Mai-Salon: Gegenmacht, Kunstfreiheit und gute Literatur

Das ist gut für alle sogenannten Bildungsbürger. Für die Mobilisierung mit Blick auf ein Gegenformat zur BILD-Zeitung ist das keine Stärke, sondern eine Schwäche. Die Vertiefung verlangt mehr Zeit und Aufmerksamkeit - genau das, was die Zielgruppe des Boulevard in der Regel nicht aufbringt. Es geht nur mit sprachlicher Reduktion und sehr kurzer Darstellung, und zwar auf Grundlage von Tatsachen. Vertiefen in das Thema können sich interessierte Leser mithilfe anderer Quellen immer noch. Satire ist für Boulevard das falsche Format, zumal wenn sie ideologisch und moralisch belehrend und vollkommen ohne Humor ist.

Hier ein Beispiel mit echtem Bezug zu tatsächlichen aktuellen Konflikten, wie ein Artikel aussehen könnte, der auf den vorher genannten Mechanismen aufsetzt. Ohne Überspitzung. Ohne Ironie.

Das Boulevard-Blatt von links (als Gegenmacht zur BILD-Zeitung)

EIN MUSTERARTIKEL

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„ANGIFF AUF UNSERE RENTEN - Kanzler spricht von ‚BASIS-ABSICHERUNG‘
Drei Schichten. Vollzeit. Am Band, am Bett, am Steuer – und am Ende GERADE SO über dem Grundsicherungs-Niveau.
Der Kanzler nennt deine Rente jetzt „Basis”. Übersetzt: das Minimum, mit dem man dich gerade noch nicht verhungern lässt. Den Rest sollst du privat ansparen – von einem Lohn, der schon heute kaum für die Miete reicht. Wer 45 Jahre schuftet, hat sich mehr verdient als ein Wort, das nach Almosen klingt. „Keine Kürzung”, sagt er. Stimmt – gekürzt wird nicht. Abgesenkt schon. Es geht um unsere Würde!“

Da bin ich mir nicht sicher. Meine Anmerkungen sind dann auch keine Mahnung, sondern eher die Randbereiche. Das SUV-Shaming hat auch nicht geklappt… die “Vertiefung” ist dann aber meistens mit “lies doch erstmal XYZ!” verbunden… und die Studenten hatten wir schon mal vor den Werkstoren…

und da will ich keinen Habermas… :rofl:

Da missverstehst Du mich. Ich habe keine Lust auf unproduktive Schleifen, nicht Angst vor Fehlern. (Jahrelang aufs Maul bekommen beim Castor, bei Nazidemos, jahrelang gebloggt, an Zeitschriften mitgearbeitet, tausende € in die Gewerkschaft gesteckt…)

Das ist in Bezug auf Armut jahrhundertealte Tradition und kommt mit der Argumentation des “sich Verdienens” und der Charakterschwäche. Da wird es eben schwierig Reichtum als unverdient und obszön herauszuarbeiten, weil wir das Gegenteil eingeübt haben. Ansatzweise findet das über das Thema “Gerechtigkeit” statt, da wird dann aber auch wieder nach unten getreten…

(PETA war mit dem Achtungsentzug ja recht erfolgreich mit der Jagd auf Pelzträgerinnen mit Farbe im öffentlichen Raum…)

Wo missversteh ich dich? Die Frage war nicht, ob du Angst vor Fehlern hast. Das hatte dir auch niemand unterstellt. Die Frage war, warum in dieser Diskussion aus Mobilisierung reflexartig Führerkult wird, aus Affekt sofort Le Bon, aus Boulevard-Idee direkt Verblödung. Das ist ein Muster in der Diskussion.

Die politische Biographie erklärt deine Ungeduld. Aber als Argument gegen die Frage funktioniert sie nicht. Sicherheit kann einen niemand geben, das stimmt. Aber darum ging es nicht. Es ging darum, warum der Katastrophenhorizont so schnell gezogen wird und das ist eine Frage über die Diskussion hier, nicht über deine Vergangenheit.

Wenn ich einen Vorwurf formulieren würde, dann diesen: dass der eigene Frust dazu neigt, Handlungsoptionen zu schließen bevor sie geprüft sind. Le Bon als Reflexantwort auf Mobilisierung ist genau das. Nicht Angst vor Fehlern, sondern vorzeitiger Abschluss.

Damit man das mal einsortieren kann was ich mit Piker und Co meine.

