(“Bedeutungslos” im Sinne von “keine konkrete Bedeutung hinterlegt” nicht “für mich unwichtig”)
(Hier wäre eine schöne Diskussion möglich, ob es denn einen Gewinn darstellt Sorgetätigkeiten als “Arbeit” zu einer handelsfähigen Dienstleistung zu machen, womit man zwar Reproduktionsarbeit erfassen könnte, aber einen weiteren Sektor Markmechanismen unterwirft….das muss wohl an anderer Stelle diskutiert werden.)
Stimmt. In diesem Punkt geht es darum, die aktuelle Deutungshoheit komplett in Schutt und Asche zu legen. Rechte Narrative müssen plausibel widerlegt werden. Woke ist progressiv, aber keinesfalls ohne weiteres links. Das hängt von der Haltung des jeweiligen Menschen zu einzelnen Fragen ab. Ich nenne die heterogene woke Formation in Gesprächen mit anderen immer „liberal progressiv“. Wenn ich sie politischen Strömungen zugeordne, fällt das uneinheitlich aus. Beispiele: Die Partei der GRÜNEN ordne ich in ihrer gesamthaften Erscheinung in meinem Koordinatensystem politisch auf der rechten Abszissenachse ein (Grund: Nationalismus, Militarismus). Falls ich irgendwann davon höre, dass Anton Hofreiter bedauerlicherweise mit Verletzungen aus einem Schutzgraben an der ukrainischen Front geborgen werden musste, denke ich aber nochmal darüber nach. Die Partei DIE LINKE würde ich (im Moment) im Koordinatensystem links verorten. Diese Partei ist sehr gut darin, mit drastischen Auftritten Aufmerksamkeit zu generieren. Sie schaffte es aber nicht, einflussreiche Instanzen mit Blick auf Realpolitik zu installieren. Möglicherweise wird sie ihren nächsten Niedergang erleben, wenn der öffentliche Hype durch ist. Bei Gelegenheiten, als Gegenmacht im Parlament wirksam zu sein, haben sie grandios versagt. Viel Show, wenig Substanz. Beide Beispiele sind liberal progressiv.
Ja, in alltäglichen Gesprächen und in Medienbeiträgen muss das Verständnis davon, was links ist, zurückerobert und konsequent korrigiert werden.
Genau in dieser Haltung sehe ich ein Kernproblem. Die Frage wäre doch, was genau man im Inneren des Lesers für ein Selbstbildnis aufbauen möchte. Wie soll Traktion entstehen, wenn nicht durch Multiplikationsfaktoren in Gestalt der Leserschaft - die in die Lage versetzt werden könnte, am Stammtisch handfest zu argumentieren? … In überzeugender Weise gegenüber jenen Wesen, deren Gehirne derzeit von der Springer-Presse okkupiert sind.
Damit zäumt ihr das Pferd von hinten auf. Der Zweck steht am Anfang! Man baut doch keine Maschine, um hinterher mal nachzudenken, was man damit machen kann. Ihr könntet als Alternative auch den Zweck miteinander verhandeln und definieren, bevor ihr den ersten Artikel zu irgendetwas veröffentlicht. Damit würdet ihr das Risiko verkleinern, dass das gesamte Engagement inkonsistent ist und ganz viel Mühe eines Tages wirkungslos im Universum verschwindet.
Stimmt beides. Und die Sisyphus-Aufgabe darf man in ihrer Bedeutung nicht unterschätzen.
Kant kann nur genutzt werden, um ein Zielbild zu formulieren und zu erkennen, dass die Aufgabe niemals endet - helfen kann er nicht.
und genau damit ist die Bedeutungslosigkeit bewiesen.
Jeder kann alles mit Liebe begründen. Oder mit Anstand, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit… positive Maximalwerte als kleine Monstranz vor sich hergetragen…
(und Care-Arbeit mit Liebe zu begründen bringt Dich zum genauen Gegenteil: Wenn Du es aus Liebe machst, wieso willst Du dann noch Geld? Liebst Du deine Kinder nicht genug? Ist Dir deren Wohlergehen nicht wichtig? Dann bist Du aber (Herr Bolz lässt grüßen): unanständig.)
Ich fände es trotz deiner Einwände sehr gut die Menschen würden Dinge aus Liebe tun.
Wettbewerb aus Liebe? Schwierig.
Konkurrenz aus Liebe? Schwierig.
Milliardär werden aus Liebe? Schwierig.
Es geht nicht darum linear Kritik am System zu üben, es geht darum um die Ecke zu denken denn der Gegner hat den Begriff Liebe längst für sich gekapert. Das ist emotional so viel stärker. Wie du ganz richtig festgestellt hast.
Mach dir ein paar schöne Gedanken und lenke die lineare kritische Haltung um. Und zwar mit ganz vielen Schnörkeln.
Joa, aber ein System interessiert sich für den erfolgreichen Vollzug nicht für deine privaten Gefühle.
Das Erziehungssystem mit Ganztagsbetreuung interessiert sich nicht dafür ob eine Erzieherin die Kinder liebt, die Arbeitskraft der Eltern (ob diese ihre Kinder lieben ist auch egal) soll freigesetzt werden.
Da kann man für sich immer noch auf einen positiven Emotionshaushalt hoffen, Klassenkampf ist aber keine Achtsamkeitsübung.
(da kann man sich mal in die “Positive Psychologie” einlesen und deren ideologischen Grundmauern und wird sich angeekelt abwenden.)
Du willst, dass Leute “richtige Dinge” aus den “richtigen Gründen” tun (Handeln) und diese “richtigen Gründe” schiebst Du auf eine innerpersonale unüberprüfbare Ebene (Fühlen).
