die habe ich ja nur weitergespielt. Bin ja auch bei Dir ![]()
Ja. Weil sich dabei ein weiteres Mal zeigen wird, dass die realen Konflikte weniger darauf zurückzuführen sind, wie Rechtsanwälte u.ä. gebildet sind, sondern vielmehr, welche Ideologie vorherrscht. Ich konnte @Flo s schöner Vorlage einfach nicht widerstehen - weil ich ein Clown bin. Nun hast du gründlicher abgeräumt, als ich es vermutet hatte. Der Weg zurück zu Handlungsfragen ist deshalb kurz.
Alle sind immer die Guten!
Und das ist eine Gelegenheit einen Blick auf Žižeks These zum Atheismus zu werfen: Sobald Religion oder Ideologie im Spiel ist, ist man selbst gut, samt der Gruppe, der man sich angeschlossen hat - und dann gibt es immer die anderen, die Unwürdigen, die Nichtdazugehörenden, die Nichtmenschen - für die gelten „unsere“ ethischen Prinzipien selbstverständlich nicht. Die Lösung für ethische Fragen und Paradigmen im Verhalten liegt demnach im Atheismus. Das kann man glauben oder nicht, jedenfalls können wir ausschließen, dass die von @JakobB ausführlich aufgezählten Einflüsse in nennenswerter Weise nachlassen werden. Auf dieser Prämisse müssen Handlungsausleitungen aufsetzen - oder Resignation.
oder man verweigert sie mit Zizeks Verweis auf das “I would prefer not to.” Ein Mensch muss wohnen" “Auch der Migrant?” “Ist der Migrant ein Mensch?” “Ja” “Warum also die Frage?”
Das gleiche bei Armut. Womit löst man die Frage von “fehlendem Geld”? Mit Geld. Nicht mit Bildung. Womit löst man die Frage von “fehlender Bildung”? Mit Bildung. Und schon merkt man, wie sehr man mit “Alternativ-Diskussionen” eigentlich immer wieder vom Thema abgebracht wird. “Aber Armut hat doch was mit Bildung zu tun!” “Wie gebildet sind reiche Leute? Es ist scheissegal, sie sind reich…” Damit soll die Diskussion wieder verschoben werden, nach Unten kann man sagen “Pech gehabt, Du bist dumm”, nach Oben kann man sagen “Es gibt gute Gründe, warum jemand Oben ist!”
Vermutest du, dass ich im Mai-Salon-Thread noch ein Modul „Alle lesen Bücher, um sich zu bilden“ anbieten möchte, weil das zur Mobilisierung beitragen könnte?
Da halte ich mich ja bewusst raus und ziehe “Hund im Internet”.
Man sollte soviel lesen wie möglich, aber wer sagt das zu wem? Wer kann sich lesen überhaupt leisten und wozu soll es dienen? Ich lese gerne und versuche Leuten lesen schmackhaft zu machen, aber das die Studenten mit den gesammelten Werken von Marx vor den Werktoren auftauchten war jetzt nicht das erfolgreichste Format.
Für so etwas sind Stefan und Wolfgang schon die richtigen… und erstaunlicherweise sorgt ja die Selbstverblödung der öffentlich/rechtlichen (Bildungsauftrag!) dafür, dass Leute sich wieder selber bilden…
und Wolfgangs aktuelle Filmanalyse erreicht z.B. viel mehr Menschen und spricht viel besser über die “Ideologie der Mitte”, als wenn ich sage:
“Guck mal was Kofler 1987 über die Yuppies geschrieben hat, da wird die Brutalität der Mitte schon vorhergesagt…”
und mal zu der Bildungsfrage: Während ich eben beim migrantischen Frisör saß und er mir sagte, dass es Unsinn sei, wenn alle mehr arbeiteten (“Du hast nur einen Kopf, wenn ich hier länger stehe, kommst Du nicht öfter vorbei.”) und das es nicht um die Höhe der Löhne ginge (“Du gehst zu Aldi und gibst es aus. Steigt Dein Lohn, steigen die Preise bei Aldi. Der Bauer bleibt arm, der Verkäufer bleibt arm, Du bleibst arm. Herr Aldi bleibt reich.”) und zur Frage internationaler Konkurrenz, weil der Sohn überlege ins Herkunftsland des Vaters auszuwandern (“Da musst Du auch Miete bezahlen, einen Kredit bei der Bank abzahlen und Essen einkaufen.”)… soll ich dem Frisör mal das aktuelle Buch von Tom Krebs empfehlen, oder hat eigentlich schon alles verstanden?
