September-Salon: Antifaschistische Wirtschaftspolitik, Anton und Alma und Steimles Wut

Da wo “wir” jetzt Urlaub machen, denn das Existenzrecht der Sovjetunion darf man straffrei erstmal leugnen und dann militärisch bearbeiten. Es waren ja Zerfallskriege und Demokratiebewegungen etc. und manche Separatisten findet man ja gut, wenn sie nach der Separation zu uns gehören…

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Dabei sehe ich das erst jetzt.

Doch, doch, da steckt ein Imperativ drin: Man habe zu erziehen.

Ich bezog mich in der Eile auf einen alten Aufwachen Podcast- Jingle

“Wir sind die Guten!” Von irgendeinem Mainstream TV Fuzzi.

Bei dem Satz ging es um fachliche und moralische Selbstvergewisserung zwischen Abendnachrichten und Mitte- Publikum. Das der informierte Zirkel (Moderatoren und Publikum) auf der richtigen Seite der Geschichte steht.

Eine Symbiose die für alle Mainstreammedien so besteht und weswegen die ganze unsoziale Gesetzgebung immer abgenickt wird.

PS: Natürlich gehöre ich daher nicht zu “den Guten”.

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Da das Tabu nun gebrochen ist, das Privatleben in anekdotischer Evidenz zur Illustration von Thesen anzuführen, möchte ich hier auch ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Man wird sehen, dass hier eher gegen mich gesprochen wird. Dieses Erlebnis konnte mich mehr von der Bedenklichkeit meiner Positionen überzeugen, als es den furiosen Argumentationsketten des Clowns jemals möglich gewesen wäre.

Denn zufälligerweise war auch ich heute beim Frisör, einem alten Bekannten, den ich schätze, weil er noch ein Frisör der guten alten Schule ist, der das Haareschneiden nicht bloß als Dienstleistung betrachtet, wie das heutzutage allgemein üblich ist. Stattdessen scheint ihn sein Beruf erst in Redelaune zu bringen; und so kann es nicht fehlen, dass, nachdem er ein paar Minuten stumm vor sich hingeschnitten hat, sich ganz natürlich ein ungezwungenes Gespräch entspinnt. So haben auch wir schon so manche sorglose Stunde verplauscht, und jedesmal überrascht mich die Gewitztheit und tiefe Weltklugheit dieses so schlichten Gemütes, das alles eitle Streben nach Wissen und höh’rer Bildung beschämt. Mein Freund hat weder viel von der Welt gesehen, noch seine Nase lange in Bücher gesteckt; fast sein ganzer Erfahrungsschatz stammt aus den Gesprächen mit seinen Kunden, und so hat er im Mikrokosmos seines Ladens ein Spiegelbild der Welt da draußen, unmittelbarer und lebensnäher als man es durch Nachdenken je erreichen könnte.

Auch heute wieder entspann sich ein Gespräch, und da mein Freund auf mein Anraten sowohl diesen Podcast hört als auch in diesem Forum mitliest, bog seine Rede auf die jüngsten hiesigen Themen ein, und er äußerte sich wie folgt: “Von dem JakobB dachte ich bisher immer, der wär’ bloß so’n gewöhnlicher Clown, aber was der in letzter Zeit so von sich gibt, is’ gar nicht so dumm. Ich bin ja nur ein einfacher Mensch, aber die Theorie, dass man keene großen Theorien braucht, um sich aus dem Ganzen einen Reim zu machen, diese Theorie hat mich sofort angesprochen. Denn es ist doch ganz einfach: ich bin ein Mensch, und ich hab ‘nen politischen Willen, und damit basta. Den kann mir niemand verbieten, nur weil die AfD den Herren da oben nich’ genehm is, denn der Wille “Ausländer raus” is eben genauso ein Wille wie alle anderen, und ich lass mir meinen Willen nich durch einen Hinweis auf die ‘Wirklichkeit’ brechen. Denn die Wirklichkeit sieht doch so aus: du kannst einem Kreuz nich ansehen, bei welcher Partei es gemacht wurde und warum. Wieso bitte is dann ein Kreuz bei der AfD schlechter als bei den Grünen? In meinem Laden hab ich mir meine Meinung gebildet, und dazu steh’ ich, da lass ich mich nich von Linken diskriminiern, die sich für was besseres halten, weil sie moralisch überheblich sind, weil die sich immer die Vernunft auf die Fahne schreiben. Aber was is das für eine Vernunft, frag ich? Das sind Floskeln, sag ich dir, um uns von unsern Rechten fern zu halten. Jeder Mensch muss wohnen, daran gibt es nichts zu deuteln, und das eine Wohnung eines Ausländers frei wird, wenn du ihn abschiebst, das is ein Fakt. Und was ham die Linken anzubieten? Vergesellschaftung und Mietendeckel, nee danke, das hat schon bei der letzten linken Regierung in Berlin nich funktioniert, aber da waren natürlich die ‘strukturellen Hürden’ dran schuld. Strukturelle Hürden, meine Oma, wenn ich das nächste Mal zu spät zum Stammtisch komme, sag ich auch, von wegen strukturelle Hürden. Dann gucken die aber blöd aus der Wäsche, denn da lassen die sich auch nich für dumm verkaufen, denn wo ein Wille is’, da is ein Weg, das is im Privaten nich anders wie in der Politik.”

