Hier ist ein anderer Artikel von Getrud Klemm
Der Text im Prinzip stark polemisch angelegt.
“Frau” umschiffende Begriffe wie “Uterus-Havers” (Planned Parenthood), “Bodies with Vaginas” (The Lancet), “Bonus Hole” (Jo’s Cervical Cancer Trust), “Birthing Parent” (Bank of England) und “Chestfeeding” (NHS) haben sich in der anglikanischen Amtssprache schon selbstverständlich durchgesetzt. Eine Art Höhepunkt markierte das LGBTQ-Glossar der renommierten Johns-Hopkins-Universität, in dem Lesbischsein definiert wurde als “a non-man attracted to non-men” (ein Nicht-Mann, der sich zu einem Nicht-Mann hingezogen fühlt), wohingegen Schwulsein so definiert wird: “a man attracted to other men” (ein Mann, der sich zu einem Mann hingezogen fühlt). Auch im Deutschen wird folgsam ausgewichen – auf Flinta* zum Beispiel. Sich als links Einstufende reden von “Menschen, die menstruieren”, von “gebärfähigen Personen” – nicht immer sinnstiftend, aber stets im besten Glauben, der Inklusion zu dienen. Dass dieses mit der Exklusion des Begriffs “Frauen” einhergeht, scheint nur die Konservativen zu stören.
Frauen selbst schweigen laut. Ihr kommt ja eh noch vor, tröstet man sie. Wir sind doch alle* eine Familie*! Wir wollen doch weltoffen und tolerant sein! Und frauen*solidarisch! Wer nicht dazugehören will, wird sehr patriarchal beschimpft und bedroht – siehe J. K. Rowling.
Das alles ist schon ächtzend und ablehnend gegenüber Queerfeminismus.
J.K. Rowling ist hoch umstritten und wird teils sogar als reaktionäre eingeordnet https://youtu.be/Ou_xvXJJk7k?si=GI9iyfFEAI9bIgM5
Dich verunsichern genderneutrale Toiletten? Terf! Du findest transitionierte Vergewaltiger in Frauengefängnissen gruselig? Nazi! Du hast Mitleid mit den Schwimmerinnen, die dank mitschwimmender Transfrauen um hunderte Plätze nach hinten katapultiert werden? Trans-Genozid-Befürworterin! Du bist Lesbe, und dich törnt der Lady-Dick ab? Transexclusive Bigott! (sic) Du hast ein Buch über Geburt geschrieben, möchtest es an Mütter und Frauen adressieren und nicht an “gebärende Personen”? Radikalfeministisches Fossil! Du bist ein Mann, findest das alles schräg und freust dich heimlich, dass der Feminismus implodiert? Gratuliere, und: Welcome to the Show!
Das ist Affekt, aber keine Reflexion. Es mag sein, dass der Ton im Internet rau ist, aber sie reproduziert das auch nur.
Wenn wir die Geschlechtergrenze aufheben, fehlt uns die soziokulturelle Kategorie, die wir brauchen, um Kritik korrekt zu formulieren – um die Geschichte der Abwertung von Frauen zu benennen, zu verstehen und ihre Perpetuierung zu verhindern. Nicht nur das grenzt Frauen von Transfrauen ab. Die Geschichte der Frauen war und ist damit verbunden, dass ihnen Kinder bleiben. Und was, wenn Kinderkriegen und -aufziehen nicht nur als Leid- und Opferkategorie begriffen wird, sondern als Macht und Leidenschaft? Denn das Vermögen, Leben schenken zu können und es bedingungslos zu lieben, ist ebenfalls eine Identität, die mehr als einen Opferbegriff hergibt. Frausein ist ein Begriff, der mit der Würde der Mutterschaft und allem, was dazugehört, verbunden ist. Natürlich wurde der mütterlichen Würde übel mitgespielt, von Patriarchat, Kapitalismus und und dem Mutterkult der Nazis. Aber macht sie das unsäglich?
Hier ist explizit die Kategorie Transfrau ausgegrenzt, da sie ja keine Kinder bekommen können. Stattdessen gilt bei ihr Frausein als Mutterschaft. Das ist stark normativ eigentlich, während sie diese Offenheit und Spiel der Begriffe davor als abstrus oder lächerlich zurückwies. Ich sehe nicht, dass sie hier unbedingt gutwillig gegenüber Queerfeminismus agiert.
Seit es die geschlechtliche Fortpflanzung gibt, sind Lebewesen von der Alge bis zum Blauwal mit männlichen und weiblichen Keimzellen ausgestattet, mit dem Ziel, genetische Rekombination und Arterhaltung zu ermöglichen. Mit welcher Rechtfertigung wird die Spezies Mensch aus der Evolution herausgelöst, indem die zentrale Schaltstelle unserer Arterhaltung, das Geschlecht, für ungültig erklärt wird?
Hier ist das überzogene Übertragen vom Biologischen auf soziale Verhältnisse. Was Algen oder Blauwale mit menschlichen Gesellschaften zu tun haben sollen, bleibt unklar. Das Argument läuft auf einen klassischen naturalistischen Fehlschluss hinaus.
Ich halte es für zynisch, die Existenz von Geschlecht zu hinterfragen, während zeitgleich Abermillionen von Frauen wegen ihres Geschlechts weltweit genitalverstümmelt, zwangsverschleiert, entrechtet, pränatal abgetrieben und unterbezahlt werden.
Hier versteht sie nicht, dass die Kategorie “Frau” dort in diesem Fall historisch von jenen definiert wird, die Frauen unterdrücken. Die Kritik an dieser Kategorie negiert nicht die Gewaltverhältnisse. Im Gegenteil es ist eine Gegenbewegung zu sowas. Das sie das anführt, um Kritik an Geschlechterkategorien zurückzuweisen, vermischt verschiedene Kontext.