Und auch diesen Ausweichversuch kann man sofort öffentlichkeitswirksam attackieren.
Um Versteckspiele in der Langeweile-Zone aufzudecken, ist dauerhaft die Fleißarbeit nötig, die Personalkaskade im Umfeld von Parlamentariern zu durchleuchten und alle Köpfe ins Rampenlicht zu stellen, bei denen der unmittelbare funktionale Nutzen (im Sinne der Arbeitsstruktur Legislative zu Administration) nicht auf den ersten Blick erkennbar ist.
Weil die bestehende „Arbeitsstruktur“ dafür unzureichend ist. Es muss wesentlich mehr Kapazität in allen Arenen installiert werden, um die von dir vermisste Traktion zu erreichen und die Narrative zu wenden - lebendig im Alltag. Und weil die zündende Idee aussteht, wie sich breite Mobilisierung vor allem in den Bereichen bewirken lässt, die grundsätzlich nicht mit einem schnellen Hype von der Couch aus bedienbar sind. Im Grunde ist das Gegenteil des bisher praktizierten Aktivismus zusätzlich als Handlungsbereich nötig. Es kostet ein Vielfaches an Kapazität und man erntet kaum Applaus von der Masse. Das ist nicht attraktiv.
Die zentrale Frage ist aus meiner Sicht nicht „Warum funktioniert es nicht?“, sondern „Wie bekommt man es hin?“ - ohne, dass ich eine Antwort darauf liefern kann.
Deinen Gedanken von der Erzählung halte ich für einen sehr guten Anknüpfungspunkt, weil er die Forderung nach einem Zielbild in sich trägt, welches die Mehrheit der Bevölkerung mit positiven Aussichten verbindet. Bei vielen Menschen wirken positive Anreize motivierender als Zwänge, Ängste oder Schulmeisterei. An Letzterem sind schon einige Protagonisten gescheitert. Der soziale Gedanke lässt sich nicht verordnen - er wird gelebt, oder eben nicht.
Wie auch immer - fortgesetztes Theoretisieren wird tatsächlich nichts bewirken.
Neben „Big Society“: Welche gescheiterten Konzepte können hinsichtlich der Prüfung auf Fallstricke noch als Referenzen aufgerufen werden?
Ohne, dass ich einen Überblick über die Breite des bisherigen Versagens bestimmter Ansätze hätte - dass der Staat als Instanz nicht einfach zurückgeschraubt werden darf, ist in dem Modell der „viergliedrigen Kette“ eine grundlegende Prämisse. Das erste Glied dieser Kette führt zum Staat hin, das zweite Glied ist der Staat. Dort müsste als Beispiel mit Blick auf Big Society verbindlich formuliert werden, dass Verantwortung aus der Zivilgesellschaft heraus kein Freibrief für Austeritätspolitik ist.
Ich glaube nicht, dass das gegen linke Zeitungen und Engagement spricht.
Wobei das interessant ist, weil das Betonen von Kommunen als politische Gestaltungsräume war eigentlich Stefans Projekt. Jetzt kommt da raus, dass da was von David Camerons Regierungsstil der Sparmaßnahmen bereits drinsteckt.
Ich würde doch mal lieber etwas zanken, weil manches muss mal vlt doch einordnen. Außerdem ist manches wirklich eigenartig, wo ich mich frag, mit wem schreibt man hier eigentlich?
von ChatGPT :
Nur teilweise.
Der Satz
„Le Bons Psychologie der Massen (als angeblich Hitlers Lieblingsbuch) …“
ist problematisch, weil der Zusatz „Hitlers Lieblingsbuch“ historisch nicht gut belegt ist. Es gibt meines Wissens keinen belastbaren Nachweis, dass Le Bons Buch Hitlers Lieblingsbuch war. Was man eher sagen kann: Le Bons Ideen zur Massenpsychologie hatten Einfluss auf viele politische Akteure des frühen 20. Jahrhunderts, und es gibt deutliche Parallelen zwischen Le Bons Beschreibungen von Massenbeeinflussung und Hitlers Propagandavorstellungen in Mein Kampf. Historiker gehen häufig davon aus, dass Hitler Le Bon kannte oder von dessen Ideen beeinflusst war. (psychologie-journal.de)
Auch der zweite Teil
„… da wird man vielleicht etwas vorsichtiger bei dem Wunsch nach Massenerhebungen“
ist eher eine politische Wertung als eine sachliche Schlussfolgerung aus Le Bon. Le Bon beschreibt Massen als besonders suggestibel, emotional und anfällig für Führerfiguren. Daraus kann man eine Warnung vor Massenbewegungen ableiten. Allerdings wird Le Bon heute in den Sozialwissenschaften auch kritisch gesehen; viele seiner Thesen gelten als übergeneralisiert oder empirisch nicht ausreichend belegt. Moderne Forschung sieht Menschen in Gruppen nicht automatisch als irrationalen „Mob“. (BookBeat)
Wenn du es präziser formulieren willst, wäre etwa:
„Le Bons Psychologie der Massen – ein Werk, dessen Ideen später auch von autoritären Politikern rezipiert wurden – kann man sich zu diesem Thema einmal anschauen. Seine Analyse von Massenverhalten legt zumindest nahe, bei romantischen Vorstellungen von Massenerhebungen vorsichtig zu sein.“
Das ist historisch deutlich sauberer als die Behauptung vom „Lieblingsbuch“.