Na ja. Er wird 'nen Grund gehabt haben, als er damals hergekommen ist, der “Hund im Frisörladen”.
Na, den Frisör würde ich gerne mal kennenlernen… ![]()
Und ich seinen Sohn. Warum will er weg? Wenn der Vater mit Dingen wie Miete, Bankkredit und Lebensmittelpreisen fürs Bleiben argumentiert, dann ist es offenbar nicht der angeblich kurz bevorstehende Faschismus, der ihn umtreibt.
@JakobB, was den Vater und dessen scheinbar intuitives Verständnis für nebulöse Dinge wie Preissteigerung und Machtverhältnisse angeht: Wer sagt eigentlich, dass der Friseur nicht “Das Kapital” Band 1 bis 20 von vorne bis hinten und wieder zurück gelesen hat? Und Tom Krebs auf seinem Nachttisch liegt?
Andererseits ist es eine von vielen Erfahrungen aus der Corona-Zeit, dass es besonders die Intellektuellen waren, die Merkels und Drostens Schmarrn gefressen haben. Nicht nur, weil es halt bequem war im Homeoffice, sondern aus echter Überzeugung. Entsprechend verbissen hielten sie an den Maßnahmen fest und bekamen gar nicht genug davon. Während die davon Betroffenen - Friseure gehörten dazu! - das ganze Theater naturgemäß skeptisch sahen. Also ja, die Intuition der “einfachen” Leute trifft oft zu.
Hingegen kann man bei denen, die alles zerreden, nie ganz sicher sein, ob sie das nicht aus einem gewissen Interesse heraus tun. Gemini meint dazu: Wenn man ein materielles Problem – wie schlicht zu wenig Geld oder zu teure Mieten – beim Namen nennt, steht man nämlich vor einer unbequemen Konsequenz: Man müsste umverteilen, in Eigentumsrechte eingreifen und denen, die oben sitzen, etwas wegnehmen.
Deshalb wird das Problem lieber auf eine moralische oder bildungspolitische Ebene gehoben. Man redet tagelang über „Eigenverantwortung“, „mangelnde Reife“ oder „fehlende Qualifikation“. Das hat gleich zwei geniale Effekte für das System: Erstens schiebt man die Schuld elegant auf die Betroffenen ab („Pech gehabt, du hast halt nicht die richtige Bildung“), und zweitens befreit es die Politik von der Pflicht, echten Wohnraum zu bauen oder Ressourcen lockerzumachen. Man kann sich moralisch auf die Schulter klopfen, hat stundenlang debattiert, und am Ende bleibt alles exakt beim Alten.
Das Zerreden ist im Grunde der beste Schutzschild für den Status quo. Es verschleiert, dass es hier knallhart um Macht- und Verteilungsfragen geht, und hält die Leute mit Nebenkriegsschauplätzen beschäftigt.
Na ja, so in etwa das, was du halt auch dauernd sagst. Im Grunde richtig, aber banal.
Weil das die Guten aus der Mitte sind.
Die Schlechten rehabilitieren sich gerade beim Familienfest mit Bratwurst.
Oder hier.![]()
Jo, die Merkmale “migrantisch” und “wenig prestigeträchtiger Beruf Frisör” der fiktiven Person sollen hier anscheinend als sich von selbst verstehendes Klischee für Bildungsferne stehen. Auch das ist sehr amüsant bei jemandem, der die ganze Zeit gegen Bildung als Statussymbol anzuquatschen meint…
Syd, unser Grenzgänger.
… Hast du Gemini wirklich mit dem richtigen Input versorgt? Der Output passt sich beinahe naht- und reibungslos in die hier laufende Argumentation ein. So gesehen läuft es super.
