Baberowski war neulich bei Jung und Naiv und nachdem dieser immer als Ultra Rechts vorgestellt wurde und auch Wolfgang im Salon vor ihm warnte und seine Persona nur mit Samthandschuhen anfasste, hat sein sehr solides Auftreten bei Thilo doch meine Aufmerksamkeit erregt, und mich mit der Frage hinterlassen ob es nicht gerade Menschen wie Baberowski sind die wir im Kampf von Links gegen den Liberalismus brauchen.
Zunächst ist natürlich anzuerkennen das es bei Baberowski konservatives Gedankengut gibt, (Thema Flüchtlingspolitk) und dennoch halte ich ihn in vielen der anderen Punkte nicht für so rechts wie er dargestellt wird und teils sogar sehr Links geprägt.
Zum einen ist seine Liberalismus Kritik aktuell extrem wichtig und diese ist, wie Wolfgang ja erwähnte, in seinem jüngsten Werk extrem scharf und auch von Links konstruktiv zu lesen. Gerade weil er hier eine wirkliche Demokratie mit Debattenkultur und der Direkten Beteiligung des Volkes fordert, und dabei nicht (wie Carl Schmitt - Lage des Parlamentarismus) sich zb ein homogenes Volk mit einheitlichen Willen und Ethnie wünscht.
Zum anderen jedoch macht Baberowski etwas was ich für extrem wichtig halte: er geht transparent mit seinen Positionen um und TUT NICHT SO, ALSO SEI ER ALS WISSENSCHAFTLER OBJEKTIV!
Dieser Gedanke ist selbstverständlich genau so alt wie die Kritische Theorie selbst, und für mich steht Baberowski damit für eine wichtige Stimme in der Wissenschaft, diese von ihrer scheinbaren Objektivität zu befreien um einen Kritischen und Transparenten Ansatz in Kritischer Tradition zu verfolgen
Im Zuge meiner Beschäftigung mit deiner Person habe ich dann auch einige Menschen kennen gelernt die bei Baberowski studiert haben, und diese (allesamt Links) haben mir von einem sehr transparenten und auf Augenhöhe begegnende Baberowski berichtet der seine Studenten sehr konstruktiv und divers unterstützt und begleitet.
Daher die Frage: ist er wirklich so problematisch das man ihn mit Samthandschuhen anfassen muss und die Nazi Keule schwingen muss, oder ist er im Geiste ein Verbündeter der zum Teil veraltete konservative Ansichten teilt, des wir aber produktiv lesen und verstehen sollten um eine Demokratisierung Voran zu bringen?
@nel Eine nicht autorisierte Stellvertreter-Antwort möchte ich nicht in die Runde schicken - aber den Gedanken, dass die Liberalismus-Kritik keine homogene Erscheinung ist:
Hinweis vorab: Der Naivling heißt Tilo, nicht Thilo.
Was wirft wer dem Baberowski denn vor und warum? Ich war positiv überrascht bei dem J&N-Interview, insbesondere was seine kritische Haltung zum Ukraine-Krieg angeht.
Aber vielleicht ist es ja genau das, weswegen ihn manch eine(r) zu diskreditieren sucht.
Sicher eine wichtige Beobachtung, aber aus dem Schema fällt Jörg Baberowski ja doch deutlich raus da er keinen individualistischen sondern einen kollektivistischen Ansatz verfolgt
Fällt er tatsächlich aus dem Schema heraus? Ich hatte o.s. in der Antwort einen Link zu einem Beitrag platziert, um verschiedene Strömungen des Post-Liberalismus zu skizzieren.
Richtungen:
Die postliberale Rechte.
Die sozial-ökologische / linke Kritik.
Der historisch-zeitdiagnostische Begriff.
Wenn Herr Baberowski in keine dieser Strömungen passt, kann die Anwesenheit einer weiteren post-liberalen Bewegung als These geprüft werden.
Fazit: Alle Bezüge teilen ein gemeinsames Fundament: Sie lehnen die liberale Kernidee ab, dass die Gesellschaft primär aus ungebundenen Individuen besteht, und fordern stattdessen die Stärkung von kollektiven Werten, Gemeinschaften und der steuernden Rolle des Staates.
Hauptthemen sind wohl seine Haltung zur Flüchtlingspolitik, eine angebliche AfD Nähe, da beleidigen von „Linken“ Studierenden, Ukraine ist definitiv auch eine Thema und eben sein Anti-Liberalismus!
