Juni-Salon: Drang nach Härte & Kybernetik und Kritik

Werden die Bedingungen des Seins (weiterhin) erfüllt sein?

Welche meinst du? Also fragst du als Kant, heiddeger, Aristoteles oder Luhmann:)

Ich frage als Pseudonym Ernst nach deinen. Sofern du sagst „Ja“, werde ich fragen, welche Bedingungen im Einzelnen bei dir erfüllt sein müssen. Auf diese Weise versuche ich deine Abgrenzung kennenzulernen.

Ich stelle meinerseits zum Beispiel das Sein in Frage, wenn zu natürlichen Sinneseindrücken künstliche, direkt an den Organismus gekoppelte hinzukommen oder als Ersatz an deren Stelle treten - wenn also eindeutig die Neurophysiologie eines Menschen manipuliert wird. Das bedeutet nicht, dass damit das Sein zwangsläufig am Ende ankommt (es kann auch „lediglich“ eine Verschiebung sein), aber an einem bestimmten Punkt des Manipulationsgrades wird es verlöschen.

Ich frage, da es je nach Kontext, also den Fragestellern, unterschiedlich beantwortet wird, auch von mir.

Ich habe am ehesten eine Verbindung zu dem Verständnis Heideggers und vielleicht Luhmanns, obwohl er Sein nicht per se angehen würde denke ich. Aber so oder so wäre das Sein eigentlich gar nicht die menschliche Ebene. Daher, das sein ist bedingungslos. Es ist dee Möglichkeitsraum. Die Kontingenz.

In meinem Verständnis würdest du über Dasein oder psychisches System sprechen.

Das Sein kann gar nicht manipuliert oder gelöscht werden, weil jede Manipulation, jeder Chip im Kopf, jedes künstliche Auge und selbst das Auslöschen der Menschheit nur eine weitere, konkrete Realisierung innerhalb des unendlichen Seins wäre.

Dasein ist das konkrete, in die Welt geworfene, leibliche Leben eines Menschen. Es ist an unsere evolutionär gewachsene Biologie, an natürliche Sinnesorgane und an die Illusion einer unberührten Natur gekoppelt.

Wenn wir die Neurophysiologie manipulieren, verändert sich das Dasein. Es wird technologisiert, vielleicht entfremdet.

Wenn wir davon ausgehen, dass wir hier eigentlich vom Dasein sprechen, dann sind dessen Bedingungen für mich ganz klar die Autopoiesis, insbesondere die Anschlussfähigkeit, und, um es etwas weniger abstrakt zu halten: der Selbstentwurf im Geworfen-Sein.

Wenn wir diesen Maßstab anlegen, können wir deine Sorge um die neurophysiologische Manipulation wie folgt einordnen:

Wir sind alle in eine bestimmte Biologie hineingeworfen, die wir uns nicht ausgesucht haben. Doch heute sind wir zunehmend auch in eine technologische Umwelt hineingeworfen. Wenn künstliche, direkt an den Organismus gekoppelte Sinneseindrücke hinzutreten, verändert das erst einmal nur die Parameter unserer Geworfenheit. Es ist die neue biologisch-technische Basis, auf der wir existieren.

Ein Dasein zeichnet sich dadurch aus, dass es sich zu seiner Geworfenheit verhalten und sich selbst entwerfen kann.

Wenn ein künstlicher Sinneseindruck mich so tiefgreifend manipuliert, dass er mir meinen Selbstentwurf raubt, wenn er mich zu einer fremdgesteuerten, deterministischen Maschine macht, die keine eigenen Alternativen mehr denken kann, dann erlischt das Dasein tatsächlich.

Solange die künstlichen Sinneseindrücke aber nur Material für meinen Selbstentwurf sind, solange mein Bewusstsein diese Reize nutzt, um eigene Gedanken anzuschließen, zu reflektieren, zu rebellieren oder sie in ein neues, erweitertes Selbsterleben zu integrieren , bleibt die Autopoiesis des Daseins intakt. Es ist kein Verlöschen, sondern ein radikal neuer Entwurf in einer veränderten Geworfenheit.