Ich muss sagen, es war weniger amüsant, dafür aber um so überzeugender…

Steht nicht dort. Die Kernsätze sind Aussagesätze im Indikativ. Sie tragen eine Empfehlung, aber keinen Befehl und überlassen dem Leser die Folgerungen.

Das war mein Übertragungsversuch vor ein paar Stunden.:wink:

Dann sind wir uns möglicherweise alle einig, dass der politische Wille darüber entscheidet, ob etwas Bestimmtes passiert oder nicht passiert. Im Weiteren ginge es also um effektive Stimulation der Entscheider.

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Oh ich wusste gar nicht, dass das hier ein wissenschaftliches Magazin ist, wo nur peer-reviewte Artikel veröffentlicht werden. Ich entschuldige mich für den Tabubruch. Aber Du hast ja mit dem Bild vom “Hund im Internet” von Anfang an darauf hingewiesen, dass in einem Forum jeder von sich alles behaupten kann. Damit hattest Du wohl recht.

Ich freue mich aber, dass Du meine These bestätigst. Denn Du musstest Dir eine Figur ausdenken, die “die Gefährlichkeit” des Wahlrechtes für alle bestätigt, was ja bedeutet, dass Du in Deinem Alltag so ein Gespräch noch nie geführt hast.

Denn hättest Du es geführt, dann würdest Du langsam das Problem des “Parteien wirken an der Willensbildung mit” in seiner Konsequenz verstehen, denn “dein Frisör” kann aus vier verschieden Geschmacksrichtungen von “Ausländer raus” auswählen, da diese Parteien “Ausländer raus” als akzeptablen politischen Willen im Angebot führen. “Mein” Frisör weiß überhaupt nicht wen er wählen soll und er bleibt bei der Wahl “des kleineren Übels”.

(Ich habe so einen Dialog wie Du ihn Dir ausdenken musstest (und hier kommen @Ernst und @Flo mit ihrem “Gespräch am Gartenzaun”) schon geführt. Das war aber eine Person mit Studienabschluss und ich habe ihr angeboten, dass wir uns das freigewordene Abteil im Doppelbett in der Sammelunterkunft gerne zusammen angucken können, ich würde ihr sogar beim Umzug helfen…)

und während ich mich hier lächerlich mache mit der Feststellung, dass man einem Kreuz keinen Willen ablesen kann, beugt sich die Republik über die Magdeburger Kreuze und liest erstens heraus wer sie gemacht und zweitens mit welchem Willen… (wenn die das endlich rausfinden verliert der Herr Rausch seinen Posten, versprochen!)

und die Demokraten versuchen “die heiligste Bürgerpflicht”, “das Fest der Demokratie” einzuschränken, weil Demokratie garantiert sich ja nicht aus sich selbst heraus und das Problem sind irgendwie die ungebildeten Wähler…

(aber man kann auch ganz gebildet Nicos Poulantzas lesen und dessen These, dass Faschismus nur eine Form des Kampfes der bürgerlichen Klasse um den Staat darstelle, nachgehen… vielleicht gefällt Dir ja seine Vorstellung von Relation, die Du in “Mitte” gesehen hast, er aber in “Staat” beschreibt. Vielleicht wird dann ein Schuh draus, dass die AfD inhaltlich nur CDU+FDP auf Crack ist…)

(oder wir bleiben mit Luhmann in etablierten Gefilden und nehmen seine Analyse, dass es im System “Politik” um “Macht” geht und nicht um “Bürgerwillen” (“motivloses Wählen”), “Wahrheit” oder “Haarschnitt”)

Das eine Rätsel konnte ich lösen, das war leicht: Jugoslawien.

