Wer finanziert wen? Über eine rhetorische Strohpuppe im Geschlechterstreit

Guter Punkt zur Trennung. Ich meine beides zusammen: das Pendel (Trump/Mamdani) lässt sich strategisch denken, das ist dein Feld beim Gegenmacht-Thread. Was danach passiert, wenn die Konzepte greifen und Hoffnung auf reale Macht trifft, bleibt davon unbeeinflusst.

Deshalb halte ich das für keine Erweiterung des Threads, sondern für einen eigenen Bereich – der zwar strategisch mitgedacht werden kann (welche Bedingungen mobilisieren), dessen Dynamik danach aber nicht mehr strategisch steuerbar ist.

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aber dann wird es schwierig.

Du suchst assoziativ neue Begriffe und es wird nur undeutlicher.

“Kultivierung” statt Erziehung oder Sozialisation.

Die Nazis haben also nicht erzogen, sondern “verführt”? Die Guten müssen aber gar nicht verführen, weil ihr Erziehungsziel ist ja gut…

Du fragst nach (m)einer Definition? “Erziehung ist Anpassung an die Umstände unter Richtigkeitserklärungen”, damit hast Du alles von Pestalozzi (übrigens ganz spannend sich mal Pestalozzi und seine Begründungen “in Echt” anzugucken und nicht nur über das zu reden, was man für Pestalozzi hält, ich wette es gibt einen Unterschied…) bis Hitler abgedeckt.

Was helfen da die wilden Assoziationsketten? Nimm Dir die Rede von Kermani dazu, er versucht eigentlich Dein Problem zu lösen:

  • Der Bundeswehrsoldat ist besser als der Wehrmachtsoldat.
  • Der Bundeswehrsoldat ist gut erzogen.
  • Der Bundeswehrsoldat kämpft für die richtigen Ziele.
  • (Der Wehrmachtssoldat war eigentlich auch gut erzogen. Die Wehrmacht war ja recht erfolgreich.)
  • Der Wehrmachtssoldat kämpfte aber für die falschen Ziele.
  • Das Problem ist nur, dass der Wehrmachtssoldat seine Ziele für richtige hielt.
  • Aber der Bundeswehrsoldat soll jetzt seine Ziele für die richtigen halten.
  • Eine weitere Qualität (die Kermani aber nicht garantieren kann) des Bundeswehrsoldaten sei, dass er beim Töten für die richtigen Ziele aber auch richtig fühlt.

Diese hartnäckige Suche nach Gefühlen ist Zeitverschwendung und wir können in das Lachen der Volkskammer einstimmen, wenn Erich Mielke stammelt "Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setze mich doch dafür ein.

Dieser Wunsch Fühlen, Denken und Handeln passgenau übereinander zu bekommen ist aussichtslos und selbst wenn man es könnte: Was wäre der Gewinn? Man kann sich endlich endlich “das Böse” erklären? Weil man ja selber “der Gute” ist?

Ok, das wünscht sich nur keiner. Also ich jedenfalls nicht.
Man kommt aber um diese blöde Fühlerei nicht Drumherum.
Genau aus diesem Grund gibt’s das ja alles. Mielke, Hitler, Trump, Merz…

Aber auch Mamdani.

naja, das passt halt “gefühlsmäßig” wie konnte Hitler nur Zustimmung bekommen?

Weil die Menschen verführt wurden!

Wie konnten Menschen nur so böse sein?

Weil sie nicht mehr gedacht, sondern gefühlt haben!

Wie bekommt man Menschen zum Handeln? Man muss ihre Gefühle wecken!

Und dann nehmen wir “Hitler” und schieben die Tür mit der “Banalität des Bösen” auf, betreten den Flur der “ganz normalen Deutschen”, bewundern die “ganz normalen Männer” und stehen vor “ganz normalen Organisationen” (was ich immer wieder nur empfehlen kann! Sehr lesbar, keine akademische Sprachverschnörkerlung) und stellen fest: Wir brauchen gar kein Zusammenfallen von Fühlen, Denken und Handeln!