Genau dort widerspreche ich dir. Wie willst du das beherrschen? Du kannst kaum wissen, wie die Parameteränderungen an den neurophysiologischen Schnittstellen sich in deinem Wesen auswirken. Genau das, was du als „eigenes“ bezeichnest stelle ich in Frage, weil Ursache und Wirkung an Eindeutigkeit verlieren (unterstellt wird, dass es zuvor jemand einordnen konnte). Während man aus philosophischer Sicht darüber streiten kann, ob die eigenen Empfindungen überhaupt die eigenen Empfindungen sind, oder ob eine andere Entität eine Rolle spielt, steht diese Frage bei technologischer Manipulation an den Sinneswahrnehmungen mit direkter mechanischer Kopplung recht deutlich: Auflösung und Körnung (die neuronale Synchronität) werden drastisch verändert.

Natürlich: bei Stimulation feuern tausende Rezeptoren asynchron, hochpräzise und fein abgestimmt.

Technologie: Elektronische Impulse oder stumpfe Gegenstände stimulieren das Nervensystem meistens „kollektiv“ im Paket. Das führt zu unnatürlichen, synchronen Massenaktivierungen von Neuronen. Außerdem kann es zu fehlender peripherer Vorbereitung kommen (rohe elektrische Impulse gehen direkt in die Großhirnrinde), es kann zu zeitlichen Verschiebungen bei der Reizverarbeitung kommen, es kann zu Verwechslungen von Realität und Fiktion kommen (weil das Gehirn Signalstärke und Kohärenz nutzt, um zwischen diesen beiden Sachen zu unterscheiden).

Das einzige, was diese Inkonsistenzen ausgleichen könnte, wäre Neuroplastizität. Das ist eine heiße Wette, würde ich sagen. Ob das, was du unter Bedingungen einer aktivierten bio-integrierten Hard- und Software-Applikation „deine Gedanken“ nennst, tatsächlich als solche einzustufen sind, hängt stark von Details der technologischen Manipulation ab. Natürlich könnte dir das auch egal sein: „Es findet in mir statt - also ist es meins.“ Ich würde dennoch aus zwei Gründen davon abraten: Technologieanbieter arbeiten gewinnorientiert (dem wirst du als Konsument unterworfen) und Softwarefunktionen können ohne dein Wissen gezielt Einflüsse ausüben, die du dir nicht wünschst (die Update-Entscheidung liegt nicht bei dir).

Dein Sein ist ewig, na gut - du bist Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und noch Spuren einiger anderer chemischer Elemente - die Moleküle verschwinden nicht, sie wechseln nur gelegentlich die Verbindungen.

Ich sorge mich auch garnicht - ich teile nur nicht deine anscheinende Technologie-Euphorie.

Ich würde mich nicht als technologie-euphorisch bezeichnen. Ich bin nur skeptisch gegenüber einer Romantisierung der biologischen Hardware.

Ich denke es ist schwierig im Zusammenhang mit der Thematik, also vereinfacht umschrieben, dem Selbstverständnis was Mensch ausmacht, die Differenz aufzumachen Philosophie / Neurowissenschaften.

Während man aus philosophischer Sicht darüber streiten kann, ob die eigenen Empfindungen überhaupt die eigenen Empfindungen sind, oder ob eine andere Entität eine Rolle spielt, steht diese Frage bei technologischer Manipulation an den Sinneswahrnehmungen mit direkter mechanischer Kopplung recht deutlich: Auflösung und Körnung (die neuronale Synchronität) werden drastisch verändert.

Wenngleich die Hardware die physische Grundlage ist, laufen die Kontrollmechanismen und Sinnstrukturen nicht exklusiv auf ihr.

