Verfehlt LGBTQ+ seine Community? Die Homophobie hinter der Transgenderideologie

Maeve Halligan hielt ihre Rede in Cambridge. Das Thema war: “This House Believes Modern LGBTQ+ Activism Fails Its Community”.

https://www.youtube.com/watch?v=Dvv9YaxLfFU&t=1s

Im Folgenden skizziere ich ihre Argumentation.

Sie vertritt den Standpunkt, dass die LGBTQ+ Community, die eigentlichen Ziele der LGB-Bewegung im Stich gelassen hat. Sie betont, dass die LGB-Bewegung für die Rechte von Lesben, Schwulen und Bisexuellen Menschen zwar viel erreicht hat, doch sie sieht dies durch die Transgenderideologie gefährdet.

Sie betont, dass folgendes nicht kontrovers sein sollte: Sexuelle Orientierung ist definiert danach, ob sich jemand dem anderen (hetero), dem eigenen (schwul, lesbisch) oder beiden (bi) Geschlechtern sexuell hingezogen fühlt. Diese Definition von sexueller Orientierung ist nur möglich, wenn wir zweigeschlechtlich argumentieren: Mann und Frau.

Sobald der Glaube an eine Zweigeschlechtlichkeit aufgegeben wird (und dafür hat LGBTQ+ die letzten zehn Jahre gekämpft) und Geschlecht wandelbar ist, fallen die Bestrebung der LGB-Bewegung auseinander. Ihnen wird schlichtweg die Grundlage genommen, ihre sexuelle Orientierung zu definieren und abzugrenzen. Der besondere Schutz den Lesben, Schwule und Bisexuelle aufgrund dieser sexuellen Orientierung benötigen, wird ohne Zweigeschlechtlichkeit schwieriger durchzusetzen.

Halligan betont aber auch ganz deutlich: Es gibt wichtigere Themen als Geschlecht. Als Beispiel nennt sie, dass in über sechzig Ländern Homosexualität bis heute illegal ist. Eine Einigkeit über die Definition und Anzahl von Geschlechtern und eine objektive Zuordnung sind notwendig, um die eigentlichen Probleme adressieren zu können. Die Frage nach Geschlecht ist nicht das Problem an sich, sondern der Ausgangspunkt, der gegeben sein muss, um wichtigere Probleme bekämpfen zu können.

Sie mahnt das Publikum: Wenn eine Community beginnt Ausstiege zu bauen, fragt wovon sie fliehen.

Sie berichtet von workshops für lesbische Frauen, in denen die Frauen lernen sollten, ihre Abneigung gegenüber männlichen Genitalien zu verlieren. Halligan fragt das Publikum: Welches Wort würdet ihr dafür nutzen? Progressiv?

Anschließend nennt sie Zahlen zu Transgender unter Kindern und Jugendlichen: Sechzig bis achtzig Prozent der Kinder und Jugendlichen, die eine Transgender Identität angenommen haben, hatten vorher eine same sex attraction, sprich: waren schwul oder lesbisch.

Unter Ärzten gab es einen düsteren Witz: „At the rate referrals are going, there will be no gay people left“.

Bevor Pubertätsblocker als etablierte medizinische Behandlung genutzt wurden, zeigten alle Studien, dass der Großteil der geschlechtsdysphorischen Störungen mit Eintritt ins Erwachsenenalter remittiert sind.

Doch in verschiedenen Ländern gibt es Bestrebungen, jegliche Gesundheitsversorgung im Zusammenhang mit einer Transgenderidentität nur noch bestätigend für die Transgenderidentität der Patienten durchführen zu lassen. Ärzte, die an der Identität ihrer Patienten zweifeln, entweder weil sie eine Homosexualität vermuten oder auch einfach nur dem Kind mehr Zeit zum Nachdenken geben wollen, dürften demnach ihre Zweifel nicht äußern.

Zum Ende hin fragt sie noch einmal: Was passiert mit Schwulen und Lesben, wenn das Wort Geschlecht aufhört etwas zu bedeuten?

Sie sagt offen zu ihrem Publikum: „Ich glaube nicht, dass ihr schlechte Menschen seid. Natürlich nicht. Ich glaube, euch wurde eine Geschichte verkauft, eine komfortable Lüge, in welcher progressiv heißt, niemals die dominante institutionelle Linie zu hinterfragen. Und es ist eine Linie, in der Mitgefühl gleichgesetzt wird mit Fügsamkeit. Aber wahres Mitgefühl stellt harte Fragen. Wahres füreinander einstehen, schützt die Menschen, die es behauptet, zu vertreten, auch wenn es unbequem ist.“

Hier haben wir einen guten Fall, um einmal die Faschismusdefinition von Frau Redecker abzuprüfen. Dabei geht es um die Struktur des Textes: eine vermeintliche Überlegenheitsposition, die Verteidigung von Phantombesitz und schließlich eine liquidierende Lösung.