Dem gegenüber stelle ich folgendes:

Muss man nicht. Nie mehr. Wer auch immer mit so was ankommt, den haue ich weg mit der Schlagzeile:

Epstein-Kumpel Bill Gates: Wie der angebliche Philanthrop mit der Pandemie Millionen verdient hat

Dazu ein bisschen Text von LINKS!-Redaktionsassistentin Claudi:

Er gibt sich als Retter der Menschheit. Doch während du im Lockdown saßt, klingelte seine Kasse.

Gates’ Stiftung investierte vor der Pandemie massiv in Impfstoffhersteller – darunter BioNTech und CureVac. Als Covid kam, explodierten die Kurse. Zufall?

Gates verkaufte rechtzeitig – und sahnte 260 Millionen Dollar ab.

Die Rechnung ist simpel: Wer Gesundheitspolitik mitfinanziert und gleichzeitig in deren Profiteure investiert, hat ein Interesse daran, dass die Lösung teuer ist – nicht schnell.

Gates’ Stiftung gibt Milliarden an die WHO. Damit ist er deren zweitgrößter Einzelspender. Wer zahlt, schafft an. Welche Medikamente empfohlen werden, welche Länder welche Impfstoffe bekommen – Gates mischt mit. Ohne Wahl. Ohne Mandat. Ohne Kontrolle.

Und Epstein? Gates traf den verurteilten Pädophilen nach dessen erster Verurteilung – mehrfach. Er flog in seinem Jet. Er schlief in seinem Haus. Seine Erklärung: Geschäftliches. Was für Geschäfte, wird bis heute nicht beantwortet.

Fazit: Wenn ein Privatmann mehr Einfluss auf globale Gesundheitspolitik hat als gewählte Regierungen – und dabei persönlich profitiert – nennen wir das nicht Philanthropie. Wir nennen es Macht.

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Ein Statement - ganz nach meinem Geschmack. :raising_hands:

Dann nimm mich halt als negative Rückkopplungsschlaufe (positive Rückkopplung ist in handlungsoptimistischen Kreisen ja auch eher das gewohnte Muster.)

Nene, ich prüfe sie ja gerade hier.

Oder gerade “Klassengesellschaft akut. Warum Lohnarbeit spaltet und wie es anders gehen kann” von Nicole Mayer-Ahuja gelesen, die natürlich (ganz konstruktiv) auch ein “Was tun?” Kapitel (ca.50 von 240 Seiten, konkretes dampft sich aber eher auf 15-20 Seiten) in ihr Buch einbaut und zu dem Schluss kommt:

  • staatliche Politik (muss handeln)
  • Betriebsräte und Gewerkschaften (als Verbündete)
  • “Kampf um die Köpfe”

und kommt z.B. bei “Kampf um die Köpfe” (S.225 ff) zu meinem Punkt: “Allerdings betonen Westhäuser und Lux zu Recht, dass “Klassenidentität unter verschiedenen politischen Vorzeichen politisiert werden kann.” Sie kann als Grundlage dienen, um sich (vertikal) gegenüber “den Reichen, Chefs und Eigentümerinnen” abzugrenzen, oder um (horizontal) Grenzen “gegenüber anderen Lohnabhängigengruppen (etwa Migrantinnen, Transfernempfängerinnen oder gesellschaftlichen Außenseiter*innen) zu ziehen. Aktuell entscheiden sich bekanntlich vielen von denen, die sich selbst der Arbeiterschaft zuordnen, für die zweite Option.”

Das bestätigt auch Dörre in seinen Forschungen etc., es ist also viel weniger Frust, als tatsächliche Prüfung der vorgestellten Ideen…

(mal abgesehen von: Er hat Geld und investiert es + er hatte Kontakt zu unappetitlichen Menschen) wie beantwortest Du dann das “Museum Würth”?

Ich hatte gestern mit „teilweise“ geantwortet und möchte das genauer skizzieren. Mit Blick auf die Themendiskussion ist die Frage nach der Moral keine Lappalie. Ich würde sie auf einer Metaebene der Ethik platzieren:

SIND METHODEN ZULÄSSIG, DIE MIT BLICK AUF DIE PSYCHOLOGIE EINER MASSE VON MENSCHEN OFFENSICHTLICH ESKALATIONEN GEGEN ANDERE PERSONEN ODER GRUPPEN AUSLÖSEN KÖNNEN?

Diese Frage möchte ich ergänzend zu Beschreibungen des folgenden Textes betrachten:

https://smalltalk.neuezwanziger.de/t/mai-salon-gegenmacht-kunstfreiheit-und-gute-literatur/585/128?u=ernst

Hier schließe ich direkt mit der Argumentation an.