Genau das ist doch eine der faszinierendsten Errungenschaften der aktuellen LLM-Debatte:

Ich meine den Diskurs über Bewusstsein und Geist, der dadurch angestoßen wurde, dass die Interaktion mit der KI eine mächtige Illusion von Bewusstsein erzeugt. Ich sehe diese KI-Schnittstellen übrigens als einen natürlichen Teil unserer menschlichen Hybridität – wir erweitern unsere Kognition schon immer über externe Werkzeuge.

Und völlig unabhängig davon, wie man die Frage nach echtem Bewusstsein bei Maschinen beantwortet, zeigt uns diese Debatte eines ganz deutlich:

Diese Illusion entsteht nicht auf der Hardware-Ebene. Sie entsteht nicht durch die Manipulation von Silizium oder Synapsen. Sie entsteht rein im Medium der Kommunikation, auf der Ebene der Symbole und des Sinns.

Wenn wir also mit einer bloßen Schnittstelle (dem LLM) interagieren und darin einen Geist zu erkennen glauben, dann zeigt das, dass das, was uns als menschlich im Kontext Bewusstsein erscheint, ein Kommunikationsphänomen ist.

Versteh mich nicht falsch: Natürlich gibt es eine Gefangenschaft.

Wir sind Gefangene unserer Geworfenheit – unserer Biologie, unserer neuronalen Verschaltungen und eben auch der technologischen Infrastrukturen, in die wir hineingeboren werden. Und ja, selbst unser vermeintlich freier Selbstentwurf ist gefangen, weil er im Gehirn stattfinden muss, also genau in dem System, das durch die Schnittstelle irritiert wird. Wir können nicht aus unserem eigenen Schädel herausspringen, um uns von außen beim Denken zuzusehen.

Aber diese Gefangenschaft ist eine Konditionierung, keine Determination.

Unser Gehirn ist nicht bloß passiver Empfänger. Selbst wenn ein fehlerhafter, synchroner Massenimpuls auf die Großhirnrinde trifft, macht das psychische System daraus ein Sinnangebot. Es zweifelt, es passt sich an, es wehrt sich, es baut um.

Die eigentliche Frontlinie verläuft für mich daher nicht zwischen reiner Biologie auf der einen und stumpfer Technologie‘auf der anderen Seite.

Die wahre Frontlinie verläuft zwischen Autonomie und totaler System-Integration.

Die Gefahr von direkt gekoppelter Technologie ist nicht, dass sie unsere biologische Natur entweiht oder unser metaphysisches Dasein auslöscht. Die Gefahr ist politisch und ökonomisch: dass wir die Fähigkeit verlieren, Nein zu sagen. Wenn der Algorithmus eines gewinnorientierten Anbieters so tief in die Feedbackschleifen eingreift, dass er uns die Selektion von Möglichkeiten komplett abnimmt, dann schrumpft der Sinnhorizont auf null.

Nicht die Veränderung unserer Synapsen ist das Ende unseres Daseins, sondern der Verlust der Kontingenz. Solange wir die Abweichung, das Missverständnis und das Nein-Sagen aufrechterhalten können, bleibt das Dasein so frei wie es bisher war.

Kann sein, dass wir im Großen und Ganzen nicht allzu weit auseinander liegen. Gleichwohl gibt es Punkte, denen ich überhaupt nicht zustimme:

Ich romantisiere die biologische Hardware nicht - im Gegenteil. Die Ebene des Menschen als Mängelwesen kenne ich. Ich setze daneben, dass der menschliche Organismus (im Zusammenspiel aus Hardware und Software) über hunderttausende von Jahren härtesten Bedingungen ausgesetzt war, und eine gnadenlose evolutionäre Entwicklung und Optimierung durchlaufen hat. Mein Zweifel richtet sich darauf, dass irgendjemand mit einer Tablette, einem Gerät oder einem Implantat auftaucht und behauptet, damit den Menschen gezielt und nach Belieben zu verbessern - egal ob Hardware oder Software. An dieser Stelle könnte man auch die Überlegungen auf die Corona-Impfungen lenken, weil dort auch ein gewagtes Mindset am Start war - neben den üblichen ökonomischen und ideologischen Geschäftemachereien.