Die implizite Überlegenheitsthese lautet:

Cis ist Trans überlegen.

Cisgeschlechtlichkeit erscheint im Text als ursprünglicher, objektiver, stabiler und gesellschaftlich produktiver Zustand. Sie ermögliche eindeutige Begriffe, sexuelle Orientierung, medizinische Vernunft und den Schutz homosexueller Menschen. Transgeschlechtlichkeit erscheint dagegen als Verwirrung, ideologische Überformung, institutionell erzeugte Fehlentwicklung oder Verlust.

Das zeigt sich besonders bei den trans Jugendlichen. Sie werden nicht als trans und möglicherweise zugleich homosexuell oder bisexuell begriffen. Sie werden als eigentlich lesbische oder schwule Cis-Jugendliche bilanziert, die der Homosexualität verloren gingen. Der Satz, bei dieser Entwicklung werde es irgendwann „keine schwulen Menschen mehr geben“, setzt genau diese Wertung voraus: Die cisgeschlechtliche homosexuelle Person gilt als das eigentliche und erhaltenswerte Subjekt; die trans Person erscheint als dessen Verschwinden.

Die behauptete Objektivität ist dabei asymmetrisch. Zur Prüfung steht stets die Transidentität. Ärztinnen und Ärzte sollen fragen dürfen, ob eine trans Person „in Wirklichkeit“ homosexuell und cis sei. Die umgekehrte Frage, ob eine scheinbar cisgeschlechtliche Identität vielleicht vorschnell vorausgesetzt wurde, kommt nicht vor. Cis muss sich nicht rechtfertigen. Trans steht unter ontologischem Vorbehalt.

Darauf baut der Phantombesitz auf. Als Besitzstände erscheinen hier:

  • die Begriffe „lesbisch“, „schwul“ und „Frau“,

  • die Zweigeschlechterordnung, aus der diese Begriffe angeblich hervorgehen,

  • die Verfügung darüber, welche Menschen diese Bezeichnungen verwenden dürfen,

  • die Deutungshoheit über das „wahre“ Geschlecht und die „eigentliche“ sexuelle Orientierung anderer.

Dieser Besitz ist phantomhaft, weil niemand Lesben oder Schwulen ihre sexuelle Selbstbestimmung nimmt. Keine lesbische Frau muss einen bestimmten Körper oder bestimmte Genitalien begehren. Niemand verliert die Freiheit, einen sexuellen Kontakt abzulehnen. Auch Homophobie verschwindet nicht als erkennbare Diskriminierung, nur weil die Ränder geschlechtlicher Kategorien umstritten sind.

Als Verlust erlebt wird vielmehr der Wegfall exklusiver Definitionsmacht. Andere Menschen dürfen sich als Frauen, Lesben oder Schwule verstehen, ohne sich vollständig der cisgeschlechtlichen Ontologie zu unterwerfen. Diese Anerkennung erscheint als Enteignung: Transpersonen nähmen homosexuellen Menschen ihre Begriffe, ihre Grenzen und schließlich ihre Existenzgrundlage.

An dieser Stelle kommt die Liquidation hinzu. Der behauptete Konflikt lässt sich innerhalb dieser Logik nur lösen, indem das störende Element verschwindet. Gemeint ist hier nicht notwendig die körperliche Tötung von Transmenschen. Verschwinden soll Transgeschlechtlichkeit als legitime Existenzweise.

Aus dem trans Jungen soll wieder die „eigentlich lesbische“ Jugendliche werden. Aus der Transfrau wird erneut der „biologische Mann“. Transidentität soll verhindert, abgewartet, medizinisch angezweifelt oder gesellschaftlich aberkannt werden. Die Person darf körperlich fortbestehen, sofern sie sich wieder in die von außen bestimmte Ordnung einfügt.

Das ist eine liquidierende Logik: Die als Bedrohung des Phantombesitzes markierte Existenzweise soll aus der anerkannten gesellschaftlichen Wirklichkeit entfernt werden. Der vermeintliche Besitz an den Kategorien „Frau“, „lesbisch“ und „schwul“ soll wiederhergestellt werden, indem diejenigen, die seine Grenzen infrage stellen, zurückdefiniert werden.

Die drei Bestandteile greifen damit sauber ineinander:

  1. Überlegenheit: Cis gilt als wahrer, natürlicher und erhaltenswerter als Trans.

  2. Phantombesitz: Die cisgeschlechtliche Ordnung und ihre Kategorien werden als exklusiver Besitz verteidigt.

  3. Liquidation: Transgeschlechtlichkeit soll als anerkannte Möglichkeit verschwinden, damit der imaginierte Besitzstand wieder vollständig erscheint.