Außerdem sollte man erwähnen, dass Le Bon der Masse ausdrücklich weibliche Eigenschaften zuschrieb und dem Führer männliche. Das wirkt heute nicht nur überholt, sondern schlicht erklärungsbedürftig und braucht historischen Kontext. Was genau soll daran heutzutage so gelten?
Was ich ebenfalls merkwürdig finde: Als ob ausgerechnet zivilgesellschaftliches oder lokales Engagement zwangsläufig zu Hitler, Le Bon oder autoritären Führerfiguren führen würde. Das ist doch offensichtlich nicht das, was mit solchen Formen politischer Beteiligung gemeint ist.
PS. Hitlers Lieblingsbücher waren eher die Karl-May-Romane um Winnetou und Old Shatterhand.
Flo, eine kurze Rückfrage: Meinst Du mit der wirkmächtigen linken politischen Bewegung so etwas, wie ein Subjekt, das erwacht oder einen geschlossenen Zirkel? Ich frage das, weil ich genau daran nicht glaube - es ist eine der romantischen linken Geschichten, welche die Soll-Bruchstelle bereits in sich tragen.
Natürlich, kein buchstäbliches Erwachen. … „Keine Geschlossenheit“ … also auch nicht irgendeinen existierenden Zirkel - den es ohnehin nicht gibt. Kannst du den angesprochenen roten Faden benennen? Ist damit ein bestimmtes gemeinsames Problem oder Interesse gemeint? Etwas, wo eine große Menge von Leuten sich angesprochen fühlen würde, wenn es in einem narrativen Rahmen auftaucht? Ich nutze dafür im Moment den Begriff des Zugangs (auf emotionaler und kognitiver Ebene).
Der rote Faden ist nicht programmatisch gemeint, der rote Faden ist auch nicht inhaltlich im Sinne einer Problemstellung.
Der rote Faden bedeutet zB Würde. Ist ein riesiges Wort, hat aber gleichzeitig etwas ganz kleinteiliges.
Es lässt ganz konkret zu, sich irren zu können. Für jeden einzelnen kann es den Druck nehmen zum Beispiel vor Publikum Haltung zu verteidigen die aus der eigenen Plausibilität und der Selbstlegitimation entsteht. Wenn du Patriotismus so denkst, erreichst du jemanden der patriotisch ist oder glaubt patriotisch zu sein. Die Lücke die Patriotismus in sich trägt ist begrenzt, muss aber nicht begrenzt sein. Die emanzipierte Sicht könnte sein, Ökologie braucht Patriotismus. Die Würde kann so in einem patriotischen Gemeinschaftssinn kollektivistisch die Begrenztheit auflösen.
Nein, das spricht überhaupt nicht gegen linke Zeitungen und Engagement, es ist nur die Frage, wo man Engagement aktiv verweigern sollte, damit es als staatliche Aufgabe markiert bleibt. (Denn sonst macht es möglicherweise einen noch größeren Unterschied, ob Du in München oder Bremen lebst. Die Sozialgesetzbücher als Bundesregelung greifen nicht umsonst in die kommunale Selbstverwaltung ein (was auch zu Konflikten führt, die man lösen möchte…)
Hier willst Du Dich zanken, weil ich mit “angeblich” genau das markiert habe
Daran interessant ist die rassistische Perspektive (aktuelle Belfast, aber auch das europäische Migrationsabkommen), in Bezug auf “Masse”. Ich habe nicht gesagt, dass man Le Bon ernst nehmen sollte, es gibt aber Menschen, die dies tun.
