Was hier als Sorge um Frauenrechte auftritt, ist bei genauerem Hinsehen eine patriarchale Position im feministischen Kostüm. Feminismus wird auf Identitätspolitik für eine angeblich eindeutig bestimmbare Gruppe „biologischer Frauen“ reduziert. Wie diese Gruppe widerspruchsfrei definiert werden soll, bleibt offen. Chromosomen, Genitalien, Hormone, Fortpflanzungsfähigkeit oder Personenstand liefern jeweils andere Grenzfälle und schließen Frauen aus.
Entscheidend ist die politische Funktion dieser Unschärfe: „Biologie“ dient als autoritärer Platzhalter, mit dem Frauen wieder auf Körpermerkmale festgelegt, klassifiziert und voneinander getrennt werden. Patriarchat erscheint dadurch nicht mehr als gesellschaftliches Machtverhältnis, sondern als Konflikt zweier natürlicher Körperkollektive. Feministische Politik wird zur Grenzkontrolle: Wer darf Frau heißen, wer darf Räume betreten, wer besitzt angeblich welche Rechte?
Das ist kein Ausbruch aus patriarchaler Ordnung, sondern ihre Wiederherstellung mit feministischer Rhetorik. Das U-Boot fährt unter der Flagge der Frauenrechte, transportiert aber ein Herrengedeck: biologischen Determinismus, soziale Kontrolle und die Vorstellung, Frauen müssten von außen eindeutig definierbar sein. Gerade die ausdrückliche Behauptung, Patriarchat setze eine biologische Definition von Geschlecht voraus, legt diese Konstruktion offen.