Bei dem anderen Rätsel, das sich nun schon über mehrere Threads zieht, check ich‘s nun endlich langsam auch:

Es geht um eine grundsätzliche Kritik an der repräsentativen Demokratie. Richtig?

Was schlägst du stattdessen vor?

Was wäre naheliegend, wenn man Ockhams Rasiermesser nutzt?

@Ernst

Keine Ahnung, sag du’s mir.

Meine war eine rein rhetorische Frage, ein Knochen für den „Kläffer im Internet“.

Kritik woran? Syd, bitte reiß dich ein bisschen zusammen! „Repräsentative Demokratie“ impliziert einen mehrheitlichen Willen (in Verbindung mit zugeordneten Kreuzen), der sich dann auch noch in politischen Entscheidungen abzeichnet. Wie könnte das jemand kritisieren? Leg einfach das Schulbuch aus der Hand oder nimm wenigstens ein anderes (z.B. Mathematik, Physik). Oder schreib gerne mal hin, was im Demokratieschulbuch steht.

[Die Repräsentanten repräsentieren sich selbst.]

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Nicht jeder behauptet, die Kreuze drückten keinen Willen aus.

"Wir stehen ja nicht für uns. Wir stehen ja nicht für die 45 oder 44 Leute, die wir da am Ende sind und irgendwas abstimmen. Wir stehen ja für die ganzen Leute draußen, die gesagt haben: Das wollen wir nicht mehr.

Und wir haben auch eine Verantwortung, nicht nur dafür, dass wir jetzt den ersten Schritt gehen und sagen: Man kann aus einem Landesparlament natürlich Friedenspolitik machen. Alle anderen Landesparlamente müssen jetzt nachziehen. Die müssen jetzt alle zeigen, dass sie sich von dieser Floskel, Friedenspolitik habe mit Landespolitik nichts zu tun, nicht beeindrucken lassen. Denn wir haben es auch nicht gemacht, und wir erwarten jetzt natürlich, dass die anderen alle nachziehen.

Wir haben auch eine Verantwortung für diese ganze Demokratiegeschichte, von der immer alle reden, und zwar nicht “unsere”, sondern die richtige, die sich nämlich eigentlich darum kümmern soll, dass der Wille des Souveräns umgesetzt wird.

Und wir machen das hier in Sachsen-Anhalt. Wir machen das unter anderem, indem wir eben so einen Antrag stellen [Anm.: Gemeint ist der Antrag für Friedensgespräche mit Russland und für einen Stopp der Waffenlieferungen an die Ukraine].

Wir machen das, indem wir uns mit einem Wahlergebnis ins Benehmen setzen und sagen: Das ist eben das, was vorliegt. Damit müssen wir jetzt arbeiten. Und da setzen wir uns wie Erwachsene an einen Tisch und reden miteinander und gucken, was damit zu machen ist, während die anderen sich wie Kleinkinder in der Ecke irgendwie bockig stellen. Die müssen wir da schon rauskitzeln, wenn wir mit Anträgen kommen, die eindeutig gut und populär sind und bei denen die Mehrheit der Bevölkerung solche Sachen will. Dann werden die sich irgendwann bewegen müssen. Das haben wir auch in der Verantwortung.

Wir haben natürlich auch eine Verantwortung dafür, zu sagen, dass die Medien wieder liefern müssen. Wir haben eine Verantwortung dafür, dass die Bildungspolitik wieder funktionieren muss. Wir haben eine Verantwortung dafür, dass hier Arbeitsplätze gesichert werden und die Wirtschaft wieder auf die Füße kommt.

Da werden wir, wie Thomas schon gesagt hat, in der einen oder anderen Sache unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie das zu machen ist. Aber wir werden zeigen, dass man sich an einen Tisch setzen kann und herausfinden kann, wie man mit solchen Problemen umgeht.

