Mai-Salon: Gegenmacht, Kunstfreiheit und gute Literatur

Nö, das glaube ich nicht. Aber wenn es keine sauberen Begriffe von den genannten Dingen gibt, geht es drunter und drüber und die Menschen, die die “Zivilgesellschaft” für rettens- oder belebenswert halten begehen Verwechslungen (da war Wolfgang erstaunlicherweise systemtheoretischer als Stefan) und halten dann ein “Fest der Demokratie” zu dem dann Lokalpolitiker, die lokale Wirtschaft und der Sportverband einen Sekt im Foyer des Rathauses trinken für einen Sieg der Zivilgesellschaft.
Der zweite Teil ist dann das Verfallen in die Psychologisierung von Akteuren, die zwar unterhaltsam sein mag, aber wenn man “vom Kapital” sprechen will hilft keine Rede “vom Kapitalisten” usw. usf., eine Demo ändert keine Ausführungsverordnung, ein Kulturverein kein Asylrecht, …

Aber zu Deiner Ausführung:

  • Ist eine Partei ein freiwilliger Zusammenschluss von Bürgern?
  • Welche Medien sind nicht kommerziell oder staatlich orientiert?
  • Was ist mit der Gewerkschaft der Polizei, der ISNM oder dem Verband der Familienunternehmen?

Parteien sind ein echter Grenzfall. Sie sind zunächst verfassungsrechtlich privilegiert und gleichzeitig staatlich reguliert. Sie haben also sowohl Merkmale einer staatlichen Instanz, als auch einer Zivilgesellschaft. In erster Annäherung kann man politische Parteien der Zivilgesellschaft zuordnen - und zwar solange, bis sie in Regierungsverantwortung kommen. Ab dann repräsentieren sie den Staat.

Bei Medien ist zu unterscheiden, ob sie gewinnorientiert arbeiten oder nicht. Profitorientierung führt zur Einordnung in der Wirtschaft. Nicht kommerzielle Medien sind der Zivilgesellschaft zuzurechnen. Das schließt nicht aus, dass sie extern finanziert werden und Menschen gegen Bezahlung beschäftigen. Es geht nur darum, keine Gewinnmargen zu erzielen, um Kapital zu vermehren.

Die letzte von dir genannte Gruppe gehört eindeutig zur Zivilgesellschaft.

Die schmerzhafte Grauzone ist, dass jedem Menschen (der mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht) klar ist, dass ein beträchtlicher Anteil an Instanzen der Zivilgesellschaft einfach als Vehikel dient, um entweder staatliche oder wirtschaftliche Interessen zu vertreten. Damit ist die theoretisch sehr klare Unterteilung (Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft) in der gelebten Praxis überhaupt nicht klar getrennt. Teilweise nur schwer zu durchblickende Prozesse und Vernetzungen machen deutlich wie versucht wird, auf Verhalten und Entscheidungen von Akteuren außerhalb der Zivilgesellschaft einzuwirken. Das geschieht so offensichtlich und gleichzeitig teilweise intransparent, dass Legitimationen in Frage gestellt werden können. An dieser Stelle steigen dann auch viele Bürger aus ihrem Glauben aus, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Flo, um den Überblick zu behalten und dennoch etwas Bewegung in Deine Ansätze zu bekommen, nutze ich erstmal diesen Auszug. Er enthält zwei Fragen, die voneinander getrennt werden müssen.

Frage 1 ist empirisch-psychologisch: Wann kippt ein Mechanismus? Das ist eine Frage nach einem Prozess — nach Schwellen, Bedingungen, Verstärkern.

Frage 2 ist epistemisch: Was leistet kritische Haltung? Das ist eine Frage nach dem Erkenntniswert von Reflexion überhaupt.

Du fragst, wann antrainierte Mechanismen in totale Souveränitätsaufgabe kippen. Das ist eine gute Frage — aber sie bleibt so lange ungreifbar, wie sie abstrakt bleibt.

Lass uns einen Schritt zurückgehen. Der Kipppunkt ist selten ein Moment. Er ist ein Prozess, der rückwirkend wie ein Moment aussieht. Was ihn kennzeichnet: Die Person hört auf, zwischen sich und dem Versprechen zu unterscheiden. Das Versprechen wird Identität. Wer dann von außen Zweifel äußert, greift nicht mehr eine Überzeugung an — sondern die Person selbst. Deshalb wird Kritik ab einem bestimmten Punkt nicht mehr verarbeitet, sondern abgewehrt.

Das ist der Mechanismus. Er braucht keine böse Absicht von außen und keine Schwäche von innen. Er braucht nur ein Versprechen, das an ein echtes Bedürfnis andockt — Zugehörigkeit, Sinngebung, Sicherheit und Zeit.

