Wer finanziert wen? Über eine rhetorische Strohpuppe im Geschlechterstreit

Stimmt. Was jemand meiner Meinung nach zum Faschisten macht, habe ich ja bereits ausgeführt.

Weit mehr als Stilkritik würde mich Inhaltliches interessieren. Ich weiß aus früheren Diskussionen dass Du das auch gut kannst.

Oh, ich bin sicher, dass du meine Kritik am verkürzten und von dir weiter eingedampften Faschismusbegriff Redeckers längst zur Kenntnis genommen hast. Und ehrlich gesagt warte ich seit gestern gespannt auf eine Replik.

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Nur noch der Vollständigkeit halber:

Das stimmt so nicht.

„Euch Faschos“, direkt unter Turtles Beitrag. Wer da adressiert wird, ist ganz eindeutig.


Und jetzt bin ich erstmal raus aus dem Thema. Höre zur Beruhigung ein bisschen Life of Agony, Keith Caputo. Oder Mina, je nachdem welche Platte. Wen juckt‘s.

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  1. würd ich da genauer sein und sagen: nach der Defintion von Eva von Redecker steckt ins uns was Faschistisches oder lässt uns sowas dulden. Diese Beobachtung auf dem Pferdemarkt, der anscheinend auch seine eigenen Regeln hat, dass sowas verkauft werden kann wie ein Schild mit dem Slogan “Plünderer werden erschossen” und das als total normal gelten kann, sowas zu haben, dockt da an. Ich find das hat auch ein wenig was, wie wenn Charles Dickens eine ganz normale Kaffeeküche beschreibt und dann von innen den Schriftzug vorliest “MOOR EEFFOC”. Da ist aufeinmal was Grausames und Fremdes mitten im Alltag enthalten, ist Teil der Kultur und muss erklärt werden, bzw. hier wäre es dann umgedreht.
  2. einfach die intellektuelle Neugier sollte ausreichend genug sein, zu fragen, ob dieselben Baumaterialien für das, was Leute heute Faschistisch nennen, nicht auch bei einen selbst vorhanden sind. Genauso haben Linke ja auch Zerstörungslust und wollen Systeme stürzen usw. und sollte auch mit zuerst reflektiert werden bevor man den Faschismusbegriff herumwirft.
  3. diese Feststellung enttabusiert den Begriff auch etwas und lässt einen besser darüber reden, wenn man selbst meint, man sei davon betroffen als dass man es in eine Zeit von vor 1945 verbannt. Es ist ja nicht als Anklage gemeint, sondern als Beschreibung. Und es wäre auch nicht die erste Theorie, die sowas annimmt übrigens.
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An der Stelle ist sie ja tatsächlich an einem interessanten Punkt angekommen (den m.W.n. nur Schniederjann in seiner Rezension aufmacht), es wird aber nicht konsequent zu Ende gedacht: Die Demokratie als Vorstufe zum Faschismus, die viele Dinge teilen (Nationalismus, Patriotismus, Nützlichkeit von Menschen, Staatenkonkurrenz) und sich höchstens gegen “Unappetitlichkeiten” stellen (Ausländer an der eigenen Grenze erschießen ist pfui, “im Mittelmeer ersaufen lassen” reicht aber immer noch für einen Zeit-Debattenbeitrag (Wird man ja noch diskutieren dürfen!).

Die Militarisierung der gesamten Gesellschaft (begründet mit “dem Ivan”, oder dem Ork) und der Wunsch nach der “stärksten Armee in Europa” sind völlig kompatibel mit linksliberalen Verfassungspatrioten die gegen AfD demonstrieren. Da kommt dann höchstens noch der Vorwurf an die AfD, dass sie “in Echt” ja nicht national genug seien, da sie mit ihrem Programm ja der Nation “in Echt” schaden würden…

Wenn man sich mal Interviews mit AfD-Vertretern anguckt, sieht man die Hilflosigkeit des Journalismus, denn irgendwie gibt es da im Vergleich zu anderen Politikern keine echten Anhaltspunkte, an denen man ansetzen könnte… da wird erst ignoriert und dann direkt normalisiert… Brandmauer? Nur eine Frage der Zeit…

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ja und das ist genau diese freudomarxistische Dummheit. “Es steckt in uns”, ist dieser peinliche psychische Verschiebebahnhof… wir haben gar kein strukturelles Problem, es liegt daran , dass deine Mutter dich nicht lange genug gestillt hat und du von deinem Vater geliebt werden willst…

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das ist mir zu flach zusammengefasst und bestimmt ist das auch nicht so als ein Ausspielen des Strukturellen mit dem Individuellen gemeint. Ich mein, sie wechseln ja nicht das Konfliktfeld.