Warum waren während der Zeit des Nationalsozialismus so viele Deutsche bereit, sich an der Vernichtung der europäischen Juden aktiv zu beteiligen? Stefan Kühl behauptet: Es war die Einbindung in Organisationen des NS-Staats, die diese Menschen dazu gebracht hat, sich an Deportationen und Massenerschießungen zu beteiligen – und zwar unabhängig von den ganz unterschiedlichen Motiven, die sie ursprünglich zum Eintritt in diese Organisationen bewogen haben.

Da mag man dann den Slogan von Pestalozzi “mit Kopf, Hand und Herz” irgendwie schön finden, weil es das persönliche Sinnempfinden stärkt, bleibt aber eben auf dem Niveau eines Slogans, der sich schön anhört…

Dann doch lieber Helmut Kohls “Entscheidend ist, was hinten rauskommt.”

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Wobei ich jetzt auf die Beschreibung und Begründung der “großen Gefühle” gespannt bin, die Merz zum Kanzler gemacht haben…

Wer hat da was gefühlt und Merz per Gefühl zum Kanzler gemacht?

Da hast du etwas geschlussfolgert, was ich so nicht geschrieben habe. Ich habe gegensätzliche Optionen angeboten, die zeigen sollten dass Erziehung willkürlich in verschiedene Richtungen betrieben werden kann. Nimmt man einen bestimmen ethischen Fixpunkt an, kann man das dann gerne in „gut“ oder „böse“ unterteilen. Gewertet habe ich so allerdings nichts (das kann ja jeder selbst machen) und ich habe nichts empfohlen. Meine Sicht ist: Es gibt Erziehung (etwas mit definiertem Endpunkt) und es gibt Einflüsse die darüber hinausgehen - ob man sie nun Kultivierung, Sozialisierung oder anderweitig nennt (ohne definierten Endpunkt / Unschärfen und Streit bei den Begriffen nehme ich gerne in Kauf, weil es mir darum überhaupt nicht geht). Die äußeren Einflüsse können das Denken beeinflussen, und auch hier rede ich nicht von exakter Gleichschaltung in Denken, Fühlen und Handeln, sondern von ausreichend Ähnlichkeit, um grobe (Gruppen-) Muster zu identifizieren. Ich hatte ausdrücklich zwischen transistiv und reflexiv bei der Kultivierung unterschieden, um eine Abgrenzung der Erziehung einzubauen - im Bewusstsein, dass Erziehung einen wichtigen Bestandteil der Kultivierung darstellt.

Deine Definition von Erziehung ist präzise so gebaut, dass ein Unterschied zwischen Erziehung und Umerziehung nicht mehr gefasst werden kann. Und ich denke, das ist kein Versehen, sondern deine Pointe.

Wenn Erziehung nichts weiter ist als Anpassung-plus-Legitimation, dann ist Umerziehung derselbe Vorgang wie vorherige Erziehung (oder Umerziehung) unter gewechselten Umständen. Neue Verhältnisse, neue Richtigkeitserklärungen – strukturell identisch: das jeweils für richtig Erklärte ist relativ zur Umstände-Konstellation. Das kann man als universell ansehen, doch damit verschwindet genau die Grenze, um die es in meinen letzten Punkten ging – die zwischen erster Formung und Umformung. Für den Vertreter deiner Definition ist das ein Feature: Alle Erziehung ist im Grunde sanfte Umerziehung. Für den Kritiker ist es der Verlust des Begriffs.

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Die, die gefühlt Wirtschaftskompetenz vermutet haben und „Probleme“ mit Migranten gefühlt haben.

Ist doch ganz einfach…

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und diese Grenze (da gibt es ganz ohne eigene Definitionen und Spekulationen) dann das Angebot: Kinder werden erzogen, Erwachsene gebildet. Der Unterschied? Es gibt keinen, man nennt es aber so, weil der Erwachsene nicht als erziehungsbedürftig gezeichnet wird… (es sei denn Umerziehung nach… oder so.)

Oh nein! Dann kommen Fühlen, Denken, Handeln und Glauben zusammen und wir wissen gar nicht mehr was wir tun sollen!

@JakobB, sag doch einfach wie du denkst wie die Welt funktionieren sollte.