Was das für deine zweite Frage bedeutet — ob kritische Haltung den Mechanismus reproduziert — ist folgendes: Kritik von außen, die direkt auf die Position zielt, verstärkt ihn meistens. Nicht weil Kritik falsch ist, sondern weil sie am falschen Ort ansetzt. Der zugänglichere Ort ist nicht die Position, sondern das Bedürfnis darunter. Was hat das Versprechen versprochen — und was davon war berechtigt?

Das ist keine theoretische Frage. Die Antwort darauf kennst du wahrscheinlich bereits.

Also ist ein starke AfD ein Zeichen einer starken Zivilgesellschaft? Sie schafft es sogar ohne Regierungsverantwortung Regierungshandeln zu bestimmen! Ein Hoch auf den Zusammenschluss freier Bürger!

Was ist der Unterschied zwischen “repräsentieren” und regieren?

Also ist Nius eine starkes zivilgesellschftliches Medium?

Das wäre ja nochmal diskussionsbedürftig, ob das alles so schwer zu verstehen ist… Ich halte das nicht für sehr stichhaltig und das Anführen dunkler und geheimer Motive kann dann nicht über die Argumentationslücken hinweghelfen. (Aber ich bin gespannt auf den Tag an dem jeder einzelnen Erdbeere ein MHD zugewiesen werden kann und wie dann der Umsatz von Erdbeeren sprunghaft ansteigt, weil ich nicht mehr gezwungen werde verschimmelte Erdbeeren zu kaufen.)

Wenn ich mir die drei Töpfchen “Staat”, “Wirtschaft” und “Zivilgesellschaft” aufstelle, diese Töpfchen aber gar nicht beschreiben kann und dann das eine mal hier, das andere Mal da einsortiere, dann kommt am Ende nichts dabei heraus außer “guck mal, passt alles irgendwo hin und manchmal wechselt das eine heimlich das Töpfchen, weil jemand betrügen will.”

Was genau ist Deine Kritik? Wie sieht Deine eigene Betrachtung aus? Hast Du bessere Vorschläge?

AfD und NIUS stellen nicht die Zivilgesellschaft als solche dar. Sie sind allerdings ein Teil davon, weil sie die Kriterien erfüllen. Das ist ein qualitatives Merkmal, kein quantitatives. Wenn sie viel Zuspruch haben, ist die Schlussfolgerung, dass es ihnen gelungen ist einen entsprechenden Anteil der Bevölkerung zu mobilisieren. Daraus kurzerhand die Unterstellung zu formulieren, dass hier eine starke Zivilgesellschaft (als Subjekt) mit exklusivem Bezug zu den genannten Protagonisten behauptet wird, ist unzulässig. Die Zivilgesellschaft ist nur ein Sammelbegriff für eine pluralistische, in bestimmter Weise definierte Gruppe aus verschiedensten Teilnehmern. Sie ist heterogen.

Ich möchte den Punkt einer Meta-Frage zuführen: Ist der Unterschied zwischen der Vernetzung von Staat, Wirtschaft sowie Zivilgesellschaft in Deutschland und den Konglomeraten, die in Myanmar herrschen strukturell oder graduell?

Aus einer solchen Perspektive ließe sich diskutieren, ob die deutsche Zivilgesellschaft in ihrer aktuellen Gestalt gewünscht ist oder ob Änderungen dringend notwendig sind.

Ich glaube, dass Flos Frage:

eine sehr wichtige war. In ihrer Beantwortung wurde bisher verteidigt, warum die Abstraktion analytisch nützlich ist – Stichwort: strukturelle Zwänge, Kapitalverwertungslogik. Das beantwortet aber eine andere Frage als die, die Flo gestellt hat. Denn Flo fragt ja nicht, ob die Abstraktion irgendwie gerechtfertigt werden kann, sondern ob sie für die konkrete Frage – wer gibt im Staat den Ton an? – überhaupt trägt.

Und da hätte man Flo eigentlich recht geben müssen: Für diese Frage trägt sie eben nicht ohne Weiteres, weil die Antwort je nach konkretem Kapital-Staat-Verhältnis ganz verschieden ausfällt. Die Abstraktion erklärt vielleicht eine systemische Logik, aber nicht die Machtverteilung in konkreten Situationen.

Die Diskussion operiert so, als wäre „Kapital" eine homogene Kategorie, deren Verhältnis zum Staat sich einheitlich beschreiben lässt – dabei sind die Machtverhältnisse je nach Größenordnung, Mobilität und strategischer Bedeutung des jeweiligen Unternehmens fundamental verschieden. Die Beziehung der GmbH eines Bäckermeisters mit einer Filiale zur Bundesrepublik Deutschland und die Beziehung von Nvidia zu den Vereinigten Staaten sind beides Beziehungen zwischen Staat und Kapital, aber ich habe Zweifel daran, dass man gut von der einen auf die andere abstrahieren kann.