Das Muster der BILD-Zeitung (politisch rechts) ist es, bestimmte Themen willkürlich zu problematisieren, diffuse Ängste zu schüren und buchstäblich Sündenböcke zu präsentieren. Mit Blick auf eine Psychologie der Massen ist das offensichtlich verhängnisvoll, weil Neid und Hass geschürt werden, die Eskalationen nach sich ziehen können.

Das Muster des Boulevard-Blatt von links ist es, echte Missstände und Standardverstöße zu problematisieren - ausdrücklich ohne auf Sündenböcke zu zeigen! - und bestimmte Handlungen oder Unterlassungen von Regierung und Parlament zu verlangen. „Reichtum besteuern!“ oder „Hände weg von den Renten!“ wären beispielsweise Forderungen. Themen werden nicht personalisiert, sondern Änderungen in der Struktur werden verlangt. Nicht Reiche werden persönlich angegriffen - sie können so reich sein wie sie wollen, solange das nicht durch Ausbeutung, legalen Betrug (z.B. Cum/Es oder Strohmanngeschäfte) und Ungerechtigkeit im Reglement (Steuersatz auf Erwerbseinkommen vs. Steuersatz auf Kapitaleinkommen) zustande kommt. Und ja, es gibt eine Grenzen, ab wann genug Reichtum angehäuft wurde und dann wird ab Betrag X eine Steuer von 99,0% erhoben. Wie auch immer - adressiert wird stets die Legislative, also die Politik. Eine Ausnahme gibt es mit Blick auf die Nutzung des Sündenbocks: Wenn einzelne Regierungsmitglieder sich als Klassenkämpfer des Neoliberalismus persönlich zu Handlangern machen. Dann geht’s aber nicht darum, einen aufgebrachten Mob zur Lynchjustiz zu ermutigen - es geht dann darum, diesen Versager schnellstmöglich aus dem Amt zu befördern oder zur Abkehr von seinem Angriff zu zwingen. Mit Blick auf eine Psychologie der Massen, ist das nicht offensichtlich verhängnisvoll, weil kein Hass gegen Personen geschürt wird.

Es kommt in der Boulevard-Sprache also auf Genauigkeit in der Semantik unter Nutzung einfacher Grammatik an.

In Hinsicht auf eine Gegenmacht in der Zivilgesellschaft treten dann zwei verschiedene Lager gegeneinander in der gleichen Arena an: Passives Geldkapital und Erwerbstätige (ohne besonders große Einkommen) versuchen die Legislative zu beeinflussen - also politische Entscheidungen. Mit Blick auf die letzten Jahrzehnte hat das Geldkapital den besseren Job gemacht - aufgrund der Asymmetrie verfügbarer Ressourcen hatten sie es bisher auch leichter.

Die haben alle Dreck am Stecken. Claudi hat unter meiner Anleitung nur 5 Minuten recherchiert:

Schrauben-Milliardär Würth: Wie sein „Museum" als Firmenvermögen am Fiskus vorbeischrammt

Freier Eintritt, gutes Gewissen – und ein Steuertrick, den kaum einer durchschaut.

15 Museen und Kunstkabinette in ganz Europa, mehr als 20.000 Kunstwerke, elf Millionen Besucher. Würth feiert sich als Mäzen der Nation. Was er seltener erzählt: Seine Kunstsammlung gehört nicht ihm privat – sie steckt im Betriebsvermögen seiner Firma.

Der Trick ist so simpel wie genial: Wer Kunst als Firmenvermögen statt als Privatbesitz führt, holt sich Steuervorteile, die Privatleuten verwehrt bleiben. Die “Museen” sind dabei oft nicht mal eigene Gebäude – sie sitzen direkt in den Verwaltungsbauten der Firmenniederlassungen. Ausstellungsraum und Bürotrakt, eine einzige Adresse.

Und das ist nur die Spitze. Schon 1987 packte Würth sein gesamtes unternehmerisches Lebenswerk in fünf Familienstiftungen. Ergebnis: Der Zehn-Milliarden-Konzern wird heute aus der Schweiz gesteuert, geführt von Tochter Bettina – als Schweizerin trifft sie keine deutsche Erbschaftssteuer. Ein Schweizer Wirtschaftsmagazin nannte die Methode unverblümt beim Namen: identisch mit der anderer deutscher Milliardärsdynastien, die sich vor dem heimischen Fiskus in Sicherheit bringen.