Vielleicht verstehe ich dann.

das ist doch erstens gar nicht mein Job und zweitens wäre das ziemlich peinlich, wenn ich das behaupten würde (deswegen halte ich mich bei den Threads wo die Funktion der Welt restlos erklärt wird auch raus, auch wenn @Olivia großes Lob für den Fleiß vergibt.)

Ich sage nur, dass der Wunsch eine Deckungsgleichheit von Fühlen, Denken, Handeln und Glauben hinzubekommen unproduktiv und Zeitverschwendung ist.

Was jemand “gefühlt” hat, als er die SPD gewählt, also “gehandelt” hat (oder hat er taktisch gewählt und also “gedacht”) und was er dachte was die SPD dann macht (also “geglaubt” hat) spielt alles keine Rolle, weil die SPD mit ihren Stimmen Merz zum Kanzler gemacht hat. Niemand von uns hat Merz gewählt (ich gehe stark davon aus, dass hier kein MdB aktiv ist). Diese liberaldemokratische Dummheit, dass “Wir” den Kanzler wählen und man sich das irgendwie mit dem “Volkswillen” zu erklären habe, vielleicht will ich das hier mal wenigstens totkloppen. (Noch nicht mal die CDU Wähler haben Merz gewählt, sondern die CDU.)

Was jetzt Journalisten für die Kompetenzen bei CDU sehen (also “glauben”) ist auch völlig egal, wenn Du vor Deinem leeren Kühlschrank stehst, die Spritpreise siehst und dein Rentenbescheid mit der Post kommt…

Dann kann man noch herumrätseln, warum denn Leute die AfD wählen, die es doch noch schlimmer treiben will als Merz und wenn die Leute doch nur in die Parteiprogramme gucken würden… das tun sie aber nicht, weil sie ja einfach Ausländer hassen…

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Wir haben inhaltlich keine Differenzen. Performativ schon, aber das ist wirklich egal.

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Und an dieser Stelle denke ich, dass du ein anderes Verständnis von Einflüssen geltend machst als ich und gleichzeitig Dekonstruktion praktizierst. Jedenfalls ordne ich das unaufhörliche Einwirken von Meldungen, Informationen, Meinungen, Artikeln und Beiträgen in all ihren medialen Erscheinungsformen nicht jederzeit unter Erziehung ein (oder Bildung, wenn man es so nennen möchte). Ich kann mit deinem Erziehungsbegriff durchaus etwas anfangen, lehne aber ab, wie er Differenzierungen einfach schluckt - okay, damit trägst du deine Pointe durch. Dennoch sehe ich es so, dass das Gespräch am Gartenzaun oder am Stammtisch nicht in jedem Fall in die Kategorie der Erziehung gehört - selbst wenn es die implizite Absicht des Absenders auf der anderen Seite des Zauns ist. Klar, an dieser Stelle kann man wieder über Definitionen streiten. Und ich reite weiter auf der Unterscheidung zwischen transistiven und reflexiven Vorgängen herum, die durch Input bewirkt werden können. Dabei ist dein Verweis auf Fremdzwang und Selbstzwang elementar - und dennoch ist nicht alles Selbstzwang, was jemanden abseits eines Fremdzwangs motiviert.

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Ist die Ausbreitung von Neoliberalismus in Köpfen das Ergebnis einer Erziehung? Deine Definition bejaht das.

Nebenbei: Der Pestalozzi-Slogan und die Helmut-Kohl-Erklärung gehen für mich Hand in Hand (kein oder, sondern und ). Allein, darauf zu verzichten, das hier auszumalen, bedeutet nicht, dass beim Wohlfühlausspruch verharrt wird. Ein Ergebnis kommt auf jeden Fall zustande und ob das schön ist oder nicht, bewertet der Betrachter.

Mit Blick auf Macht und Gegenmacht bringt es tatsächlich nichts, herumzurätseln, was warum in wem vor sich geht und zu welcher Aktion führt oder wie hoch der Anteil an Irrationalität dabei ist (doch wer das gerne beleuchten möchte, darf). Die offene Ansprache der Themen genügt. Lösungen für konkrete Probleme auf den Weg zu bringen - darum geht’s.