Sehe ich auch so.

Hier muss unterschieden werden, wovon die Rede ist. Bei direkter physischer Kopplung der Technologie an den Organismus wird die Illusion in der Software bereits durch Einflüsse in der Hardware eingeleitet.

Die Ebene der Kommunikation am Beispiel LLM zeigt tatsächlich, dass eine Illusion auch berührungslos erzeugt werden kann - weniger als Sinnestäuschung im herkömmlichen Sinn, eher basierend auf einer Bedürfnisebene der Sinngebung.

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Zu der Aussage von Wolfgang, dass es.am.ende egal für die abgeschobenen ist ,ob mit Bauchschmerzen oder mit Vergnügen abgeschoben wird. Auf einer gewissen pragmatischen Ebene mag es stimmen, also das abgeschoben sein. Auf diversen anderen Ebenen hat es weitreichende Differenz.

Es ändert viel an der Umsetzung. Wenn sie abgeschobenen während des Prozesses spüren dass widerwillig ein System Prozess durchgeführt wird verbleibt ein Selbstverständnis als Mensch und nicht verfügten Phantombesitz.

Ich habe gerade erst Handmaid Tale angefangen. Die Stärken der Serie sind ja die ausbuchstabierung der Verdinglichung und daraus folgender Isolation. Und wie kleinste Kontakt Momente zu der Spiegelung als Mensch wie Wasser in der Wüste gelten.

Gleichwohl unterzeichne Ich, dass es für die Faschismus Diskussion irrelevant ist.

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Bei der Verflixung denk ich auch an geschlossene Systeme, Verkleidungen und Black Boxes, die einen innere Mechanismen verschleiert lassen sollen. Bei Ernst Bloch kann man dann lesen, dass sowas ein Abstand zur eigentlichen Produktionsweise einrichtet und dadurch Raum offen wird für alternative Weltdeutungen und z.T. magisches Denken. Die Leute, gerade Angestellte, verstehen Staat und Kapitalismus nicht, also kann da Antisemitismus dann stattfinden. Bei den Nazis findet man die berühmte falsche Unterscheidung zwischen “raffendes” und “schaffendes” Kapital, die antisemitsch gemeint war.

Zu der Erwähnung von Roland Barthes finde ich, dass das darauf hindeutet, dass ein neues “Mythen des Alltags” geschrieben werden müsste mit sowas wie bei diesen Pferdemarkt.

Kybernetik und Verflixung passen übrigens prima zusammen. Ist das keinem aufgefallen?

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Du hast recht, das passt hervorragend zusammen. Verflixt! - Warum bin ich nicht darauf gekommen?

Verflixung: Nosthoff selbst vergleicht ja die Kybernetik mit Luft. Ich paraphrasiere: Allgegenwärtig, und dennoch in der Regel nicht erkennbar.

Aber manchmal stinkt sie ein wenig.



Sonntag Vormittag, ich bin auf der Heimfahrt nach einem Gig. Der Salon-Podcast soll mich wachhalten, außerdem interessiert mich, ob meine Vermutung zutrifft bezüglich Redeckers blindem Fleck. Ich finde mich bestätigt, Wolfgang weist kurz darauf hin: Der eigene „Drang nach Härte“ während Corona spielt bei Redecker, wie in der linken oder linksliberalen Blase üblich, keine Rolle. Ich werde am Abend ein paar Takte dazu schreiben, denke über Formulierungen nach und sehe Emilia Fester bei ihrer Impfpflicht-Rede vor meinem geistigen Auge, schimpfend und in Richtung AfD-Fraktion gestikulierend.

Festers aus heutiger Sicht absurd erscheinende Darbietung war ein Spiegel des Zeitgeistes, ein Zerrbild vielleicht, aber das zugrundeliegende Mindset war allgegenwärtig. Es hatte auch den DNZ-Podcast ergriffen, was diesen eine Zeitlang für mich schwer erträglich machte. Aber kleine Aufreger sind gut, um auf der Autobahn wach zu bleiben - Dezember 2021:

Das kommt mir in den Sinn, während Wolfgang und Stefan im Salon weiterreden: Über Wolfgang, der gegen sein Navi rebelliert.

