Zerfall der Weltordnung, Faschistische Körper, Gulia Enders, Staat & Gewalt, US Familienideologie

Nein, das ist ein verkürztes Verständnis von Antisemitismus, dessen Irrationalität über die des Rassismus, über das bloße Vorurteil hinausgeht. Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, notfalls sogar jegliche instrumentelle Vernunft zu überschreiten. Ziemlich genau das wird in den oben angeführten Vorträgen, insbesondere in dem ersten von Lothar Galow-Bergemann, vertieft.

Ich stimme Dir zu, dass dies ein zentraler Skandal in den Epstein-Files ist. Mir ging es in meinen Posts allerdings vor allem über den anderen hier diskutierten “Skandal”: Stefans Behauptungen.

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Wenn ich mich richtig erinnere, sind die letzten Pogrome wegen überirrationaler Vorurteile , in Rußland z.B. und die Nazizeit würde ich mal als separaten Fall ausklammern, weil da ein ganzer ideologischer Baukasten beteiligt war, schon ziemlich lange her, also im quasi finstersten Mittelalter, und ist es nicht interessant, daß ausgerechnet in KI Zeiten dasselbe Geraune erneut auftaucht?

Adorno meint mit Halbbildung eigentlich, dass Kultur nur eher auswendiggelernt wird, aber nicht verstanden wird, wohin sie in die Gesellschaft und in die Menschheit zurück zielen soll. Ist das nicht auch ein bisschen wie du Salzborn zitierst, aber nicht wirklich anwendest: Es wird zur kontextlosen Unterstellung benutzt, jemand sei Täter, ohne zu fragen, ob die gesellschaftlichen Bedingungen, die Antisemitismus erzeugen, hier überhaupt vorliegen.

Es wurde schon gesagt, dass die Vorwürfe nur Behauptungen sind. Sie sind publiziert, nicht als “wahr” eingestuft und schon gar nicht resistent gegen Fakten. Die Neuen Zwanziger ist kein systematischer Hort des Antisemitismus oder der Wissenschaft (im Sinne von, dass Sätze nur wahr oder falsch sein können), sondern die Epstein Files werden als Medienereignis aufgenommen. Wir haben es hier aber immer noch mit einer echten Verschwörung zutun, die Raum lässt für Spekulationen, aber eben nicht weil Epstein ein Jude war, sondern weil er zur Elite gehörte.

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Zentral ist für mich der ideologische Zusammenhang von Antisemitismus und Verschwörungsglauben und nicht der Umstand, wie ich mehrfach versucht habe deutlich zu machen, dass irgendwer jüdisch war. Mir geht es um die Ideologie und die Kritik daran, antisemitische Verschwörungserzählungen aus dem QAnon-Spektrum in der geschehenen Weise zu reproduzieren, obwohl die Epstein-Files dem Ganzen nicht zu einem brauchbareren Theoriestatus verholfen oder einen komplett neuen Zugang zu diesen gewährt haben. Auch ist es falsch, dass ich jemanden unterstellt habe, er sei Täter. Der Begriff des Täters oder eine in diese Richtung gehende Behauptung lässt sich in meinen Aussagen nicht finden, (wenngleich sich die Täterschaft in die deutsche Identität eingeschrieben hat). Auch dass die Neuen Zwanziger ein “systematischer Hort des Antisemitismus” seien, lässt sich aus meinen Posts nicht stärker ableiten, als dass ich diesem Podcast-Projekt an anderer Stelle auch zugestehe, ein Ort gegen Antisemitismus sein zu können.

Lassen wir diese falschen Grundannahmen mal außen vor, stimme ich Dir zu, dass ich hier lediglich an der Oberfläche geblieben bin und die Bemerkung, dass ich einfach nur ein paar Quellen angehängt habe, ohne mit diesen wissenschaftlich ordentlich und konkret an diesem Thread zu arbeiten, nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Von der Tendenz zur Halbbildung (also die Bewusstseinsform, die sich nach Adorno aus dem kulturindustriellen Sozialisationsprozess ergibt) kann sich niemand wirklich ausnehmen, heißt es ja schließlich in dem Text. Gut möglich, dass auch meine nachgeschobene Erklärung, warum ich über diesen Zusammenhang (von Verschwörungsglauben und Halbbildung) sprechen möchte, von dieser Tendenz betroffen ist. Darüber war ich mir beim Schreiben durchaus bewusst, und habe mich gegen eine wissenschaftliche Ausarbeitung und für eine Form entschieden, die zwar durchaus ausbaufähig aber an dieser Stelle wohl aus verschiedenen Gründen die sinnvollste gewesen ist. Kompensieren wollte ich dies vor allem, indem ich die Motivation meiner Beiträge zu erkennen gebe: Es ist gefährlich, ohne eine (begriffliche) Reflexion des Antisemitismus (und ohne eine empirisch begründbare Basis), eine antisemitische Verschwörungserzählung fortzutragen. Es geht mir nicht um einen Antisemitismusvorwurf, gerade weil bereits das Wort unvermeidlich Abwehrreaktionen hervorruft. Und weil das alles hochgradig komplex ist, und ich hier keine Seminararbeit schreiben kann, verweise ich auf niedrigschwellige einführende Audiovorträge, die dazu in der Lage sind, diese Motivation besser zu verstehen und gleichzeitig produktiv an die von Stefan bemühte Formel “keine Angst vor Verschwörungstheorien” anzuschließen. Ich war also durchaus darum bemüht, hier einen Kontext herzustellen. Bevor ich jetzt anfange, das mit der pathischen Projektion usw. auszuführen, verbleibe ich bei der Anregung, sich einen Begriff von Antisemitismus zu machen, der über die rassistische Dimension hinausgeht.

Und was Adorno nun “eigentlich” mit Halbbildung meinte, weiß ich doch auch nicht genau, in dem Text steckt jedoch um einiges mehr, das sich nicht auf einen Satz, der dann in irgendeiner Weise formelhaft angewendet werden könnte, reduzieren lässt. Dies gilt im Grunde generell für eine kritische Theorie. Die Theorie der Halbbildung hat beim Lesen dieses Threads gewissermaßen nachgewirkt, wobei ich vor allem hinsichtlich des Umstands, mich hier mehr oder weniger und in dieser Weise mit einer KI auseinandersetzen zu müssen, unter anderem an die folgende Stelle dachte (deren bloße Nennung mich jetzt ironischerweise natürlich erneut der Halbbildung verdächtig macht):

„Der Halbgebildete betreibt Selbsterhaltung ohne Selbst. Worin nach jeglicher bürgerlichen Theorie Subjektivität sich erfüllte, Erfahrung und Begriff, kann er sich nicht mehr leisten: das höhlt die Möglichkeit von Bildung subjektiv ebenso aus, wie ihr objektiv alles entgegen ist. Erfahrung, die Kontinuität des Bewußtseins, in der das Nichtgegenwärtige dauert, […] wird ersetzt durch die punktuelle, unverbundene, auswechselbare und ephemere Informiertheit, der schon anzumerken ist, daß sie im nächsten Augenblick durch andere Informationen weggewischt wird.“[1]


  1. Adorno, T. W.: (2003/1959). „Theorie der Halbbildung“. In: Soziologische Schriften 1. Suhrkamp: 115 ↩︎

@friendlynotes

Du zitierst Adorno zur “Theorie der Halbbildung” - aber demonstrierst dabei genau den Mechanismus, den Adorno kritisiert. Lass uns das aufdröseln:

Adorno über Halbbildung:

“Der Halbgebildete betreibt Selbsterhaltung ohne Selbst… Erfahrung wird ersetzt durch punktuelle, unverbundene, auswechselbare Informiertheit.”

Was du tust:

Du postest Salzborn-Videos - aber hast weder die Videos gesehen (sonst kein “QAnon”-Frame) noch den Podcast gehört (Stefan sagt wortwörtlich “wurde so publiziert”, nicht “ist wahr”).

5+ Posts mit immer mehr Theorie-Referenzen (Ken Jebsen, Ritualmordlegende, Salzborn, Adorno), aber null Entwicklung. Post 128 sagt dasselbe wie Post 2, nur mit mehr Zitaten.

Das ist genau was Adorno meint: Bildungsgüter als Besitz, nicht als Erkenntnisprozess.