Bekommen wir bei Gelegenheit eine (von dir selbst initialisierte) KI-Auswertung deines Kommunikationsstils zu sehen?
Nee, das macht Olivia viel schöner als eine meiner KIs das könnte.
. Ich habe vor, sie demnächst wieder zu begeistern mit echter Empirie im Gasspeicher-Thread. Aber das erfordert mehr Zeit als ein dahingerotzter JB-Diss, daher bitte ein bisschen Geduld…
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Übrigens hat die Bratwurst bei uns echten Schlechten immer noch Symbolcharakter - die gab’s Gerüchten zufolge nämlich gelegentlich zur Impfung dazu.
Hat Jörg Schönenborn (oder seine Quellen, Infratest Dimap und so) eigentlich mal gefragt, welche Rolle “Corona” und der Wunsch nach Aufarbeitung bei den Zuwächsen für die AfD spielt? Ich hab’ die Shows zu den beiden letzten Landtagswahlen ziemlich genau verfolgt, erinnere mich aber nicht an diesbezügliche Fragestellungen. Kann mich da aber irren.
Gracián äußert in Nr. 87 („Bildung und Zierlichkeit"): „Der Mensch wird als ein Barbar geboren; nur die Bildung erlöst ihn von der Bestialität."
und in Nr. 6 („Der Mensch in seiner Vollendung"): „Man wird nicht fertig geboren."
Einerseits stecken keine Imperative drin, andererseits keine Entbehrlichkeiten. Nun wissen wir, dass auch gebildete Menschen bestialisch sein können, dass man außerdem Bildung begrifflich nicht zu streng fassen sollte - ein Allheilmittel ist sie nicht, obsolet ist sie auch nicht. Auch für ein banales Problem muss man Kausalitäten erfassen, um die Lösungsmöglichkeiten zu erkennen. Ich denke, unsere Diskussion holpert bei der Frage nach dem Maß an Befähigung und Aufklärung, aber nicht am Erfordernis.
Tja, genau deswegen “Hund im Internet”. Da kommt man frisch vom Frisör und musste auf dem Rückweg lachen über die Diskussion hier. Deswegen ist es auch so völlig egal und ich werde es nicht mit Belegen anführen. Da ist mir der Frisör näher, als andere Hunde im Internet. Aber da kann man seinen kleinen Rassismus/Klassismus doch freien Lauf lassen… Warum migrantisch? Weil das das Gespräch mit dem Sohn erklärt. Warum hältst Du Frisör gleichbedeutend für “bildungsfern”? Ein Unternehmer mit mehreren Angestellten und eigenem Geschäft? Uiuiui da kommt also “Ausbildung” vs “Bildung” als Distinktionsmerkmal doch nochmal herausgeholt, aber anders als zuerst hier vorgestellt… Ich habe mit dem Satz geschlossen: "Soll ich dem das Buch von Tom Krebs empfehlen, oder hat der das schon selbst verstanden… "aber gut.
Kannst Du gerne hingehen, nur musst Du ein wenig aufpassen, wenn er sich während des Schneidens in Rage redet…
Auch da könnte man mit Graebers “Anfänge” einen dicken Stein in Weg schmeissen…
Jo, dass war so eine “militärische Spezialoperation” bei der irgendwelche Freiheiten verteidigt wurden.
Da ich durch mein direktes Umfeld einen ziemlich direkten Draht habe, Corona (wenn thematisiert) ist eine Mischung aus Telegram Gruppe, Alles Lüge weil Mainstream, Lügenpresse, Pegida, Sonntagsspaziergänger, Information ist Holschuld, Kontaktschuld, Sarrazin hatte Recht, Politiker sind alle gleich, die Kindergärtnerin ist untervögelt. Man darf ja wohl noch…
Also recht langweilig. Aber vereint im Systemhass, bisschen preppen nebenher, geselliges Austauschen bei Bier und Bratwurst und AFD wählen - gegen das Estäblischmänt.
Echt? Hätte auf Türkei getippt. In welches der von „den Guten“ zerbombten Länder kann man denn ernsthaft zurückwollen?