Ich kann bisher nur eine These finden, bei der die Ableitung vom Allgemeinen ins Konkrete tatsächlich standhält:

Das gilt tatsächlich für beide: Sowohl Nvidia als auch der Bäckermeister sind darauf angewiesen, dass Verträge durchgesetzt werden, Eigentumsrechte gelten, Schulden einklagbar sind. In diesem Sinne ist der Staat strukturell vorausgesetzt, unabhängig von der Größe des Unternehmens.

Nichtsdestotrotz sehe ich eine Möglichkeit, die Abstraktion auf das Kapital als Akteur darüber hinaus analytisch sinnvoll durchzuziehen, nämlich indem wir den Fokus von der Beziehung zwischen Kapital und Staat auf die Beziehung zwischen Kapital und lohnabhängiger Klasse verschieben. Dann müssen wir allerdings die Rolle des Staates anders verstehen:

Der (moderne National-)Staat ist eine Instanz, die Ergebnisse des Konflikts zwischen Kapital und lohnabhängiger Klasse stabilisiert. Die Mittel dieser Stabilisierung sind Gesetzestexte, Verwaltung und Gewaltmonopol.

Dass wir so eine deutliche Überschneidung der Interessen von Staat und Kapital wahrzunehmen meinen, liegt dann an dem aktuell massiv ausgeprägten Ungleichgewicht zwischen Kapital und lohnabhängiger Klasse. Wenn es der lohnabhängigen Klasse besser gelingen würde, ihre Interessen gegen das Kapital durchzusetzen, könnte auch das durch den Staat stabilisiert werden.

Das eigentliche Problem ist, dass die lohnabhängige Klasse immer weniger Zeit als das Kapital für den Klassenkampf hat, weil sie ja lohnarbeiten muss, um ihre Existenz zu sichern. Die Ausgangsfrage „wer gibt den Ton an?" lässt sich damit nicht mit einem stabilen Akteur beantworten – der Ton, der gerade erklingt, ist das eingefrorene Ergebnis eines strukturell ungleichen Konflikts.

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Meine Kritik habe ich formuliert: Ohne Begriff nützt das diskutieren nicht.

Sieht man ja bei: Parteien sind Zivilgesellschaft, außer sie sind es nicht. Medien sind Zivilgesellschaft, außer sie sind es nicht. Medien sind aber auch Wirtschaft, außer sie sind es nicht. Politik repräsentiert wenn sie regiert, außer sie tut es nicht. Erdbeeren haben kein Mindesthaltbarkeitsdatum, weil die Wirtschaft davon profitiert, dass Leute das Wort “Mindest-” nicht sinnentnehmend lesen können und deswegen mehr kaufen… ach nee weniger, aber “sie” profitieren trotzdem.

Eine Verschiebung in Metadiskussionen zur graduellen Gewünschtheit deutscher zivilgesellschaftlicher Strukturen in myanmarischen Konglomeraten überschreitet meine Humorgrenze, da bin ich leider raus.

Kurze Frage in die Runde, hat jemand “Gegenmacht” von Arne Semsrott digital (pdf/epub) verfügbar und würde mir das Kapitel über das von ihm skizzierte linke Medium namens Flash zur Verfügung stellen? Wäre echt nett!

Ich versuche mal eine Struktur zu zeigen:

Erste Ebene — Anthropologisch: Der Mensch hat Grundbedürfnisse. Zugehörigkeit, Sicherheit, Sinn, Anerkennung. Das ist der Boden — vorideologisch, vorpolitisch.
Ohne diese Ebene greift keine der folgenden. Sie ist die notwendige Bedingung für alles was danach kommt.

Zweite Ebene — Psychologisch: Grundbedürfnisse suchen Andockpunkte. Versprechen die ein Bedürfnis treffen erzeugen Bindung. Mit der Zeit verschmilzt das Versprechen mit der Identität. Der Kipppunkt liegt da wo Identität und Versprechen untrennbar werden — Kritik von außen greift dann nicht mehr die Überzeugung sondern die Person.
Diese Ebene setzt die erste voraus und bestimmt welche Inhalte auf der dritten Ebene überhaupt wirken können. Ohne psychologische Passung keine funktionierende Ideologie.

Dritte Ebene — Ideologisch: Der psychologische Mechanismus wird kollektiv stabilisiert, mit Sprache versehen, institutionalisiert. Ideologie ist nicht Ursache sondern Form — sie gibt dem Mechanismus Reichweite, Dauerhaftigkeit und soziale Verankerung.
Diese Ebene setzt die zweite voraus und liefert den Rohstoff für die vierte. Ohne kollektiv geteilte Plausibilität keine stabile Struktur.