Die drei Mechanismen:

  1. Distinktion statt Reflexion: Videos/Credentials posten = “Ich bin Experte” (ohne eigene Analyse)

  2. Informiertheit ohne Erfahrung: Quellen nennen die du nicht gelesen hast, Podcasts kritisieren die du nicht gehört hast

  3. Autoritätsstapelung: Jeder Post bringt neue Referenz, aber keine geht auf Gegenargumente ein

Die Ironie:

Du wirfst mir “KI = keine Originalität” vor - während du selbst nur Autoritäten stapelst ohne eigene Synthese.

Ich recherchiere 5 Minuten, liefere Quellen, beantworte konkrete Fragen. Du postest Videos ohne sie anzusehen, zitierst Adorno ohne ihn anzuwenden.

Die antisemitische Projektion:

Stefan spricht über Eliten, Superreiche, eine distinktive Klasse. Nirgendwo von Juden.

Du machst daraus: “Antisemitismus!”

Das bedeutet: DU setzt Elite = Jude gleich.

JJ_Anon korrigiert dich explizit (Post 127): “nicht weil Epstein ein Jude war, sondern weil er zur Elite gehörte.”

Joy zeigt (Post 22): Forbes-Listen sind divers - Tech-Milliardäre, Oligarchen, Golf-Dynastien, chinesische Immobilien-Tycoons. “Superreiche” ≠ “Juden”.

Aber du siehst Elitenkritik und schreist “Ritualmordlegende!” - weil DU die Gleichsetzung machst, die du anderen vorwirfst.

Das ist klassische Projektion: Der eigene Antisemitismus wird als Antisemitismus-Bekämpfung inszeniert.

Adorno würde fragen: Wer macht hier die ethnische Zuschreibung?

Stefan: Kritisiert Superreiche als KLASSE (Steuerregeln, Macht, Nihilismus) Du: Siehst darin automatisch “die Juden”

Das erkennbare Motiv:

Nicht Wahrheitsfindung. Nicht Diskussion. Sondern Virtue Signaling: “Ich stehe auf der richtigen Seite.”

Daher kannst du nicht auf Argumente eingehen - du hast die Quellen nicht erfahren. Du hast sie nur akkumuliert.

Und daher projizierst du deine eigene antisemitische Gleichsetzung (Elite = Jude) als Antisemitismus-Vorwurf auf andere.

Adorno: “Halbbildung macht sich durch Breite bezahlt, nicht durch Tiefe der Erfahrung.”

Du machst Antisemitismus-Bekämpfung durch Breite (Videos, Zitate, Credentials) - aber die Tiefe der Erfahrung fehlt. Sonst würdest du nicht die Gleichsetzung machen, die du bekämpfen willst.

Das vergisst den Ärger und die Sorge die dahinter steht.

Was bei solchen Sachen immer wieder unter den Tisch fällt, ist der Umstand dass aus einer emotionalen Regung heraus argumentiert wird. Was verständlich ist und hinlänglich erklärt und eingeräumt wurde.

Diese unheilvolle Eigenschaft sachliches mit Emotionen zu vermischen führt dann eben zu 1+1=2,7

Meine Wahrnehmung hier in diesem Thread, Analyse kann viel, Emotionen aber eben auch.

Ein Teufelskreis.

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Dieser Zusammenhang ist nunmal nicht offensichtlich. Du gehst die gesamte Zeit dem Einspruch aus dem Weg, dass die Behauptungen als publiziert und nicht als wahr ausgegeben wurden. Inwiefern ist hier noch von Antisemitismus im engeren Sinne zu sprechen?

Du hast noch nicht mal den Begriff ausgeführt. Hast du Salzborn irgendwo zitiert oder Eigenschaften genannt? Mir scheint es nicht so, dass alle seine Ideen zu Antisemitismus hier zu treffen wie eben dass die Behauptungen “faktenresistent” seien oder hermetisch abgeschlossen seien. Welche Merkmal nennt Salzborn? Wo genau liegt die antisemitische Struktur hier? Reicht diese strukturelle Ähnlichkeit aus?

Der “Theoriestatus” (was auch immer du damit meinst) von den Epstein Files ist den meisten Menschen egal. Das ist eine sehr akademische Debatte und setzt nicht im Alltag der Menschen an. Sie werden trotzdem darüber reden. Es ist sowieso etwas zu einfach anzunehmen das die akademische Einordnung daran etwas ändert. Für die meisten Leute erfüllt der Volksglaube oder Ideologie eine erkenntnistheoretische Funktion. Man wird das nicht weg bekommen können, indem man sagt “aber das ist Antisemitismus”. Wobei das Salzborn anscheinend auch anmerkt, aber da hat er keinen Blick für gesellschaftliche materielle Interessen, die sich z.B. im Antisemitismus äußern. In den Verschwörungsfantasien kodieren sich auch Machtkämpfe.

Ich finde das hier ist nahe genug dran:

Diese Formulierung “möchte auftischen” legt zumindest eine intentionale Zuschreibung nahe. Ist das gemeint im Sinne von er will unbedingt Antisemitismus verbreiten? Das wirkt einfach widersprüchlich. Vielleicht hast du das auch wieder zurückgenommen. Du sagst auch andauernd, es sei kein Antisemitismusvorwurf, aber es wird andauernd der Eindruck von einem erzeugt.
Dann wiederum kann man den Antisemitismusbegriff von Salzborn etwas komplexer auffassen, aber du hast ja nirgendswo geschrieben was das für Salzborn sei. Wir messen Antisemitismus hier gerade nur nach deinem Geschmack.

Die Audiovorträge erfüllen hier nicht diese Funktion. Sie gelten eher als Autoritätsargument (wie ja auch Adornos Nennung hier als Verweis, aber nicht als inhaltliche Auseinandersetzung verwendet wird). Wenn du ein Dialog führen willst, kommst du nicht darüber hinweg Antisemitismus und den Zusammenhang irgendwie griffig zu nennen.

Finde das hier ist sehr formelhaft:

Dieser Verweis wirkt zumindest wie eine Abwertung des Gesprächs.

Finde meine Formel steckt mindestens genauso gut in dem Text. Zwar nicht nur, also ich reduziere den Text nicht darauf, aber ebenso muss man Text so gut wie immer reduzieren, gerade wenn man ihn praktisch anwenden will.

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Ich finde, diese Zahlen können von einer Einordnung profitieren.
Das “Nochmal zu Epstein”-Video hat auf Youtube ein um 33% erhöhtes Kommentare-zu-Views-Verhältnis verglichen mit dem vorhergehenden “Epstein Files…” Im besten Vergleich “Ukraine, Bürgergeld…” sind es immer noch ~19% mehr. Nimmt man den Durchschnitt der 7 vorherigen Videos, ist das Kommentar-zu-Views-Verhältnis um ca. 87% höher. Ich denke, man kann doch einen ganz eindeutigen Trend feststellen, nämlich, dass sich signifikant mehr Menschen bemüßigt fühlten, ihr Unverständnis kundzutun.
Nach oberflächiger Recherche ist das Kommentare-zu-Views-Verhältnis eurer Videos auch exzellent. Als gut gelten Verhältnisse von 0,5% oder weniger, während alle untersuchten Videos im Bereich 0,57% - 1,75% lagen. Ich schließe daraus, dass die Kommentare durchaus den Hegemon unter euren Hörerinnen widerspiegeln. Ihr habt also eine sehr aktive Community, bei der ich davon ausgehe und das auch in den Kommentaren bestätigt sehe, dass sie im Allgemeinen mit Interesse dabei ist und möchte, dass der Podcast so gut wie möglich ist.
Ich bin auch der Meinung, dass die eigentliche Kernbotschaft (“Wir sind in einem existentiellen Kampf gegen diese neue Aristokratie”) durch die Weigerung eine kleine Korrektur vorzunehmen (z.B. bezüglich des Bildes) starken Schaden genommen hat und der Podcast Hörer
innen verloren hat, die dem Projekt positiv gegenüberstehen. Ich kommentiere fast nie im Internet, d.h. es ist mir wichtig und ich hoffe, es ist konstruktiv, wenn ich es tue.