Seine Wikipedia Artikel wird da mehr sagen können als ich, aber es wird eben von Linken immer extrem despektierlich über ihn geredet, was mich doch sehr wundert…
Ja du hast recht, er fällt dann wohl am ehesten in die letzte Kategorie, aber vielleicht kannst du es auch besser ein einordnen, mir fällt es tatsächlich ein wenig schwer, weil er gewisse Punkte aus allen 3 Ecken aufweist!
Vielen Dank für die Einordnung und des Hinweis aber
Nun ja - das ist als generelle Floskel schnell gesagt oder geschrieben. Vielleicht wolltest du dich nicht anstrengen.
Ich habe keine Schubladen angeboten, sondern erkennbare Strömungen. Nimm den Begriff Strömungen buchstäblich - sie sind dynamisch, mit teilweise unbestimmbaren Grenzzonen. Eine schwarz-weiß-Trennung bei der Übertragung auf Personen empfehle ich nicht. Bei allen Unterschieden lässt sich allerdings immer (mindestens) eine Gemeinsamkeit finden. Hier sind es „Kollektive“ als Zielbild. Dennoch kann eine Beschreibung helfen, die Perspektiven der Protagonisten zu erfassen. Wenn mehrere Elemente aus verschiedenen Richtungen zusammenkommen, ist das grundsätzlich kein Problem. Es erfordert einfach nur Transferleistungen - das kann man mit sich selbst ausmachen, oder im Dialog, oder man kann es einfach lassen. Die Umstände bleiben davon unberührt.
Naja also auch Wolfgang ist je sehr vorsichtig mit ihm umgegangen, im Salong vom 9. April 2026. Auch zb. Ingar Solty bezeichnete ihn bei „Meisterwerke der Literatur“ in einem Nebensatz mit „Der wirklich sehr Rechte Historiker …“
Das würde ich sagen sind schon mal zwei der fähigsten und wichtigsten Linken Stimmen aktuell…
Nochmal: Die Typen sollen darlegen, in welchen Punkten sie B. kritisieren und warum. Solange das nicht geschieht, ist dieses ganze Geraune völlig irrelevant.
In meinen Augen würde das voraussetzen, dass er im Sinne des Post-Liberalismus die Rückkehr zu traditionellen (konservativen) Gemeinschaften propagiert und das Ganze mit den üblichen Zutaten rechter Ideologie kombiniert (Nationalismus, Militarismus, Führerschaft und Gefolge, vollständige nationale Autonomie in der Gesetzgebung und -anwendung, …). Soziale Aspekte stehen nicht im Widerspruch dazu - sie können politisch rechts, links und in der Mitte auftauchen. Manche nutzen sie als Vehikel, um zur Macht zu gelangen - für andere sind sie ein Ziel im Rahmen der Machtausübung.
Ja, das darf man erwarten, wenn die Kritik an der Person zum Bestandteil der Argumentation in der Sache wird - allgemein gesprochen. Im Fall Baberowski fehlt es mir an Hintergrundinformationen, um mir ein Urteil zu erlauben.
Ja das war ursprünglich auch was ich glaubte, aber bei ihm wird durchaus eher ein Ansatz von „echter“ Demokratie nach Alt Griechischem Ideal sichtbar, und dabei eben weniger die Idee das ein Volk einheitlich auftreten sollte (wie zb bei C. Schmitt), also es scheint eher so als habe er die Idee einer direkten Demokratie mit vernünftiger Debattenkultur, aber klar: wenn er einige Jahre zuvor noch Flüchtlinge des Landes verweisen wollte wirft das Fragen auf ob er es tatsächlich so meint, mir schien er jedoch im Tilo Gespräch nicht sonderlich despektierlich über Migranten zu sprechen
Ich auch, zumindest Wolfgang. Und ich korrigiere mich: Statt „diese Typen“ hätte ich schreiben sollen: „Irgendwelche Figuren im Internet.“ Respektive hier im Forum.
Ich kenne die Zitate von Herrn Baberowski nicht, an denen sich Kontroversen und Fronten gebildet haben - deswegen kann ich nichts dazu sagen. Sie scheinen zeitlich etwas zurück zu liegen. Wenn aber die Eingangsfrage des Threads irgendwie bearbeitet werden soll, müssten zunächst die umstrittenen Originalzitate in ihrem vollständigen Kontext ausgegeben werden - insofern verstehe ich deinen Unmut.
… Andererseits, der Punkt hinter dem Titel des Threads ist @nel s Anregung, mit Baberowskis Liberalismus-Kritik produktiv umzugehen. Spricht nichts dagegen, meine ich (Trennung von Werk und Autor wird auch bei DNZ im Podcast immer wieder ans Herz gelegt). Man muss keine Diskussion um Baberowski selbst daraus machen.