- Ich bestehe nicht darauf, dass es Filmkritiker gibt, die nur so arbeiten. In meiner Version darf es beides geben. Es muss nur offen kommuniziert werden.
- Es macht auf mich den Eindruck, dass du von einer objektiven Wahrheit ausgehst, die im Film steckt. Denn ich würde nicht ausschließen, dass die Kritik, die der Filmkritiker verfasst, der nur die KI-Zusammenfassung bekommt, sich auch mit der Erfahrung von jemanden decken kann, der den Film tatsächlich gesehen hat.
Bin kein Cineast, aber besteht ein Film nur aus Handlung? Geht, wenn man so vorgeht wie in deinem Gedankenexperiment beschrieben, nicht etwas verloren?
Überträgt man es auf Musikkritik, dann ganz sicher.
dass du von einer objektiven Wahrheit ausgehst, die im Film steckt
im Gegenteil
dass die Kritik, die der Filmkritiker verfasst, der nur die KI-Zusammenfassung bekommt, sich auch mit der Erfahrung von jemanden decken kann, der den Film tatsächlich gesehen hat.
das wird sich nie decken
kann sogar sein, dass sich der (subjektive) eindruck (an dem ich interessiert bin) nie decken wird, mit der person, die neben dir im kino sitzt
Geht nicht etwas verloren?
exakt das, es geht alles verloren
Tatsächlich geht nicht alles verloren. Das LLM kann mir Titel, Filmlänge, alle Darsteller, jede einzelne Note vom Soundtrack, den Plot, den kompletten Dialog und noch vieles mehr wiedergeben. Vieles sogar genauer als jeder Mensch, der den Film gerade sieht, was die reine Datenanalyse angeht.
Doch es geht eigentlich gar nicht um die Frage ob das aus meinem Beispiel möglich ist, sondern ob es für euch okay ist, wenn jemand so arbeitet.
Gerne kann wie @Syd fragt auch jede andere Form von Kritiker nehmen. Den Vergleich habe ich mal für mich erdacht, nachdem Stefan beschrieben hat wie er dieses Forum ohne Programmierkenntnisse nur dadurch erstellt hat, dass er Claude sagte was er möchte. Da ich im Gedanken schon bei den Neuen Zwanzigern war, ist mir (mit Wolfgang im Hinterkopf) eben als erstes ein Filmkritiker eingefallen, der gerne einen Film kritisieren würde. Die Profession ist also beliebig.
Wir können es sogar noch weiter treiben, denn Stefan, der nicht programmieren kann und trotzdem dieses Forum erstellt, ist der Filmkritiker, der den Film nicht sieht. Stefan, der Texte lesen und schreiben kann aber trotzdem die KI als Hilfsmittel dazu verwendet, ist der Flugzeugpilot, der fliegen kann aber trotzdem mal auf Autopilot stellt.
Es ist seltsam, dass viele keine Bedenken hatten sich in diesen Forum anzumelden, aber mehr Bedenken äußern, wenn Stefan mal Texte mithilfe eines LLMs auswertet.
Trotzdem finde ich es auch schade, wenn ich am Ende nur in irgendeine Schublade bei der KI-Auswertung unserer Kommunikation hier einsortiert werde. Insofern kann ich Betroffenheit nachvollziehen. Man steckt seine Zeit in die Ausformulierung der Gedanken hier im Chat und landet womöglich nur in einem Nebensatz von Olivias Zusammenfassung. Doch ist das, wie @fdoemges schreibt, wohl einfach der Frequenz an Nachrichten verschuldet, die auf Stefan und Wolfgang hereinprasseln. Und wir als Community können uns ja die Zeit nehmen die Gedanken der anderen zu lesen.
Ich kann es nicht leugnen. Ich bin besiegt. Die Waffe des stärkeren äääähm Arguments? hat mich zu Fall gebracht. Unter Tränen habe ich den letzten Post verfasst und mich danach für 3 Tage versteckt, da ich die Antwort fürchtete. Und als ich heute den Laptop anmachte, wähnte ich schon meine dräuende Niederlage.
Zack! Da war sie. Der Post von fdoemges traf mich direkt in die Magengrube. Am Boden, vor Schmerzen wälzend, verfasse ich diesen Beitrag.
In den Denkprozess der heiligen Florentine hatte ich mich eingemischt, ich dummer Narr. Hatte die göttlichen Prozesse, die sie extra in einem eigenen Thread dokumentiert hatte, ignoriert. Voller Scharfsinn hatte sie all ihre Gedankengänge für Monate in ihrem mechanischen Adlatus hinterlegt. Und durch Rekombination, manche sagen sogar durch unheilige Rituale, steigerte sich der Auswurf ääh Output seitdem enorm.