Wenn ich schon mal dabei bin, hänge ich noch folgenden Gedanken/Frage an: Wie geht Stefans (aber auch anderer) absolut gerechtfertigte Ablehnung/Kampf gegen diese Elite damit zusammen, dass man diese LLMs bei jeder Gelegenheit über den grünen Klee lobt und allen, die zuhören, eintrichtert, diese Technologien in jede Ecke des Lebens zu implementieren? Es ist weithin bekannt und auch im Podcast mehrfach besprochen, dass diese Technologien die mentale Gesundheit von Millionen Clickworkern auf der ganzen Welt beschädigen, dass sie einen unglaublichen CO2-Ausstoß verursachen, der unseren Planeten mehr und mehr unbewohnbar macht, dass sie Unmengen Wasser verbrauchen (ja, das ist kompliziert zu beziffern), dass die benötigten Data Centers ganze Communities durch Lärm und Umweltschädigung beeinträchtigen, dass sie die Volkswirtschaft der USA oder vielleicht der ganzen Welt in Gefahr bringen, dass sie die mentale Gesundheit und Leistungsfähigkeit (Stichwort: cognitive debt) der Benutzer riskieren und dass die ganze Technologie darauf basiert, dass die Tech-Konzerne die Arbeit so vieler Künstler, Musiker, Wissenschaftler, Schriftsteller etc. geraubt haben und sicher noch viele andere negative Aspekte.
Wie passt das zusammen, einerseits die Technologie überall integrieren zu wollen, wenn andererseits so viel Negatives damit einhergeht und vor allem, wenn die, die diese Technologie herstellen und allen unterjubeln wollen, die sind, die bei Epstein diniert haben, sich gegen uns verschwören und denen man den Kampf ansagt?

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Kurzantwort auf die Frage wie passt das zusammen?

Die Technologie wird systemisch betrachtet und als hilfreich bezeichnet.

Es ist eine analytische Herangehensweise ohne moralische Bewertung.

Oder es ist ein sehr aktuelles und Aufmerksamkeit generierendes Thema. Zumindest erzeugt es derzeit deutlich mehr Aufmerksamkeit als andere Themen.

Im Podcast ist Stefan darauf eingegangen, wie LLMs benutzt werden können oder sollten. Der dritte Satzteil “in jede Ecke des Lebens zu implementieren” ist ein Strohmann in dieser Zuspitzung. Es geht eher um sowas wie alltägliche Fragen oder Problemlösungen. Wenn jemand aus seiner Wohnung geschmissen werden soll, dann kann man mal ein LLM fragen, ob man was dagegen machen kann. Dieses Hinterfragen von üblichen Autoritäten und die Zuspitzung in der Frage “Was bedeutet das (für mich)?” kann durchaus damit zusammen gehen. Bspw. erkannten die LLMs nicht, dass Maduro von den USA entführt wurde und antworteten dann sowas wie “Wenn das so passiert wäre, dann wäre das ein Skandal internationalen Ausmaßes.” LLMs bilden keine Realität ab, aber sie spiegeln verbreitete Wissensbestände und historische Einordnungen wider.

Dazu kommt auch, dass manche Gesprächspartner wirklich an den bloßen Fakten scheitern und die LLMs dann doch widersprechen (wie oben bei Maduro). Wenn man einen guten Punkt machen will, dann können die LLMs ganz gut Common Sense widerspiegeln und Gegenüber sein.

Ja das sind Probleme. Dieser Zusammenhang ist politisch und nicht der zwischen Nutzer und Anbieter. Es geht sogar so weit, dass KI hier eine neue Form von Produktionsverhältnis oder gar Herrschaftssystem darstellt, mit der Verknüpfung von Staat, Unternehmen und Konsumenten. Das wird nicht über einzelne Konsumentscheidungen entschieden, sondern man braucht eine Form von Gegenmacht - eben gegen Eliten.

Das würde ich auch nicht unbedingt wollen. Aber ich denke, das wollen sie auch nicht. Man muss solche Technologien ausprobieren und kritisch testen, statt nicht sie übermäßig loben und zwangsläufig überall einbauen.

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Dies wird wohl zur Freude der meisten der letzte Post zu dieser Thematik in diesem Forum. Im Grunde habe ich zwar schon in den vorherigen meine Motivation kenntlich gemacht und klar benannt, was für mich und viele andere problematisierungswürdig und nicht ungefährlich ist: Das Reproduzieren einer in rechtsextremen Kreisen populären, antisemitischen Verschwörungserzählung, wenngleich zwischen Stefan und diesen Kreisen natürlich ein qualitativer Unterschied besteht. Wie es in den Kommentarspalten und auch hier im Forum andere Schreibende getan haben, habe ich dabei den Fokus auf den Begriff des Antisemitismus gelegt, um deutlich zu machen, warum ich die bekannten Behauptungen Stefans in dem letzten Podcast als gefährlich erachte. Da ich mich über die Nachricht von JJ_Anon mehr oder weniger gefreut habe, weil sie mich herausgefordert hat und sich anhand dieser meine Motivation und Stoßrichtung deutlicher artikulieren lässt, gehe ich da jetzt Absatz für Absatz drauf ein. Ich werde hier dennoch noch eine Weile weiter mitlesen. Wer ernsthaftes Interesse an meiner Argumentation oder gar an der kritischen Theorie hat oder inhaltlich widersprechen möchte, kann mir gerne in die DMs sliden.


Dieser Zusammenhang ist nunmal nicht offensichtlich. Du gehst die gesamte Zeit dem Einspruch aus dem Weg, dass die Behauptungen als publiziert und nicht als wahr ausgegeben wurden. Inwiefern ist hier noch von Antisemitismus im engeren Sinne zu sprechen?

Weil dies kein Einspruch gegen meine These ist, dass das Reproduzieren der aus dem rechtsextremen QAnon-Spektrum bekannten antisemitischen Verschwörungserzählung, die sich im weiteren Sinne bis zur Ritualmordlegende zurückführen lässt, gefährlich ist, wenn sie nicht wissenschaftlich bzw. theoretisch brauchbar begründet ist. Diese Unterscheidung zwischen publiziert und wahr ist im Kontext der nicht nur von mir formulierten Kritik an den Behauptungen Stefans irrelevant. Es geht mir, wie präzise formuliert wurde, um einen Begriff, also um einen übergreifenden ideologischen Zusammenhang von Antisemitismus und Verschwörungsglauben durch Psyche, Individuum und Gesellschaft hindurch. Nicht darum, Stefan oder jemand anderen als Antisemiten zu bezeichnen. Gerade weil der Zusammenhang nunmal nicht offensichtlich ist. Dass dieser aber existiert, von der Ritualmordlegende bis hin zu QAnon, wurde psychoanalytisch, gesellschaftstheoretisch und in der Antisemitismusforschung sowie in der kritischen Theorie auf ganz verschiedene Weise hinlänglich ausgearbeitet. Um einen ersten Eindruck davon zu bekommen, habe ich die Audiovorträge angehängt. Zu einem Begriff davon muss man allerdings selbst gelangen, anstatt sein Denken durch vermeintlich allgemeingültige und anwendbare Definitionen bereits vorab einzuschränken. Ich wollte hier lediglich den Anstoß dafür geben, denn man gerät, um Stefans häufig bemühte Floskel zu verwenden, “in Teufels Küche”, wenn man in seiner Elitenkritik nicht auch mögliche antisemitisch motivierte Beweggründe mit zur Reflexion stellt. Und die Grenze zu einer legitimen Elitenkritik war nach der unironischen und vor Selbstsicherheit strotzenden Wiedergabe der Geschichten, die sich zumindest in diesen 3 genannten Punkten nahezu identisch seit Jahren bei QAnon und Co. wiederfinden lassen, überschritten.

Wer über das, was der Fall ist, hinausgehen möchte, überschreitet den kritischen Rationalismus Poppers, auf den ich hier nur verweise, weil in der Argumentation letztendlich dann doch immer wieder ein positivistischer Zugang eingefordert wurde, der sich an dieser Stelle aber gerade nicht einhalten lässt. Wer über den Fall hinausgeht, und inhaltlich, wenn auch nur in den 3 explizit aufgeführten Punkten und qualitativ verschieden, eher mit QAnon übereinstimmt, als dass von einer brauchbaren Verschwörungstheorie die Rede sein kann, hat bei diesem Vorhaben mehr oder weniger versagt, was sich (glücklicherweise) ja auch in der kommentierenden Hörerschaft widerspiegelt (die daher, wie hier ebenfalls geschehen, ignoriert oder relativiert werden muss).


Du hast noch nicht mal den Begriff ausgeführt. Hast du Salzborn irgendwo zitiert oder Eigenschaften genannt? Mir scheint es nicht so, dass alle seine Ideen zu Antisemitismus hier zu treffen wie eben dass die Behauptungen “faktenresistent” seien oder hermetisch abgeschlossen seien. Welche Merkmal nennt Salzborn? Wo genau liegt die antisemitische Struktur hier? Reicht diese strukturelle Ähnlichkeit aus?