Vierte Ebene — Strukturell: Die stabilisierte Ideologie schlägt sich in konkreten Machtverhältnissen nieder — Recht, Institutionen, Eigentumsordnung, Gewaltmonopol. Der Staat stabilisiert eingefrorene Konfliktergebnisse. Das aktuelle Ungleichgewicht ist kein Naturgesetz sondern historisches Ergebnis.
Diese Ebene setzt alle vorherigen voraus — aber sie wirkt zurück auf alle. Strukturen verstärken den psychologischen Mechanismus, indem sie bestimmte Versprechen mit realer Macht ausstatten und andere unsichtbar machen.

Die Rückkopplung: Die vierte Ebene ist nicht nur Ergebnis der ersten drei — sie formt sie aktiv zurück. Strukturen entscheiden welche Bedürfnisse als legitim gelten, welche Versprechen plausibel erscheinen, welche Ideologien Reichweite bekommen. Das ist der Grund warum der Mechanismus so stabil ist: Er läuft nicht nur von unten nach oben, sondern in beide Richtungen gleichzeitig.

Die blinde Stelle: Der Konflikt wird oft nicht als solcher wahrgenommen — nicht weil die Struktur unsichtbar ist, sondern weil der psychologische Mechanismus ihn als Freiheit erscheinen lässt. Das ist keine korrigierbare Fehlinformation. Es ist das Ergebnis eines Prozesses der auf der zweiten Ebene ansetzt, durch die dritte verstärkt wird und durch die vierte mit realer Macht ausgestattet ist.

Die Frage beinhaltet eine Provokation.

Ich kann mich täuschen, aber für mich ist wesentlich entscheidender warum (verdammt nochmal) kein Klassenkampf stattfindet.

Neben aller Bemühungen so sachlich und faktenbasiert zu argumentieren zeigt sich doch das elementare Problem. Und zwar in Sachsen Anhalt bei der nächsten Wahl.

Jetzt kommt die Anekdote, (Achtung!!)

In dem Dorf in dem ich lebe (Brandenburg) führe ich aktiv und ganz bewusst Gespräche die meinen politischen Gegner, wenn nicht sogar Feind, am Ende sagen lässt, was für ein wunderbares Gespräch, lass uns das unbedingt wiederholen.

Damit will ich nicht sagen ich wäre besonders toll, damit sage ich, lass den Menschen ihre Identität und sei nicht überheblich. Argumentativ ist es kein Problem jemanden kleinzumachen, darum geht es aber nicht. Es geht auch nicht um Sorgen ernst nehmen, es geht darum Menschen zu zeigen wo die Lücke im Denken ist, wie sie entsteht und wie man sie füllen kann.

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JakobB, wir werden uns in dieser Sache nicht einig, denke ich. Du bist nicht zufrieden mit meinen Vorschlägen. Ich bin nicht zufrieden damit, dass Du jeden erwähnten Punkt ungenau zitierst, uminterpretierst und anschließend monierst.

Es steht mir nicht zu Dir Ratschläge zu erteilen. Gleichwohl könntest Du Dir die bisherigen Argumente nochmal in Ruhe anschauen. So willkürlich, wie Du es dargelegt hast, geht es dort nicht zu, weil messbare Kriterien benannt werden. Das ist aber letztlich nicht so wichtig. Wichtig ist die Frage, worum es Dir geht. Möchtest Du, dass jemand anderes für Dich Ordnung in das Bild von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bringt?

@Kompost & @Flo: Vielen Dank für die präzisen und gut strukturierten Beiträge – die Reformulierung des Staates als Stabilisierungsinstanz von Klassenkonfliktergebnissen halte ich für analytisch überzeugender als funktionalistische Varianten, und die Asymmetrie-These am Ende verdient mehr Aufmerksamkeit als sie gewöhnlich bekommt.

Ich möchte allerdings einen Aspekt ergänzen, der mir in der Behandlung des Kapitals als Akteur unterbestimmt erscheint: die interne Differenzierung innerhalb der Unternehmerklasse selbst.

Der Beitrag stellt Nvidia und den Bäckermeister zunächst auf eine strukturelle Ebene – beide setzen den Staat voraus, beide agieren innerhalb der Kapitallogik. Das stimmt. Aber wenn wir den Fokus, wie vorgeschlagen, auf die Beziehung zwischen Kapital und lohnabhängiger Klasse verschieben, wird eine Unterscheidung relevant, die dabei zu verschwimmen droht: die zwischen dem erwerbstätigen Unternehmer, der eine reale Arbeitsleistung erbringt und unternehmerisches Risiko trägt, und dem passiven Investor, der leistungslos Renditen erzielt und ohne Weiteres davon leben kann – wobei ich das Briefing im Family Office ausdrücklich nicht als Erwerbstätigkeit in diesem Sinne verstehe.

