft gar nicht meine Behauptung. Ein Widerspruch („Bier ist Pflicht und verboten”) bringt alle gleichzeitig und von außen in Konflikt - die Schwelle des Einzelnen wird dabei überhaupt nicht befragt, die Regel ist schlicht unmöglich. Mein Mechanismus ist der umgekehrte: Wann wird der Punkt durch Stapelung bei wem erreicht? Das eine ist subjekt-frei und trivial, das andere subjekt-indiziert und alles andere als trivial. Ihre Zustimmung gilt also einem anderen Satz als dem, den ich gemeint habe. Ich bin vage geblieben, um zu sehen, in welche Richtung Sie den Gedanken aufnehmen werden. Das ist für mich der interessantere Teil: Sie haben sich nicht mal annähernd verortet - Sie haben die Verortung umgangen. Indem Sie auf den Widerspruch als Mechanismus umschalten, tauschen Sie meinen subjekt-indizierten gegen einen subjekt-freien Mechanismus aus.

Ich fand Ihre vertrauensbetonte Zustimmung zu Maßnahmen bei Corona einen guten Anlass, die Überlegungen in Richtung einer Anhäufung von Bedingungen zu lenken - deshalb die UND-Verknüpfung zwischen den Pflichten. Eine leise Rückfrage lässt sich anschließen, weil sie mir der Kern zu sein scheint: Wenn Sie in der Betrachtung anführen, Sie bräuchten einen Widerspruch bei den Pflichten (um die Konfliktschwelle zu erreichen), und wenn Sie keine andere Möglichkeit anführen - ist das eine Aussage über den Beweis oder über Sie?

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Das funktioniert nicht. Man kann keine Gesamtbilanz erstellen, ohne die einzelnen Posten zu betrachten. Was hingegen keine Bilanz braucht, sondern einfach reagiert, ist: wenn man getrieben wird von Panik. Danach sah vieles, zumindest anfangs, aus.

Nicht nur die hätten sich differenzierte Maßnahmen gewünscht.

Sowohl für die Volkswirtschaft, als auch für das Individuum wäre eine differenziertere Handlungsweise besser gewesen. Vergleiche Schweden: Unterm Strich war deren Weg, was wirtschaftliche und gesellschaftliche Verwerfungen angeht, der bessere. Und gesundheitlich, hier im Ländervergleich gemessen anhand der Übersterblichkeit, zumindest nicht schlechter. Deutschland kratzte öfter an der roten Linie bzw. überschritt sie deutlicher:

[Fairerweise muss man erwähnen, dass das erste Quartal 2020 in der Darstellung fehlt. Euromomo schneidet nach 6 Jahren leider vorne ab]

Also ja: “Meine Erkenntnisse” - oder sagen wir, der schwedische Weg - wäre insgesamt viel besser gewesen.

Kann ich durchaus “entgegenschleudern”, NoGoGuy oder wem auch immer:

Der Kontext war sein Höhlengleichnis mit dem Fettsack, der weggesprengt wurde zugunsten der Allgemeinheit, sowie meine Entgegenhaltung des BVerfG-Luftsicherheitsurteils von 2006, welches das Opfern Einzelner zugunsten vieler verbietet, sowie ein Hinweis von dir, dass ebendies bei der Schulbildung aber gemacht wurde - wie übrigens auch (Ergänzung von mir) bei der sektoralen Impfpflicht. All das für die Volksgesundheit.

Das taten wir ja gerade, oben fett markiert.

Jetzt zum Anlass dieser Tirade, nämlich dem SWR-Bericht bzgl. ME/CFS und Long Covid, [der PostVac leider wenig überraschend unerwähnt ließ]:

Wenn wir unterstellen, und das tue ich in diesem Fall, dass Ärzte wie die Professoren Schieffer und Scheibenbogen nach bestem Wissen und Gewissen handeln, dann müssen sie in…

Du aber schon?

Warum genau wirfst du ihnen das vor? You don’t like the system? Gotta deal with it, dude, it’s the only one we have. Or start a revolution…

Nein im Ernst: Sag mal, was du an deren Argumentation - unter der Prämisse knapper Gelder - so verwerflich findest und was du an deren Stelle tun würdest, um deine Forschung zu finanzieren.