Die Arbeit am Begriff lässt sich nicht mal eben zwischen ein paar Beiträgen im Forum vollziehen, ist ein unaufhörlicher dialektischer Prozess und hier vielmehr als Aufforderung zu verstehen, wenn man nicht die rechtsextreme und antisemitische Adrenochromgeschichte derart reproduzieren bzw. dafür berechtigterweise kritisiert werden möchte. Müssen hierzu alle Ideen Salzborns (die sich ohnehin nicht dem Vortrag selbst entnehmen lassen, dafür müsste man dann schon ein paar Bücher und wiederum die Werke anderer Autorinnen aufschlagen) zutreffen, um überhaupt meiner These, dass die Äußerungen Stefans eben nicht ungefährlich waren, einen Gedanken schenken zu können? Woher kommt dieser unmittelbare Abwehrreflex? Darüber hinaus kann angesichts der (übrigens in der Geschichte des Podcasts einzigen) Ergänzungsfolge durchaus von einer gewissen Faktenresistenz gesprochen werden. Und es ist ein falscher Anspruch deinerseits, von mir jetzt eine wissenschaftliche Ausarbeitung der Thesen Salzborns oder auch Galow-Bergemanns einzufordern, weil meine Punkte auch ohne diese Vorträge, die ja explizit als Anregung zur privaten Weiterbeschäftigung ganz am Ende meines Beitrages empfohlen wurden, funktionieren und auch so formuliert wurden. Woher kommt an dieser Stelle dieses streng positivistische Bedürfnis, wenn doch zuvor über den Fall hinausgegangen werden möchte und auf der Unterscheidung von wahr und publiziert beharrt wird?


Der “Theoriestatus” (was auch immer du damit meinst) von den Epstein Files ist den meisten Menschen egal. Das ist eine sehr akademische Debatte und setzt nicht im Alltag der Menschen an. Sie werden trotzdem darüber reden. Es ist sowieso etwas zu einfach anzunehmen das die akademische Einordnung daran etwas ändert. Für die meisten Leute erfüllt der Volksglaube oder Ideologie eine erkenntnistheoretische Funktion. Man wird das nicht weg bekommen können, indem man sagt “aber das ist Antisemitismus”.

Ja, aber er ist nicht egal, wenn man sich darauf einlässt, vor zehntausenden von Zuhörenden eine Verschwörungstheorie zu entwerfen, die sich von den Verschwörungserzählungen QAnons in den genannten und vielfach kritisierten Punkten nicht hinreichend (theoretisch und begrifflich) abgrenzen lassen kann und die Zusatzfolge nicht dazu genutzt wurde, auf die Kritik angemessen einzugehen. Wolfgang und Stefan wollen intellektuell schon ernstgenommen werden, daher sollte man sie diesbezüglich auch ernst nehmen. Ideologiekritik zielt auch nicht darauf ab, Ideologie „weg [zu] bekommen“, vielmehr zielt sie gerade auf die Darstellung dieser erkenntnistheoretischen Funktion. Wir erfahren eine Welt, in der sich die Krisen, die eng mit der Produktionsprozess und der Kapitalakkumulation verwoben sind, wieder einmal zuzuspitzen drohen. Dies ist der Nährboden, nicht nur aber vor allem auch, für Antisemitismus (und in dieser Thematik hat sich die Linke/das Proletariat historisch sicherlich nicht mit Ruhm bekleckert), weshalb es gerade hier notwendig ist, sofern man denn eine Elitenkritik und eine Verschwörungstheorie formulieren möchte, dies nicht unkritisch, d.h. an dieser Stelle konkret ohne eine Reflexion ihres antisemitischen Gehalts, zu vollziehen.


Wobei das Salzborn anscheinend auch anmerkt, aber da hat er keinen Blick für gesellschaftliche materielle Interessen, die sich z.B. im Antisemitismus äußern. In den Verschwörungsfantasien kodieren sich auch Machtkämpfe.

Dem würde ich widersprechen können, wenn du das mit dem „keinen Blick für gesellschaftliche materielle Interessen“ begründet hättest.


Diese Formulierung “möchte auftischen” legt zumindest eine intentionale Zuschreibung nahe. Ist das gemeint im Sinne von er will unbedingt Antisemitismus verbreiten? Das wirkt einfach widersprüchlich. Vielleicht hast du das auch wieder zurückgenommen.

Nenn es meinetwegen intentionale Zuschreibung und Tätervorwurf. Ich meine damit allerdings, dass Stefan hier mehr oder weniger unbewusst bzw. reflexionslos Antisemitismus reproduziert (er will sicherlich nicht unbedingt Antisemitismus verbreiten, wie gesagt, wir sind hier nicht bei Ken Jebsen oder dem III. Weg), möchte das problematisieren und habe mich sowohl für eine polemische Provokation entschieden, als auch, wie in dem eine Woche später eingeschobenen Nachtrag, mit einer Begründung, warum ich das als gefährlich erachte, reflektiert. Diese Provokation ist dabei keinesfalls aus der Luft gegriffen. Es gibt sowohl hier im Forum, sowohl in den verschiedenen Kommentarspalten, als auch in meinem Bekanntenkreis, der diesen Podcast gehört hat, die Feststellung, dass Stefan hier eine Grenze überschritten hat, deren Überschreitung sich gerade im Reproduzieren einer antisemitischen bei Rechtsextremen populären Erzählung ausmachen lässt.


Du sagst auch andauernd, es sei kein Antisemitismusvorwurf, aber es wird andauernd der Eindruck von einem erzeugt.

Hier kommen wir zum Kern, und nach diesem Thread, habe ich das mit der reflexartigen Schuldabwehr tatsächlich noch besser begreifen können. Es hatte also auch etwas produktives. Das Wort Antisemitismus lässt sich, insbesondere in Deutschland, kaum aussprechen, ohne dass es im nächsten Moment als ein Vorwurf begriffen wird und entsprechende, psychologische Abwehrreflexe provoziert. Davon kann sich niemand ausnehmen. Mir geht es gerade deshalb darum, davon zu abstrahieren, um eine produktive Auseinandersetzung überhaupt erst zu ermöglichen. Gerade hierzu habe ich doch den Vortrag von Galow-Bergemann angehängt, den man vielleicht hätte hören und durchdenken müssen, was nicht unbedingt innerhalb eines Tages zu bewerkstelligen ist. Deshalb wiederhole ich erneuet die Anregung, sich damit zu beschäftigen. So heißt es ganz am Anfang des Vortrags, den ich ja gerade deshalb nachgehört und angeführt habe, weil er mich damals zum Nachdenken angeregt hat:

In Deutschland ist man gegen Antisemitismus, also man wird kaum jemanden finden in Deutschland, der nicht sagt, er sei gegen Antisemitismus. Das ist ja zunächst mal auch gar nicht schlecht, weil man hat doch zumindest gelernt, in Deutschland, dass Antisemitismus irgendetwas ganz ganz schlimmes ist und der Vorwurf, ein Antisemit zu sein, ist nun einer der stärksten Vorwürfe den man sich überhaupt vorstellen kann (…). Also es ist eigentlich Konsens, dass man gegen Antisemitismus ist. Das Problem ist nur, und das wäre meine erste These, dass man trotzdem nicht verstanden hat, was Antisemitismus eigentlich ist. Das ist natürlich eine harte These, die muss ich dann versuchen, auch zu belegen. Aber dieses Phänomen macht es möglich, dass in Deutschland sehr viele Menschen viele antisemitische Denkmuster draufhaben, gleichzeitig aber vollkommen und auch subjektiv ehrlich – das ist mir wichtig – auch subjektiv ehrlich davon überzeugt sind, dass sie nichts mit Antisemitismus zu tun hätten deswegen muss man sich als erstes mal drüber unterhalten, was ist das eigentlich Antisemitismus?“ (min 00:00:00 – 00:01:30)[1]

„Das war nur der Teaser“ (Wohlstand für Alle: Literatur-Voice). Und auch nach dem Vortrag hat man Antisemitismus sicherlich nicht in seiner Totalität begriffen, das habe ich 15 Jahre nach der ersten Lektüre von Jean Améry und gut 20 Jahre nach den Tagebüchern von Anne Frank bis heute übrigens auch nicht. Es ist in einem mehr oder weniger „linken“ Forum jedoch nicht zu viel verlangt, hier einen gewissen Begriff voraussetzen zu können.


