September-Salon: Antifaschistische Wirtschaftspolitik, Anton und Alma und Steimles Wut

Was mich immer wieder stört, es bleibt uneindeutig. Kapitalismus ist schon doof, aber irgendwie geht’s ja nicht anders.
Der Neoliberalismus ist dann eben eine besonders asoziale Variante. Die Mitte ist da wo die Wahrheit zusammengefügt wird. Bloß keine radikalen Standpunkte. Ich verkürze das jetzt bewusst - mein Punkt ist, davon muss man jetzt mal wegkommen. Die Elfenbeintürme aus denen diese Botschaften verkündet werden, dienen nur als „Autoritätsargumentsplatform“ der besonders Gebildeten. Die Realität ist aber, keine der Zumutungen wird als solche adressiert. Im Gegenteil, die Zumutungen werden denen zugemutet, die nicht im Elfenbeinturm sitzen. Die letzten 200 Jahre müssten eigentlich ausreichend sein, um zu beweisen, dass dieser Weg genau bis hier und heute nicht funktioniert hat. Btw, ich hab nichts gegen Bildung.

Was macht der Oberchefarzt wenn er keine Reinigungskraft hat, selber feudeln?
Was macht das Management wenn der Oberchefarzt keinen Bock dazu hat? Bestimmt nicht feudeln gehen.

Da muss angesetzt werden und zwar systemisch. Ein Krankenhaus ist ein System in dem nichts funktioniert wenn ein Bestandteil wegfällt.

Ich kann immer wieder nur auf Mamdani verweisen, oder Abdul El Sayed, die sicherlich nicht perfekt sind, aber die Klarheit in deren Argumentation ist das was jetzt nötig ist.

Die neoliberale Politik hat nix mit Bildung zu tun, nur mit Machtseilschaften und Dünkel. Für die sind und waren wir immer nur Stimmvieh. Ansonsten sitzen da hauptsächlich männliche Juristen, die sich die Posten zuschieben.
Und ja, natürlich wollen die Leute nicht nach oben kommen lassen, damit irgendwer die miesesten schlechtbezahlten Arbeiten macht; die Pflegeversicherung ist z.B. so, wie sie ist, weil es hieß, irgendeine Frau macht’s schon.

Kann man ja auch irgendwie verstehen, daß das keiner so sehen will.

Ok, wenn das alles so klar ist…

Dann haben wir ja jetzt einen Feind auf den wir aus unserem Elfenbeinturm herabblicken können, und wir können jetzt die neoliberalen Unmenschen ohne jegliche Moral als Idioten beschimpfen. Sorry, als ungebildete Idioten natürlich.

Meinst du daraus wird sich die große Revolution entwickeln? So für die gerechte Sache?

Ok, ich bin polemisch, aber es ist für mich schwer nachzuvollziehen weil du die letzten 200 Jahre richtig einschätzt und beschreibst, aber aus meiner Sicht nicht die richtigen Schlüsse ziehst.

Meine Frage ist, wie in aller Welt, wenn Neoliberalismus über Jahrzehnte die Agenda setzt - erfolgreich setzt - ist es möglich, dass die Gebildeten dieser Welt nichts dagegen unternommen haben. Waren die nicht korrupt genug, oder hätten die auch besser Jura studiert?
Sind Neoliberale ungebildet? Ist ein Jurist ungebildet?

Wir brauchen jetzt ein Handgemenge, in dem der Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung geklärt wird.

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Aufseiten der Politik hat die Art und Weise Gesetze zu verabschieden, die die Umverteilung von unten nach oben fördern gar nichts mit Bildung zu tun.

Was die Wählerseite angeht, hab ich das auch lange nicht verstanden. Warum wählen Leute gegen ihre Interessen? Dazu gibt es einige Interpretationsansätze.

Ich würde sagen: Die meisten Zeitungen und Fernsehformate bedienen das neoliberale Narrativ. Der größte Teil ansonsten ist leichte Unterhaltung. Die Leute glauben das, was in jeder Zeitung und jeder Talkshow jeden Tag seit Jahren runtergebetet wird.

Die möchten auf der Seite der Guten stehen.

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Das, und es kommt noch etwas hinzu. 1647 wurde im Handorakel der Weltklugheit von Gracián Folgendes festgehalten: „Besser mit Allen ein Narr, als allein gescheit."

Das, was als Vernunft bezeichnet wird, hat er als soziale Frage gesehen. In diesem Sinne steht als Übertragung in unsere Gesellschaft vor allem der Gedanke, wie effektiv Propaganda das Publikum erreicht. Es genügt, eine Mehrheit in der Meinung zu gewinnen. Es darf nur nicht jene Schwelle überschritten werden, die Reaktanz auslöst - es sei denn, man ist sich der eigenen Machtmittel sicher, um offenen Widerstand zu parieren.