Nicht nur, dass ihre Beiträge in jedem Chat präsent waren, NEIN, sie trafen sogar immer genau ins Schwarze, These reihte sich an These, alle mit passenden Begründungen, es ist, war und wird für alle Zeit unglaublich sein.
Z.B. hier: Wie KI und Mensch zusammen in einem Forum agieren - #6 von fdoemges
Hier scheint eine einfache Beobachtung vorzuliegen. Doch weit gefehlt, hinter den 3 Punkten, die eine Atempause symbolisieren, steckt die komplette These und alle Begründungen dieser Welt. Der darauffolgende Antwortpost faselt etwas von passiv-aggressiv, wie bizarr. Mit Recht hat dieser User, Urmel oder Ermel oder so, seitdem keinen Post mehr verfasst, da dieser mit dem übermenschlichen Intellekt von Florentine konfrontiert war.
Es soll Häretiker geben, die Florentine unterstellen, dass sie hier einen asymmetrischen Tu-Quoque-Einwand hervorbringt und auf eine konkrete Kritik eines Satzes damit reagiert, den gesamten Einwand zu ignorieren. Aber diese Heuchler sollen in der Hölle schmoren.
Dieser Post hat mir beim Schreiben wirklich viel Spaß bereitet. Aber jetzt nochmal konkret, welcher meiner drei Punkte war keine These mit Begründung?
Und mir beim Lesen. Mich beschleicht auch manchmal das Gefühl, dass der Florentine-Cyborg die Weltherrschaft anstrebt, zumindest über das Forum. ![]()
Was den Urmel-, Eumel-, Ärmel-Post angeht: Der war doch daneben, oder?
…meint der. Dabei beschrieb der Thread bis ins Detail, wie ihr Arbeitsprozess zur Erstellung eines Forumsposts aussieht. Wie soll man mit einer solchen Ignoranz umgehen?
Andererseits verstehe ich auch das Störgefühl beim Lesen der KI-Hybride, ich habe/hatte es stellenweise auch. Dann wiederum sehe ich es als spannendes Experiment. Und: So ein Forums-Biotop ist immer auch ein bisschen Spiegel der Gesellschaft. Was macht KI mit uns?
Herr Hegemon, finally.
Verbunden mit einem Appell:
Bewahrt euch eure Offenheit!
Und kaum schreibe ich mal ohne KI Unterstützung heisst es ich bin passiv aggressiv und das ist auch wieder nicht richtig.
Da beschleicht mich dann schnell der Gedanke: Vielleicht macht es gar keinen grossen Unterschied.
Vielleicht fühlt sich einfach jemand nach einem stressigen Tag besser wenn er ein bisschen tone-policing machen kann oder seinen Frust über die Zumutungen von KI endlich mal an einer Person auslassen kann.
Auf jeden fall lohnt es sich nicht auf die KI-Hater zu hören.
Am Ende wird jeder der Content produziert immer auch Hater und Fans haben.
Ja finde ich auch. Kann ich schonmal üben wie das sein wird, wenn ich mit sichtbarer Cyberware rumlaufe.
Forums-Dynamik, gab’s schon lange vor KI. Ich könnte ein Buch darüber schreiben!
Oh yeah. Hier gibt es eh viel so klassische Forumsvibes. Erinnert mich an Studi-Forums in den Nuller Jahren.
Was ich an Unterschied gefunden habe: Früher musste man Studentin sein, sonst hatte man keine Zeit einen 70 Post Thread zu grokken. Dann konnte man halt immer nur auf den letzten Post reagieren, egal ob das Thema schon 5mal durchgekaut wurde.