(Da können wir jetzt eine lange Kette vom Freudomarxismus bis Norbert Bolz bilden.)
Das eine “andere Gesellschaft” möglich ist und diese “sich besser anfühlen” kann (der Anstieg psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmer*innen lässt grüßen) und man auf dem Weg dahin positive menschliche Kontakte haben kann (bei Semsrott: Technoparties), Solidarität etwas anderes ist als ein “Elendsverband”… das alles stimmt trotzdem.
Ich persönlich will überhaupt nichts von niemandem.
Alles was ich schreibe bezieht sich auf mich selbst und kommt aus mir selbst. Was ist meine Herangehensweise im Unterschied zu anderen Herangehensweisen, was ist aus meiner Sicht eine bessere Herangehensweise.
Deshalb kann man darüber diskutieren, Einwände dagegen formulieren oder noch bessere Herangehensweisen beschreiben.
Der breite Horizont aus viel Information gesammelt zu Wissen gemacht ist super!
Meine Kritik daran bleibt: Entwickelt aber keine Traktion.
Ich hab Beispiele genannt, ich hab dazu aufgerufen welche zu sammeln - keine Reaktion.
Ich kann Redaktionsassistentin Claudi einige Beiträge verknüpfen, die in direkter Linie zum Überbau ihres Fundes gehören. Die Reihenfolge ist chronologisch gegenläufig - also „vom Konkreten ins Abstrakte“. Wer die zeitlich korrekte Reihenfolge lesen möchte, braucht nur die Verknüpfungen von unten nach oben durchzugehen. Zwischen diesen Beiträgen gibt es eine Menge interessanter Diskussionen:
Das Modell der 4-Glied-Hebelkette (Theoriekram, den ich als echten Werkzeugkasten bezeichne. Die Funktion der Medien steckt implizit in Glied 1, wo sie gebraucht werden, um Missstände zu thematisieren und zu adressieren - in der „richtigen“ Arena - der Realpolitik, und nicht knapp oder weiter daneben)Mai-Salon: Gegenmacht, Kunstfreiheit und gute Literatur - #92 von Ernst
Lücken in den detaillierten Betrachtungen bestehen vor allem noch bei Sozialen Medien und ÖRR (ist beides in Arbeit), während das Boulevard-Blatt von Links schon ausgiebig im Forum diskutiert wurde (und teilweise noch wird).
Da du im Medienbereich tätig bist, möchte ich kurz auf die Punkte eingehen, die Beiträge von links gegenüber der Springer-Presse abgrenzen, statt deren Mittel einfach zu kopieren. Und es gibt solide sachliche Gründe, andere Ansätze zu wählen.
Formal teilen beide dieselbe Grammatik - je nach Zielgruppe. Der Unterschied liegt vollständig in vier Vorzeichen:
Richtung (oben statt unten)
Wahrheit (Deckung statt Erfindung)
Leserbild (Mündigkeit statt Gefolgschaft)
Zweck (Überleitung statt Selbstzweck = „Transport“ in die Arena der Realpolitik)
Die vier Kriterien habe ich mir nicht in einem Moment der Langeweile spontan ausgedacht. Sie sind das Ergebnis von aufwändigen Diskursen und umfangreichen Prämissen-Fragen.
Diese Kriterien stellen die absolute Reduktion einer linken Medienmethodik dar - eine essenzielle Grundlage.
Man kann sie mit einer lockeren Antwort vom Tisch wischen oder in Frage stellen - wenn allerdings nicht klar ist, welche Hebelpunkte stattdessen genutzt werden sollen, wird von vornherein auf viel potenzielle Traktion verzichtet.
Danke, @Ernst , für die Infos. Leider liegt hier ein Missverständnis vor - ich hätte das früher klarstellen sollen, sorry. Denn:
LINKS! ist nicht mehr als ein Gedankenexperiment, entstanden gestern während des ersten Kaffees aus einer Laune heraus beim Überfliegen einiger - aus meiner Sicht - zu theorielastigen Beiträge hier. Und die “Redaktionsassistentin” Claudi ist wie Stefans “Olivia” nichts weiter als eine Spielerei mit Claude von Anthropic.
Aber… Vielleicht ist es auch mehr. Der Versuch einer Wiederannährung an linkes Gedankengut nach der Entfremdung während “Corona”? Irgendwas in der Art wohl auch. Immerhin kann ich Stefan und Wolfgang wieder zuhören, ohne mich darüber aufzuregen, dass sie, ihrem damaligen “Papst” Drosten folgend, einen “harten Lockdown für Ungeimpfte” fordern oder ähnlichen Mist. Es nagt immer noch - aber allmählich wächst Gras darüber. Die aktuelle Arbeit der beiden zu Krieg und Rüstungswahn finde ich richtig und wichtig.
”Im Medienbereich tätig” bin ich ganz sicher nicht. Spaß am Schreiben, das schon.
Nochmal sorry. Ich hoffe, du fühlst dich von mir nicht verarscht. Den Thread lese ich am Wochenende mal vollständig durch.
Danke für die Aufklärung. Ich fühle mich nur ein bisschen verarscht - es überwiegt, die angenehme Überraschung über deinen Rock‘n Roll. Das ist mir lieber, als verbissene Gemüter - was keine Einladung zum weiteren Verarschen ist.
Ich rede über Traktion linker Kampagnen. Du redest dann über meine von dir imaginierte menschliche Seite und merkst es noch nicht einmal. Du stellst fest was ich will und wie ich glaube wie ein erstrebenswertes Leben aussehen sollte. Das mit deinem Hintergrund ist schon krass. So wenig Abstraktionsvermögen? Ernsthaft?
Das ist Ebenenverschiebung allerbester Güte mit Autoritätsargument obendrauf.