Ich muss schmunzeln - seit ein paar Monaten halte ich mich strikt an die Empfehlungen von Google Maps und fahre seitdem viel entspannter. Die Vorhersage der Ankunftszeit ist in der Regel auf wenige Minuten genau und auch unvorhergesehene Staus sind besser kalkulierbar. Ich reihe mich hinten ein, zünde mir eine Kippe an und warte ab. Fahrten durch unbekannte Pampa, manchmal spannend, meist stressig, aber fast nie wirklich zeitsparend, gehören der Vergangenheit an. Dafür schenke ich Google gerne meine Daten. In der Feedback-Schleife, so lerne ich gerade von Stefan, bin ich ohnehin drin.

Wir sind beim zweiten Buch, irgendwas mit Kybernetik. Ich erfahre, dass ich meine Begrifflichkeit revidieren muss: Ein Kybernetiker war für mich bislang einer, der sich mit Computern auskennt, oder allgemein mit Maschinen, und diese programmieren und reparieren kann. Woher kommt diese Vorstellung? Ein Buch kommt mir in den Sinn, vor Jahrzehnten gelesen - irgendwas mit einem gestrandeten Raumschiff, der „Kybernetiker“ war der Techniker an Bord…

Aber hier geht es um viel mehr: Gemeint sind Regelungssysteme, nicht nur für Maschinen, sondern auch für biologische Organismen und sogar ganze Gesellschaften. „Nudging“, das sagt mir was: Es geht um Verhaltensmanipulation, in eine bestimmte Richtung „stupsen“. Ich habe wieder (oder noch, vielleicht auch andauernd) die Corona-Brille auf und mir fällt ein Interview von Tilo Jung ein mit einer, deren Job genau das ist: Cornelia Betsch, Psychologin und Professorin für Gesundheitskommunikation. Beim nächsten Stau wechsle ich das Programm:

Meine Erinnerung war richtig, April 2021 und Betsch machte immer noch Werbung für das Dreckszeug von Astra-Zeneca. Seit Ende März war es in Deutschland für U60 nicht mehr empfohlen, in Norwegen wurde es wegen des Risikos von Hirnvenenthrombosen gar nicht mehr verimpft. Betschs Geschwätz und ihre Relativierungsversuche („man muss die Risiken abwägen“) sind unerträglich; Jung kritisiert nur ihre Performance („die wenigsten verstehen eine solche Grafik“), aber nicht den Inhalt.

Zurück zum DNZ-Salon. Kybernetik: Ein Regelkreis also; ich weiß, was das ist, oder kenne zumindest dessen Elemente:

1. Messeinrichtung (Sensor / Messglied):
Erfasst den aktuellen Zustand (Ist-Wert) der Größe, die geregelt werden soll (z. B. ein Thermometer).

2. Vergleichsglied: Vergleicht den gemessenen Ist-Wert mit dem vorgegebenen Soll-Wert. Bei einer Abweichung wird hier die sogenannte Regeldifferenz (der Fehler) ermittelt.

3. Regler (Die Regeleinrichtung): Das “Gehirn” des Systems. Er verarbeitet die Regeldifferenz und entscheidet anhand seiner Programmierung, welche Gegenmaßnahme ergriffen werden muss, um das System zum Soll-Wert zurückzuführen.

4. Stellglied (Aktor / Stelleinrichtung): Setzt die Anweisungen des Reglers in physikalische Aktionen um (z. B. ein Heizventil öffnen).

5. Regelstrecke: Der eigentliche Prozess oder das System, in dem die [physikalische] Größe verändert werden soll (z. B. der zu beheizende Raum).

Und das soll auch mit Gesellschaften funktionieren?