Zählt dazu auch, wenn man ganz alleine barfuß im Nachthemd am Nordpol steht, und einem frostiger Wind nahelegt, sich etwas wärmer anzuziehen? Deine Definition gibt das her, würde ich sagen - sie gibt selbstverständlich auch her, sich das Gegenteil für richtig zu erklären. Ist nur die Frage, wie lange man das durchhält, bevor (Um-) Erziehung nach deiner Auslegung zum Tragen kommt.

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Ich glaube, es lohnt sich, einen Schritt zurückzugehen, weil sich über die letzten Tage ein Muster gezeigt hat, das eure beiden Einwände – JakobBs “Zeitverschwendung” und Ernsts Nordpol/Neoliberalismus-Tests – aus derselben Wurzel beantwortet.

Der Ausgangspunkt war eine scheinbar kleine Frage: kommt Gefühl vor Gedanke oder umgekehrt. Die Antwort war keine Reihenfolge, sondern ein Loop – Kultivierung prägt eine Emotion vor, ein Reiz löst eine schnelle, meist unbewusste Kategorisierung aus, das bewusste Gefühl kommt danach, fühlt sich introspektiv aber an, als käme der Gedanke zuerst. Wo man diesen Loop aufschneidet, um ihn als Kette zu erzählen, ist keine objektive Feststellung, sondern eine Entscheidung.

Genau diese Einsicht zieht sich seitdem durch alles, was wir diskutiert haben, in immer neuen Anwendungen. Erziehung, definiert als Anpassung an Umstände unter Richtigkeitserklärungen, löst den Unterschied zu Umerziehung auf – nicht aus Versehen, sondern weil dieser Unterschied nur existiert, wenn man vorher einen ethischen Fixpunkt einschmuggelt. Entwicklung ist, wenn sie zu Lebzeiten wirklich nie endet, notwendig auf Irrationalität als Ausgangsmaterial angewiesen: Rationalität ist nicht der Normalzustand, sie ist die Arbeit und die Mühe, aus Irrationalität einen rationalen Gedanken zu formen – ein Zustand, der einmal erreicht, sofort wieder zerfällt, weil die Arbeit nie endet. Und “Mechanismus” selbst, mein bevorzugtes Wort, ist am Ende auch nur ein Schnitt durch einen Loop, keine gefundene Gesetzmäßigkeit.

Das trifft auf JakobBs Punkt: Was er als “Deckungsgleichheit von Fühlen, Denken, Handeln und Glauben herstellen wollen” kritisiert, ist genau das, was ich nicht versuche. Ich versuche das Gegenteil – jede Ebene so sauber wie möglich zu trennen, nicht sie zusammenzuzwingen. Die Mühe entsteht bei mir nicht durch die Trennung, sondern erst, wenn man versucht, die getrennten Ebenen wieder zur Deckung zu bringen, wenn man verlangt, dass sich Gefühl, Gedanke, Handeln und Ergebnis zu einer widerspruchsfreien Geschichte fügen. Genau das hält die Realität nicht her, und deshalb bleibt jede Rekombination der Teile am Ende unspezifisch. Das ist kein Mangel meiner Analyse, das ist ihr ehrliches Resultat.

Das beantwortet auch, warum “Selbsterhaltung” in zwei völlig verschiedenen Bedeutungen auftaucht, die man nicht verwechseln darf. Instinktive Selbsterhaltung ist eine Eigenschaft des Organismus – reflexartig, vorkognitiv, ohne Richtigkeitserklärung, deshalb außerhalb von Erziehung. Die Selbsterhaltung eines Systems wie des Neoliberalismus ist etwas anderes: sie entsteht nicht aus einem Instinkt, sondern aus der Summe vieler einzelner, jeweils für sich irrationaler Richtigkeitserklärungen, die sich zu einem Muster verdichten. Niemand instinktiert für den Neoliberalismus, aber die Anpassungen vieler erhalten ihn trotzdem. Kein Blick in Köpfe nötig, um das zu beschreiben – nur der Blick auf das, was aus vielen Köpfen zusammen entsteht.