Check ich nicht. Wenn wir alle dazu imstande sind, ist das doch gerade ein Argument gegen die Individualisierung des Problems.

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Wenn “es” in uns steckt. Dann sind “wir” das Problem. Deinen Patriotismus, deinen Nationalismus, deine Nützlichkeitsbewertung von Ausländern, das alles hast Du selbst aus irgendeiner psychischen Marotte heraus entwickelt, es ist gar nicht Folge unserer Gesellschaft?

Das wäre dann das lustige Argument, dass diese Form der Demokratie die ja genau immer zuverlässig den Faschismus (oder die Faschisierung) hervorbringt das einzige ist, was uns gegen den Faschismus schützen kann, weil wir ja fehlbar sind (weil “es” in uns steckt).

Da ist Redecker wirklich mal schlauer, weil sie die Hervorbringung mal thematisiert…

wo liest du das raus? bzw. denkst du die Frankfurter Schule hat das nicht gesellschaftlich gemeint oder so?

da haben die sich dann schon von den Freudomarxisten unterschieden, aber den Punkt des Faschismus haben sie trotzdem nicht geklärt…

Das wäre dann das lustige Argument, dass diese Form der Demokratie die ja genau immer zuverlässig den Faschismus (oder die Faschisierung) hervorbringt das einzige ist, was uns gegen den Faschismus schützen kann

Nee, dann hätte ich das ja geschrieben?

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Noch kurz dazu:

Ich habe gestern den Emma-Text, der angeblich Schwarzers „Faszination für den Faschismus“ dokumentieren soll, überflogen und war überrascht: Was ich fand war journalistisches Interesse an der Person Riefenstahl, durchaus auch Faszination für ihre Arbeit. Und einen typischen Schwarzer-Take: Sie vertritt die These, dass Riefenstahl im Vergleich zu männlichen Zeitgenossen mit ähnlicher NS-Verstrickung (sie nennt Walter Ruttmann, Gustav Gründgens, Ernst Jünger) unverhältnismäßig hart verurteilt wurde – eine Art “Hexenjagd”, die auch mit Sexismus zu tun habe. Was ich dem Text nicht entnehmen konnte war eine „Faszination für Faschismus“.

Nochmaliges Lesen hat den Eindruck bestätigt. Kurze Recherche ergab, dass der Text tatsächlich kontrovers diskutiert wurde, aber nicht aus dem von dir unterstellten Grund.

Claudis Recherche: Claude

Ich vermute, dass du den völlig überzogenen „Faszination für Faschismus“-Vorwurf zur Diffamierung Schwarzers aus einer solchen Community übernommen hast. =>

Falls wir an der These „ein bisschen fascho sind wir alle“ festhalten wollen, dann würde ich sie ergänzen um die Feststellung, dass abgeschottete Informations-Blasen („Communitys“) diese Tendenz fördern.

Weniger dramatisch: Die völlig überzogene Schwarzer-Kritik via „Faszination für Faschismus“ ist ein typisches Beispiel für die im Thread-Titel angesprochene Strohpuppen-Rhetorik.

Ich kann dir dazu folgenden Text empfehlen:

Wozu genau?

Ich glaube, @Lymi hatte das schon verlinkt.

Um die Aufregung über Alice Schwarzer einzuordnen.

Einfach nur als andere Perspektive

Ich kann der These, Faschismus kleinteilig zu verstehen, durchaus was abgewinnen. Mit so einem Baukasten läßt sich jedenfalls viel besser auf mehreren Ebenen gleichzeitig analysieren, was ja auch Sinn macht, da das Verstehen ja meist eine Vielzahl von Feldern betrifft.

Hast Du Dir schon mal Eddington angeschaut? Das wäre z.B. ein Ausschnitt im Unterhaltungsbereich, zwar überzeichnet, aber als Puzzleteil sehr interessant.

Haste mal nen Link? Längere Fahrt steht bevor, brauche Futter…

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Ich verrate dir gerne, woher ich meine völlig überzogenen Vorwürfe habe, aber nur, wenn du mir dafür deinen Quiz-Score verrätst.

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