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Und was schließt du daraus?

Meinst du? Glaube ich nicht. Ich denke, ausgebildet bedeutet nicht ungebildet. Ich kann jetzt nur von mir sprechen, aber ich traue mir nicht zu, von außen zu beurteilen ab wann was gilt. Was ich mir zutraue ist die Einschätzung, dass bisherige Bildung in deinem Sinne nicht unbedingt zum Ziel geführt hat.

Daß man, wenn die meisten Wähler sìch gerne einer Mehrheitserzählung anschließen wollen, Masse statt Klasse braucht.

Oder jedenfalls sehr viel mehr Content und Reichweite oder wie man das nennen mag.

Gut gealtert:https://youtu.be/FOEbUcRdDIE?si=gI4I-PwOdXM4KKML

Ja lustig.

und ich werde hier als Clown bezeichnet, wenn ich an anderer Stelle sage “ein Mensch muss wohnen” und, dass um eine Wahl daraus zu machen, ich mich als Wähler nicht mit gebildeter Komplexitätsdarstellung aufhalten lassen muss (hier sind dreiunddröflzig Gründe, warum das eine kindische Forderung ist!).

(Es ist doch interessant, dass echte Blödheiten als “Wirtschaftskompetenz” akzeptiert werden, schlichte Wahrheiten aber als “Unsinn” ausgeschlossen werden.)

Doch hat sie, sogar auf viele Arten und Weisen. Bildung als Aufstiegsversprechen, Bildung als Reproduktion des Status Quo, Bildung als Ideologievermittlung, Bildung als Destinktionsmerkmal, Bildung als Zugangsbeschränkung, Bildung als Begründung für Ungleichbehandlung, Bildung als zu erreichenden Status, Bildung als Selbstverwirklichung… (Da kommen dann die “kritischen Theoretiker” aus der Hecke… und man macht mit Mollenhauer “soziale Fragen” zu “Erziehungs-” und sozial-moralischen Fragen von Kohäsion und Integration…)

Wie viele Jahrzehnte soll die Extrarunde dauern und mit welchem Ziel (außer man will “Politik” mit “Pädagogik” austauschen? Damit jeder nochmal was dazu sagen kann? Jeder ist irgendwie ausgebildet (muss man ja, damit man seine Arbeitskraft zu Markte tragen kann, manche behaupten dann von sich gebildet zu sein (man ist ja schlau!), was andere wieder kritisieren können (das ist keine Bildung, sondern Einbildung!) (Soll der Unterschied dann Ungleichheiten rechtfertigen?), andere können es in die Zukunft verschieben (bei uns ist Hopfen und Malz verloren, aber wenn wir jetzt bei den Kindern ansetzen, dann… in 30 Jahren…!)

dann reden wir schön lange über “Bildung”, so wie man über “Würde” oder “Freiheit” oder “Demokratie” reden kann (oder man dreht die Extrarunde, die die AfD vorschlägt: “Volk”, “Nation”, “Volksgemeinschaft”, “Erziehung zur Volksgemeinschaft”, damit kann man sich auch beschäftigen und sogar noch zu weiteren Zumutungen ermutigen. Hier zahlt sich dann die Verknüpfung mit der “Exportnation” aus. Die “Deutschen” als “fleißiges Volk”, dessen Kampf gerechtfertigt ist, gegen “den Chinesen”, “den Arbeitslosen”, “den Drückeberger”)

und während die Heizung kälter, der Kühlschrank leerer und das Wohnen teurer wird rufen wir “dem Pöbel” entgegen: Lies doch erstmal ein Buch, auf das Du als mündiger Bürger dich in demokratische Prozesse einbringen und dich am großen Reden aller in ausreichender Eloquenz beteiligen magst! Demokratie, Du Dummerchen, hat nämlich zuallererst mit Bildung zu tun. Partizipation im feinsten Sinne hängt nämlich zuerst einmal mit dem Austritt aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zusammen. Sollte Dir also der Zutritt zur Agora verweigert sein, liegt es in Deiner Schuld!

Ein Mensch muss essen, ein Mensch muss wohnen, ein Mensch soll nicht frieren. Wieviel Bildung brauche ich für diesen Satz?