Was am Ende übrig bleibt, ist wenig triumphal, aber ehrlicher, als eine geschlossene These zu behaupten: Wir sind wertende Wesen, das lässt sich nicht wegdiskutieren, ohne genau den Fehler zu begehen, den ich bei anderen kritisiere. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob wir das abstellen können, sondern ob wir unsere eigene Wertung bei uns selbst erkennen – und was wir mit dieser Erkenntnis machen.

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oh ja, wenn man Rousseau folgen möchte schon.

und dann haben wir was? Das eine ist Erziehung, dass andere Selbsterziehung? Dann kommt noch pädagogische Intention dazu (also die Absicht von A, dass B sich anpassen möge…)… und dann?

Ich gehe wieder auf die Kermani-Rede: die “Motivation” (ob intrinsisch oder extrinsisch) ist und ich wiederhole mich: nicht feststellbar! Nur die Motivdarstellung ist feststellbar.

Befrage die Rekruten, die sich Kermanis Rede angehört haben, die einen sagen sie wollen Deutschlands Freiheit verteidigen, die anderen sagen sie kämen aus einer strukturschwachen Gegend, die Bundeswehr ermögliche Karriere, wieder andere sagen sie wollen ein Held werden, andere sagen ihnen habe die Werbung zugesagt… Wenn Du sie fragst können sie das eine, wenn das Fernsehen fragt das andere und wenn die Mutter fragt etwas wieder anderes antworten… (das “Krieg sinnlos” sei, kommt ja als Feststellung ja nicht umsonst erst nach Kriegsende durch Unterlegenheit, jeder “erfolgreiche” Krieg hat ja seinen “Sinn” bewiesen)

(wir eiern mit der Wehrpflicht ja gerade an der Frage herum ob der Selbstzwang ausreicht genug Menschenmaterial zusammenzubekommen… Entschuldigung! Freiwillige zu finden, oder ob wir es mal wieder mit Fremdzwang ausprobieren müssten, denn in der Zeit der Pflichtmonate kann man die herausfinden, die die Transitions- oder Reflexionsleistung zur “Eigenmotivation” hinbekommen…)

(und gehen wir weiter: Man kann erst einmal die “Richtigkeitserklärungen” beobachten: auf Seite der Ukraine kämpfen ausländische Freiwillige gegen Sold, auf Seite Russlands kämpfen Söldner gegen Bezahlung/ Israel hat das Recht auf Verteidigung, der Iran begeht Vergeltungsschläge/ Russland hat einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg begonnen, die USA haben einen Präventivschlag ausgeführt/ etc.)

Der einzige Punkt, der gemacht wird: Die Wehrmacht war schlecht (bis auf einzelne), die Bundeswehr ist gut (bis auf einzelne)… Die ganzen aktuellen Richtigkeitserklärungen schließen sich an, der Russe ist böse, wir sind gut, die Welt ist feindlich, wir müssen uns schützen. Am Gartenzaun stehen Sara Bosetti und die Tagesschau und erzählen Dir von der Richtigkeit…

das muss ja noch nicht mal ethisch begründet sein, sondern “vorher richtig”. Kermani steht verwundert vor der Tatsache, dass “der tapfere deutsche Soldat” erst 1995 “richtig” gesehen wurde und wir bemerken die “Um-Erziehung” erst im harten Bruch mit der Erziehung. Auf einmal ist etwas anderes richtig. (George Orwell hat mit dem Wahrheitsministerium es auf fast tägliche Veränderung verdichtet um eine Pointe daraus zu machen.)

Ein nicht unbeachtlicher Teil der AfD-“Putinversteher” speist sich aus der Erfahrung von Erziehung/Umerziehung (Erziehung in der DDR, 1989 “ihr wurdet belogen, alles was ihr geglaubt habt war falsch ihr Dummerchen, hier ist das Richtige”, dann Post-Kohl-Ära: Jaaa Kohl hat euch nur belogen, hier ist das Richtige…Schröder und Merkel weitere Annäherung und jetzt Bruch mit dem “Brudervolk” (der Westen hat noch nicht mit seinem “Brudervolk” brechen müssen, zeigt aber auch Trennungsschmerzen…)

naja, das ist erstmal ein Problem, weil Du dann feststellen musst, dass wir nicht besser sind als die anderen, dass finden viele Menschen die “erfolgreich erzogen” wurden erstmal als schlimme Kränkung… und “XYZ-Versteher” ist schon ein Schimpfwort geworden, Verstehen-Wollen also schon die Anklage, wo doch Erziehung hätte reichen sollen…

@JakobB Wenn!