(Hier könnte man eine Nebendiskussion aufmachen, wie die Figur “DER Russe” in der Lage ist absurdeste politische Entscheidungen in Deutschland zu ermöglichen….)
Das ist aber eine der Fragen, die auftauchen wenn man sich mit “Bildzeitung von Links” zu beschäftigen hat, denn eine aktive Verblödung zur Erreichung von Massenpublikum wäre eins der Probleme… die diskussionsfreudige und bildungsorientierte Linke zu bearbeiten hätten…
Ich verstehe deinen Ansatz, bekomme allerdings beim Blick auf genannten Themen die Fäden nicht ganz zusammen. Dein letzter Satz ist mit fünf abstrakten Begriffen aufgeladen - die gleichwohl aufschlussreich sind. Wenn man sie auf ein Transparent schreiben würde und sich in Delmenhorst auf den Marktplatz stellt, gehen wahrscheinlich die meisten daran vorbei und fragen sich, was das bedeuten soll. Die Gruppe derer, die sich angesprochen fühlen, wäre möglicherweise sehr, sehr klein. Deshalb müssen diese abstrakten Themen ins Konkrete übersetzt werden - so, dass Menschen sich im Alltag betroffen fühlen und dringenden Handlungsbedarf sehen.
Wenn du den aktuellen New Yorker Bürgermeister als Beispiel nimmst: Er hat genau das getan: Mietpreise, Lebensmittelpreise, … . Nun steht er unter dem Zwang, dieses Versprechen in absehbarer Zeit für seine Wähler fühlbar einzulösen. Gelingt ihm das, kann sich das politische Konzept, mit dem er gestartet ist, stabilisieren. Gelingt ihm das nicht, erfolgt bei der nächsten Wahl der Rückfall zu irgendeiner neoliberalen Agenda und die Welt ist um einen gescheiterten Fall politischer Optionen reicher. Dummerweise zieht das dann als weiterer Beweis in die Narrative und Köpfe ein, dass es keine funktionierende Alternative zum Neoliberalismus gibt.
Um das Risiko des Scheiterns zu mindern, muss man von vornherein alle denkbaren Widerstände aus der Gruppe derer einplanen, die bei einer wirksamen Gegenmacht zu Verlierern werden. Unser Host Stefan nennt sie „die Reichen“, ich benutze den unhandlichen Begriff „passives Geldkapital“ (Um die Abgrenzung zum fungierenden Kapital (zum Beispiel dem selbstständigen Bäckermeister) hinzubekommen - @JakobB hat ausgesprochen deutlich darauf hingewiesen, dass die Verwendung des Wortes „Kapital“ sinnlos ist. „Reiche“ als Adressat funktioniert etwas besser, wenn man regelmäßig DIE NEUEN ZWANZIGER hört und Stefans Blickwinkel kennt. Sobald man aus diesem Club herausgeht, versteht unter „Reichen“ jeder etwas anderes.)
Für den Paketzusteller bin ich reich, weil er mir irgendein teures Ding ausliefert - für mich ist Friedrich Merz reich, weil er Multimillionär ist - für Friedrich Merz ist Frau Klatten reich, weil sie Milliardärin ist - für Frau Klatten ist Herr Bezos reich, weil er ein viel höheres Milliardenvermögen hat als sie.
Ich hab mir vorgenommen, das entsprechend in weitere Überleitungen einzuarbeiten.
was wieder solche Diskussionen wie “Sagen wir jetzt Superreiche, oder doch lieber Überreiche, weil “super” hört sich ja gut an!” anschließt und die Binsenweisheit “Reichtum ist aber relativ! In Madagaskar wäre ein Hartz4-Empfänger ein Reicher!” provoziert. Die Brechstande der Vereinfachung hilft doch weiter: z.B. “Hast Du 5 Millionen? Nein? Dann entspann Dich. Wir reden hier nur über Leute die über 5 Millionen haben…” (Wobei seit Marc Uwe Kling vermutlich 10 Millionen hat, er diese Grenze bei 10 Millionen ansetzt… hahaha)
Jetzt mal kurz ne ernstgemeinte Frage (auf die ich gar keine Antwort brauche): Ich kann mir schlicht nicht erklären, wieso Du hier an Deiner eigenen “Weltformel” einer “4-gliedrigen Kette” herumarbeitest und bereit bist sehr viel auszuklammern, neu zu definieren und in Sackgassen zu landen, oder auf immer schwammigere Begriffe auszuweichen. Und mal ohne die Wutrede: Das ist sehr schmerzhaft zu beobachten und der “vortragende Stil” lässt sehr wenige Reaktionsmöglichkeiten übrig.