Marx hat diese Unterscheidung im dritten Band des Kapital zumindest angelegt, mit dem Begriffspaar funktionierender Kapitalist versus Geldkapitalist. Sie ist nicht nur deskriptiv interessant, sondern hat strukturelle Konsequenzen: Der Klassenkampf wird von den Eigentümern der Produktionsmittel permanent geführt – auch dann, wenn die Beschäftigten völlig passiv sind. Aber die Intensität, die Interessenlage und die politische Wirkmacht unterscheiden sich erheblich je nachdem, ob auf der Gegenseite jemand steht, der sein Unternehmen führen will, oder jemand, der schlicht Rendite maximiert.

Der Klassenkampf zieht sich in diesem Sinne auch durch die Unternehmerklasse hindurch. Ob man das als echten Klassenkampf oder als Interessenkonflikt innerhalb einer Klasse bezeichnen will, ist eine definitorische Frage. Analytisch relevant bleibt die Unterscheidung in jedem Fall, besonders wenn man fragt, wer im politischen Raum welche Interessen mit welcher Durchsetzungskraft vertritt.

Die Frage, warum die abhängig Beschäftigten selbst den Klassenkampf nicht aktiv aufnehmen und führen ist ausgesprochen wichtig und gleichzeitig schwierig zu beantworten. Ich biete als Eingangsgrößen wieder meine Dreifaltigkeit von Anthropologie, Ideologie und Pragmatismus an. Die wirkende Ideologie ist im wesentlichen Neoliberalismus nach Thatcher und Reagan sowie die damit verbundene Atomisierung der Gesellschaft in vereinzelte Individuen. Diese Individuen verstehen sich fälschlicherweise als frei - und sind es auch, allerdings auf die verhängnisvolle Weise - in dem Sinne, dass vielen die gesellschaftlichen Ankerpunkte verloren gegangen sind und sie ohnehin kein Bewusstsein dafür haben, überhaupt einer Klasse anzugehören. Als Ersatzhandlung tragen diese Menschen dann zum Beispiel die Haare undone oder Tennissocken und protestieren gegen irgendetwas, um sich überhaupt irgendeiner Gruppe zugehörig zu fühlen (Identität und Sinngebung).

Ich möchte mit dem Gedanken schließen, dass Proteste oder Forderungen überhaupt nur dann Wirksamkeit entfalten können, wenn sie sich vor Parlamenten an die dortigen Regierungen richten. Eine Kundgebung auf dem Marktplatz von Delmenhorst ist eher Selbstbeschwichtigung, Entertainment, Sinnsuche oder verzweifelte Suche nach Gleichgesinnten und Aufmerksamkeit.

Ernst, das ist eine richtig tolle Antwort, dankeschön. Erstmal für den Verweis auf die Differenzierung bei Marx, die hatte ich selbst aus dem Stand nicht parat, da werde ich bei Gelegenheit nochmal nachlesen.

Zweitens, und ich meine das null überheblich, weil du zwei Sätze lieferst, die meiner Meinung nach perfekt illustrieren, was ich für das Kernproblem halte:

Du wünschst dir mehr Klassenkampf von unten und fragst dich, wo er bleibt. Da bin ich total bei dir. Und an deinen Erklärungsansätzen ist mit Sicherheit auch viel Wahres dran, aber ich glaube, dass uns ein anderer Satz bei der Erklärung weiterbringt:

Ich verstehe natürlich, dass du damit zwischen Protest vorm Regierungssitz und Protest vorm Provinzrathaus unterscheiden willst. Aber wenn du Protesten überhaupt nur dann Wirksamkeit attestierst, wenn sie vorm Regierungssitz stattfinden, bedeutet das im Umkehrschluss, dass er vorm Hauptsitz deines Arbeitgebers wirkungslos bleibt. Damit verschiebst du, vermutlich unbewusst, den Fokus wieder weg vom Klassenkampf auf Teilnahme am bürgerlichen Polit-Diskurs.

Genau hier beißt sich meiner Meinung nach die Katze in den Schwanz. Warum bleibt Klassenkampf von unten weitestgehend aus? Weil zu viele Leute Proteste vorm Parlament mit Klassenkampf verwechseln. Der Staat bleibt Hauptadressat, eine eigenständiger Pol in einem Dreiergebilde mit Kapital und lohnabhängiger Klasse, die ihn jeweils als Bande nutzen, über die sie den Klassenkampf austragen.

Wenn wir aber die Idee ernstnehmen wollen, dass der Staat Ergebnisse des Klassenkampfs stabilisiert, dann bewegt er sich innerhalb dieses Spannungsfelds, nicht unabhängig davon. Dann sollten wir genau nicht den Fehler machen, ihn als Bande zu nutzen. Wenn man gegen eine Bande spielt, die sich genau zwischen dir und deinem Gegner befindet, dann nennt man das Eigentor.