Wolfgang beschreibt „Nudging“ als ein von Merkel geschätztes Regierungsprinzip, ein Demokratieverständnis, bei dem der Wähler nicht als frei und souverän entscheidend verstanden, sondern in eine gewünschte Richtung „gestoßen“ wird. Ich schweife gedanklich wieder ab, nach Betsch kommen mir andere Corona-Akteure in den Sinn, die bei Jung zu Gast waren: Brinkmann, Brockmann, Priesemann… Bei Letzterer bin ich mir nicht sicher, ob sie da war, aber sie passt in die Reihe.

Stefan höre ich jetzt Kant zitieren, wir geben unser Denken gerne an andere ab. ChatGPT für 20 Euro, höhöhö…

Ich denke: Oder an Christian Drosten. Dezember 2021, „die Ungeimpften machen uns einen Strich durch die Rechnung“. Drostens Podcast gab es, sieht man von den ÖRR-Zwangsgebühren ab, sogar kostenlos.

Und plötzlich ist das Bild ganz klar. Es war kein Voodoo-Zauber, sondern Kybernetik, die dafür sorgte, dass selbst kritische Geister den letzten Schwachsinn nicht nur glaubten, sondern ganz und gar verinnerlichten, draußen mit Maske rumliefen und die Ungeimpften für gefährlich hielten.

Weitere Figuren tauchen auf, mir bekannt aus Tilos Podcast - und alle Funktionsträger im kybernetischen Corona-Regime:

Lothar Wieler, damals RKI-Chef
Heinz Bude, Mitautor des sogenannten „Panikpapiers“
Dirk Brockmann, Modellierer. Außerdem Autor einer Studie, die der „Pandemie der Ungeimpften“ einen wissenschaftlichen Anstrich gab. Co-Autorin: Cornelia Betsch, COSMO-Projekt
Melanie Brinkmann, Virologin. Sie wollte Joshua Kimmich (Abweichler) beim Impfen „die Hand halten“.
Elvira Rosert, „Erfinderin“ von „NoCovid“
Alena Buyx, damals Vorsitzende des Ethikrats
Oliver Nachtwey, Soziologe. Erstellte eine Studie über die Abweichler („Querdenker“)
Jens Spahn, Karl Lauterbach: Gesundheitsminister
Christian Drosten, konstruierte den ersten von der WHO zugelassenen PCR-Test. Deutschlands Corona-Erklärer und Nudging-Naturtalent

Natürlich gab es auch Institutionen, Funktionsträger und Stellglieder, die nicht in Tilos Podcast waren:

WHO: Sie drückte mit der Hochstufung von SARS-CoV-2 zum pandemischen Virus quasi den Startknopf.

Die allgegenwärtigen Dashboards (Johns-Hopkins-University)

Testzentren und Gesundheitsämter als Sensoren

Usw.

Stefan wünscht sich eine auf 150 Seiten gekürzte Version des Nosthoff-Buches. Mal schauen, vielleicht erstelle ich eine Präsentation des Kybernetik-basierten Corona-Regimes auf fünf Seiten. Wenn ich dazu Lust habe - wo steckt eigentlich Redaktionassistentin Claudi? Bitte zum Diktat!


Das weiter oben erwähnte Buch war übrigens Stanislav Lems „Eden“. Aus Wikipedia:

„Noch heute sieht man die Ruinen dieser Zeit: Die vollautomatisierten Fabriken, welche vermutlich Apparaturen für die Eingriffe herstellen sollten, sind sich selbst überlassen und produzieren und recyceln im Kreislauf (Nordexpedition). Die geistig und körperlich Behinderten leben in abgelegenen Siedlungen und werden durch Signale (Ausschalten des Lichts), auf die sie mit Angst- und Panik reagieren, diszipliniert. Sie müssen nicht eingesperrt und bewacht werden, denn sie halten sich gegenseitig in Schach. Durch Spannungen, Ärger, Angst, Hass, beschäftigen sich die Gruppen nur mit sich selbst. Die mit Lumpen bekleideten Doppelts im Stelenfeld (Westexpedition) waren vermutlich Sektierer und sollten durch Giftgas getötet werden.