Und vorbestraft ist er auch noch: 2008 akzeptierte Würth einen Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung – 700 Tagessätze, macht ihn offiziell zum Straftäter. Der Vorwurf: Bei der Verbuchung von Konzernkosten zwischen 1999 und 2001 wurde kräftig zugunsten einer einzigen Gesellschaft gemauschelt. Drei weitere Verfahren gegen seine Manager wurden nur gegen Zahlung von 1,5 Millionen Euro eingestellt.

Fazit: Freier Eintritt ins Museum fühlt sich großzügig an. Strukturell ist er Teil einer Vermögensarchitektur, die dafür sorgt, dass der Staat von Würths Milliarden möglichst wenig sieht – während die Öffentlichkeit ein paar Bilder zu sehen bekommt und sich dafür bedanken soll.

Den Text könnte man noch schärfer formulieren, aber das soll einstweilen genügen.

Auf echte Sünder (Gates, Würth, alle Milliardäre) muss LINKS! zeigen, Sündenböcke brauchen wir nicht.

könnte klappen :rofl: , dann bräuchte man aber auch ne gute Rechtsabteilung.

Im Gegensatz zu Florida-Rolf wird Schrauben-Reinhold wahrscheinlich seine Anwälte losschicken…

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So macht man sie lediglich zur Projektionsfläche, an der sich die Gemüter abarbeiten können. Die tatsächlichen Missstände sind, dass es Gesetze oder auch Gesetzeslücken gibt, welche von diesen Figuren ausgenutzt werden können. Das ist natürlich kein Zufall. Und gerade deshalb ist offensichtlich, dass die Politik gezwungen werden muss, die Regeln so zu ändern, dass so etwas nicht möglich ist. Eine Gegenfront zum Lobbyismus von Bill-Gates & Co.

Ich möchte mich nicht an den feinen Unterschieden und Zuordnungen zwischen den Begriffen „Sündenbock“ und „echte Sünder“ verbrauchen, weil das nicht relevant ist. Über Erfolg oder Misserfolg von Kampagnen unter Berücksichtigung ethischer Fragen entscheidet, ob man in der richtigen Arena steht und dort überzeugen kann. Persönliche Angriffe halte ich für weit weniger wirksam, als diese Fälle einfach als negative Beispiele zu benennen, mit denen begründetet werden kann, warum Änderungen durch politische Entscheidungen herbeigeführt werden müssen.

Wo verläuft für dich hier die Trennlinie? Konkret: Wo ordnest du meine beiden obigen Beiträge ein, bei persönlichen Angriffen oder negativen Beispielen?

und da kommen wir in der Diskussion von “Zivilgesellschaft” zu “öffentlicher Meinung”.

Noch schwerer zu fassen als “Zivilgesellschaft” aber vielleicht relevanter als “Begegnung im klassenlosen Verein” (da lacht das Mitglied im Golf-Verein kurz auf und verkippt ein wenig Champagner)

Da bist du aber im Fordismus stecken geblieben. Wir hatten hier irgendwo ein Text von Deleuze, wo Unternehmertum eher als Idee und Abstraktum beschrieben wurde. Digitalisierung, Netzwerkeffekte, Informationen und diese atypische Arbeitsverhältnisse sind eher standard. Es ist noch nicht mal klar, ob dieses Wort Klassengesellschaft ankommt.

Ich ordne sie überhaupt nicht ein - würde aber Interessierte ermutigen, das selbst zu tun. Kriterien zur Zuordnung sind bereits angeboten worden, und es steht jedem die Möglichkeit offen, sich selbst Merkmale auszudenken, mit denen man erkennen kann, an welchem Punkt ein Hebel ansetzt. Ob Wirksamkeit erwartet werden kann, lässt sich mit Blick auf vergleichbare Kampagnen und Methoden durch Empirie ermitteln. Die wirksamste Methode in der richtigen Arena zu finden - das kann eine Bewegung nach vorn erlauben.

Meine Meinung: Man sollte dabei kühl bleiben und Aufmerksamkeit nicht mit Wirksamkeit verwechseln.

Du kannst dir die Frage deshalb einfach selbst beantworten. Auf jeden Fall ist aber an Hebeln gezogen worden.

… Ich gebe das Kapitel aus dem Buch “Klassengesellschaft akut. Warum Lohnarbeit spaltet und wie es anders gehen kann.” von Nicole Mayer-Ahuja aus dem Jahr 2025 wieder… Du kommst mir mit “ich bin stecken geblieben” und Deleuze…

Ich habe dieses Buch gekauft und gelesen um zu gucken, wie jemand anderes argumentiert und wie der Teil “und wie es anders gehen kann” eingelöst wird…

(Jetzt können wir über Deleuze philosophieren, bedeutungsschwanger nicken, Belesenheit darstellen…)

Ja… ich hab dein Post nicht wirklich … gelesen … oder verstanden …

Wer ist Nicole Mayer-Ahuja?

