Wer finanziert wen? Über eine rhetorische Strohpuppe im Geschlechterstreit

Ausgangspunkt ist eine simple Frage: Wird die sogenannte TERF-Bewegung eigentlich aus zweiter Hand gefördert? Die Recherche dazu hat mich weniger über Geldflüsse gelehrt als über die Funktionsweise des Arguments selbst.

Was belegbar ist

Es gibt dokumentierte Fälle. Die US-Gruppe Women’s Liberation Front erhielt Mittel von der christlich-rechten Alliance Defending Freedom – durchgesickerte E-Mails belegten 15.000 Dollar für eine Klage gegen Title-IX-Richtlinien, GLAAD beziffert die Gesamtsumme auf 65.000. Dazu kommen gemeinsame Auftritte, etwa ein Panel der Heritage Foundation 2019 unter dem bezeichnenden Titel „Concerns From the Left". In Großbritannien wurde bekannt, dass die LGB Alliance ein Büro in der Tufton Street 55 mietete, dem Gebäude, in dem auch das Institute for Economic Affairs und die TaxPayers’ Alliance sitzen.

Auf der Makroebene identifizierte der EPF-Bericht „Tip of the Iceberg" 707 Millionen Dollar an Anti-Gender-Finanzierung in Europa zwischen 2009 und 2018; der Folgebericht nennt 1,18 Milliarden für 2019 bis 2023.

Nur: Diese Zahlen betreffen das breite religiös-konservative Milieu, nicht speziell den feministisch argumentierenden Flügel. Und nur rund zwölf Prozent stammten aus den USA, zwei Drittel aus Europa selbst. Punktuelle Kooperation ist nicht dasselbe wie Steuerung.

Das Spiegelbild

Bemerkenswert wird es, wenn man die Gegenrichtung betrachtet. Dort ist „follow the money" ein essenzielles zentrales Argumentationsmuster und Kernmethode. Die Journalistin Jennifer Bilek hat daraus ein vollständiges Erklärungsmodell gebaut: Sehr reiche Männer – Jennifer Pritzker, Jon Stryker, George Soros – finanzierten die Trans-Bewegung, wobei Stryker Erbe eines Medizinproduktekonzerns ist und Pritzkers Stiftung neben Advocacy-Organisationen auch medizintechnische Investitionen hält. Der Vorwurf lautet explizit Astroturfing: Wo Millionen eingesetzt werden, um eine Bewegung „wachsen zu lassen", sei nichts organisch gewachsen.

Strukturell ist das exakt dasselbe Manöver. Beide Seiten sprechen der jeweils anderen die Authentizität ab, indem sie auf die Kasse zeigen. Nur die Richtung des Pfeils dreht sich.

Und in beiden Fällen liegt der Streitpunkt nicht bei den Zahlen. Die Arcus-Förderlisten sind öffentlich, die ADF-Steuererklärungen ebenso. Umstritten ist die Kausalinterpretation: Beweist gemeinsames Geld gemeinsame Steuerung? Beweist eine Zuwendung, dass die Überzeugung gekauft ist? Es bleibt anzumerken, dass die Variante mit den „reichen Männern im Hintergrund" in ihren zugespitzten Formen bedenklich nah an antisemitische Verschwörungsmuster gerät.

Zum Etikett

Ähnlich doppelbödig verhält es sich mit dem Begriff selbst. „TERF" ist eine Fremdzuschreibung, gegen die kampagnenförmig vorgegangen wird – es existiert eine eigene Website zur These, es handle sich um eine Beleidigung, und Eingaben etwa an die Library of Congress. Gleichzeitig wird das Wort angeeignet: „TERF Island" als selbstironischer Name für Großbritannien, „TERVen" als Wortspiel mit dem Hexen-Coven, Jane Clare Jones’ Buchtitel „The Annals of the Terf Wars". Eine Aktivistin formuliert die Spannung offen: Sie sei dem Wort durchaus zugetan, viele eigneten es sich an, andere meinten es klar herabsetzend.

Ein dritter Flügel lehnt jede gegnerische Vokabel ab. Kara Dansky argumentiert, wer die Sprache kontrolliere, kontrolliere das Denken.

Funktional ist die Doppelstrategie durchaus effizient: Als Beleidigung erlaubt der Begriff eine Opferposition, als Selbstbezeichnung stiftet er Trotz und Gruppenkohäsion. Beides lässt sich je nach Adressat einsetzen.

Was bleibt

Wer wissen will, ob eine Bewegung „von außen gefördert" wird, sollte damit rechnen, dieselbe Frage postwendend zurückzubekommen. Das entwertet sie nicht – Transparenz über Geldflüsse ist legitim und in beiden Richtungen aufschlussreich. Aber sie taugt schlecht als Abkürzung. Wer hofft, die Finanzierungsfrage erspare ihm die inhaltliche Auseinandersetzung, wird enttäuscht: Am Ende steht man vor zwei Zahlenkolonnen und muss trotzdem selbst darüber nachdenken, welche Aussagekraft sie tatsächlich haben. Ob man diese Herausforderung bewältigen kann, hängt alles in allem vom individuellen Grad kognitiver Beschränktheit ab.