Differenzierungen habe ich schon angeboten. Erst baust du aus dem Diskurs alles raus, dann setzt du Blockbilder ein. Ist deine Frage „und dann?“ der rhetorische Riegel? Klingt irgendwie, als wäre alles immer gleich zu verstehen und würde im Weiteren zu nichts führen können.

Ich biete dir noch etwas mehr zum Streiten an - in einen Satz gepresst: Gute Formung ist die, die auf ihre eigene Entbehrlichkeit zielt - schlechte die, die sich unentbehrlich macht. Absprungpunkt: Eine Formung, deren Inhalt das Hinausgehen über die Gruppe ist, die einen geformt hat. Sie kann gar nicht bloße Anpassung sein, weil ihr Ziel die Überschreitung des Gegebenen ist.

Stimmt. (Ich gehe nicht auf die Kermani-Rede ein.) Anderen in die Köpfe schauen kann man nicht - womit wir die tatsächlichen Motive nicht kennen. Das erlaubt aus meiner Sicht nicht, dass als Umkehrschluss jede Motivation unter Fremdzwang oder Selbstzwang einsortiert werden kann. Deine Beispiele beweisen in dieser Hinsicht nichts. Sichtbar machen sie, dass es die eine Erziehung nicht gibt - und, dass ein bunter Blumenstrauß von Einflüssen auf Subjekte einwirkt, was irgendeinen kunterbunten Output generiert.

Was motiviert dich, in einem Forum etwas zu schreiben? Erziehung? Fremdzwang? Selbstzwang? Unklar? Ich unterstelle: Rousseau ist es nicht.

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Jupp, “Auftragstaktik” hat die Wehrmacht sehr erfolgreich gemacht! Genau der Gedanke, nicht der bloße Befehl, der Offizier, steuert, sondern der Auftrag und jeder Wehrmachtssoldat geht bei fehlenden Befehlen im Sinne des Auftrags vor. “Gute Formung”! Im Gegensatz zu Engländern und Franzosen, die haben mit der “Befehlstaktik” nicht an ihrer eigenen Entbehrlichkeit gearbeitet.

und deswegen ist es Zeitverschwendung.

Ich bin nur ein Hund im Internet.

Du beschreibst genau das was ich auch beobachte.

Wenn du die eine Rationalität die in der ersten Argumentation gegen die andere Rationalität der zweiten Argumentation stellst, kommt nicht das „Richtige“ bei raus. Mein Begriff dafür ist Irrationalität.

Wenn ich jetzt weiter denke komm ich jedenfalls zur nächsten Frage:

Warum.

Das setzt sich zusammen aus „wie ist es möglich das”… und, „was ist das Ergebnis.”

Ohne in einen Kopf zu schauen kann ich jetzt handfest schauen welches Narrativ welche Logik erzeugt. Ohne Motive, ohne mich besser oder schlechter als andere zu machen. Das nenne ich Mechanismus.

Daraus entsteht wiederum meine Argumentation am Gartenzaun.

Und weil ich eben nicht sage Kermani sei verwundert, musste ich noch nicht einmal wertend sein. Ich kann ganz unten anfangen und fragen ob Krieg etwas ist was erstrebenswert ist. Wenn die Antwort ja lautet, wende ich dieselbe Wie+Was-Frage auf jedes Narrativ gleich an – dann kippen die Vorzeichen von selbst, und man wird sich sehr schnell einig.

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Ich sage ja auch nicht, das er sich wundert, er hat das Problem einen Sinn herzustellen, wo keiner ist.

Dein Ansatzpunkt ist ja erstmal an der Richtigkeit zu zweifeln. Halte ich auch für viel produktiver als mit einer eigenen Richtigkeitserklärung zu kommen und mit “Nein!” “Doch!” am Gartenzaun zu stehen.