(und bei den letzten Studierendenprotesten war ich “der Clown” als ich die Forderung “Bildung für alle und zwar umsonst!” entweder für dumm, oder sehr weitsichtig bezeichnete. Entweder man kenne den Unterschied zwischen “kostenlos” und “umsonst” nicht, oder man wisse jetzt schon, dass hinter dieser Forderung keine echte Konsequenz stehe…)

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Da wäre ich gespannt auf die Antwort auf die Frage: wer sind „Die“?

Und dann noch als Identifikationsmarker:

Du nicht?

“Alle” “wollen” immer die Guten sein. Da kommen wir dann bei einer manichäischen Ethik heraus (Wir wollen immer das Gute, wenn etwas Schlechtes passiert, war es nur ein Fehler auf dem Weg.) und selbst damit kann man dann wieder herum-hirarchisieren…

Manis organisierte Anhängerschaft war unterteilt in die Elite der „Auserwählten“ (lateinisch electi), aus der sich die Amtsträger rekrutierten, und die einfachen Gemeindemitglieder, die „Hörer“ (auditores). Insbesondere von den electi verlangte er Askese und ein Bemühen um die Reinheit, die als Voraussetzung für die angestrebte Erlösung galt und zur Trennung des Lichts von der Finsternis beitragen sollte. Um Reinheit zu erreichen, mussten die electi von den auditores unterstützt und insbesondere mit Nahrung versorgt werden.

Wenn es „die Guten“ gibt, muss es die „die Schlechten“ oder „die Bösen“ geben.

Wenn alle die Guten sind, lässt sich das nur mit kognitiver Dissonanz oder Opportunismus erklären.

Willkommen in den “Doppelstandards” :slight_smile: , die die ganze Welt in Bewegung halten.

Hm, ja. Ist es wirklich ein doppelter Standard oder ist es einfach nur Standard?

Danke für diese Zeilen, das trifft bei mir emotional gerade genau den wunden Punkt. Ich konnte das selbst nicht gut in Worte fassen.

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Wenn Du hier aufläufst mit “ein Mensch muss wohnen” (Fragt nicht nach Unterschieden), geht es ja im zweiten Schritt mit der Frage nach Unterschieden los:

Wirklich jeder? Auch wenn man arbeitslos ist? Auch wenn man von woanders herkommt? Auch wenn man einen besseren (schlechteren) (Aus-)Bildungsabschluss hat? Wirklich immer? Platz ist doch nunmal beschränkt, also muss es doch Mechanismen der Verteilung geben! Es wäre doch gut, wenn wir mal besprächen, warum man andere schlechter behandeln darf…

(Jetzt darf man nicht in so eine “Herr der Ringe”-Blödheit verfallen, der jeweils andere wolle ein Mordor errichten, einfach mit dem Ziel ein Mordor zu errichten, sonst kann man sich wieder gegenseitig vorwerfen ein Mordor zu errichten und “die Mitte” richtet sich gemütlich ein und kann sagen “Du willst KZ errichten!” und “Du willst Gulag errichten!”, “Ich will liberale Demokratie!”)

Weil man zu den Guten gehört. Die Guten dürfen das. Jetzt muss ich nur noch zu den Guten gehören. Selbst derjenige, der im ökonomischen Sinne nicht zu den Guten gehört, schafft es gegen andere Grausam zu sein. Ich muss wohnen, aber mein migrantischer Nachbar nicht. Oder faule Bürgergeldbezieher, der muss eigentlich auch nicht wohnen. So kann ich immer dafür sorgen zu den Guten zu gehören.

und der Arbeitslose kann sich ja anstrengen. Niemand verbietet ihm ja in einer großen Altbauwohnung zentrumsnah zu leben!

Hätte er einen Job, hätte er einen guten Abschluss, hätte er in der Schule aufgepasst, hätten sich seine Eltern nur für Bildung interessiert…

und schon macht man die Wohnungsfrage zu einer Bildungsfrage und wechselt von “Politik” auf “Pädagogik” und und ist mit Karin Prien von der “fehlenden Bildungsaspiration der Eltern” enttäuscht…

dann kommen die nächsten und sagen “Dann muss Schule besser werden! Das Schulsystem reproduziert doch nur Herkunft! Denkt dann niemand an die Kinder!”

Während die Kinder in Wohnungen sitzen die kälter und teuer werden und der Kühlschrank leerer… kämpft man für Schulen die wärmer, günstiger und mit Mittagsverpflegung ausgestattet sind…

(und Simmel ruft uns von 1908 entgegen, dass man in einer Gesellschaft lebe, die Armut nicht abschaffen will…)

Mir geht es um die Legitimierungsbestrebungen der Mitte.

Inhaltlich bin ich bei dir.