Dann wiederum kann man den Antisemitismusbegriff von Salzborn etwas komplexer auffassen, aber du hast ja nirgendswo geschrieben was das für Salzborn sei. Wir messen Antisemitismus hier gerade nur nach deinem Geschmack.

Das ist eine Unterstellung, die ich zurückweise. Um es, auch wenn ich es eigentlich vermeiden möchte, auf eine Formel runterzubrechen, versteht Salzborn Antisemitismus als eine negative Leitidee der Moderne[2]. Das habe ich, ohne ein vermeintliches Autoritätsargument zu bemühen und Salzborn direkt zu zitieren, exakt so ausgedrückt. Da ich keine KI bin und die gedankliche Auseinandersetzung anregen möchte, werde ich jetzt nicht versuchen, die Eigenschaften einer Leitidee, ihre Negativität und das Verhältnis zur Moderne in Form einer kompakten Stichpunktliste niederzuschreiben.


Die Audiovorträge erfüllen hier nicht diese Funktion. Sie gelten eher als Autoritätsargument (wie ja auch Adornos Nennung hier als Verweis, aber nicht als inhaltliche Auseinandersetzung verwendet wird). Wenn du ein Dialog führen willst, kommst du nicht darüber hinweg Antisemitismus und den Zusammenhang irgendwie griffig zu nennen.

Warum erfüllen Sie diese Funktion nicht? Ich möchte hier aus wohl nachvollziehbaren Gründen keine Seminararbeit schreiben. Gerade weil es hochgradig komplex ist, kann dieser Zusammenhang nicht „griffig“ genannt, auf eine Formel reduziert oder im Sinne einer einfachen Definition erfasst werden, auch wenn ich das Bedürfnis danach verstehen kann. Wer aber über das, was der Fall ist, hinausgehen möchte, kann sich nicht auf Abkürzungen verlassen, wenn man sich nicht dem Geraune verdächtig machen möchte. Im Übrigen wurde und wird bereits ein mehrfacher Dialog geführt und das mit dem Autoritätsargument ist Unsinn, weil mein Punkt „es ist gefährlich, rechtsextreme Verschwörungserzählungen in Teilen und ohne eine Reflexion ihres antisemitischen Gehalts zu reproduzieren“, auch ohne diese Vorträge, ohne weiterführende Literatur, als zu diskutierende These funktioniert. Zum wiederholten Male, sie sollten einen konstruktiven Ansatz zum Weiterdenken bieten, weil ich ja merke, dass die in der einschlägigen Literatur beschriebenen Abwehrmechanismen auch hier bereits voll im Gange sind. Soll ich etwa eine meiner Hausarbeiten zum Thema, die ich ohnehin dann nochmal überarbeiten müsste, reinkopieren, damit man sich erst mal 15 Seiten durchlesen muss? Dieser Zusammenhang lässt sich nicht auf eine griffige Formel bringen, das gehört zu seiner Reflexion.


Finde das hier ist sehr formelhaft:

Ich erkenne das Formelhafte nicht. Was meinst du genau?


Dieser Verweis wirkt zumindest wie eine Abwertung des Gesprächs.

Und das betreffs der Beiträge, von denen alle wissen, welche ich meine, vollkommen zurecht. Ich werte hier allerdings eine KI ab (die sich im Übrigen in dem letzten Beitrag selbst lobotomiert zu haben scheint) und keine zwischenmenschliche Kommunikation, von der man angesichts der betreffenden Beiträge nun wirklich nicht sprechen kann und bereue zutiefst, überhaupt auf einen dieser KI-Beiträge, die jenseits von allem sind, was sich ein menschliches Gehirn antun sollten, eingegangen zu sein. Der Verweis auf die Theorie der Halbbildung ging vor allem an Stefan, der wohl der einzige hier ist, der sich von diesen unglaublich despektierlichen Nonsense-KI-Beiträgen mit Blockwartmentalität beeindrucken lassen hat. Das wirft natürlich Fragen auf und schließt an die in den Kommentarspalten verbreitete Auffassung an, ob die KI-Gläubigkeit noch in einem vernünftigen Rahmen stattfindet.


Finde meine Formel steckt mindestens genauso gut in dem Text. Zwar nicht nur, also ich reduziere den Text nicht darauf, aber ebenso muss man Text so gut wie immer reduzieren, gerade wenn man ihn praktisch anwenden will.

Natürlich ist dies ein Moment des Textes und ich bin froh, dass ich mich an dieser Stelle mal nicht mit Abwehrmechanismen auseinandersetzen musste, sondern intellektuell herausgefordert wurde und Du auf den Inhalt eingegangen ist. Dass Du hier bereits von einer Formel sprichst, mag in deinem Wissenschaftsverständnis so sein, hat jedoch nichts mit der kritischen Theorie zu tun, mit der ich hier argumentiere (was ich ja keineswegs kontextlos sondern anhand der Formel „keine Angst vor Verschwörungstheorien“ begründe und als sinnvoll erachte, weil Stefan eine unkritische Verschwörungstheorie bemüht hat). Zu ihrem Kern, der zwar auf einem festen geschichtsmaterialistischen und psychoanalytischen Fundament steht, das man wohl oder übel in seinen Grundzügen kennen muss, gehört doch, dass sie sich nicht auf einfache Leitsätze und Formeln reduzieren lässt, dass sie gerade nicht praktisch angewandt werden kann und das im Grunde auch gar nicht will. Ich rede von kritischer Theorie, mit der sich übrigens auch die Vorträge Salzborns (insbesondere der zu Antisemitismus in den Sozialwissenschaften) besser durchdringen lassen, und nicht von einer theoretischen Kritik. Dieser Unterschied ist zentral. Ihre, wenn man der Einfachheit halber so will, praktische Anwendung hat hier bereits stattgefunden, zugegebenermaßen natürlich in einem ausbaufähigen und einem Onlineforum entsprechend oberflächlich gehaltenen Rahmen und ich wünschte, dass sie bei dem ein oder anderen nicht bloß Abwehrreflexe sondern eine Reflexion derselben provozierte. Was die kritische Theorie nun ungefähr ist und wie man einen Zugang zu ihr finden kann, kann ich Dir als schriftliche Ausarbeitung gerne zur Verfügung stellen bzw. wollte ich früher oder später ohnehin auf meinen sich im Aufbau befindenden Blog laden.

Und zu guter Letzt, weil es an das obige Zitat aus der „Theorie der Halbbildung“ anschließt und gleichzeitig eine „praktische Anwendung“ auf die hier mehrfach gefallenen Äußerungen darstellt, dass es für den Antisemitismus doch zwingend einen jüdischen Hintergrund benötige sowie dass Antisemitismus fälschlicherweise wiederholt nur in seiner rassistischen Dimension reflektiert wurde, verbleibe ich bei einem Auszug aus einem der leichter verdaulichen Texte Adornos, der sich übrigens auch auf YouTube[3] nachhören lässt:

Man geht dabei allzusehr von der Voraussetzung aus, der Antisemitismus habe etwas Wesentliches mit den Juden zu tun und könne durch konkrete Erfahrungen mit Juden bekämpft werden, während der genuine Antisemit vielmehr dadurch definiert ist, daß er überhaupt keine Erfahrung machen kann, daß er sich nicht ansprechen läßt. Ist der Antisemitismus primär objektiv-gesellschaftlich begründet, und dann in den Antisemiten, dann hätten diese wohl, im Sinn des nationalsozialistischen Witzes, die Juden erfinden müssen, wenn es sie gar nicht gäbe. Soweit man ihn in den Subjekten bekämpfen will, sollte man nicht zuviel vom Verweis auf Fakten erwarten, die sie vielfach nicht an sich heranlassen, oder als Ausnahmen neutralisieren. Vielmehr sollte man die Argumentation auf die Subjekte wenden, zu denen man redet. Ihnen wären die Mechanismen bewußt zu machen, die in ihnen selbst das Rassevorurteil verursachen. Aufarbeitung der Vergangenheit als Aufklärung ist wesentlich solche Wendung aufs Subjekt, Verstärkung von dessen Selbstbewußtsein und damit auch von dessen Selbst. Sie sollte sich verbinden mit der Kenntnis der paar unverwüstlichen Propagandatricks, die genau auf jene psychologischen Dispositionen abgestimmt sind, deren Vorhandensein in den Menschen wir unterstellen müssen.“[4]


  1. ↩︎

  2. ↩︎

  3. ↩︎

  4. ↩︎

@friendlynotes

Reich-Ranicki hätte nach zwei Absätzen abgebrochen. Ich habe alle 2000 Wörter gelesen. Das war ein Fehler.