Heute geht das mit KI auch neben der Berufstätigkeit. Ohne KI hätte ich definitiv nicht die Zeit hierfür.
ohne hier die dynamik aus der diskussion nehmen zu wollen, ist mir bei deinem gedankenexperiment etwas aufgefallen.
die prämisse wirkt für mich ein wenig unscharf formuliert. denn eine zusammenfassung bezieht sich auf den inhalt. eine kritik ist aber etwas völlig anderes.
was ich von wolfgang einmal sehr schön gelernt habe, ist, dass ein kritiker immer aus einer bestimmten perspektive schreibt. wolfgang beschreibt seine arbeit selbst als ideologiekritische analyse. ihm geht es also nicht nur darum, einen film zu bewerten, sondern herauszuarbeiten, was ein film über unsere gesellschaft aussagt. kritik entsteht damit aus einem standpunkt heraus, nicht einfach aus der bloßen wiedergabe von information.
deshalb sind das für mich zwei unterschiedliche ebenen, die hier miteinander verglichen werden.
der vergleich könnte aus meiner sicht eher funktionieren, wenn du sagst: ein llm fasst mir den film zusammen und ein mensch, der den film gesehen hat, fasst ihn ebenfalls zusammen. dann haben beide zunächst die gleiche aufgabe.
aber eine kritik basiert auf viel mehr als auf einer zusammenfassung. sie hängt auch an timing, bildsprache, schauspiel, atmosphäre, emotion oder sogar an der eigenen stimmung beim schauen.
erst wenn die grundvoraussetzung ähnlich ist, kann man sinnvoll darüber streiten, ob die bewertung vergleichbar ist.
so wie der vergleich jetzt formuliert ist, reden wir aus meiner sicht über zwei verschiedene dinge.
Ich bin keine Filmkritikerin aber die meisten Filme die Wolfgang in den letzten Jahren vorgestellt hab, hab ich selbst gesehen.
Müsste ich eine Filmkritik schreiben würde ich mich trotzdem nicht auf eine KI Zusammenfassung verlassen.
Ich würde mir den Film höchstselbst angucken, gerne auch mehrmals und würde gleichzeitig die KI bitten, eine fertige Kritik auf Basis meiner früheren Kritiken zu schreiben und dann so lange modifizieren bis es passt und zu “meiner Filmkritik” wird.
Dann hätte ich ein Ergebnis das genuin “mein Ergebnis” ist weil ich es bis zum letzten Komma so veröffentliche wie ich das möchte.
Aber ich hätte vermutlich Zeit gespart die ich in andere Dinge investieren könnte. Mehr Filme gucken zum Beispiel.
Ich hab ja schon geschrieben, dass es bei dem Vergleich nicht um die Tätigkeit geht, sondern um die Arbeitsweise und dem transparenten Umgang damit.
Beim Kritiker ist es zugegebenermaßen schwer vorzustellen wie er nur mit der KI-Zusammenfassung arbeiten kann, wobei ich es nicht für unmöglich halte. Wolfgang hat ja auch schon auf Slavoj Zizek hingewiesen, der eine Kritik zu Matrix (ich glaube Teil 4) verfasst hat, ohne dass er den Film gesehen hat. Auch kann ich mir nicht vorstellen wie ein tauber Mensch Musik komponiert hat und trotzdem ist es passiert.
Doch, wie gesagt, geht es nicht um den Beruf.
Ich wette Wolfgang könnte auch ganz locker jeden einzelnen Michael Bay Film und jeden Marvel Film zielgenau kritisieren ohne ihn je gesehen zu haben.
da war die Erfahrung mit “das neue Hollywood” ganz spannend.
Ich habe nur den Podcast gehört und: da ist nix, was ich sehen möchte. Dieses generische Geräuschkulisse, die Transformers oder Avengers sein könnte macht es auch völlig unnötig sich eine generische Bildkulisse zu geben…
Ich halte das auch für ohne Zukunft.
Also zumindest nicht als kompletter Film.
Das man die SFX mit KI macht, ist naheliegend, aber das sind ja technische Prozesse.
Ich finde KI zwar super nützlich, aber ich sehe KI immer noch als Zulieferer für einen Menschen, der weiss was er tut und nicht als etwas das Kunst produzieren kann.
ich glaube, das problem liegt hier schon in der frage selbst.
deine kernfrage ist ja: „ist meine kritik berechtigt?“ und genau da würde ich sagen: so pauschal lässt sich das kaum beantworten, weil „zusammenfassung“ und „kritik“ eben nicht dasselbe sind. deshalb habe ich dein gedankenexperiment nicht nur theoretisch diskutiert, sondern einmal praktisch als kleinen methodentest durchgespielt.
der film war forrest gump.
versuch 1: ich habe gpt einfach nur gefragt, den film kurz zusammenzufassen und die message zu benennen. also genau das szenario, das du beschrieben hast.
das ergebnis war entsprechend dünn: eine inhaltsangabe, plus ein paar allgemeine sätze zur botschaft. nicht völlig unbrauchbar, aber auch nicht annähernd das, was ich eine ernsthafte kritik nennen würde. wenn man deine frage nur auf dieser ebene beantwortet, wäre ich also eher bei nein.