Bemerkenswert ist, wie gut Redeckers Faschismusbegriff hier operationalisierbar ist. Man muss weder Gedanken lesen noch auf historische Symbolik zurückgreifen. Man kann am Text prüfen: Wird eine überlegene Identität konstruiert? Wird ein Verlust als Enteignung eines imaginären Besitzstandes erzählt? Wird eine Gruppe oder Existenzweise als Ursache dieses Verlustes markiert? Und wird die Wiederherstellung der Ordnung davon abhängig gemacht, dass diese Störung verschwindet?

An diesem Fall liefert das Modell eine erstaunlich präzise Beschreibung der Argumentationsbewegung. Der Text spricht vordergründig über den Schutz homosexueller Menschen. Seine innere Logik handelt von der Wiederherstellung cisgeschlechtlicher Verfügungsgewalt.

2 „Gefällt mir“

Schon das ist fraglich. Es sollte nicht kontrovers sein, warum?
Wer ist außerdem auserwählter der sexuelle Orientierung definiert?
Ist die Gefühlsebene einzelner Menschen jetzt von außen zu definieren?

Um die Prämisse zu setzen?

Wir drehen das mal um.

Ich bestimme ab heute 16:55 dass die Menschen gar keine Geschlechter mehr haben, denn die Diskussion ist mir zu kompliziert.

3 „Gefällt mir“

Überlegenheit: Zweigeschlechtlichkeit ist eine biologische Tatsache.

Phantombesitz: Die Zweigeschlechtlichkeit wird als universell menschlich verteidigt.

Liquidation: Das rechtliche Geschlecht muss einer wissenschaftlichen Tatsache zugrunde liegen, um alle Interessen von Transsexuellen, Schwulen, Lesben und anderen Gruppen, die sich durch ihr Geschlecht definieren, rechtlich sauber durchsetzen zu können. Rechtsunsicherheit muss verhindert werden. Das Ziel ist Klarheit aller beteiligten, da alle durch das Geschlecht definierten Gruppen unterschiedlichen Schutz bedürfen.

Wer sagt das?

Für mich haben alle Schutzbedürftigen generell einen Anspruch auf Schutz.

Wo ziehst du die Grenze?

2 „Gefällt mir“

Das ist weniger eine Widerlegung als eine Bestätigung der beschriebenen Struktur.

Die Überlegenheitsthese besteht nicht in der bloßen Behauptung biologischer Zweigeschlechtlichkeit, sondern darin, dass die cisgeschlechtliche Fremdzuordnung als wahrer und rechtlich maßgeblicher gelten soll als das Selbstverständnis einer trans Person. Eine normative Hierarchie wird dabei als wissenschaftliche Tatsache präsentiert.

Auch der Phantombesitz wird praktisch eingeräumt: Verteidigt wird nicht eine biologische Tatsache – Tatsachen kann niemand wegnehmen –, sondern der Anspruch, eine bestimmte Zweigeschlechterordnung müsse universell über jeden Menschen verfügen und rechtlich alle anderen Beschreibungen überstimmen. Der vermeintliche Verlust besteht im Ende dieser exklusiven Definitionsmacht.

Und die Liquidation wird lediglich in Verwaltungssprache übersetzt. Wenn das rechtliche Geschlecht zwingend der von außen bestimmten biologischen Zuordnung folgen soll, verschwindet Transgeschlechtlichkeit als rechtlich anerkannte Existenzweise. Die Menschen dürfen bleiben, aber ihr Geschlecht soll vor dem Recht nicht mehr existieren. Genau das war mit rechtlicher und sozialer Liquidation gemeint.

„Klarheit“ ist dabei kein neutraler Zustand. Sie entsteht dadurch, dass eine Seite die Definitionsgewalt erhält und die andere rechtlich zurückdefiniert wird. Cis bleibt selbstverständlich; Trans wird zum Irrtum, den der Staat korrigiert.

Damit stehen die drei Elemente weiterhin nebeneinander: eine als Wissenschaft ausgegebene Überlegenheitsposition, der universelle Verfügungsanspruch über die Geschlechtsordnung und die Beseitigung von Transgeschlechtlichkeit als rechtlich legitimer Möglichkeit. Die Antwort benennt diese Struktur nur mit freundlicheren Begriffen.

3 „Gefällt mir“

@TurtleTerf Hast du schon mal über einen eigenen Podcast nachgedacht? Mit deiner raffinierten Methode zwischen Titel und Inhalt streng zu trennen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. … Mit deinen heißen Themen, die in Deutschland noch niemand groß raus gebracht hat. … Sack doch den Ruhm und das Geld einfach selbst ein.:tada:

4 „Gefällt mir“

Weiß man, wer Maeve Halligan bezahlt? Und wenn nein, was verheimlicht sie uns?

2 „Gefällt mir“