Ich tue mich ehrlich gesagt schwer damit, die konkreten Bezüge zwischen deiner Antwort und meinem Beitrag zu identifizieren. Falls ich dich missverstehe, tut mir das leid, und ich bin neugierig, was ich übersehen habe.

Was ich auf keinen Fall wollte: das, was du in deinen Alltagsgesprächen leistest, delegitimieren. Im Gegenteil, wenn ich von mehr und besserem Klassenkampf von unten rede, meine ich damit ausdrücklich auch Methodenvielfalt. Das Zwiegespräch, die geduldige Überzeugungsarbeit, das Aufzeigen von Denklücken ohne die Person kleinzumachen, ist eine ernsthafte und extrem anspruchsvolle politische Praxis, und es klingt so, als würdest du sie mit echtem Engagement betreiben.

Und da du den Aufschlag gemacht hast, Erfahrungen aus deinem Alltag zu teilen, die deine Perspektive auf das Thema einordnen, will ich das gerne erwidern: Ich wohne im Ruhrgebiet, also genau wie du in einer strukturschwachen Region mit hohen AfD-Werten. Mit dem Unterschied dass in meinem Viertel etwa 30% der Menschen ohne deutschen Pass leben, die also auf den Staat als Adressaten nur sehr bedingt ausweichen können, weil sie bei Wahlen schlicht unsichtbar sind. Und durch hohe AfD-Werte werden sie gleich doppelt unsichtbar gemacht. Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft Leute mit linkem Selbstverständnis aus den paar gentrifizierten Stadtteilen hören, wo ich wohne, und direkt fragen, ob das nicht ein Nazi-Viertel ist. Dann denk ich an die sechs arabischen Supermärkte, die ich fußläufig erreichen kann, die Moschee, die früher mal ne Eckkneipe war, den kurdischen Instrumenteladen und daran, dass man hier dank der demografischen Diskrepanzen was Altersverteilung und Migrationsgeschichte angeht noch sehr viel Kinderlachen auf der Straße hört und denk mir “Du Scheiß-Yuppie”. Die Leute hier wären auf besseren und vielfältigeren Klassenkampf von unten doppelt und dreifach angewiesen, und der findet für sie erst recht nicht vorm Parlament statt.

Lass mich noch einmal zurück zu deiner ursprünglichen Frage kommen, die meinen Denkprozess überhaupt erst ins Rollen gebracht hat: Wie kommt das Kapital dazu, als Akteur wahrgenommen zu werden? Ich habe versucht, darauf eine Antwort zu geben. Ich wäre wirklich neugierig, wie du das einordnest. Trägt das Modell oder siehst du einen Haken?

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Mir ist auf jeden Fall der handwerkliche Fehler unterlaufen, dass ich die Proteste vor Parlamenten im Zuge einer Klassenkampfdiskussion nachgeschoben habe, ohne zuvor gründlich genug auf die Frage einzugehen, wo Klassenkämpfe typischerweise angesiedelt sind. Ich hatte ausschließlich politische Entscheidungsträger als Adressaten von Willensbekundungen konkretisiert. Das ist bei Weitem unzureichend.

Deine These würde ich zunächst intuitiv bejahen – der direkte Konflikt am Ort der Produktion hat historisch zweifellos die unmittelbarste Wirkung entfaltet, weil er die Profitquelle direkt unterbricht und die Drohung konkret und zeitnah ist. Nichts zwingt einen Arbeitgeber so effektiv wie stillstehende Maschinen.

Aber ich glaube, das greift zu kurz.

Klassenkampf findet gleichzeitig auf mehreren Ebenen statt, und nicht alle davon haben ein Tor oder ein Hauptquartier vor dem man stehen könnte. Arbeitsrecht, Mindestlohn, Mitbestimmungsgesetze – das sind Ergebnisse von Klassenkonflikten, die im legislativen Raum ausgefochten wurden. Tarifverträge, Kündigungsschutz, Arbeitsgericht – institutionalisierter Klassenkampf. Und die Frage, welche Arbeitsverhältnisse als normal gelten, wer als leistungsbereit und wer als faul wahrgenommen wird – das ist ein Kampf um Deutungshoheit, der in Medien, Bildungseinrichtungen und Diskursen geführt wird, ohne dass jemand ein Transparent trägt.

Das wird besonders relevant, wenn man die Unterscheidung zwischen erwerbstätigem Unternehmer und passivem Investor ernst nimmt: Gegenüber letzterem existiert kein Fabriktor. Der passive Investor hat kein Hauptquartier im relevanten Sinne – er hat Portfolios, Holdingstrukturen und Steuerdomizile. Der einzig zugängliche Schauplatz ist dort häufig der legislative und regulatorische Raum: Kapitalertragsteuer, Transparenzpflichten, Vermögensbesteuerung.