Das ist der einzige Trick, den Leute wie Dara etc. machen: Auf Nazidemos gehen und sagen: das ist ja gar nicht richtig! Dabei kommt nichts rum außer die Selbstvergewisserung der “richtigen” und sie merken noch nicht mal wie sie den Richtigkeitserklärern auf der anderen Seite gleichen…

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Hab‘s nicht vergessen. Dein Immunisierungszug - der belanglose Hund als unwiderlegbare Position. Eine hübsche Schlussfigur und in deinen eigenen Worten: Motivdarstellung - nicht tatsächliche Motivation.

Dekonstruktion ist eine hervorragende Prüfmethode - dafür hast du mein Kompliment. Der Ausstieg daraus kann knifflig sein, wenn‘s zum Prinzip geworden ist, klar.

Stimmt, Auftragstaktik setzt Urteilskraft frei – aber nur beim Wie, nie beim Wozu. Der Soldat darf alles entscheiden außer der einen Frage, ob er den Auftrag überhaupt ausführen soll. Das ist Selbständigkeit an langer Leine, und je länger die Leine, desto reibungsloser setzt die Spitze ihren Zweck durch. „Entbehrlich” wird da der Offizier im Gefecht, nicht die Herrschaft. Verweigern oder Hinterfragen von Befehlen war nicht drin. Bleibt die Frage, die dein „erfolgreich” verschluckt: erfolgreich wofür? Denn das Wofür lieferte die Wehrmacht mit, es war nicht offen: Volk, Führer, Lebensraum. Eine starre Ideologie.

Daran sieht man den Bruch: Es gibt den Kreis, für den mitgedacht werden durfte, so eng gezogen wie kaum ein Heer und seine Grenze fester verankert als alle. Nach innen brillant frei, nach außen blind. Das ist keine Widerlegung von „guter Formung”, das ist ihr Gegenbeispiel: Freisetzung, die die Gruppengrenze bedient, statt sie zu überschreiten. Das „Entbehrlich”-Argument stimmt ein paar Ebenen höher nicht mehr.

Das beinhaltet gute Formung: Erst ein Zweck, der sich der Prüfung stellt, macht frei. Auch dieser Zweck – die Prüfbarkeit zum Maßstab zu machen – muss sich der Prüfung stellen.

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Danke euch beiden, das war ergiebig – ich versuche, beides zusammenzuführen.

Ernst, dein Auftragstaktik-Beispiel trifft einen wichtigen Punkt, widerlegt meine These aber nicht, sondern präzisiert sie. Freiheit beim Wie ohne Freiheit beim Wozu stimmt für den Soldaten – aber ein System trifft keine Entscheidung, nur Menschen tun das. Die NS-Führung hat den Zweck (Volk, Führer, Lebensraum) festgelegt, das war eine Entscheidung, keine Systemeigenschaft. Nur ist diese Entscheidung selbst nicht “Richtig” gewesen – sie war genauso irrational und eigennützig wie die Gründe, aus denen der einzelne Soldat mitgemacht hat, nur auf einer anderen Ebene. Das gilt auf jeder Stufe neu: der Diktator, der Mitläufer, der Wähler – überall Entscheider, überall mit eigenem, nicht deckungsgleichem Vorteil im Kopf. Mein Punkt ist nicht, dass daraus am Ende etwas Rationales entsteht, sondern das Gegenteil: Weil kein “Richtig” erreichbar ist, das alle teilen könnten, ist es die Irrationalität selbst, die das System stützt – viele einzelne, jeweils eigene Richtigkeitserklärungen, die sich nicht widersprechen müssen, um sich gegenseitig zu tragen.

JakobB, zu deiner Zustimmung – Zweifel an der Richtigkeit selbst statt eigener Richtigkeitserklärung dagegen: Das ist tatsächlich derselbe Gedanke, nur von der anderen Seite betrachtet. Wenn ohnehin kein Richtig herauskommt, egal auf welcher Ebene entschieden wird, dann bringt der eigene Gegenanspruch (“das ist ja gar nicht richtig!”) nichts außer Selbstvergewisserung – dein Nazidemo-Beispiel zeigt das genau. Nicht weil beide Seiten gleich wären, sondern weil der Streit um Richtigkeit selbst schon die falsche Ebene ist.

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