:wink: Ich möchte einen weiteren Ankerpunkt anbieten, der konkrete Fragen zu Sündern, Sündenböcken, geeigneten Arenen für Gegenmacht, Diskursausrichtung, wünschenswerten Änderungen (und so weiter) etwas abstrakter aufnimmt. Er trägt auf eine - wie ich finde - schöne Art etwas Allgemeingültiges, mit Blick auf die Gestalt eines denkbaren Staates.

Vorab: Meiner Meinung nach müssen alle Hebel, die eine Gegenmacht nutzt, auf das Wirken des Staates (oder dessen Versagen) zeigen. Adressat ist immer die Politik (Regierung, Parlament). Der Staat begegnet allen und allem auf seinem Territorium auf drei Ebenen: Legislative, Exekutive, Judikative.

Die Politik arbeitet definitionsgemäß in der Legislative - sie macht Gesetze.

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Kant schreibt im Jahr 1795 im „Ersten Zusatz: Von der Garantie des ewigen Friedens” u.a.:

Das Problem der Staatserrichtung ist, so hart wie es auch klingen mag, selbst für ein Volk von Teufeln (wenn sie nur Verstand haben) auflösbar und lautet so: ‚Eine Menge von vernünftigen Wesen, die insgesamt allgemeine Gesetze für ihre Erhaltung verlangen, deren jedes aber insgeheim sich davon auszunehmen geneigt ist, so zu ordnen und ihre Verfassung einzurichten, daß, obgleich sie in ihren Privatgesinnungen einander entgegen streben, diese einander doch so aufhalten, daß in ihrem öffentlichen Verhalten der Erfolg eben derselbe ist, als ob sie keine solche böse Gesinnungen hätten.’

… Allein der Zeitpunkt, zu dem dieser Text von Kant verfasst wurde, zeigt, dass wir uns nicht mit neuen oder modernen Problemen herumschlagen. Es ist ein ewiges Ringen.

Schade.

Als frischgebackenem Herausgeber und Chefredakteur von LINKS! fehlt mir leider die Muße, 188 Beiträge nach den „angebotenen Kriterien“ zu durchforsten. Redaktionsassistentin Claudi hat folgendes identifiziert:

Beitrag #128 (Ernst, 16. Juni) – die „vier Vorzeichen“

Im Vergleich zwischen BILD-Grammatik und einem linken Boulevard-Format nennt Ernst vier unterscheidende Achsen:

  • Richtung: nach oben (gegen Mächtige) statt nach unten (gegen Schwächere)

  • Wahrheitsgehalt: faktisch gedeckt statt erfunden/diffus

  • Leserbild: Ansprache an einen mündigen, urteilsfähigen Leser statt an reine Gefolgschaft

  • Zweck: Überleitung zu einer politischen Forderung/Handlung statt Empörung als Selbstzweck

Das hieße für den Gates-Artikel:

Richtung: Check!

Wahrheitsgehalt: Check!

[Sowohl Gates‘ Epstein-Kontakte wie die Aktiengewinne mit Biontech sind bestens belegt.]

Leserbild: Ist mir ehrlich gesagt völlig wurscht.

Zweck: Ausbaufähig. Ergibt sich nach und nach aus der Artikelserie zum Thema. Gerade in Arbeit:

WIE TAGESTHEMEN-ZAMPERONI BILL GATES ZU MILLIONENGEWINNEN VERHALF

Das als Einstig in eine Artikelserie zur Aufarbeitung des ÖRR-Versagens während Corona. Die politische Forderung - Neuorganisation des ÖRR - ergibt sich daraus von selbst.

Dazu das Stiftungswesen, die korrupte WHO - das wird man allmählich ins Visier nehmen müssen. Steter Tropfen…



Übrigens wird die Hauptaufgabe von LINKS! zunächst darin bestehen, Begrifflichkeiten neu zu sortieren. Woke ist nicht LINKS! Kriegstreiberei auch nicht. Und kein Land in der EU wird von „Linken“ regiert.

Wie bekommt man solchen Schwachsinn wieder aus den Köpfen raus?

Eine Sisyphus-Aufgabe. Der olle Kant wird mir dabei nicht helfen können.