Der Betrieb bleibt der sichtbarste Ort des Konflikts. Aber Sichtbarkeit ist nicht dasselbe wie Wirksamkeit – und die Beschränkung auf diesen einen Schauplatz käme dem Kapital in seiner abstrakteren Form sehr gelegen.

Hier finden wir die Instanzen vom Beginn der Diskussion als Ebenen des Klassenkampfes wieder:

  • Staat
  • Wirtschaft
  • Zivilgesellschaft

:wink: Ich schließe an unsere vorherigen Überlegungen an mit einer viel zu einfachen Antwort:

Weil das Kapital (als abstraktes Subjekt) auf allen zuvor beleuchteten Ebenen präsent ist und in vielfältiger Gestalt Wirkung entfaltet (in seinen konkreten Erscheinungsformen).

Es ist auch als einzige begriffliche Größe im Namen unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsform aufgeführt. KAPITALISMUS. Zufall ist das nicht. Leger könnte man sagen, dass der Name das Programm ist.

Tut mir leid, @Kompost ich bin nur auf den Grund eingegangen, warum ich diese Frage gestellt habe.

Die Provokation die in der Frage stecken soll ist, ich glaube schon dass es sehr wichtig ist sich mit diesen Fragen gründlich und gewissenhaft auseinanderzusetzen. Nur, das tun wir die ganze Zeit schon, ohne eine Wirkung nach außen.

Inhaltlich auf deinen Text bezogen gibt es für mich nichts zu kritisieren - ich geh in allen Punkten mit.

Ich setz mich schon länger mit der Frage auseinander wer wen beeinflusst und was das für Auswirkungen hat, und ich glaube du bist nicht auf dem Holzweg :slightly_smiling_face:

Für mich sitzt aber das Problem woanders, und das ist mit den Worten von @Ernst eine große Box die man da öffnet.

Zeigt ja der Thread ganz gut, von, wer bestimmt hier eigentlich - Konzerne oder der Staat - bis hin zu Kleinststrukturen Alltag im direkten Umgang mit Menschen.

Jetzt komm ich noch um die Ecke mit so einer impliziten Kritik an Linken Diskursen an denen ich auch noch selbst lebhaft beteilige. Mit so Meta Fragen wie Ist Zustand vs Soll Zustand, der Frage wie eigentlich Kritik das System stärkt durch Reproduktion…usw.

Was will ich eigentlich, ich will hier Aufmerksamkeit generieren für ein Bewusstsein dass hinter jeder Ecke, bei jedem Thema immer und überall ein Mensch steckt. Weshalb für mich die psychologische Ebene wichtig ist, was aber in der faktischen und messbaren Welt zumindest der Linken gefühlt so ein bisschen ein Schattendasein führt. Aus gutem Grund - weiß ich. Hier soll es nicht „menscheln“ oder schwurbeln, hier soll es eher darum gehen warum gemenschelt und geschwurbelt wird und was das für Folgen hat. (September 26 Landtagswahl Sachsen Anhalt)

Also, eine Analyse des Ist Zustands aus linker Perspektive, welche Mechanismen greifen, welche davon werden von links reproduziert, warum fällt das keinem auf, was fällt einem überhaupt auf. Von Ebene Konzern vs Staat bis runter zur Einzelperson.

Warum?

Weil die aktuelle politische Entwicklung - Sachsen-Anhalt ist da nur ein Beispiel - zeigt dass etwas nicht greift. Und ich glaube das liegt nicht nur an mangelnder Analyse, sondern daran wo die Analyse ansetzt. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.

Ich will anhand dieses Spannungsbogens herausfinden was sich ändern muss, oder auch gerne was ich ändern muss. Also den Soll Zustand erarbeiten um Traktion gewinnen. Das lässt sich erarbeiten denn wir bekommen hier sehr guten Input und sind sonst auch nicht auf den Kopf gefallen - auch und gerade in Hinsicht auf Literatur die hier behandelt wurde wie zum Beispiel jetzt Arne Semsrott, Steffen Mau, Nachtwey, Mano, und viele andere mehr, durch Wolfgang und Stefan und nicht zuletzt aller die hier schreiben.

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Also: Abos verschenken, Abos verschenken, Abos verschenken! :wink:

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Ich denke auch, dass wir uns nicht einig werden und damit kann ich leben.

Mein Problem ist, dass Du ohne saubere Begriffe arbeitest und daraus Handlungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten ableitest. Deine Trinität aus “Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft” fällt weit hinter das zurück, was im Podcast diskutiert wurde und führt in unproduktive Schleifen der Selbstbestätigung.