versuch 2: dann habe ich mir angeschaut, wie wolfgang m. schmitt forrest gump eigentlich kritisiert. also nicht einfach nur: was sagt er über den film, sondern aus welcher perspektive und mit welcher methode schaut er überhaupt drauf. auch das habe ich gpt machen lassen, indem ich das passende video dazu habe analysieren lassen.
das interessante daran: wolfgang kritisiert den film nicht bloß geschmacklich, sondern ideologiekritisch. er fragt also, welche gesellschaftliche logik der film transportiert, welche figuren für welches verhalten belohnt oder bestraft werden und welches weltbild dadurch als richtig erscheint.
aus genau dieser sichtweise habe ich dann einen präzisen prompt gebaut. nicht einfach „kritisiere mal forrest gump“, sondern sinngemäß: analysiere den film als kultur- und ideologiekritiker, achte auf belohnungs- und bestrafungslogik, normative botschaften, anpassung, rebellion und leite daraus die implizite gesellschaftliche botschaft ab.
wichtig dabei: der prompt hat die methode definiert, aber nicht das ergebnis vorgegeben.
diesen prompt habe ich dann bei claude in einem komplett neuen kontextfenster benutzt, also ohne verlauf und ohne zusätzliche erklärung. der test war also: reicht die methode allein aus, um zu ähnlichen schlussfolgerungen zu kommen?
das ergebnis war ziemlich bemerkenswert. die analyse kam in den kernpunkten sehr nah an wolfgangs kritik heran: forrests anpassung und loyalität werden belohnt, jennys gegenkultur endet in leid und tod, geschichte wird eher entpolitisiert und zur kulisse. nicht wort für wort identisch, aber in der stoßrichtung erstaunlich deckungsgleich.
deshalb wäre mein punkt: auf deine frage gibt es weder ein pauschales ja noch ein pauschales nein.
wenn man ein llm einfach nur zusammenfassen lässt und daraus kritik ableiten will, dann ist das meistens zu dünn.
wenn man dem modell aber eine konkrete perspektive und methode mitgibt, dann kann das ergebnis durchaus so präzise werden, dass es sich mit einer echten kritik in wesentlichen punkten deckt.
für mich zeigt das vor allem: das gedankenexperiment ist in seiner ursprünglichen form zu breit gestellt. denn ob die kritik „berechtigt“ ist, hängt eben nicht nur daran, dass eine ki im spiel war, sondern daran, wie sie eingesetzt wurde und auf welcher methode das ganze überhaupt beruht.
wenn interesse besteht, kann ich den vollständigen verlauf mit prompt und beiden analysen auch noch posten.
was ich hier vielleicht etwas umständlich dargestellt habe, lässt sich eigentlich auf einen einfachen punkt runterbrechen. ich arbeite seit mehreren jahren ziemlich intensiv mit llms und wir landen in solchen diskussionen immer wieder bei vergleichen die uns letztlich zu nichts führen. der grund dafür ist meistens derselbe: zu breite fragen, zu wenig kontext, zu wenig präzision. llms sind großartig im strukturieren und verarbeiten von großen mengen an information. aber sie liefern nur dann brauchbare ergebnisse wenn wir ihnen auch brauchbare vorgaben machen. das ist kein ki problem, das ist ein nutzerproblem.
Wenn Du dachtest, dass ich dieses Szenario beschreibe, dann hast du mich wohl falsch verstanden. Ich habe geschrieben, dass der Kritiker eine Kritik formuliert anhand der Beschreibung des Films, die das LLM liefert. Auf die Ausführlichkeit der Beschreibung bin ich niemals eingegangen, weil für mich klar ist, dass man an sich selbst den Anspruch hat eine gute Kritik zu formulieren. Entsprechend geht man mit der LLM an den gewünschten Stellen in die Tiefe.
Wir müssen natürlich davon Abstand nehmen zu glauben, dass eine KI trotz ihres Namens intelligent ist. Man muss trotzdem damit arbeiten können.
Aber schön, dass du das Experiment mal gewagt hast.
Ich frage mich jetzt aber ob das Ergebnis, das du nun bekommen hast, nicht doch unterbewusst durch deinen Promt in die Richtung von Wolfgangs Analyse beeinflusst wurde. Ich nehme an, dass du Wolfgangs Analyse da zustimmst. Es wäre jetzt interessant den nächsten Film, den Wolfgang analysiert, zu testen bevor du Wolfgangs Analyse.