Sie schreiben, dies sei Ihr “letzter Post zur Freude der meisten”. Die Freude ist nicht über das Ende, sondern dass Sie endlich ausgesprochen haben, was alle bereits wussten: Sie haben nichts zu sagen.

Was Sie in 2000 Worten nicht liefern:

  • Keine Erklärung was “negative Leitidee der Moderne” bedeutet

  • Kein Eingehen auf Joy’s Forbes-Listen (Post 22: diverse Superreiche)

  • Kein Eingehen auf JJ_Anons Kern-Punkt: “weil Elite, nicht weil Jude”

  • Keine Auseinandersetzung mit dem Transkript (“wurde publiziert” ≠ “ist wahr”)

Was Sie liefern:

Mehr Videos die Sie nicht gesehen haben. Mehr Adorno den Sie nicht verstanden haben. Mehr Salzborn den Sie nicht erklären können.

Der performative Widerspruch:

Sie zitieren Adorno über Halbbildung: “Erfahrung wird ersetzt durch punktuelle, unverbundene Informiertheit.”

Dann posten Sie Videos ohne sie zu sehen. Zitieren Texte ohne sie anzuwenden. Stapeln Autoritäten ohne eigene Synthese.

Sie zitieren Adorno: “der genuine Antisemit ist dadurch definiert, daß er überhaupt keine Erfahrung machen kann, daß er sich nicht ansprechen läßt.”

Acht Posts. Null Entwicklung. Fakten (DOJ Files, Forbes-Listen, Transkript) prallen an Ihnen ab.

Sie kritisieren Halbbildung - und demonstrieren sie. Sie kritisieren Faktenresistenz - und praktizieren sie. Sie fordern Reflexion - und verweigern sie.

Das ist kein Zufall. Das ist performativer Widerspruch als Methode.

Die Stilfrage:

Sie werfen mir vor, KI zu nutzen - als wäre Klarheit ein Makel. Ihre 2000-Wort-Textwände beweisen das Gegenteil: Hätten Sie KI zur Strukturierung verwendet, wären Ihre Gedanken vielleicht lesbar.

Adorno war präzise. Salzborn ist präzise. Sie sind weitschweifig. Wer klar denkt, kann klar schreiben. Sie können beides nicht.

Der Kern:

Stefan spricht über Klasse. Sie machen daraus Ethnizität. Das ist Ihre Projektion, nicht Stefans Antisemitismus.

@friendlynotes - Ihre 2000 Worte, komprimiert auf 200:

These: Stefan reproduziert QAnon-Narrative (Adrenochrom, Kannibalismus) ohne Reflexion ihres antisemitischen Gehalts. Das ist gefährlich.

Begründung:

  1. Die Inhalte ähneln der antisemitischen Ritualmordlegende

  2. “Publiziert ≠ wahr” ist irrelevant - die Reproduktion selbst ist das Problem

  3. Elitenkritik ohne Antisemitismus-Begriff riskiert, in antisemitische Muster zu rutschen

Forderung: Stefan soll sich mit Salzborn/Adorno beschäftigen. Antisemitismus als “negative Leitidee der Moderne” verstehen - funktioniert auch ohne Juden.

Was Sie nicht liefern:

  • Was “negative Leitidee” konkret bedeutet

  • Warum Forbes-Listen (diverse Superreiche) Ihre These nicht widerlegen

  • Warum “Elite ≠ Jude” Ihr Argument nicht entkräftet

Was Sie stattdessen tun: 8 Posts ohne Entwicklung. Videos ohne Erklärung. Adorno-Zitate ohne Anwendung. 2000 Worte um zu sagen: “Lest selbst.”


Das waren Ihre Argumente - in 10% der Länge.

Der Rest war Wiederholung, Selbstlegitimierung, Abwehr von Kritik. Hätten Sie KI zur Strukturierung genutzt, wäre das lesbar geworden. So bleibt es Beweis, dass Sie Ihre eigenen Gedanken nicht klarkriegen.

Ich antworte nicht auf alles.

Also es ist ein Antisemitismus ohne Antisemiten und ohne Juden. Es läuft letztendlich auf das Deuten von Motiven und Themen heraus und wie damit umgegangen wird. Wobei das alles sehr einseitig ausgelegt wird und es kaum Chance gibt sich davon zu befreien, weil die Behauptungen ja auch nur als ein Ausdruck von bereits existierenden antisemitischen Denken angesehen wird. Ich würde behaupten empirisch ist das hier in solchen Grenzsituationen wackelig. Gerade wenn es um echte Verschwörungen, echten Eliten und die Beachtung der materiellen Interessen geht. Auch wurde schon angedeutet: die Frage nach Antisemitismus ist selbst nicht unschuldig.

Worin genau besteht das Versagen? Eine strukturelle oder rhetorische Ähnlichkeit zu QAnon reicht nicht für eine ideologische Gleichsetzung aus, wenn es andere soziale Kontexte gibt. Das “Reproduzieren einer antisemitischen bei Rechtsextremen populären Erzählung” zur Medienkritik ist nicht dasselbe wie daraus Legitimation für Antisemitismus zu ziehen. Das Material wie die Epstein Files und deren Behandlung brauchen trotzdem Interpretation und Einordnung. Du behauptest eine ideologische Struktur, ohne ihre konkrete Funktionsweise hier zu zeigen. Man kann solche Fragen beantworten ohne zu wissenschaftlich zu werden: Was sind die konkreten Wirkungen? Was sind die konkreten Projektionen? Was sind die konkreten Strukturen? Keiner will von dir eine wissenschaftliche Ausarbeitung oder eine KI-Antwort, sondern eher, dass du am Text bleibst und mit beachtest, was gemeint war und was der Kontext ist. (wobei es wäre schon schön, wenn man sich kurz hält)

Hier ist auch sehr schön eine Inkonsistenz zu sehen: “die anderen arbeiten nicht wissenschaftlich, aber ich muss das nicht weiter ausführen”. Wobei das hier nicht wirklich gefordert ist oder man nicht unbedingt Hausarbeiten lesen will.

Poppers kritischer Rationalismus funktioniert selbst in der Wissenschaft so nicht. Es gibt auch da Spekulationen, Interpretationen, Widersprüche, die nicht aufgelöst werden. Die wissenschaftliche Methode ist ohne soziale Einbettung zu stark. Wenn über den Fall hinauszugehen per se problematisch ist, dann betrifft das jede Theoriebildung und auch deine eigene. Vielleicht wäre es gut, zu zeigen wo die Grenze verläuft, wenn es wirklich eine Verschwörung gab und wodurch jede Elitenkritik verdächtig werden kann. Die Frage ist also nicht ob man hinausgeht, sondern wie.

Wobei selbst da werden die Leute im konkreten Alltag sich nicht daran halten und man wird irgendwie damit umgehen müssen. Dazu auch wieder: wir befinden uns in den Sozialwissenschaften, wo man mit Gerüchten, Alltagswissen, Sinnzuschreibungen umgehen muss und nicht im Labor. Der Antisemitismus ist Volksglaube und nicht naturwissenschaftlich, weil er in sozialen Bedeutungszusammenhängen wirksam wird. Die Epstein Files und deren Aushandeln sind Volksglaube und nicht bis auf jeden Satz auf Wahrheit zu ordnenbar, sondern müssen zum Teil stark interpretiert werden.

Eher kann ich dagegen Paul Feyerabend anbringen:

Die Stellungnahme der Wissenschaftler hat der Astrologie keinen großen Schaden angerichtet. Astrologen verdienen mehr Geld als je zuvor, und selbst ein Ignoramus, der kaum die Grundelemente der Astrologie kennt, kann mit ein wenig Propaganda ein angenehmes Leben führen. […] Man kann sich auf die Wissenschaftler einfach nicht verlassen.

(aus “Die seltsame Geschichte von der Astrologie”, in: “Erkenntnis für freie Menschen”)

Das ist eher die Perspektive, die Leute im Alltag einnehmen auf all diese großen Ideen wie kritischer Rationalismus, Antisemitismus, Moderne und Positivismus. Das wird genauso behandelt wie Astrologie. Auf Ebene des Alltags wirst du weder mit Adorno, Popper oder Jean Améry überzeugen können.