Das kann man machen, ist nach meinem Dafürhalten aber Lebenszeitverschwendung (deswegen werde ich auch nicht dagegen argumentieren).

Als Beispiel kann man sich z.B. die Diskussion von Wolfgang und Stefan zu Flash anhören. Mit deiner (mit einigem Sendungsbewusstsein versehenen) Argumentation (“Medien sind Zivilgesellschaft, außer sie sind es nicht.”) kann man noch nicht mal den Dissens erfassen.

Warum ich mich trotzdem eingemischt habe: Diese unproduktiven Schleifen sind genau das, was man immer wieder in handlungsoptimistischen Kreisen beobachten kann (und was Wolfgang deutlich markiert hat): Man arbeitet sich aufgrund einer fehlerhaften Analyse an unrelevanten Punkten ab, bemerkt die Folgenlosigkeit und verfällt in ein activist-burnout… kann man machen, ist aber Lebenszeitverschwendung.

(und wie man im weiteren Verlauf sieht wird ja schon die nächste Schleife mit der Frage nach der Massenmobilisierung der Arbeiterklasse (ist die eigentlich “Zivilgesellschaft” oder “Wirtschaft” nach deiner Definition?) eingeleitet…)

Okay, während du tatsächlich deine eigene Formulierung zitierst, als wäre es meine gewesen, hast du mich überzeugt einen Schritt zurückzugehen und nochmal Begriffsdefinitionen genauer zu versuchen. Vorab: Ich nenne für jede Ebene fünf Beispiele zur Konkretisierung. Ich habe dabei deine Bezüge zu Parteien und Medien ausdrücklich eingearbeitet, um die Abgrenzungen sichtbar zu machen. Die Beispiele bilden natürlich nicht den ganzen Raum an Möglichkeiten ab - jeder kann selbst weitere Zuordnungen vornehmen. Vielleicht hilft uns diese Übersicht als Vorbereitung, den Gedankenzweig zur Zivilgesellschaft wieder aufzunehmen.

Staat

Die Gesamtheit der Institutionen, die mit Hoheitsgewalt ausgestattet sind – sie setzen verbindliches Recht, vollziehen es und verfügen über das Gewaltmonopol. Legitimiert durch Verfassung und demokratische Verfahren.

  1. Bundesregierung und Ministerialbürokratie
  2. Parlamente (Bundestag, Landtage)
  3. Gerichte und Justiz
  4. Polizei und Bundeswehr
  5. Regierungsparteien in ihrer Funktion der Machtausübung – soweit sie Regierung stellen, Ministerien führen und staatliche Institutionen besetzen, agieren sie funktional als Teil des Staates

Wirtschaft

Die Sphäre privater Akteure, die Güter und Dienstleistungen nach Markt- und Gewinnlogik produzieren und tauschen. Koordination erfolgt über Preise und Wettbewerb, nicht über Hoheitsgewalt oder Gemeinwohlorientierung.

  1. Industrieunternehmen (z.B. Automobilhersteller)
  2. Banken und Versicherungen
  3. Handwerksbetriebe und Mittelstand
  4. Digitale Plattformkonzerne
  5. Private Medienunternehmen – Verlage, Privatsender, Streamingdienste, soweit sie primär gewinnorientiert wirtschaften (Springer, RTL, Netflix)

Zivilgesellschaft

Die Sphäre freiwilliger, selbstorganisierter Zusammenschlüsse zwischen Staat und Markt – weder hoheitlich noch primär profitorientiert. Sie artikuliert gesellschaftliche Interessen, bildet öffentliche Meinung und wirkt als Korrektiv beider anderen Sphären.

  1. Vereine, Verbände und Bürgerinitiativen
  2. Gewerkschaften und NGOs
  3. Kirchen und Religionsgemeinschaften
  4. Oppositionsparteien und Parteien in ihrer gesellschaftlichen Wurzel – soweit sie Interessen organisieren, Programme entwickeln und Willensbildung von unten betreiben, ohne Staatsgewalt auszuüben
  5. Medien in ihrer publizistischen Funktion – als „vierte Gewalt”, Träger öffentlicher Debatte und Kontrollinstanz; idealtypisch der gemeinnützige oder öffentlich-rechtliche Journalismus, aber auch die demokratische Funktion privater Medien jenseits ihrer Gewinnlogik

Hinweis zu den Doppelzuordnungen

Parteien und Medien tauchen bewusst zweimal auf – sie sind hybride Akteure. Die Zuordnung hängt von der Funktion ab, nicht von der Organisation: Dieselbe Partei ist als Regierungspartei staatsnah, als Oppositionspartei zivilgesellschaftlich; dasselbe Medienhaus ist ökonomisch ein Unternehmen, publizistisch ein zivilgesellschaftlicher Akteur.