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Erst widerspricht das Mündel, jetzt bezahlt ihm jemand auch noch den Anwalt!

Das scheint mir die eigentliche Pointe hinter einem großen Teil dieses Finanzierungsraunens zu sein. Jede dauerhaft organisierte politische Tätigkeit braucht Geld: Personal, Räume, Rechtsbeistand, Forschung, Veranstaltungen, Medienarbeit. Bei Parteien, Kirchen, Vereinen, Wirtschaftsverbänden und Thinktanks gilt das als vollkommen selbstverständlich. Bei einer missliebigen Minderheit soll bereits die Existenz solcher Mittel beweisen, dass an ihrer Bewegung etwas künstlich oder verdächtig sei.

Dein Kernpunkt überzeugt deshalb: Die bloße Feststellung einer Finanzierung erklärt zunächst sehr wenig. Öffentlich einsehbare Förderlisten machen eine Organisation eher durchschaubarer. Aus „Diese Stiftung bezahlt dieses Projekt“ folgen weder Fremdsteuerung noch gekaufte Überzeugungen und schon gar keine inhaltliche Widerlegung.

Geld kann selbstverständlich Einfluss entfalten, auch ohne Kommandozentrale. Förderer wählen Akteure aus, deren Ziele sie teilen; sie ermöglichen Stellen, Kampagnen, Prozesse und Reichweite. Dadurch erhalten manche vorhandenen Positionen mehr gesellschaftliche Wirksamkeit als andere. Genau deshalb lohnt sich Finanzierungsrecherche. Sie müsste dann allerdings konkret zeigen, was das Geld ermöglicht, welche Abhängigkeiten entstehen und worin das Problem liegen soll. „Guck mal, die haben Geld!“ ist noch keine Machtanalyse.

Mit Eva von Redecker lässt sich dem Ganzen noch eine weitere Dimension abgewinnen. Der Phantombesitz betrifft offenbar nicht allein die vermeintliche Verfügung darüber, wie andere Menschen zu benennen und einzuordnen sind. Zu diesem Besitzstand gehört auch ihre vorgesehene Ohnmacht. Sie sollen vereinzelt, abhängig und politisch folgenlos bleiben. Sobald sie eigene Organisationen, Anwälte, Öffentlichkeit und institutionelle Dauer gewinnen, entziehen sie sich dieser Verfügung.

Die unausgesprochene Empörung lautet dann:

Wer erlaubt diesen Menschen, unabhängig von unserer Anerkennung und unseren Ressourcen zu handeln?
Wer gibt unserem Phantombesitz eigene Mittel?

Das erklärt die merkwürdige Asymmetrie. Geld ist überall normal. Zum Skandal wird es dort, wo es einer Gruppe materielle Eigenständigkeit verschafft, der man offenbar keine zugestehen möchte. Ihre Finanzierung wird als illegitime Bereicherung erlebt, weil ihre bisherige Machtlosigkeit bereits zum eigenen Besitzstand gerechnet wurde.

Insofern erfüllt die Finanzierungsfrage tatsächlich häufig die Funktion einer Nebelkerze. Sie erspart die naheliegende Anschlussfrage:

Warum genau wäre es eigentlich problematisch, wenn Transmenschen und ihre Verbündeten Geld erhalten, um sich zu organisieren, ihre Rechte einzuklagen und öffentlich für ihre Überzeugungen einzutreten?

Solange darauf keine Antwort kommt, bleibt vom vermeintlichen Skandal nur die entrüstete Feststellung übrig, dass eine Minderheit nicht mehr so arm, abhängig und leicht zu ignorieren ist, wie man sie gerne hätte.

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Es wäre problematisch, weil die rechtliche Kategorie des Geschlechts für eine Vielzahl an marginalisierten Gruppen relevant ist. Siehe gerne das Thema zur Homophobie der Transagenda.

Problematisch ist wohl eher dass es euch Faschos nicht gelingt, die LGBTQ Community zu spalten und ihr euch langsam immer verzweifelteren Quatsch ausdenken müsst um irgendwas zu erreichen.

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Darf man Menschen einfach Fascho nennen in diesem Forum @Stefan ?

Faschos darf man immer so nennen.

Es handelt sich ja um eine sachliche Feststellung, keine Schmähkritik.

Warum hast Du das Gefühl dazu zu gehören?

Denkst Du, dass Du hier wen liquidieren musst um Deinen Phantombesitz zu verteidigen?