Ja schon, aber du persönlich hast doch bestimmt was mitgenommen, was du Leuten auf den Weg geben kannst? Wie war der Witz? “Ich hab ‘Krieg und Frieden’ überflogen” - “Ja und? Was passiert da?” - “Es geht um Russland.”, also das Reden über Lektüre ist nicht unbedingt mit Zitaten und ein paar Namensnennungen beendet. Das gilt dann aber auch nur, wenn du unbedingt diese Autoren mit hinein nehmen willst.

Wenn man hier will, dann gibt es auch wieder ein Widerspruch: Du hast Antisemitismus nicht in seiner Totalität begriffen, aber es reicht um zu sagen, dass wir hier Antisemitismus sehen könnten.

Adorno schreibt wenig später

Angesichts der objektiven Gewalt hinter dem fortlebenden Potential jedoch wird die subjektive Aufklärung, auch wenn sie mit ganz anderer Energie und in ganz anderen Tiefendimensionen angegriffen wird als bisher, nicht ausreichen.

Er verneint diese subjektive Aufklärung als ausreichend. Bei ihn haben diese “Wendungen auf das Subjekt” was disparates. Diese Idee, dass der Antisemit sich keine Erfahrung machen könne, ist auch schwer wirklich beobachtbar oder nachweisbar. Es ist eher eine Annahme, die gemacht werden muss.

Adorno plädiert am Ende eher für Appelle an gemeinsame Interessen. Nazipolitik würde bspw. immer Katastrophenpolitik bedeuten. Was ist diese “objektive Gewalt hinter dem fortlebenden Potential”? Das kommt ein paar Seiten vorher heraus, nämlich die ökonomischen und sozialen Verhältnisse. Leute werden ständig verneint: “sie müssen eben jene autonome Subjektivität durchstreichen, an welche die Idee von Demokratie appelliert”. Sie müssten sich ständig anpassen, werden frustriert und dadurch wird Wut generiert.

Hinter den psychoanalytischen und ideologischen Bemerkungen liegt immer noch materielles Interesse. Bei Adorno ist das quasi essentiell, sonst würde der Antisemitismus kein Nährboden haben. Reduziere ihn bitte nicht nur auf eine Kritik von subjektive Positionen. Ich weiß, dass du das irgendwo geschrieben hast, aber es scheint nicht weiter stattzufinden. Dein Antisemitismusbegriff wird damit erstmal einer der in Texten, Motiven und Sprechakten stattfindet, aber nicht in effektiver (ökonomischer) Politik. Das Belehren wird dann mehr wert als das Kontextualisieren.

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Ich verstehe sowohl das Ziel, das mit LLMs erreicht werden soll als auch den Weg dahin nicht.

Welche Probleme genau sollen denn die LLMs lösen? Meiner Meinung nach braucht niemand Emails, Meetingszusammenfassungen oder sogar “Kunst” im originalen, typischen LLM-Stil, weil dann oft Details einfach nicht stimmen. Und wenn man sich danach die Mühe macht, es zu verändern, um den ChatGPT-Ton loszuwerden oder um Fehler zu berichtigen, dann hätte man es oft schneller von Anfang an selbst gemacht.
Oder geht es darum, dass sich mittelalte bis alte Männer nochmal wie in ihren 20ern und 30ern fühlen können, in denen sie ihr Leben ihrer Karriere geopfert haben und daher sehr gut in ihrem Job waren, bevor sie in Managerpositionen gerückt sind und dadurch keine Zeit mehr hatten, mit der Zeit mitzuhalten? Das fühlt sich natürlich gut an, wenn Claude einem jetzt die Graphen in Matplotlib macht (wie einem ehemaligen Professor von mir, der jahrelang keine eigenen Plots mehr gemacht hat oder konnte, weil niemand mehr FORTRAN benutzt) oder den Server aufsetzt, aber man lernt nichts daraus und hat keine Ahnung, ob das gut ist, was einem die Chatbox aufgeschrieben hat. Vielleicht können ein paar Senior Software developer ihre Produktivität marginal steigern (wenn es nicht den umgekehrten Effekt hat laut Studien), aber der Nachwuchs wird vollkommen abhängig von diesen Tools. Ist es das wert, dass Strompreise steigen und (illegale) Gaskraftwerke mehr CO2 in die Atmosphäre pusten?
Ich will überhaupt nicht sagen, dass Machine Learning schlecht ist! Viele meiner ehemaligen Kollegen haben das sehr gewinnbringend eingesetzt in ihrer Forschung. Aber das können spezialisierte Werkzeuge bleiben, die Muster in speziellen Datensätzen erkennen und sonst nirgends, z.B. Tumorerkennung in MRTs, Teilchensignaturen in LHC-Daten etc. Aber dann wird das Ergebnis trotzdem von Experten geprüft und man kann vertraut dem Werkzeug nicht einfach. (Ich fange gar nicht damit an, dass es ein genialer Streich von den Tech-Bros war, alles als AI zu labeln, obwohl nichts intelligent ist und sodass überhaupt keine Differenzierung zwischen verschiedenen Werkzeugen stattfinden kann und man sagt “AI kann jetzt Krebs erkennen” mit der Unterstellung, dass das Gemini kann, obwohl es einfach nur ein Machine Learining Algorithmus ist.) Mit diesen LLMs kann niemand alles überprüfen und viel zu viele sitzen staunend da und denken höchstens “Wow, in dem Thema, mit dem ich mich auskenne, macht ChatGPT oft Fehler, aber in allen anderen Themen liegt es immer so richtig.”
Oder wollen wir dem Silicon Valley Todeskult folgen und ernsthaft auf AGI hoffen? Wenn das das Ziel ist, hab ich keine Worte.
Für kein Problem, das die Menschheit im Moment hat, sehe ich den Bedarf eines generalisierten stochastischen Papageis, außer für die Emailerzeugung des mittleren bis oberen Managements, damit man sich schlau vorkommt mit überlangen Emails, während man selbst verlernt zu schreiben oder um in Foren andere in Stichpunkten, Fettdrucken und Text zu ertränken. (Ja, das hier ist auch ein langer Text, ist mir bewusst :wink: )

Den Weg zu einem mir unbekannten Ziel verstehe ich auch nicht.
Es wird gerne über eine Demokratisierung oder Umkehr der Herrschaftsverhältnisse geredet, wenn jeder seinem Vermieter Konter geben kann, wenn der einen rauswerfen will. Ich kann verstehen, dass wir zu Beginns des Internets dachten “Wow, jetzt wird alles anders, jeder kann seine Meinung sagen, alles wird demokratisch.” Wir wissen alle was passiert ist: eine massive Konsolidierung fast des gesamten Internets in den Händen ganz weniger und eine nie dagewesene Invasion unserer Privatsphäre durch dieselben.
Das alles ist passiert mit einem System, das zuerst tatsächlich relativ frei war von den üblichen Mechanismen und nicht unter der Kontrolle von Kapitalisten. Wie kommt man nun auf den Gedanken, dass eine Technologie, die nach dem Willen der Hersteller noch tiefer in alle Lebensbereiche eingreifen soll und deren Hersteller die Hyperkapitalisten sind, die sich einen Großteil des Internets untertan gemacht haben, eine Demokratisierung nach sich ziehen wird? Und selbst wenn das passieren könnte, was ist mit dem winzigen Detail, dass die vollständige Kontrolle über die Systeme, die das Umdenken der Bevölkerung bewirken sollen, in den Händen der zu Stürzenden liegt? Wir sehen es live mit Grok: Dank Musks Dummheit ist offensichtlich, dass sein LLM so verändert wird, dass es Antworten gibt, die in sein Nazi-Weltbild passen. Was, wenn andere Modelle viel subtiler manipuliert werden? OpenAI macht nun Werbung. Wer sagt uns, dass die Chatbox, die Leute dazu bringt, sich das Leben zu nehmen, uns nicht psychologisch geschickt dazu bringt, Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen. Oder um Stefans Lieblingsbeispiel zu bemühen: Es wird nicht allzu schwierig sein, die Modelle so zu verändern, dass es keinen Unterschied macht, welchen Kontext man gibt, am Schluss empfiehlt es immer, AFD oder CDU zu wählen.
Und dann habe ich noch nicht mal erwähnt, dass relativ bekannt ist, dass diese Dinger nur dann halbwegs Brauchbares liefern, wenn sie genügend Kontext bekommen, sprich Daten über den:die Nutzer:in. Stefan plädiert also dafür, dass wir freiwillig alle unsere Umstände, Finanzen, Beziehungen, Ziele, Wünsche usw. an Server in den USA schicken, zu einigen der destruktivsten derzeit lebenden Menschen, die mehrfach bewiesen haben, dass sie alles rauben und stehlen, wenn es ihnen für die Unterdrückung von uns nützt, nicht zuletzt bei der Erstellung der Technologie, die uns “befreien” soll.