Das wirksamste Herrschaftsinstrument heißt: „Information – doppelt“ Das Volk erhält keine oder nur zensierte Informationen, z. B. wird der gescheiterte Plan geleugnet und die Folgen werden als „Krankheiten“ bezeichnet. Das abgestürzte Raumschiff wird als Invasion von durch kosmische Strahlungen verseuchten Ungeheuern erklärt, gegen die man einen Glaszaun errichten müsse, um die Eindringlinge zu isolieren und zu liquidieren.

Die Astronauten nennen diese Herrschaftsform in Anspielung auf die Figur des Prokrustes „Prokrustik“-System. Der größte Teil der Bevölkerung lebt offenbar in Unfreiheit, ohne sich dessen bewusst zu sein.“

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Stanislaw Lem - Held meiner Jugend. Während Corona - hätte ich ihn mal ausgraben…

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Das ist eine sehr schöne Erklärung meines Usernames!

Es wird dich wahrscheinlich nicht verwundern dass ich dazu noch eine Erklärung wünsche:) ich habe eine Ahnung.

Wenn ich das richtig als Einwand interpretiere, machst du, glaube ich, nen ähnlichen Denkfehler wie Wolfgang. Der Horror der Borg ist die Unausweichlichkeit. Widerstand ist tatsächlich zwecklos.

Die Entscheidung, die uns bleibt, ist die Entscheidung, die Picard gegenüber Hugh treffen muss. Wie verhalten wir uns in den Momenten, wo es möglicherweise doch nicht zwecklos ist? Lassen wir uns auf Verhandlungs- und Verständigungsprozesse ein? Oder geben wir unsere Menschlichkeit auf einem ganz anderen Weg auf, nämlich mit aus Angst und Trauma geborener Gewalt?

Der Name ist eine Hommage an die Rheinische Sektion der kompostistischen Internationale. Ich habe am Institut für Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität studiert, wo eine der Gründer*innen der Rheinischen Sektion der Kompostistischen Internationalen, Henriette Gunkel, lehrt und mein Denken maßgeblich mitbeeinflusst hat. Als ich den Account hier erstellt habe, fand ich’s sinnvoll, mich zu der Denkschule zu bekennen, die meinen Hirnkompost als solchen adressiert.

Das Kompostieren ist eines der Bilder, das Haraway in ihren neueren Texten aufgreift, um das, was du unter Hybridität und Fragilität (wobei Prozessualität vielleicht treffender wäre) zu veranschaulichen. Du kannst aus einem Komposthaufen einzelne Objekte identifizieren, aber so richtig ist die Trennschärfe nicht mehr gegeben, und du kannst auch den Haufen als ganzes betrachten.

Ich werde in der Regel absurderweise als ein Organismus verstanden obwohl ich ohne die Millionen Organismen in und auf meinem Körper gar nicht lebensfähig werde. Auch von mir selber, wenn ich mich nicht bemühe, es anders zu sehen. Und so weiter.

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Gefällt mir gut. Ich habe neben dem Thema hier ein Konzept zu Wirbel im Fluss. Aber Organismus im Kompost ist auch interessant, da es zu der Verschränkung die Lebendigkeit stärker einbezieht und weniger anfällig für Vorwürfe von kalter Abstraktion ist.

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Die Redecker- Besprechung ist ja soweit ganz interessant, allerdings ist der Phantombesitz nicht neu und heißt , je nach Besitzobjekt, anders. Die letzten Jahre zum Beispiel Femizid, was sich als Vokabel auch nicht flächendeckend durchgesetzt hat.

Drum wäre ein übergeordneter Begriff sinnvoll. Phantombesitz klingt aber immer noch zu sperrig und akademisch.

Olivia wird ihre Florentine-Fixierung einfach nicht los. Außerdem schlampt sie bei der Zuordnung der Beiträge, siehe Kompost. Ein Mitarbeitergespräch wäre vielleicht mal angebracht - das ist kein Witz.

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