Verstehe ich gut. Mein Ton klingt fester, als er gemeint ist – das liegt an der Form, nicht an meiner Haltung dahinter. Deshalb einmal grundsätzlich: Jeder Beitrag von mir ist eine Ermunterung zu widersprechen, nicht der Versuch, ein Weltbild durchzusetzen.
Thesen sind für mich kein Schützengraben, sondern eine Angriffsfläche, die ich bewusst anbiete.
Die Frage ist berechtigt, beruht aber, glaube ich, auf einem Missverständnis, das ich gern ausräume: Die Kette ist keine Weltformel, die die Wirklichkeit erklären will – dann wäre jedes Ausklammern tatsächlich ein Mangel. Sie ist ein Werkzeug. Ihr Zweck ist nicht Beschreibung, sondern Überleitung: von der Diagnose zu konkreten Ansatzpunkten zivilgesellschaftlicher Gegenmacht. Dass sie dabei reduziert, ist Absicht, nicht Notlage – ein Hebel muss nicht die Maschine abbilden, er muss greifen. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob die Kette vollständig ist, sondern ob sie an der richtigen Stelle ansetzt. Und da höre ich tatsächlich gern zu
Du setzt etwas voraus was natürlich einen Realitätsbezug hat, auf den kommt es aber nicht primär an.
Ein Transparent auf dem Marktplatz kann dann seine Wirkung erzeugen wenn es ein Bild erzeugt. Und zwar nicht als visuelles Bild sondern als Bild vor dem inneren Auge. Wir kennen das alle aus dem Alltag von Werbeplakaten, wir kennen auch den Begriff Marketing - beides ist negativ konnotiert basiert aber auf einem Mechanismus.
Beispiel Mamdani, warum sollte der nicht scheitern dürfen? Wenn er scheitert, gibt es Gründe die eventuell außen zu finden sind, aber auch intern.
Was bedeutet das, in erster Linie bedeutet das den roten Faden aufzunehmen, die Gründe für das Scheitern aufzuarbeiten (lernen) und das nächste Bild malen. Das macht doch der Neoliberalismus vor.
Eine Relation herzustellen widerspricht dem Würde Gedanken. Deshalb ist der so wichtig.
Um es nochmal zu präzisieren, die Würde die im Grundgesetz für alle gelten soll und unantastbar sein soll ist nicht gemeint. Die ist antastbar, sie wird sogar angegriffen.
Die Würde um die es mir geht ist auch antastbar, aber nicht institutionell sondern in der persönlichen Auseinandersetzung.
Je länger der Beitrag, desto aufwändiger ist die Reaktion. Das kann man an anderer Stelle in diesem Forum auch beobachten: seitenlang im Keller der heimwerkerischen Therorieentwicklung erstellte “Analysen”, die vielleicht besser im Tagebuch aufgehoben wären. Überspitzes (nicht persönlich gemeintes) Beipiel:
Ich möchte mit Euch über mein Modell der Innenarchitektur sprechen. Damit meine ich die Erstellung des Rohbaues, aber ich sage nicht “Mauern”, sondern physische Grenzen. “Dach” ist auch eine physische Grenze. Damit könnte man doch die moralischen Schwierigkeiten des Fachkräftemangels im Handwerk lösen, denn es geht um die Manipulation physischer Grenzen und die metaphysische Auflösung zwischen Dachdecker und Mauer! Hier könnte man das individuelle Sinnerleben adressieren und die Entfremdung des Arbeiters beenden! Ich arbeite aber noch an der intersektionalen Perspektive.
Hübsche Parodie – sie trifft nur einen, der glaubt, Mauern würden tragfähiger, wenn man sie ‚physische Grenzen’ nennt. Den vertrete ich nicht. Die Kette ist ein Hebel, kein Wörterbuch.
Bemerkenswert ist die Reihe: Weltformel, Sackgasse, Theoriekeller – drei Bilder, kein Hebelpunkt. Auf die eigentliche Frage, wo zivilgesellschaftliche Gegenmacht ansetzt, kam in alldem nichts. Musst du auch nicht. Ich kehre meinerseits zurück zur Sache.