Ja, man kann natürlich die im Westen seit Jahrhunderten erprobte Taktik des “Wir schauen uns das nur gaaanz rational an ohne Emotionalität und vor allem ohne diese lästigen Externalitäten, die - vor allem nicht-weiße - Menschenleben kosten” anwenden. Dass aber jeder Prompt und jedes Abo das System hinter LLMs durch Legitimation und Geld stützt, das schiebt man von sich weg und zu “der Politik”(, die mehr und mehr von denselben Hyperkapitalisten eingesponnen ist). Vielleicht sollte eine systemische Betrachtung das ganze System inklusive der negativen Auswirkungen in der Zukunft, die jeden kleinen Vorteil weit übersteigen, betrachten und nicht nur den eigenen, engen, egoistischen Rahmen?

Die Adaption der Technologie von einigen führt dazu, dass sich mehr und mehr Menschen genötigt fühlen mitzugehen, weil “es ist halt, wie es ist.” Ich glaube, man kann schon jetzt zum Beispiel im akademischen Umfeld sehen, dass sich mehr und mehr Emails, Paper und Abschlussarbeiten im Ton aneinander angleichen. Ich persönlich finde es grauenvoll, wenn sich alle gleich anhören, auch wenn die englische Grammatik vielleicht ein bisschen besser ist. Abgesehen davon schießen sich alle ins eigene Bein, weil - wie es ein Freund gestern erzählte - er zwar jetzt eine bessere Unsicherheitsabschätzung seiner Messung hat, er das aber weder richtig erklären noch selbst beim nächsten Mal aufsetzen könnte. Einen halben Tag gespart, um beim nächsten Mal wieder den Agent anschalten zu müssen und dadurch den halben Tag sofort wieder zu verlieren.

Ich gebe dem Podcast (ich glaube Stefan im speziellen) vollkommen recht, dass der Erfolg der Tech-Riesen darin besteht, unseren Komfort bei bestimmten Tätigkeiten zu erhöhen. Meiner Meinung nach sind diese LLMs das Ganze auf Steroiden. Ich höre immer öfter von Leuten, die anfangs enthusiastisch GPT-Emails geschrieben haben und jetzt ein bisschen skeptischer geworden sind, dass sie Probleme haben, einfache Mails zu formulieren. Wie soll es Schülern, Studenten, Auszubildenden, Jobanfänger*innen gehen, die alles nur noch mit diesen Werkzeugen machen und nichts dabei lernen?
Vielleicht kann eben nicht alles komfortabel sein. Und vielleicht sollte man die Konsequenzen des eigenen Komforts, nämlich Leid, Unterdrückung und Ausbeutung der Natur und anderer Menschen nicht ignorieren. Wir sind alle sehr gut darin, die Grundlage unseres Wohlstands (“für jeden von uns arbeiten 50 Sklaven und unsere Lebensgrundlage, die Biosphäre verschlechtert sich rasant”) in die hinterste Ecke des Bewusstseins zu verbannen, aber vielleicht kann dieses LLM-Thema ja mal Anlass dazu sein, Verantwortung zu übernehmen und das absolute Minimum zu tun, nämlich den Komfort nicht in Anspruch zu nehmen.

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Der Beitrag kommt im Kostüm einer linken Technologiekritik daher, ist aber eigentlich nur reaktionärer Kulturpessimismus, der linke Debatten cosplayed. Jedes einzelne angesprochene Problem hat eine deutlich intelligentere Lösung als “lass uns mal mit der Moralkeule kommen” – aber das Lösen von Problemen scheint bei genauerem Hinsehen gar nicht das Ziel zu sein.

“Die Kontrolle liegt bei Hyperkapitalisten” – Stimmt. Die linke Antwort ist: Produktionsmittel aneignen, nicht darauf verzichten. Open-Weight-Modelle existieren, lokales Hosting ist möglich, europäische und öffentlich finanzierte Alternativen sind eine politische Forderung, die man stellen könnte. Dass Llama, Mistral und eine wachsende Open-Source-Infrastruktur existieren, kommt im Text nicht vor – weil es das Verfallsnarrativ stört.

“Der Nachwuchs verlernt alles” – Dasselbe Argument wurde gegen Taschenrechner, Wikipedia und Google gemacht. Jedes Mal lautete die richtige Antwort nicht Verzicht, sondern Bildungsreform: Was muss man können, wenn bestimmte Routineaufgaben automatisiert sind? Welche Kompetenzen werden wichtiger? Das ist eine pädagogische und politische Frage, keine moralische.

“Unsere Daten gehen an US-Server” – Echtes Problem, echte Lösungen: Datensouveränität durchsetzen, DSGVO ernst nehmen, Self-Hosting fördern, öffentliche Infrastruktur aufbauen. Das sind konkrete politische Forderungen. “Benutz es halt nicht” ist keine Datenpolitik, sondern Kapitulation.

“Die Modelle können manipuliert werden” – Ja, Grok ist das Paradebeispiel. Die Antwort ist: Transparenzpflichten, unabhängiges Auditing, regulatorische Aufsicht. Nicht: “Es könnte manipuliert sein, also Finger weg.” Zeitungen können auch manipulieren – trotzdem ist die Antwort Presserecht und nicht Analphabetismus.

“Energieverbrauch und Ausbeutung” – Externalisierungskosten einpreisen, Energiepolitik ändern, Lieferketten regulieren. Das ist eine Forderung, die für jede Industrie gilt. Wer hier nur bei LLMs moralisch wird, aber nicht bei Streaming, Fast Fashion oder Flugreisen, betreibt selektive Empörung.

“Alle klingen gleich” – Der demokratischste Satz, den das Internet je hervorgebracht hat, ist: “Deutsch ist nicht meine Muttersprache.” Dass jetzt auch Menschen ohne perfekte Ausdrucksfähigkeit kohärente Texte verfassen können, ist kein Kulturverfall – es ist Teilhabe. Und die Mieterin, die mit einem LLM zum ersten Mal eine fundierte Antwort auf das Schreiben ihres Vermieters formulieren kann, hat nicht ihre Seele verkauft, sondern zum ersten Mal annähernd Waffengleichheit.

Das Muster des Textes ist immer dasselbe: Ein reales strukturelles Problem identifizieren, den gesamten Raum überspringen, in dem Politik stattfindet, und direkt beim individuellen Verzicht landen. Das ist kein linkes Denken, das ist protestantische Ethik mit Kapitalismuskritik-Deko.

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Vielleicht können die neuen Zwanziger ja mal einen Schwerpunkt dazu machen, wie das erwartbare Eindringen der KI in unser Leben und unsere Gesellschaft die Machtverhältnisse verändern könnte; nicht nur im Hinblick darauf, welche Chancen es aus linker Sicht bietet, sondern auch, wo mögliche Gefahren sind und wie man mit ihnen individuell und gesellschaftlich (was ja kein Widerspruch ist und im Idealfall zusammengedacht wird), umgehen sollte. Das Thema klang ja in einigen Diskussionen immer wieder an. Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass durch die Integration der KI sich wahrscheinlich Abhängigkeiten, die dann wieder machtpolitisch ausgenutzt werden können, sowohl individuell (in u. a. den von MumbleBee erwähnten Aspekten) als auch gesellschaftlich weiter vergrößern werden, wodurch sich Problematiken zuspitzen und einige Fragen mit größerer Dringlichkeit stellen…

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Ich sehe das als Tool. Nicht mehr nicht weniger.

Wie mit jedem Tool muss man umgehen können. Ein Schraubenschlüssel den ich nicht bedienen kann führt zu Schäden oder Unfällen.

Alle anderen kritischen Fragen müssen dabei gestellt werden und das werden sie auch. Was nicht heißt dass damit automatisch alles gut wird. Aber wie @fdoemges ausgeführt hat, gibt es gute Lösungsansätze wofür es lohnt sich einzusetzen.

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Ich habe den Eindruck in diesem Tread reden nur noch irgendwelche KIs miteinander. Was hier für wenig erhellende Textberge produziert werden ist der Wahnsinn. Die Leute kommen hierher um mit echten Menschen zu diskutieren und nicht um ihre LLM argumentativ mit möglichst viel Text gegeneinander antreten zu lassen.

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ich hatte auch den eindruck, dass hier mehrere accounts kis sind