Jetzt haben wir 36 Jahre lang gesehen, wie es nicht geht. Es wird Zeit, dass es besser wird, und wir haben den ersten Schritt damit gemacht."

Claudia Wittig (BSW) auf der Querfront-Veranstaltung des Compact-Magazins. Aber Vorsicht: Das sind die echten Schlechten! :wink:

P.S. Das KI-generierte Gedudel am Anfang und am Ende ist wirklich echt schlecht, jetzt ohne Ironie. Unbedingt überspringen.

:wink: Ich biete dir zumindest gerne zwei sequenziell nutzbare Prompts an:

  • Entspricht eine repräsentative Demokratie dem Sparsamkeitsprinzip gemäß Ockhams Rasiermesser, unter der Maßgabe, dass die Demokratie als Herrschaftsform gewahrt wird?
  • Was, wenn die Repräsentanten nicht den Wählerwillen realisieren?

ach Syd…

Ich habe Dir doch an tausenden Stellen schon gesagt, dass “Was schlägst Du denn vor?” einfach eine Zeitverschwendung ist.

Man muss doch “repräsentative Demokratie” erstmal verstehen, das wäre doch der erste Schritt. Ich kritisiere sie doch gar nicht, noch bin ich damit beschäftigt Kindergartenvorstellungen von “repräsentativer Demokratie” zu kritisieren.

Aber wenn das BSW das “alle Macht geht vom Volke aus”-Kindergartenlied singen möchte…

…sing ich da mit. Kläff’ du ruhig weiter, Jay B.

und frag Du Dich ruhig weiter, warum denn “Corona-Politik” stattgefunden hat, ohne “den Souverän” zu Rate zu ziehen… :wink:

Es geht der Bibabutzemann in unserem Kreis herum widebumm…

Immerhin verwendest du den Begriff jetzt im üblichen Sinn (vgl. Demokratie-Lehrbuch von @Ernst , 1. Kapitel), das war schon mal anders. Gut für die Verständigung!

Den ersten Punkt verstehe ich nicht, der zweite ist ja ein offensichtliches Problem. Was ist dazu deine Meinung? Meiner Meinung nach ist das nicht ein Zeichen dafür, dass der Begriff “Demokratie” in sich widersprüchlich ist, sondern dass ihre Idee nicht konsequent genug umgesetzt wird. Und der entscheidenste undemokratische Bereich ist gegenwärtig sicher die Wirtschaft, weshalb ich den Thesen grundsätzlich zustimmen würde, dass die Stärkung eines sozialistischen Wirtschaftens mehr Demokratie bedeuten würde. Wie sehr marktwirtschaftliche Prinzipien demokratischen entgegenlaufen, sieht man ja nicht zuletzt an der Rolle der Medien, die nicht gerade die ist, die man sich im Sinne der Demokratie wünscht.

tja… und der “übliche Sinn” sorgt nämlich für die Missverständnisse… da bleibt eben nur noch unendliche Unterhaltung, aber keine Begriffsklärung… da haben wir das Problem doch wieder gut dargestellt. Das Be-Kannte ist eben nicht das Er-Kannte.

und @Ernst setzt dich auf die Fährte “Herrschaftsform”, wobei es “Legitimationsform” ist und dann wird ein Schuh aus der zweiten Frage:

Weil “Repräsentation” eben nicht “Partizipation” ist.

(da kommen die “Demokratieverteidiger” schon bei der Frage ins Schwitzen, wenn denn “Wählerwille” repräsentiert werden soll, “die Repräsentanten” genau diesem eben nicht verpflichtet sind…)

mmmhhh vielleicht weil “Wirtschaft” eben nicht “Politik” ist?

mmmmhhh weil “Medien” vielleicht nicht “Politik” oder “Wirtschaft” sind…

und schon reden wir wieder vom “Sollen”…

was auch sehr unterhaltsam ist, jeder “Demokratieverteidiger” spricht immer und ausschließlich über seine persönliche (wünschenswerte) Vorstellung von Demokratie, nie über die real existierende…

(und im aktuellen Salon führt Stefan es ja entsprechend aus, dass nicht die Demokratie eine Krise hat, sondern die Demokratietheoretiker…)