Verfehlt LGBTQ+ seine Community? Die Homophobie hinter der Transgenderideologie

Hier haben wir einen guten Fall, um einmal die Faschismusdefinition von Frau Redecker abzuprüfen. Dabei geht es um die Struktur des Textes: eine vermeintliche Überlegenheitsposition, die Verteidigung von Phantombesitz und schließlich eine liquidierende Lösung.

Die implizite Überlegenheitsthese lautet:

Cis ist Trans überlegen.

Cisgeschlechtlichkeit erscheint im Text als ursprünglicher, objektiver, stabiler und gesellschaftlich produktiver Zustand. Sie ermögliche eindeutige Begriffe, sexuelle Orientierung, medizinische Vernunft und den Schutz homosexueller Menschen. Transgeschlechtlichkeit erscheint dagegen als Verwirrung, ideologische Überformung, institutionell erzeugte Fehlentwicklung oder Verlust.

Das zeigt sich besonders bei den trans Jugendlichen. Sie werden nicht als trans und möglicherweise zugleich homosexuell oder bisexuell begriffen. Sie werden als eigentlich lesbische oder schwule Cis-Jugendliche bilanziert, die der Homosexualität verloren gingen. Der Satz, bei dieser Entwicklung werde es irgendwann „keine schwulen Menschen mehr geben“, setzt genau diese Wertung voraus: Die cisgeschlechtliche homosexuelle Person gilt als das eigentliche und erhaltenswerte Subjekt; die trans Person erscheint als dessen Verschwinden.

Die behauptete Objektivität ist dabei asymmetrisch. Zur Prüfung steht stets die Transidentität. Ärztinnen und Ärzte sollen fragen dürfen, ob eine trans Person „in Wirklichkeit“ homosexuell und cis sei. Die umgekehrte Frage, ob eine scheinbar cisgeschlechtliche Identität vielleicht vorschnell vorausgesetzt wurde, kommt nicht vor. Cis muss sich nicht rechtfertigen. Trans steht unter ontologischem Vorbehalt.

Darauf baut der Phantombesitz auf. Als Besitzstände erscheinen hier:

  • die Begriffe „lesbisch“, „schwul“ und „Frau“,

  • die Zweigeschlechterordnung, aus der diese Begriffe angeblich hervorgehen,

  • die Verfügung darüber, welche Menschen diese Bezeichnungen verwenden dürfen,

  • die Deutungshoheit über das „wahre“ Geschlecht und die „eigentliche“ sexuelle Orientierung anderer.

Dieser Besitz ist phantomhaft, weil niemand Lesben oder Schwulen ihre sexuelle Selbstbestimmung nimmt. Keine lesbische Frau muss einen bestimmten Körper oder bestimmte Genitalien begehren. Niemand verliert die Freiheit, einen sexuellen Kontakt abzulehnen. Auch Homophobie verschwindet nicht als erkennbare Diskriminierung, nur weil die Ränder geschlechtlicher Kategorien umstritten sind.

Als Verlust erlebt wird vielmehr der Wegfall exklusiver Definitionsmacht. Andere Menschen dürfen sich als Frauen, Lesben oder Schwule verstehen, ohne sich vollständig der cisgeschlechtlichen Ontologie zu unterwerfen. Diese Anerkennung erscheint als Enteignung: Transpersonen nähmen homosexuellen Menschen ihre Begriffe, ihre Grenzen und schließlich ihre Existenzgrundlage.

An dieser Stelle kommt die Liquidation hinzu. Der behauptete Konflikt lässt sich innerhalb dieser Logik nur lösen, indem das störende Element verschwindet. Gemeint ist hier nicht notwendig die körperliche Tötung von Transmenschen. Verschwinden soll Transgeschlechtlichkeit als legitime Existenzweise.

Aus dem trans Jungen soll wieder die „eigentlich lesbische“ Jugendliche werden. Aus der Transfrau wird erneut der „biologische Mann“. Transidentität soll verhindert, abgewartet, medizinisch angezweifelt oder gesellschaftlich aberkannt werden. Die Person darf körperlich fortbestehen, sofern sie sich wieder in die von außen bestimmte Ordnung einfügt.

Das ist eine liquidierende Logik: Die als Bedrohung des Phantombesitzes markierte Existenzweise soll aus der anerkannten gesellschaftlichen Wirklichkeit entfernt werden. Der vermeintliche Besitz an den Kategorien „Frau“, „lesbisch“ und „schwul“ soll wiederhergestellt werden, indem diejenigen, die seine Grenzen infrage stellen, zurückdefiniert werden.

Die drei Bestandteile greifen damit sauber ineinander:

  1. Überlegenheit: Cis gilt als wahrer, natürlicher und erhaltenswerter als Trans.

  2. Phantombesitz: Die cisgeschlechtliche Ordnung und ihre Kategorien werden als exklusiver Besitz verteidigt.

  3. Liquidation: Transgeschlechtlichkeit soll als anerkannte Möglichkeit verschwinden, damit der imaginierte Besitzstand wieder vollständig erscheint.

Bemerkenswert ist, wie gut Redeckers Faschismusbegriff hier operationalisierbar ist. Man muss weder Gedanken lesen noch auf historische Symbolik zurückgreifen. Man kann am Text prüfen: Wird eine überlegene Identität konstruiert? Wird ein Verlust als Enteignung eines imaginären Besitzstandes erzählt? Wird eine Gruppe oder Existenzweise als Ursache dieses Verlustes markiert? Und wird die Wiederherstellung der Ordnung davon abhängig gemacht, dass diese Störung verschwindet?

An diesem Fall liefert das Modell eine erstaunlich präzise Beschreibung der Argumentationsbewegung. Der Text spricht vordergründig über den Schutz homosexueller Menschen. Seine innere Logik handelt von der Wiederherstellung cisgeschlechtlicher Verfügungsgewalt.

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