Deine bisherigen Beiträge würden das nahe liegen.

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Finde es komisch. Bislang immer Grün oder Links gewählt. Glaube, du hast mir gezeigt, dass sich was ändern muss. Danke!!

Behaupten kann man ja viel.

Gibt es in dem Land wo Du lebst überhaupt Wahlen?

Gibts bei dir ein Lexikon und du kannst Faschismus mal nachschlagen? Ich würde die Füße flach halten, sonst sind die Screenshots gleich bei der online Polizeiwache hochgeladen.

Oha. Da hat aber jemand Angst bekommen.

Pro Tip: einen anonymen Poster kann man gar nicht beleidigen mangels Ehrverlust.

Und die Polizei macht gar nichts bloß weil jemand anonym einen rechtlich nicht zu beanstandenden Screenshot hochlädt.

Also spul Dich wieder runter und fass mal Gras an.

Die große Pause ist gleich eh zu Ende.

Ich beziehe mich immer auf die Faschismusdefinition von Redeckers wie man ja bereits lesen konnte.

die ist hier nachzulesen:

https://www.amazon.de/dp/3103977247

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Ah okay, mist, zum einen stimmt deine Behauptung nicht, auch anonyme Menschen dürfen nicht einfach beleidigt werden.

Aber ich will an diesem Punkt einfach mal deeskalieren.

Ich bitte dich, noch mal in dich zu gehen, inwiefern es in der derzeitigen politischen Lage angebracht ist oder eben nicht, jemand anderen als Fascho zu bezeichnen.

Leider endet unsere Beziehung (so kurz nach Ernst schon wieder :‘( ) hier.

Ich wünsche dir wirklich alles Gute und hoffe, du überlegst beim nächsten mal noch mal, wie okay es ist, jemanden Fascho zu nennen. (Jemand von dem du nicht den Namen, den familiären, finanziellen, gesundheitlichen… Hintergrund kennst.)

Ja, manche Leute müssen sich nicht hinter einem Pseudonym verstecken.

Und wenn es quakt wie eine Ente und watschelt wie eine Ente, dann darf man es auch als Ente bezeichnen.

Sorry, wenn ich aus deinen Überlegenheitsphantasien die Luft rausgelassen habe.

Achtung: das Verbreiten persönlicher Daten (dazu gehört zb auch Arbeitgeber) kann unter Doxing fallen und ist strafbar.

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Jetzt plaudere das doch nicht aus! :shushing_face::rofl:

Es sollte doch eine Überraschung werden!

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Zum Doxing gehört strafrechtlich noch mehr.

Davon abgesehen, habe ich entsprechenden Beitrag erweitert.

Du hast mein Mitgefühl:

Auf X läuft Euch das Publikum weg.

Auf Bluesky habt ihr gegen Nuclear Blocks keine Chancen.

Und hier will eigentlich auch keiner was vom Pferd hören.

Das gibt Ärger mit dem Schichtleiter vom FSB!

George Soros, der große Menschenfreund! Lässt keine Gelegenheit aus, Gutes zu tun! :sweat_smile: :rofl: :upside_down_face:

Scherz beiseite. Nur weil jemand einen gesellschaftlichen Trend nicht gutheißt, macht ihn (oder sie) das noch lange nicht zum Fascho.

Der Fascho-Vorwurf ist an dieser Stelle absolut lächerlich. Meine Kritik an der “Trinität” entstand, bevor ich das hier entdeckt habe - aber ich sehe, dass sie ebenso berechtigt wie notwendig ist.

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Turtleterf ordnet sich allein via Username einer politischen Bewegung zu, deren Nähe zu rechtsradikalen Akteuren gut dokumentiert ist, sowohl weltweit als auch in Deutschland. Im vermutlich prominentesten deutschen Fall, Alice Schwarzer, ist die dokumentierte Faszination für Faschismus sogar deutlich älter als ihre Kampagne gegen trans Menschen.

Ich hatte mich eigentlich gefreut, dass Stefan in die Redecker-Besprechung direkt mit der Feststellung einstieg, dass eine Konsequenz ihres Faschismusbegriffs ist, dass wir alle manchmal Faschos sind. Fänd ich schade, wenn der Teil jetzt schon wieder vergessen würde.

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Ich sach’ ja, alles Faschos außer Mutti. Und Eva.

Nein, ernsthaft jetzt: Warum hat dich das gefreut? Was bringt es dir zu wissen, dass in Stefan, dir und mir ein kleiner Fascho steckt? Und wieso “manchmal”? Wann genau?

Kann ich gerne nochmal entfalten, aber bevor ich mir die Mühe mache, würde ich dich bitten, dir meinen Aufsatz über mein schönstes Ferienerlebnis nochmal zu Gemüte zu führen. Kann sein, dass du dann schon weißt, worauf ich hinaus will.

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